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  1. Inaktiver User

    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Auch Zulassungserweiterungen müssen geprüft werden. Anekdotische Berichte über ein paar Hanseln reichen nicht aus, um eine Wirksamkeit zu belegen.
    So ist es. Im Eingangsbeitrag wird der Fall einer Patientin mit einem Glioblastom geschildert.

    Die mittlere Überlebenszeit bei dieser Tumorart beträgt zwar nur ein paar Monate, aber ein gewisser Prozentsatz der Patienten lebt nach der Standardbehandlung noch einige Jahre lang.

    Sabine Kloske dürfte eigentlich nicht mehr leben. Vor mehr als zwei Jahren wurde bei ihr ein Glioblastom diagnostiziert. Dieser schnellwachsende, bösartige Hirntumor gilt derzeit als unheilbar.
    [...]
    Doch es kam anders: Seit mehr als zwei Jahren ist der Tumor nicht zurückgekehrt. Das liegt weit jenseits der ärztlichen Prognose.


    Die Ärzte werden der Patientin (wahrheitsgemäß) mitgeteilt haben, dass die Prognose sehr schlecht ist. Ob in diesem Einzelfall der Einsatz von Methadon entscheidend war, oder ob die Frau auch unter der üblichen Therapie verhältnismäßig lange gelebt hätte, kann man natürlich nicht sagen. Da müsste man die Überlebensrate in einer größeren Patientengruppe betrachten.

    Der Satz "...dürfte eigentlich nicht mehr leben." ist natürlich Unsinn.

  2. gesperrt Avatar von Ebayfan
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Meine Sportkameradin hätte schon tot sein sollen, als wir uns kennenlenten. Sie hatte auch ein Glioblastom. Aber bei ihr bekam man es operativ nie ganz weg. Es wurde immer was weggeschnitten, sie bekam Chemo, dann wieder und nochmal. Bis sie abgemeldet wurde und nicht wiederkam. Ich weiß nicht, ob sie überhapt noch lebt. Es müssen jetzt ca. 8 Jahre nach der ersten Diagnose sein.

    Sie meinte mal zu mir, sie fände es besser, ihr Arzt würde alles rausschneiden. Aber der meinte nur, das ginge nicht, der Schaden würde zu groß.

    Wenn also bei dieser Patientin nichts mehr zu sehen ist, ist sie damit ein Stück weiter, als meine Bekannte erreichen es konnte. Trotz einer weit überdurchschnittlichen Überlebenszeit.

    Deswegen kann es schon sein, dass Methadon den Unterschied bewirken konnte. Muss natürlich nicht.

  3. Inaktiver User

    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von Ebayfan Beitrag anzeigen
    Deswegen kann es schon sein, dass Methadon den Unterschied bewirken konnte. Muss natürlich nicht.
    Das ist der Punkt. Aus solchen Einzelfallschilderungen kann man immer nur den Schluss ziehen, dass eine Wirkung da sein kann aber nicht muss.

    Man kann und soll die enge Verzahnung von finanziellen Interessen und klinischer Forschung durchaus kritisch sehen.

    Aber diese Art von Tränendrüsen-Journalismus erscheint mir auch problematisch. Hier das Heilmittel, das in Reichweite ist und von der bösen Pharma-Lobby torpediert wird, dort die Patientin, die auf wundersame Weise dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Leben und Tod, Helden und Schurken. Die Realität ist eben doch komplizierter.

  4. gesperrt Avatar von Ebayfan
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Spontanheilungen können auch jede Studie verfälschen. Aber es gab sie schon immer.

  5. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist der Punkt. Aus solchen Einzelfallschilderungen kann man immer nur den Schluss ziehen, dass eine Wirkung da sein kann aber nicht muss.

    Man kann und soll die enge Verzahnung von finanziellen Interessen und klinischer Forschung durchaus kritisch sehen.

    Aber diese Art von Tränendrüsen-Journalismus erscheint mir auch problematisch. Hier das Heilmittel, das in Reichweite ist und von der bösen Pharma-Lobby torpediert wird, dort die Patientin, die auf wundersame Weise dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Leben und Tod, Helden und Schurken. Die Realität ist eben doch komplizierter.
    Viel komplizierter, genau.

    Und wenn der Hintergrund ein Stück weit fehlt und sich nur vom vermeintlich gesunden Menschenverstand leiten lässt, bringt das die Diskussion nicht weiter.

    Ein "ich würde" und "man sollte" man für den jeweiligen Laen und vielleicht noch seine direkte Umgebung einleuchtend erscheinen. Unter Berücksichtigung der Gesetzgebung auf der einen Seite und der Würdigung der medizinischen Tatsachen (ganz banal: kein Tumor ist wie der andere, täglich werden neue Mutationen entdeckt, die ganz extrem die Wachstumscharakteristik und das Ansprechen auf die verschiedensten Therapien einzelner Tumoren beeinflussen etc.) kann sich ein ganz anderes Bild ergeben.

    Ein bisschen ist das so, als würde ich mich über Verbrennungsmotoren oder Versicherungsmathematik schwadronieren, wozu ich zwar vielleicht eine Meinung aus dem Baucgh raus habe, mir aber schon die Grundkenntnisse fehlen..
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin


  6. Registriert seit
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Man kann und soll die enge Verzahnung von finanziellen Interessen und klinischer Forschung durchaus kritisch sehen.

    Aber diese Art von Tränendrüsen-Journalismus erscheint mir auch problematisch. Hier das Heilmittel, das in Reichweite ist und von der bösen Pharma-Lobby torpediert wird, dort die Patientin, die auf wundersame Weise dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Leben und Tod, Helden und Schurken. Die Realität ist eben doch komplizierter.
    Jepp. Die Argumentation krankt überdies an einem Kernpunkt: In den Einzelfallberichten ist nicht von einer Behandlung mit Methadon als einzigem Medikament die Rede. Sondern von Kombinationsbehandlungen (Chemo plus Methadon). Vielversprechend erscheint also nicht der ausschliessliche Einsatz von Methadon. Sondern der Einsatz von Methadon als Wirkverstärker. Und da fällt dann die Mär von der profitorientierten Pharma-Lobby, die eine erfolgversprechende billige Behandlung verhindern will, in sich zusammen. Ein Wirkverstärker, der per besserem Behandlungserfolg den Umsatz bei den patentierten, profitablen Medikamenten erhöht, wäre nämlich (selbst wenn er an sich nicht patentierbar und billig ist) durchaus wirtschaftlich interessant.

    Nichtsdestotrotz wäre es natürlich generell begrüßenswert, wenn klinischen Studien nicht nur primär von der Industrie, sondern öfter auch von unabhängigen Stellen durchgeführt würden. Das würde aber bedeuten, dass man die jahrzehntelange Unterfinanzierung und den Drittmittelwahn an den Universitäten abstellen müsste. Das käme nicht nur der Studienqualität zugute, sondern würde auch die medizinische Ausbildung deutlich verbessern. Kostet aber halt ...

    Davon abgesehen scheint es ein allgemein menschliches Phänomen zu sein, dass gerade bei sehr bedrohlichen, angsterregenden Erkrankungen wie Krebs immer wieder neue Helden-Schurken-Wunder-ist-doch-alles-ganz-einfach-und-wird-nur-von-der-bösen-Lobby-unterdrückt-Stories erzählt werden. Als Angehörige eines Krebskranken habe ich praktisch im Wochentakt erlebt, dass mir Leute, die selbst nicht betroffen waren, die neusten (oder oft auch ältesten) Wundermittel, Krebsdiät etc., die natürlich alle von der bösen Industrie boykottiert werden, aber garantiert vieeeel besser als die evidenzbasierte Medizin helfen würden, angepriesen haben. Wenn man dann nachliest, dann stellt man praktisch immer fest, dass das angebliche Wundermittel durchaus schon im Rahmen der evidenzbasierten Medizin untersucht wurde, aber entweder keine oder bei weitem nicht so durchschlagende Erfolge erzielte, und / oder gravierende Nebenwirkungen hatte.

    Den Erkrankten und den mitbetroffenen Angehörigen nutzen diese Stories nichts. Manchmal schaden sie sogar, wenn sie zu belastender Verunsicherung oder sinnlosen, teuren und bisweilen auch quälenden Selbst- oder "Alternativ"behandlungen beitragen. Den eigentlichen Nutzen von solchen Stories haben nämlich die Gesunden, die sie so gerne erzählen. Die wähnen sich im Besitz eines unterdrückten Geheimwissens, dass sie vor der bösen, bösen Krankheit bewahren oder heilen kann. Kurz: Sie wollen eigentlich nicht helfen. Sondern ihr eigenes Ego stärken oder eigene Ängste im Zaum halten. Je nach aktueller Stimmungslage und Vehemenz der Erzählung löst das inzwischen bei mir nur noch Gähnen, Belustigung oder Verärgerung aus.

    @ebay ansonsten: zur ketogenen Ernährung lies mal

    https://www.psiram.com/de/index.php/Ketogene_Di%C3%A4t

    Und bevor du dich jetzt an "Langzeitergebnisse einer ketogenen Diät als Krebstherapie liegen bis heute (Stand: 2012) nicht vor" aus dem genannten Link aufhängst: Wenn du mal einen Krebskranken, der im späteren Stadium der Krankheit praktisch verhungert, weil der Tumor jede zugeführte Energie an sich zieht, über längere Zeit begleitet hättest, dann wüsstest du, warum kein vernünftiger Mensch diesen Erkrankten eine Diät über längere Zeit zumutet.

  7. Avatar von marylin
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Nun gut, ich komme aus der Forschungsbranche, aber auch ich sage: Wenn es Anhaltspunkte gibt, dass Methadon wirken könnte, ist es auch sinnvoll, in die Richtung (weiter) zu forschen. Es gibt ja auch große Absetzstudien, die nur initiiert wurden, weil man gemerkt hat, dass einige Patienten, die eigenmächtig ihre Medikamente abgesetzt haben, wider Erwarten nicht rezidivierten. Das hat man ja auch ernst genommen - warum sollte es in diesem Fall anders sein?
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  8. Avatar von Simpleness2
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Davon abgesehen scheint es ein allgemein menschliches Phänomen zu sein, dass gerade bei sehr bedrohlichen, angsterregenden Erkrankungen wie Krebs immer wieder neue Helden-Schurken-Wunder-ist-doch-alles-ganz-einfach-und-wird-nur-von-der-bösen-Lobby-unterdrückt-Stories erzählt werden.
    Es gibt sie aber nun mal tatsächlich die Lobbyisten, welche unangemessen stark Einfluß in der Politik nehmen, aus reiner Profitgier. Das ist u.a. immer mal wieder Thema in Sendungen in ARD und ZDF. Und deren seriösen Journalismus zweifle ich nicht an.

    Den Erkrankten und den mitbetroffenen Angehörigen nutzen diese Stories nichts.
    Im übrigen bin ich auch Angehörige.....Es bleibt jedem selbst überlassen wie er mit neuen Informationen umgeht und was er daraus macht. Wenn es für Dich nicht hilfreich ist, mag das so sein. Verallgemeinern lässt sich das aber nicht.

  9. gesperrt Avatar von Ebayfan
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Ich war auch mal Angehörige. Es hat einfach irgendwann keine Hoffnung, keinen Ausweg mehr gegeben. Methadon und eine andere Ernährung hätte man zumindest mal versuchen können. Zumindest Methadon hätte wenigstens lindernd gewirkt. Aber in der Beziehung wurden wir auch ziemlich im Regen stehen lassen. Es war einfacher, den Patienten mit Valium ruhig zu stellen. Das war wohl weniger aufwendig? Für den Arzt, nicht für uns.

    Überhaupt habe ich eine Art von Mindestengagement erwartet. Anstatt sowas wie ein Achselzucken, ein 'ist eben so'. Da kann man doch zusehen, wie man damit fertig wird.

    Ja klar, Ärzte sehen ständig, wie Leute vor sich hin krepieren. Aber für uns Angehörige ist das neu, abschreckend und demoralisierend.

    Ich hatte das zwar vorher schon mal bei einem Golfhamster erlebt, aber es ist etwas anderes, wenn so ein Tierchen keine Chemo, keine vernünftige Behandlung (mehr) bekommt, als wenn es einen Verwandten betrifft.

    Ich will sowas wirklich nie wieder erleben!


  10. Registriert seit
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    AW: Methadon als Krebsmedikament

    Zitat Zitat von Simpleness2 Beitrag anzeigen
    Es gibt sie aber nun mal tatsächlich die Lobbyisten, welche unangemessen stark Einfluß in der Politik nehmen, aus reiner Profitgier. Das ist u.a. immer mal wieder Thema in Sendungen in ARD und ZDF.
    Volle Zustimmung meinerseits.

    Zitat Zitat von Simpleness2 Beitrag anzeigen
    Und deren seriösen Journalismus zweifle ich nicht an.
    Und auch hier Zustimmung meinerseits: Die öffentlich-rechtlichen sowie einige Qualitätszeitungen sind auch meines Erachtens in Sachen seriöse Information immer noch die mit Abstand verlässlichste Quelle.

    Genau deshalb ärgert es mich allerdings, wenn in diesen meist verlässlichen Medien dann doch die eine oder andere unseriöse Story hereinrutscht. Oder wenn dort (wie bei der Methadon- Story) eine prinzipiell sinnvolle und interessante Information unseriös erzählt wird. Leider war das bei der bei dem hier diskutierten Beispiel meines Erachtens der Fall. Weshalb ich die Argumentation dort unseriös fand habe ich oben schon begründet.

    Zitat Zitat von Simpleness2 Beitrag anzeigen
    Im übrigen bin ich auch Angehörige.....Es bleibt jedem selbst überlassen wie er mit neuen Informationen umgeht und was er daraus macht. Wenn es für Dich nicht hilfreich ist, mag das so sein. Verallgemeinern lässt sich das aber nicht.
    Das tut mit leid. Aber du missverstehst mich: Neue Informationen (bzw. überhaupt Information über die Erkrankung, medizinische Möglichkeiten und deren Grenzen) fand und finde ich als Angehörige geradezu überlebenswichtig.

    Ich würde halt nur auf die Wunderheilung-Räuber-und-Gendarm-Version gerne verzichten. Obwohl: Sie hat auch ihre Vorteile. Denn nahzu immer wenn eine Information so verpackt wird kann man davon ausgehen, dass sie wenig Gehalt hat und/oder schlecht recherchiert ist ...

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