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  1. Avatar von Strunzhuhn
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    "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Erst mal sorry, dass ich mit diesem Thema so drastisch und unverblümt umgehe.

    Ich habe meine Halleluja-Nachricht vorgestern erhalten. Sechs bis neun Monate soll ich noch haben. Laut CT-Scan geht es in meinen Eingeweiden zu wie in einem strotzenden Gemüsegarten.

    Ich habe aber überhaupt keine Lust zu gehen. Bis auf die Schmerzen, die sich recht prima mit Medikamenten im Griff halten lassen, fühle ich mich nicht mal krank.

    Habt ihr Berichte oder eigene Erfahrungen, wie Betroffene, denen ihr persönliches Verfallsdatum präsentiert wurde, aus Trotz und Widerspenstigkeit trotzdem länger gelebt haben?

    Ich könnte gerade eine gute Dosis an Optimismus-Vitamin gebrauchen.


    Unkraut vergeht nicht so schnell.

  2. Inaktiver User

    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Ich bewundere deine Haltung. Und ich verstehe, dass man da nicht drumrumreden mag, find ich absolut okay.

    Da bei mir vor kurzem auch eine unerfreuliche Diagnose im Raum stand (die sich gottlob nicht bestätigt hat) hab ich mich auch damit auseinandergesetzt, was, wenn mir das einer so sagt wie dir jetzt.

    Es gibt nix was es nicht gibt:

    Spontanheilung: Wenn Krebs von selbst verschwindet - SPIEGEL ONLINE

    Zum anderen denk ich: wir wissen alle nicht wann der Gong kommt. Und lieber geb ich den Löffel in drei Jahren wegen Krebs ab als morgen bei einem Autounfall oder nächste Woche bei einem Hirnschlag.

    Wir haben es nicht in der Hand.

  3. Avatar von twix25
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    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Liebe strunzhuhn, ich bin geschockt

    Ich find es echt mutig hier so ein Thema reinzubringen - schließlich kann es jeden von uns täglich treffen
    Und du gibst dir und uns die Möglichkeit voneinander zu lernen

    Mehr fällt mir im Moment leider nicht ein-ausser twix

    (kennst du den Strang/Gruppe) von neurosia?


    Doch, mir fällt was ein: eine Freundin bekam vor Jahren auch eine "nur so ganz kurze Zeit, Diagnose"

    Sie hat sich wirklich damit auseinandergesetzt und wirklich nur noch getan, was sich heute für sie richtig anfühlte!
    Egal ob sie sich morgen damit widersprach.

    Sie hat u a entschlossen, sich in einer hier bekannten Klinik als "versuchkaninchen " zur Verügung zu stellen

    Darüber mag man denken, was man will, aber es hatte definitiv den Vorteil, dass sie "bekannt" wurde
    Und m.E dadurch immer eine tolle Betreuung hatte

    Sie war aber echt sehr konsequent mit ihren jeweiligen Ein-und Auszügen aus Kliniken, Rehas, Hospiz

    (Phasenweise anstrengend)

    Fakt ist, sie hat noch einige Jahre gelebt und in dieser Zeit ist sehr !! viel Positives zwischen ihr, ihrer Familie, Freunden und ihr vorher noch nicht bekannten Menschen passiert.

    Also : Schau und spür gut hin, was du brauchst
    ************************************************** **************************************

    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"

  4. Inaktiver User

    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Zitat Zitat von twix25 Beitrag anzeigen

    Ich find es echt mutig hier so ein Thema reinzubringen - schließlich kann es jeden von uns täglich treffen

    Ja, und ich staune, wie viele Leute das komplett ausblenden.

  5. Inaktiver User

    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Ich traf heute meine Freundin, deren Verwandte vor einigen Monaten eine ähnliche Prognose bekam. Ihr wurde zu einer Chemo geraten - zur Lebensverlängerung. Sie hat während dieser Zeit allen imponiert, weil sie so sicher und ausgeglichen war. Inzwischen geht es ihr weniger gut, ihre Ausgeglichenheit hat sie beibehalten. Sie sagte zur Begründung: ich habe die Chemo zur Lebensverlängerung nicht gemacht um mir dieses verlängerte Leben nun selbst zu versauen.
    Recht hat sie, aber man muss das auch durchziehen können. Sie konnte und kann das bisher. Ich wünsche Dir, dass Du das auch schaffst.

  6. Avatar von Spadina
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    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Vor Jahren erhielt eine Kollegin mit Mitte 30 die Diagnose Eierstockkrebs. Man hatte sie aufgemacht und der ganze Bauch war voll mit Krebsgeschwüren. Man hat sie einfach wieder dichtgemacht, ihr eine Chemo angeraten und ansonsten auch geraten, ihre Dinge zu ordnen. Mit der Chemo vermutete man, ihr Leben um wenige Monate zu verlängern.

    Sie hat die Chemo angefangen und nach dem 2. Mal entschieden, nicht weiter zu kotzen. War in den 80ern so, aggressiv ohne Ende.

    Ihre Eltern hatten ein Haus in Spanien, wo sie sich immer gut gefühlt hatte und wo sie glücklich gewesen war. Dort wollte sie hin und auch sterben.

    Ihre Ehe war unglücklich, der Mann ging dauernd fremd. Den hat sie erst mal zum Teufel gejagt, sie ist nach Spanien gegangen und statt wie angedroht zu sterben, erholte sie sich. Nach einem Jahr war sie wieder zurück in Deutschland, fing wieder an zu arbeiten. Sie ist jetzt in Rente, von Krebs ist schon seit ewigen Zeiten keine Spur mehr zu finden.

    Heute sagt sie, das Aufräumen in ihrem Leben hätte sie gerettet, sie wäre nicht sie selbst gewesen, hätte sich zu sehr angepaßt, in ihr hätte es geschmort. Nach dem sie ehrlich zu sich selbst wurde, hat ihr Körper sich erholt.

  7. Avatar von Sariana
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    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Oder ... gute Ware hält sich.

    Liebe Strunzhuhn,
    iss und trink, was dir schmeckt und was du verträgst.
    Die Ärzte meiner Mum haben ihr seinerzeit gesagt, sie können keine Prognose abgeben, es kann in ein paar Monaten vorbei sein, in einem Jahr oder sie hat noch länger.
    1 1/2 Jahre nach der Diagnose und großer Unterleibs-OP wurde sie noch einmal operiert. Ihr wurde ein Bronchialkarzinom entfernt. Danach sagte sie, dies sei die letzte OP - dann sei Schluss.
    Sie hatte von der Diagnose weg, mit eben dieser Unterbrechung, noch 4 Jahre, die sie ganz bewusst genießend verleben durfte. Sie hat gekocht und gebacken, was sie mochte, sich gekauft, was ihr Herz erfreute.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du trotz der Diagnose eine gute Zeit hast
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  8. Avatar von Vivi23
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    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Well, Strunzhuhn, was einen herb trifft, kann man wahrscheinlich nur so auch mitteilen.

    Eine Freundin von mir, urplötzlich aus dem Nichts konfrontiert mit Eierstockkrebs Grad 4, sagte, sie gedächte nicht, daran zu sterben. Sie hat sich komplett auf den positiven Ausgang konzentriert. Nicht im Internet recherchiert, nicht nach Chancen und Prognosen gefragt. Sich selbst stark gemacht. Ihr neues Leben mit allen Einschränkungen angenommen.

    Das war vor 2,5 Jahren. Sie lebt noch, derzeit gegen ein Rezidiv kämpfend. Mit Erfolg, wie es aussieht.

    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest und soviel Zeit schindest, wie es geht. Gute Zeit!

  9. VIP Avatar von katelbach
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    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Liebe Strunzhuhn,

    eine Freundin von mir hatte ein sehr großes Ovarialkarzinm und bei der Primär-OP musste man zusätzlich wegen einer metastasierung ins Bauchfell recht radikal operieren. Die angeratene Teilweise Entfernung des Darms etc. hat sie verweigert, ebenso wie die postoperative Chemotherapie. Auch sie wurde mit einer relativ exakten Prognose bezüglich der Überlebenszeit konfrontiert, es hieß "maximal ein Jahr". Sie hat nach der OP noch 9 Jahre gut gelebt und starb mit 47 an den Folgen einer Hirnblutung.

    "Überlebenszeiten" sind immer statistische Zahlen, bei denen es gewaltige Ausreißer gibt (und zwar nicht wenige; es sind die, die für die hohen Standardabweichungen in der Statistik sortgen). Sie sind nie Aussagen für den Einzelnen.
    Aus diesem Grund sollte man, in den Gesprächen gar nicht konkret werden und Wochen, Moate, Jahre nennen.

    Ich glaube - ich kann es nicht sagen, weil ich nicht in dieser Situation stecke, aber ich war sehr, sehr nah dabei -, ich würde mir möglichst an einer Uni mit Expertise psycoonkologische Begleitung suchen, wenn möglich innerhalb einer Studie. Die Psyche beeinflusst das Immunsystem sehr stark (Psychoneuroimmunologie) und kann vielleicht mithelfen, mindestens ein Patt zwischen Mensch und Tumor bzw. Metastasen herzustellen.

    Was die medizinische Behandlung betrifft: hier ist es vielleicht ein Weg, an einer Studie teilzunehmen. Es sind eine Reihe zielgerichteter Therapien in der Prüfung, vielleicht passt gerade etwas: Antikörper, Immunmodulatoren, Signaltransduktionshemmer ... Sie wirken viel selektiver als herkömmliche Chemotherapien.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du einen guten Weg für Dich findest und dass es Dir lange so passabel geht, wie jetzt.

    Alles Liebe!
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin


  10. Registriert seit
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    6.300

    AW: "Ihnen bleiben nur noch wenige Monate" - keine Lust, den Löffel abzugeben

    Einen ähnlichen Fall wie den von Spadina kenne ich auch persönlich.
    Eine äußerst liebenswerte junge Frau mit Eierstockkrebs. Nach der Operation erfuhr sie, dass sich der Krebs bereits in der Bauchhöhle ausgebreitet hatte, sie nur noch wenige Monate zu leben hätte. Eine Chemotherapie wurde empfohlen, aber mit wenig Aussicht auf Besserung.
    Die Frau wurde so wütend, platzte regelrecht vor Wut, schrie rum. Nichts mehr mit Runterschlucken und liebenswürdig.
    Sie wollte nicht mal mehr die Chemo machen, nur noch das, worauf sie Lust hatte. Wohl zum ersten Mal in ihrem Leben.
    Und wurde gesund. Die Ärzte konnten es nicht glauben.

    Das war vor ca. 40 Jahren. Sie konnte durch die OP selbst ja keine Kinder mehr kriegen und hat deshalb ein Kind adoptiert. Sie lebt immer noch.

    Alles Liebe!

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