Thema geschlossen
Seite 1 von 34 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 331

  1. Registriert seit
    15.10.2018
    Beiträge
    19

    Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Vorab möchte ich mich entschuldigen, dass mein Post so lang ist – die Situation dürfte in vielerlei Hinsicht eher ungewöhnlich sein, und es macht sicherlich einen Unterschied, ob man alle Faktoren kennt, oder eben nicht. Ich kann es auch verstehen, wenn man nicht alles lesen will – aber dann bitte auch nicht unqualifiziert den eigenen Senf dazugeben.

    Wenn ich nur polarisieren und ein wenig gebasht werden wollte, würde ich es kürzer halten und mir ein Forum mit anderer Klientel suchen :-)

    Vorab, es geht um meine Kinder und meine Beziehung, und ich stehe gefühlt mit dem Rücken zur Wand und weiß nicht ein, noch aus.

    Ich habe mich vor 3 Jahren von meinem Ex-Mann, einem Franzosen, getrennt, nach über 10 Jahren. Wir haben zwei Söhne, 7 und 4. Die Trennung war eigentlich viel zu spät, schon kurz nach der Geburt des ersten Kindes wurde mir klar, dass alles an mir hängen blieb (und ich meine wirklich alles, vom Kind, über Haushalt, Finanzen, Versicherungen, Garten, Auto, Urlaub…) und ich habe ihm gesagt, dass sich das ändern müsse, weil ich nach der Elternzeit wieder 30 Stunden arbeiten würde. Er gelobte Besserung, es änderte sich aber nichts. Mir war kurz darauf klar, dass ich mich trennen muss. Wie das Leben so spielt, erkrankte prompt mein Vater an Krebs.

    Meinen Vater mit einer Trennung zusätzlich zu Belasten kam für mich zum der Zeitpunkt nicht in Frage, für mich war klar, dass ich die Füße still halten und mich arrangieren muss, bis der Krebs – so oder so - durchgestanden ist. Anderhalb Jahre später starb mein Vater dann nach unheimlichen Leiden relativ schnell und unerwartet wenige Tage nach einer Tumor-OP. Rund eine Woche nach seiner Beerdigung fiel mir Abends ein, dass mein großer Sohn ja in wenigen Tagen zwei würde, und dass 3 Jahre Abstand ja eigentlich der Altersunterschied war, den wir uns vor den Kindern immer vorgestellt haben. Kurz ausgerechnet, ob das vom Elterngeldbezugszeitraum her passen würde, grade auch Eisprung sein müsste (wir haben mit Kondom verhütet), Mann gefragt und Zack. Ein Schuss, ein Treffer. Darüber, dass das keine Entscheidung ist, die man so kurz nach einem Todesfall im engsten Familienkreis treffen kann oder sollte, brauchen wir nicht reden. Mein zweiter Sohn ist aus einer Kurzschlusshandlung resultiert, die ich wenige Wochen vorher und nachher ausgeschlossen hätte, denn weil die Ehe lief weiterhin mehr schlecht als recht. Absurd, traurig und einzig und allein mir zuzuschreiben, aber halt nicht ungeschehen zu machen. Glück im Unglück: der kleine Sohn ist zwar ein unheimlicher Trotzkopf, aber ansonsten recht besonnen und ein total verschmitztes, witziges Kerlchen.
    Fast Forward um zwei Jahre, die „mein Mann ist nicht Teil des Team“-Thematik wurde durch ein zusätzliches Kind natürlich nicht besser. Nach wie vor alles alleine gemacht, aber dafür mit zwei Kindern, und mit 35 Stunden. Konstruktive Gespräche (die wir immer haben und hatten, sehr saubere Kommunikationskultur) führten weiterhin nicht zu den nötigen Änderungen. Ich sagte ihm, ich wolle das nicht mehr, es würde sich nichts ändern und ich könne das so nicht. Er bat mich, uns „noch 6 Monate zu geben“, denn „jetzt ändere ich mich wirklich“. Natürlich tat er das nicht. Unsere Paartherapeutin sagte ziemlich genau ein halbes Jahr später, dass man „manchmal auch akzeptieren müsse, dass man alles versucht hat und die entsprechenden Schlüsse ziehen müsse“.

    Nach der Trennung sagte mein Ex-Mann, der ursprünglich meinte, er würde wohl wieder nach Frankreich gehen, wenn wir uns trennen würden, er würde gerne 50/50 probieren. Ich habe dem zugestimmt, wir haben einen Plan für unser Wechselmodell entworfen und das große Glück gehabt, wie erhofft Wohnungen in der alten Nachbarschaft zu finden, 100m auseinander (und das in München!!). Ich rechnete damit, dass er das Wechselmodell keine drei Wochen durchhält, immerhin sah er sich Jahrelang trotz drohender Scheidung außerstande, auch nur den Müll rauszubringen, wurde aber positiv überrascht. Jetzt, nach über 2.5 Jahren, praktizieren wir immer noch das Wechselmodell, den Kindern geht es allem Anschein nach gut damit. Er wird auch zunehmend besser, auch wenn viele Dinge bei ihm anders laufen, als bei mir. Die Kinder werden nicht sterben, wenn der Essensplan primär aus Fischstäbchen, Nudeln und Pfannkuchen besteht – und es gibt bestimmt auch noch Luft nach oben, denn mittlerweile wird auch regelmäßig Lego gebaut und die Kinder werden weniger oft mit Süßigkeiten vor dem Fernseher geparkt. Schuhe in der richtigen Größe kaufen und dass es einen Unterschied macht, ob der Geburtstagskuchen bei ihm gekauft oder selbstgebacken ist, lernt er bestimmt auch noch :-)

    Es ist natürlich schade, dass er sich erst nach der Trennung zusammengerissen hat und das mir zuliebe nicht getan hat, aber immerhin gibt er sich für die Kinder erfolgreich Mühe. Und auch wenn viele Dinge bei ihm von meinem persönlichen Ideal abweichen und vieles Übergreifendes (Geburtstage, Schulmaterialien, Freunde treffen, Arzttermine) primär über mich läuft, so haben es die Kinder bei ihm doch recht gut. Und, auch er arbeitet als Teilzeit-Alleinerziehender Vollzeit und alles funktioniert irgendwie „ganz ok“, das kriegen andere als Paar nicht hin – und unser Großer Sohn ist noch dazu zwar Herzensgut, neugierig und echt fix im Kopf, aber ist wirklich, wirklich schwierig und macht es einem schwer, ihm nicht nur negatives Feedback zu geben. Schwere ADHS, dadurch unter anderem auch massive, komplexe Tics – zum Beispiel ständiges Ziehen am Kragen, Schubbern im Schritt, Jeans hochziehen, soweit es geht, alle paar Sekunden. Absolut zum Wahnsinnig werden. Auch hat er, und das ist viel schlimmer, erhebliche Probleme mit der emotionalen Selbstregulation, wird unfassbar schnell wütend und dann auch aggressiv, heult wegen Nichtigkeiten, als wäre es das Ende der Welt und fällt dadurch in der Schule negativ auf – zwei Wochen nach der Einschulung bat uns seine (sehr gelassene, nette, kompetente) Lehrerin zum Gespräch, er habe seinen Bleistift zerbrochen, aus Wut, dass sie während der Stillarbeit nicht direkt zu ihm gekommen sei, weil sie noch einem anderen Kind helfen musste… Auch avanciert er mehr und mehr zum Außenseiter, obwohl er sehr kontaktfreudig ist – nur wenige Kinder wollen etwas mit ihm zu tun haben  Übrigens wird es schlimmer, statt besser. Und ja, er bekommt Ritalin, weil es ohne in der Schule definitiv nicht ginge, geht zur Verhaltenstherapie und wir Sorgen dafür, dass er viel Möglichkeit bekommt, sich auszupowern.
    So viel zu den Grundvoraussetzungen – nun zum eigentlichen Problem.

    Ich bin seit etwas über zwei Jahren in einer neuen Beziehung. Ein ganz, ganz toller Mann, zumindest für mich. Genau mein Humor, genau meine Vorstellungen von Freizeitgestaltung, optisch genau mein Fall, organisiert, hat sein Leben im Griff, Sex ist der absolute Wahnsinn und spottet jeder Beschreibung, gleiche Zukunftsvorstellungen und Werte, beruflich sehr erfolgreich und noch dazu in der gleichen Branche und in ähnlicher Position wie ich (kennen uns durch die Arbeit und die ersten Treffen waren auf Konferenzen/Messen, die wir beide besucht haben), wir können also professionelle Themen super miteinander bouncen und helfen einander oft. Fühle mich bei ihm sehr sicher und muss nicht immer nur stark sein. Habe durch ihn bei mir emotionale Tiefen entdeckt, die ich so nicht für möglich gehalten hatte – habe noch nie jemanden so geliebt. Kurzum, das ist meiner, und, ich weiß, man kann sich auch auseinander entwickeln und die Liebe kann gehen, aber aktuell ist das der Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will. Er sieht das zum Glück auch so. Er mich zu verlieren würde er vermutlich nicht ohne erhebliche Schäden überstehen – ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass ich nochmal so wahnsinniges Glück hätte. Kurzum, wie im Film.

    Er ist Kanadier, und hat sich zwecks geografischer Nähe vor 1.5 Jahren von seiner Firma in deren europäische Dependance versetzen lassen - nach Bucharest. Vorher haben wir einander trotz der Distanz, auch, weil wir beide beruflich viel Reisen, oft auch an die gleichen Orte, uns zwar rund alle drei Wochen für eine Woche gesehen, aber genug war das natürlich nicht. Seit er dort ist, verbringen wir 9 von 10 Wochenenden miteinander, sind immernoch mehrmals im Jahr gemeinsam beruflich unterwegs, verbringen Urlaube gemeinsam und besuchen gemeinsam unsere jeweiligen Familien – also eine erhebliche Verbesserung. Trotzdem vermissen wir einander unter der Woche sehr, und unheimlich anstrengend ist das natürlich auch, vor allem für ihn, der meistens derjenige ist, der am Wochenende rüberfliegt, da ich einfach jedes zweite Wochenende die Kinder habe und Bucharest jetzt auch nicht unbedingt seine Lieblingsstadt ist.
    Er performt ganz gut mit den Kindern, das „häusliche Leben“ als Familie funktioniert gut. Er ist mit den Kindern relativ streng und hadert aber merklich mit meinem Großen, was ich ihm ehrlich gesagt nicht verübeln kann. Wenn ein Kind die eigenen Eltern täglich an den Rand der Verzweiflung bringt, wie soll ein Stiefelternteil dann ein großer Fan werden?

    Klar war immer, dass die Fernbeziehung kein Zustand für immer ist, sondern wir schauen, wie alles läuft, und wenn es weiterhin gut läuft, früher oder später zusammenziehen wollen und müssen.
    Die von mir am wenigsten favorisierte Situation war immer, dass er hierhin zieht – klar, logistisch ist das am einfachsten, aber eine Stelle, wie er sie aktuell hat (er führt rund 100 Leute), würde er hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht finden, und berufliche Bestätigung ist ihm sehr wichtig. Auch wäre er in einem fremden Land, müsste die Sprache lernen und Freunde und Familie komplett hinter sich lassen – klar, man findet neue Freunde, aber er ist auch eher introvertiert und verschlossen. Meine Sorge war und ist, dass das eine unheimliche Belastung für die Beziehung wäre, er mich unbewusst für Dinge, die nicht gut laufen verantwortlich machen würde. Ein schlechter Start, der vielleicht der Anfang vom Ende wäre, und auch so einfach nicht zu revidieren ist, vorallem beruflich.

    Bei mir selbst weiß ich, dass ich ohne Probleme einen gleichwertigen Job in seiner Heimatstadt finden würde (…und auch zukünftige Jobwechsel einfacher wären, als hier, weil unsere Branche dort besser vertreten ist), ich schnell einen neuen Freundeskreis aufbauen würde, weil ich sehr offen und extrovertiert bin, die Wohnsituation einfacher wäre (wer in München oder Umland wohnt, weiß, dass ein kleines Reihenhaus außerhalb hier mittlerweile ziemlich genau 1m € kostet, wenn man denn etwas findet – dort fangen Häuser im Stadtgebiet mit Garten und 2-3 Kinderzimmern bei umgerechnet 300k€ an) und die Kinder, da ohnehin zweisprachig Deutsch/Französisch aufwachsend, mit der Schulsprache Französisch in Quebec kein Problem hätten. Auch weiß ich, dass mein Ex-Mann von den hiesigen Immobilienpreisen extrem genervt ist, und gerne etwas kaufen würde (hier einfach nicht machbar ohne zwei sehr gute Gehälter), er spricht auch nach 10 Jahren in Deutschland immer noch kein Deutsch (!), ist beruflich unzufrieden, hat kaum Freunde und fährt auch aktuell 8 Stunden zu seiner Familie – von dort aus wären es 7 Stunden Flug, beruflich hätte er bessere Aussichten und auch von der Sprache her würde es besser passen. In meinem Kopf war also klar, dass auch für ihn ein Umzug die bessere Lösung wäre und die Kinder so weiterhin beide Elternteile 50/50 sehen könnten.

    Vor rund einem Jahr fragte ich meinen Ex-Mann also, was er davon hielte. Nein, er hätte es hier bequem, und außerdem habe er keine Lust auf lange Winter, und Flüge wären ja auch teuer, und außerdem hätte er ein Problem damit, seiner Ex-Frau „hinterherzuziehen“. Uff. Mist. Da er schon öfter meinte, dass wir uns darüber im Klaren sein müssten, dass dauerhaft 50/50 unrealistisch sei weil wir sicherlich nicht immer am gleichen Ort wohnen würden und wir deshalb irgendwann auch Szenarien durchsprechen sollten, in denen einer die Kinder seltener sieht (was ich ursprünglich komplett abgelehnt habe, da ich der Meinung war/bin, dass eigentlich niemand umziehen MUSS, wenn er nicht will), fragte ich ihn vor rund einem halben Jahr, ob er denn damit einverstanden wäre, wenn ich die Kinder mitnehmen würde und sie die Ferien bei ihm verbrächten, er könne sie natürlich auch während der Schulzeit immer besuchen. Nein, das wäre für ihn auch keine Option, es sei denn, es wäre umgekehrt.

    Ich war dementsprechend geknickt, weil ICH nun nichts mehr tun konnte, um die Situation zu verändern, obwohl der Status Quo nur eine Krücke ist. Gefangen, ausgeliefert.

    Mein Freund war natürlich auch enttäuscht. Die einzige Option war somit, dass er hierhin zieht, und er begann, sich umzuschauen.

    In der Zwischenzeit hat wohl die Fernbeziehung bei uns erhebliche Spuren hinterlassen, ist einfach eine sehr belastende Situation. Ich bin seit mittlerweile zwei Monaten mit einem Burn-out zuhause (und in Behandlung) und habe definitiv immer noch eine erhebliche Depression. Wer hätte das gedacht – auf Dauer quasi alleinerziehend mit zwei Kindern (eins davon sehr schwierig) bei Vollzeit und viel Reisetätigkeit, bei einer total toxischen Firma, der man die Hand reicht und sie nimmt kommentarlos den ganzen Arm, plus jeden Sonntagabend in ein riesen Loch fallen, weil der Partner weg geht und einem der Rückhalt dann fehlt, ist ungesund. Bei mir hat sich das sehr schleichend entwickelt, vor einem dreiviertel Jahr merkte ich das erste mal, dass ich plötzlich anders bin, trauriger, weniger belastbar, zynisch, wenig Geduld, kriege nicht mehr alles mit links und einem Lächeln hin wie früher. Bei meinem Freund sehe ich jetzt die gleichen Warnzeichen auch, er sagt oft, er kann nicht mehr, der Tank ist leer, die Kraft fehlt. Auch ihm wird immer klarer, wo das gerade hin geht.

    Die Fernbeziehung ist offensichtlich nicht mehr haltbar und macht uns beide kaputt. Es muss etwas passieren.

    Die letzten Wochen haben wir viel darüber geredet, dass es so nicht weitergeht und sich schnell etwas tun muss. Gestern eröffnete er mir nun, dass er gerade unheimlich unter allem Leiden würde und er sich vorallem nicht sicher wäre, ob ein Umzug hierher wirklich das Beste wäre, oder ob das nicht zum scheitern verurteilt wäre, ich hätte recht mit dem „schlechten Start“, er glaubte, er würde es mir dann unweigerlich übel nehmen, dass er alles zurücklassen müsse, um dann bei uns zu wohnen, wo er sich nicht einmal sicher wäre, ob es nicht unnormal wäre, dass er Probleme hat, meinem großen Sohn Positives abzugewinnen, die Wochenenden, an denen ich die Kinder habe, seien für ihn fast nur belastend. Er würde also alles aufgeben, Freunde, Familie, Beruf, Umfeld, um im Gegenzug dann noch mehr Zeit und „für immer“ mit den Kindern zu verbringen, und vorallem mit einem Kind, auf dass er oft innerlich wütend ist, nicht nur, weil er selbst überfordert ist, sondern auch, weil er sieht, dass es auch für mich anstrengend ist. Seine Gedanken würden sich aktuell ständig im Kreis drehen – er will unbedingt mit mir zusammen sein, hat aber vor der Lebenssituation und den potentiellen Resultaten Angst, würde überlegen, ob wir nicht, trotz inniger Liebe, ernsthaft überlegen sollten, ob wir objektiv gesehen im Resultat nicht einfach schlecht füreinander wären.

    Ich bin natürlich aus allen Wolken gefallen, war sauer, fand es ungerecht, unverhältnismäßig (so schlimm kann ein Umzug doch eigentlich nicht sein…). Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich es aber nachvollziehen. Er würde unheimlich viele Dinge aufgeben, was die Beziehung schon für sich genommen kaputt machen könnte, und ZUSÄTZLICH noch 50% der Zeit mit einem Kind verbringen, dass einfach echt keinen Spaß macht – auch mir nicht. Kinder bereuen ist ja ein absolutes Tabuthema, aber wenn ich ehrlich bin: wenn ich gewusst hätte, dass mein großer Sohn so wird, wie er eben ist, dann hätte ich den Zyklus verhütet. Und das für sich genommen ist eigentlich schon schrecklich genug.

    In Summe würde er also ganz viele Dinge bekommen, die er einfach wenn er ehrlich ist NICHT will, und ja, er liebt mich sehr und er will mich nicht verlieren, aber ist eine Beziehung und Liebe es Wert, ALLES andere zu verlieren?
    In Kanada kann er sich ein Leben mit den Kindern besser vorstellen, weil auf der Haben-Seite mehr wäre, Familie, Freunde, Job, Umfeld blieben gleich, anstrengendes Kind wäre der einzige „Nachteil“, und mit dem Kleinen hat er kein Problem.
    Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mit ihm zusammen zu sein. Die Vorstellung gruselt mich, ich habe das Gefühl, dass im Moment das Einzige, was in meinem Leben gut läuft, worauf ich mich freue und woran ich mich festhalte diese Beziehung ist.

    Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Wenn er nicht hierhin will/kann, was ich nachvollziehen kann, und mein Ex-Mann nicht will, dass ich die Kinder mitnehme bzw. nicht selbst umziehen will, (was ich nicht nachvollziehen, aber auch nicht ändern kann) was kann ich da tun?

    Ich kann mich doch nicht zwischen meinen Kindern und dem, was ich, und ich bin ja jetzt auch keine 20 mehr, als große Liebe meines Lebens bezeichnen würde, entscheiden? Mein Freund sagt, das sei gar nicht der Punkt, das würde er gar nicht wollen oder verlangen, das sei absurd, deshalb täten ihm seine Überlegungen ja so weh, weil er sich zwischen mit-mir-aber-alles-doof und ohne mich entscheiden müsste. Aber ICH komme nicht umhin, es so zu sehen.

    Ich kann und will ihn nicht verlieren. Meine Kinder will ich auch nicht „verlieren“, und ich glaube, dass ich objektiv gesehen ein kompetenterer Elternteil bin als der Vater der Kinder, und kann mir eigentlich nicht vorstellen, sie nicht regelmäßig zu sehen und „auszubügeln“, was der Vater vielleicht nicht ganz so optimal macht. Aber auf der anderen Seite: sie haben es auch nicht schlecht bei ihm, und vielleicht ist es besser, eine glückliche, entspannte Mutter 12 Wochen im Jahr zu sehen, als eine totunglückliche 26 Wochen? Ist es legitim zu überlegen, dass Partner und 12 Wochen Kinder unterm Strich mehr ist, als 26 Wochen und den Partner ziehen lassen? Habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank und das ist eine absolute absurde Idee?
    Wie würden meine Kinder damit umgehen? Wären sie mir für immer sauer? Würden sie vielleicht, jetzt oder später, den Wunsch äußern, zu mir zu kommen, was ich sehr hoffen würde, wovon ich aber nicht ausgehen kann? Wie würde ich mit dem gesellschaftlichen Stigma umgehen, auch im eigenen Umfeld? Einem Vater würden die meisten in dieser Situation vermutlich raten, doch weg zu ziehen, und ihm noch gratulieren, dass er sich so Mühe geben würde, die Kinder dann „so viel“ zu sehen, obwohl es auch für Väter nicht ok ist und eigentlich nach Egotrip riecht.

    Würde ich daran kaputt gehen? Ich bin zwar echt keine Glucke und eher der tough-pragmatische Typ und ich sehe die Kinder zwar alle 1-2 Monate mal eine bis anderthalb Wochen nicht, wenn ich beruflich unterwegs bin und allen geht es damit recht gut, aber die Kinder primär in den Ferien sehen und vielleicht zwischendurch rüberfliegen, also realistisch immer ~2 Monate dazwischen und sonst nur Skype, das ist dann doch eine ganz andere Nummer.

    Ich brauche echt einen Realitätscheck. Was würdet ihr tun, in meiner m.E. vertrackten Situation?

  2. Avatar von Mambi
    Registriert seit
    22.08.2017
    Beiträge
    3.142

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Was wollen die Kinder denn? Fühlen sie sich derzeit wohl im gelebten Modell, mögen sie Deinen neuen Partner?
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"


  3. Registriert seit
    15.10.2018
    Beiträge
    19

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Als ich das Thema vor einem halben Jahr mal angerissen habe, wollte der Große gerne rüber. Aktuell habe ich die Pferde noch nicht scheu gemacht, weil ich mir erstmal selbst klar über alles werden muss.
    Ehrlich gesagt glaube ich aber auch, dass beide in einem Alter sind, wo sie mit so einer Frage überfordert wären...

    Beide Kinder finden ihr super und fragen unter der Woche viel nach ihm.

  4. Avatar von schafwolle
    Registriert seit
    17.09.2008
    Beiträge
    17.922

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    vielleicht ist es besser, eine glückliche, entspannte Mutter 12 Wochen im Jahr zu sehen, als eine totunglückliche 26 Wochen?
    Du könntest es Dir tatsächlich vorstellen, Deine Kinder 9 Monate im
    Jahr nicht zu sehen?

    Ich persönlich finde derlei Gedanken beklemmend.

    Wie würdest Du denn den Kindern gegenüber Deine Entscheidung,
    wegzuziehen, begründen?


  5. Registriert seit
    15.10.2018
    Beiträge
    19

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Mei, sogesehen sehe ich sie aktuell auch "6 Monate im Jahr" nicht.
    Ich würde vermutlich sagen, dass ich das auch nicht super finde, aber entweder meinen Freund garnicht mehr sehen könnte, oder eben sie weniger, dafür aber intensiver.

  6. Avatar von Mambi
    Registriert seit
    22.08.2017
    Beiträge
    3.142

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Ist denn die Fortdauer der Beziehung als Fernbeziehung keine Option?
    Klar, das ist nicht toll - aber momentan mit so kleinen Kindern wahrscheinlich für die nächsten Jahre noch die beste Lösung.
    Das Dein Ex nicht Deinen Plänen gemäß umziehen will, kann ich nachvollziehen.
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"


  7. Registriert seit
    31.10.2012
    Beiträge
    170

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Das ist wirklich eine äußerst schwierige Situation. Und Du hast gewiss recht, sie wird für eine Mutter nochmals mit anderen Augen betrachtet als für einen Vater - hier spielen gesellschaftliche Stigmen klar hinein.
    Für mich selbst wäre es nicht vorstellbar, meine Kinder nicht bei mir aufwachsen zu sehen. Ich würde sie schlicht zu sehr vermissen. Du sagst noch dazu ziemlich überzeugend und pragmatisch, dass sie bei Dir letztendlich besser aufgehoben sind. Sie sind jetzt auch noch in einem Alter, wo ein Umzug relativ gut zu verkraften ist, und die sprachliche Situation ist optimal.
    Daher - ich würde wohl aufs Ganze gehen und mit den Kindern umziehen, auch wenn der Vater nicht mitziehen will (was ich durchaus verstehe). Es ist hart, aber er hat nicht mehr Anspruch auf Glück als Du. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass er von der umgekehrten Variante (Vollzeitpapa) gar nicht wirklich begeistert wäre, sondern überfordert damit.
    Wäre das in Eurem Fall legal möglich? Wie würde er wohl reagieren, wenn Du ihm dieses Vorhaben präsentierst?

  8. Avatar von twix25
    Registriert seit
    13.01.2009
    Beiträge
    10.632

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Das was du schreibst, ist gut nachzuvollziehen und ich finde, du hast das gut formuliert mit allem Pro u Kontra

    Ich kann zur eigrntlich Frage wenig beitragen, aaber ich habe einen Exmann, der mit dem Kind seiner neuen Frau nicht kann.

    Und zwar so garnicht!!!

    Im Sturm der ersten Verliebtheit UND in Kombi, dass das Kind noch rel. klein war, ging das noch so eeiinigermaßen.

    Aber es wurde für alle Beteilgten zu einer absolut unerträglichen Situation.

    Und dass die Mutter da ihr Kind nicht vor bewahrt hat, fand ich unmöglich.

    Selbst meine Kinder sprachen beruhigend auf ihren Vater ein, sich doch da nicht so zu verhalten.

    Also, wenn dein Partner zu dir nach D zieht u ihr zusammen, wirds schon eine Herausforderung und die sollte m.M.n erstmal ausprobiert werden

    Falls möglich, einen Job zu finden , diesen innerlich für 1 Jahr zur Prüfung nehmen, mit Euch zu wohnen u wenns dann klappt in der Konstellation : du mit Kids zur Hälfte u zur Hälfte Zweisamkeit mit Partner....

    ...dann würde ich nochmal neu drüber nachdenken.

    Das "Opfer " sollte f d Partner drin sein, denn danach -wenns gut geht- wirst du ja auch mehr als ein kleines Opfer bringen und entw allein oder mit den Kindern, die ausm dem Umfeld gerissen werden, zu ihm ziehen

    Es sollte 1 Jahr sein, in dem ihr euch diesenm Raum nehmt, nicht mehr u definitv nicht weniger
    ************************************************** **************************************

    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"


  9. Registriert seit
    10.09.2018
    Beiträge
    429

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    Wieso kannst du nicht nachvollziehen, dass dein Ex nicht mit umziehen will? Warum sollte er?

    Du verlangst allen wirklich viel ab. Deinem Neuen am Meisten und ich weiß nicht, wäre ich an seiner Stelle wäre nur das auch zu viel.

    Liebe allein reicht einfach nicht.


  10. Registriert seit
    05.08.2018
    Beiträge
    95

    AW: Mit dem Rücken zur Wand - Partner komplett aufgeben oder Kinder weniger sehen?

    .
    Es gibt viele Frauen, die Mütter sind. Und dann gibt es noch Frauen, die Kinder gebären.

Thema geschlossen
Seite 1 von 34 12311 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •