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    Verliebt in einen Witwer

    Liebe Community,

    ich brauche mal eine andere Sichtweise und einen Rat.
    Zu meiner Situation: Ich bin 42 Jahre alt, seit über einem Jahr von meinem Mann getrennt, Scheidung läuft. Ich bin damals ausgezogen und unsere Kinder (7 u. 11) sind beim Vater im Haus in der vertrauten Umgebung geblieben. Eher unüblich, funktioniert aber sehr gut.

    Vor einem 3/4 Jahr habe ich auf einer Dating Website einen Mann kennen gelernt. Wir haben uns etwa 2 Monate geschrieben, bis wir uns getroffen haben. Von Anfang an haben wir uns super verstanden. Ziemlich schnell hat er mir gesagt, dass seine Frau vor einem Jahr an Krebs gestorben sei und er mit seiner fünfzehnjährigen Tochter alleine lebe. Es hat mich zwar etwas erschrocken, zumal ich selber Krebs hatte, aber er redete sehr frei darüber. Sie war zwei Jahre krank und er hat sie in den letzten Monaten gepflegt.
    Wir verliebten uns sehr schnell ineinander und sind mittlerweile seit sieben Monaten zusammen. Mit seiner Tochter verstehe ich mich gut und er sich mit meinen und die sich auch untereinander.
    Wir wohnen knapp 80 km auseinander, warum wir uns am Wochenende sehen und meist noch einmal der Woche (ich fahre immer, da er wegen seiner Tochter nicht wirklich weg kann). Was mich anfangs nicht so gestört hat, stößt mir aber jetzt auf. Sie ist im Haus allgegenwertig, fast alles ist noch so, wie vor ihrem Tod. Überall stehen ihre Fotos und mein Freund spricht sehr viel von ihr und auch ihrer Krankheit. Man merkt, dass er sehr viel Redebedarf hat. Ich bin/war da sehr geduldig und habe immer zugehört, merke aber in letzter Zeit, dass es mich belastet und teilweise auch nervt, wenn er von ihr spricht.
    Es ist eben ein großer Unterschied, ob man sich trennt oder der Partner stirbt.
    Wie geht es weiter? Soll ich ihm weiter Zeit lassen? Ihn darauf ansprechen? Ich liebe ihn wirklich sehr und ich denke, er mich auch. Aber da ist eben noch die „andere“ Frau.
    Wie würdet ihr damit umgehen?

    Ich danke euch für eure Unterstützung!
    Viele Grüße, Inselfreundin

  2. Inaktiver User

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Eine normale Trennung braucht schon Verarbeitung - wann hat er den Tod seiner Frau verarbeitet? Ein Jahr danach sicher noch nicht.

    Zu früh, zu fest würde ich sagen.

    Was nun? Sag ihm das du nicht der richtige Ansprechpartner bist. Es gibt Trauergruppen.

    Wenn du mehr als nur die Übergangsfrau für ihn bist sollte er das verstehen!

  3. Inaktiver User

    AW: Verliebt in einen Witwer

    An dem Geist der da wabert kannst du nichts machen. Ist ja noch nicht lange her.
    Und er hatte genauso ein Vorleben wie du.
    Geh die Sache mit bedacht an. Du rutscht da in eine Patchwork-Situation.
    Er hat eine 15 jährige Tochter. Noch muss sie ihr Territorium nicht vereinigen. Solange ihr nicht zusammen ziehen wollt.

  4. User Info Menu

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Hallo Inselfreundin, das Thema ist hier schon öfters behandeln worden, eventuell findest du noch interessante Beiträge unter "suchen"!?
    Ansonsten musst du selber für dich entscheiden, in wie weit du "leidensfähig" bist in dieser Hinsicht- und das Für und Wider genau abwägen.
    Es ist definitiv anders, ob man durch den Tod des Partners "zwangsgetrennt" wird, oder sich
    aus anderen Gründen trennt, verlassen wird etc.
    Eventuell war der Mann ja noch nicht wirklich "reif" für eine neue Beziehung !?
    Das können Betroffene oft selber gar nicht richtig abschätzen und wenn es eine alles in allem
    gute Beziehung war, wird der Partner seine Frau mit Sicherheit niemals vergessen oder gänz-
    lich "verdrängen"; wahrscheinlich erwartest du das ja auch nicht, aber du musst ihm auch
    zeigen wenn dich etwas verletzt-und offen mit ihm darüber reden.
    Du bist ja keine Therapeutin und hat auch einiges an "Lasten"zu tragen, wie jeder der keine 20
    mehr ist, es kommt da auf das richtige Maß zwischen Verständnis und "Egoismus" an.

    Die Zeit richtet vieles, sie ist ein Heilmittel was nicht heilt aber lindert, mit der Zeit kommt auch
    dieses "Wir- Gefühl" in der neuen Beziehung auf, aber das geht nicht von jetzt auf gleich !

    Ich habe meinen Mann 2004 verloren, den Partner nach ihm 2009- und beide Male danach habe
    ich mich objektiv gesehen zu früh auf eine neue Beziehung eingelassen, heute ist mir das klar.
    Bei mir waren es schon zwei Jahre danach jeweils- es war aber auch nie geplant das ich eine neue
    Beziehung eingehen will - war alles nicht einfach. Andere mögen viel früher "beziehungsfähig"
    sein, das kommt immer auf das Individuum und die Umstände an.
    Mit meinem jetzigen Mann bin ich über 6 Jahre zusammen, im Dezember 3 Jahre verheiratet
    und es ist wunderbar.
    Aber "vergesse" ich meine früheren Partner ?!Nöö, ganz und gar nicht, die Liebe ist ja noch
    da in anderer Form, in mir, gewissermaßen transformiert- so lange ich lebe, auch wenn ich
    nicht mehr ständig über die Männer rede und nicht überall Fotos hängen.Mein Mann kommt
    gut der Situation klar, er hatte eine üble Scheidung hinter sich und auch lange gebraucht um wieder
    "partnertauglich" zu werden.Er sagt heute das alles war schlimmer als hätte er seine Frau durch
    den Tod verloren wahrscheinlich, das mag wohl stimmen.
    Ich wünsche dir Zuversicht, Toleranz und ein nicht zu kleines Stück "Egoismus".
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  5. User Info Menu

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Ein Nachbar hat seine Frau durch Demenz verloren, er hat sie gepflegt, ist vielleicht 3 Jahre her. Als er, eine andere Nachbarin und ich uns zufällig im Flur getroffen haben, fing die andere Nachbarin von ihren Krankheiten an. Der Mann sagte dann, er könne die ganzen Krankheitsgeschichten nicht mehr hören, er hätte das lange bei seiner Frau gehabt.

    Jeder Mensch reagiert anders.

    Wenn dir die Gespräche zu viel sind, dann sprich es an. Ich finde 1 Jahr nach dem Tod der Frau eine neue Beziehung anzufangen ist einfach zu früh und ich hätte, ehrlich gesagt, an den Gesprächen kein Interesse. Wenn jemand mal darüber spricht wäre es in Ordnung, aber immer wieder, das ginge bei mir nicht, ich würde flüchten. Dann soll er trauern und sehen, daß er mit sich ins Reine kommt. Du bist da und möchtest leben.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)

  6. Inaktiver User

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Wegen der Fotos und der Einrichtung etc. würde ich gar nichts sagen - da wohnt ja nicht nur der Mann, sondern auch eine junge Dame, die ihre Mutter verloren hat, in einer wichtigen Abnabelungsphase sogar. Schwierig. Mich würde es wohl irritieren, wären das Fotos seiner Exfrau, aber hier ist die Situation ja anders.

    Ich war auch mal kurz mit einem Witwer zusammen, bei dem hingen gar keine Fotos, kein einziges Erinnerungsstück, das fand ich wiederum irritierend, denn auch er hat ein Kind.

    Was die Trauerarbeit angeht, das ist sehr individuell. Wenn Du aber schreibst, er hat Redebedarf, dann würde ich absolut signalisieren, dass mir das zu viel wird.

  7. Inaktiver User

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Ich denke, ich würde auch etwas sagen.
    Er soll versuchen, sich das umgekehrt vorzustellen. Wie er sich fühlen würde.
    Ob es zu früh ist für ihn, eine neue Beziehung anzufangen weiß ich nicht. Männer ticken da oftmals anders.
    Die Chefin vom hiesigen Hospiz erzählte mir mal, dass sie immer wieder erstaunt ist, wie schnell die Männer sich nach dem Tod der Ehefrau wieder neu orientieren. Die können einfach nicht allein sein.

    Ihr seid erst 7 Montae (!) zusammen. Da müssen doch noch zwangsläufig Bilder von ihr da stehen. Finde ich normal. Wenn man in einem Jahr neu darüber nachdenkt, ist das früh genug.
    So nebenbei, ich möchte auch nicht, dass mich mein Mann nach meinem Tod so ratz fatz vergisst.

  8. User Info Menu

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Das gilt keineswegs für alle Männer, da kenne ich durchaus andere.
    Neulich traf ich einen alten Bekannten, unsere Ehepartner lagen damals in der selben Uniklinik,
    seine Frau starb wie mein Mann 2004. Er war noch jung damals, Anfang 30, noch keine Kinder.
    Zu meinem Erstaunen ist er nach wie vor allein, das heißt es gab einige Versuche, die aber nicht
    gut gingen. Mittlerweile strebt er keine neue Ehe oder Beziehung mehr an und falls ja, müsse
    es der Zufall bringen. Er hat seine Frau sehr geliebt und das ganze war damals eine Tragödie.
    Auf ein "Bratkartoffelverhältnis", wie öfters bei Älteren, hat er keine Lust.
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  9. VIP

    User Info Menu

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Ich denke auch, dass die Trauer höchst individuell kommt und geht.

    Mein Mann ist vor über 16 Jahren gestorben, aber ich vermisse ihn und das Leben, das wir hatten, immer noch sehr. Obwohl ich seit ein paar Jahren nach vielen Jahren des Alleinlebens eine neue (distanzierte und komplizierte) Beziehung habe.

    Ich "kann nur noch auf Distanz".
    Die Nähe, die wir hatten, egal in welcher Dimension, kann ich werder herstellen noch aushalten.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  10. User Info Menu

    AW: Verliebt in einen Witwer

    Als ich mich 2004 oder 2005 in einem Forum für Verwitwete angemeldet hatte, dachte ich
    auf einem "Balzplatz" gelandet zu sein.Da kamen mehrere unverschämt aufdringliche PNs,
    von angeblich frisch verwitweten Männern, das alles stieß mich extrem ab und ich bin da schnell
    wieder ausgestiegen. Einige der Herren waren laut ihren Angaben seit einigen Wochen (!) FRISCH
    VERWITWET; allein den Ausdruck fand ich grenzwertig.
    Aber man kann das eben nicht an solchen Leuten fest machen, zumal es gar nicht sicher war ob das
    alles den Tatsachen entsprach, es gab dort auch Frauen die sehr schnell auf Partnersuche gingen,
    das ist wirklich sehr individuell.
    Meinen Mann und meinen Freund vermisse ich auch noch und an das Vermissen habe ich mich
    mittlerweile gewöhnt, aber das sie nicht mehr hier sind, das kann ich manchmal immer noch nicht
    wirklich verstehen und schon gar nicht in irgend einer Weise als "annehmbar" betrachten, dazu
    waren beide noch zu jung, hatten kleine Kinder und das Loch das blieb mag inzwischen sozusagen
    mit "Laub" gefüllt sein, es ist da und es bleibt.Ab und zu weht der Wind die Bätter zur Seite und dann
    kommen traurige und sogar sehnsuchtsvolle Momente, die kann ich aushalten mittlerweile, denn
    es fühlt sich nicht mehr nur voller Trauer und Wut an, sondern es gibt auch diese Gefühle von: es
    war gut das oder das erleben zu dürfen , nur weil sie nicht mehr leben, ist das alles ja nicht "weg"!

    Mein jetziger Mann hat vor Jahren mal behauptet, es gäbe gar keine guten Seiten, retrospektiv,
    die ihm aus seiner gescheiterten Ehe geblieben sind; das fand ich damals so furchtbar traurig, 20
    sinnlose und freudlose Jahre, das konnte ich gar nicht glauben.
    Inzwischen sind ihm auch wieder bessere Momente eingefallen, zum Glück, aber er ist emotional
    sehr distanziert was seine Ex angeht, aber frei von Wut und Haß.
    Insofern haben es Verwitwete, die ihre Partner aufrichtig liebten, ohne sie zu idealisieren, wahr-
    scheinlich wirklich besser...
    Geändert von gezeitenfrau (12.10.2017 um 20:20 Uhr)
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

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