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    Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Ich bin neu hier und moechte mich gerne mit meinem Dilemma an euch wenden und waere um Anregungen dankbar.

    Bis vor 1.5 Jahren war ich in einer Beziehung mit einem Witwer mit zwei kleinen Kindern.
    Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens war seine Frau erst wenige Monate zuvor verstorben.

    Sie hatte einen Gehirntumor und dass die beiden ueberhaupt Kinder bekommen konnten, war schon fast ein Wunder. Er hat in diesen 10 Jahren viel mitgemacht und natuerlich auch die Kinder. Die Groessere war gerade 5 und der Kleine 2 als die Mutter starb. Er hat sie bis zum Schluss zuhause gepflegt.
    War in dieser Zeit selbstaendig und hat noch eigenhaendig ein Haus gebaut.

    Ich habe selber keine Kinder (war damals beim Kennenlernen 36) aber dachte mir, dass ich auch auf unkonventionellerem Wege Mutter werden kann. Und wir beide haben damals wirklich alles versucht, dass es mit unserer Beziehung klappt.
    Ich bin (aus heutiger Sicht) viel zu frueh, nach 6 Monaten schon, eingezogen und versuchte, meine Rolle zu finden. Das war sehr schwierig, von jahrelangem Single Leben in WGs zu dieser neuen Stiefmutterrolle.

    Dazu kam dann auch die Realisierung, dass er mein 3. Kind war. Er verlor selbst mit 10 den Vater, der sehr tragisch starb und musste der Mann des Hauses sein. Das war damals in den 80ern, da gab es wenig Bewusstsein, dass ein Kind mit so einem Geschehnis Hilfe braucht.
    Gut, hatte er nicht und entwickelte sich wohl dann damals zum Choleriker. Also wenn was nicht so klappte, wie er wollte, wurde viel vor Frust geschriehen, die Kinder angeherrscht, mir wurde oft das Gefuehl vermittelt, ich strengte mich nicht genug an. Es war eh schon alles so schwierig, in einem kleinen Haus mit zwei lebhaften Kindern, die ewigen Pflichten, das Chaos, meine eingeschraenkte Freiheit.

    Ich arbeite im therapeutischen Bereich und ziehe immer wieder Maenner mit unbewaeltigten Problemen an aber diese Situation war mehr, als ich schaffen konnte.
    Wir versuchten Paartherapie aber es war schnell klar, dass es immer um ihn und seine Geschichte ging, die uns voellig ueberschattete. Er war nicht sehr motiviert, dies ausserhalb der Paartherapie anzugehen (keine Zeit, kein Geld etc.).
    Nach 2.5 Jahren ging ich, ich konnte nicht mehr. Ich liebte ihn und die Kinder noch sehr aber musste auf mich selbst schauen und seine Stimmungsschwankungen waren schwer zu ertragen. Ich hatte damals selbst einen Therapeuten und das war gut so.
    Er hatte nach 2 Monaten gleich eine neue Freundin und beide haben dies total auf Facebook zelebriert, was fuer mich sehr schlimm war. Teilweise waren die Fotos und Situationen fast identisch wie die von uns zusammen nur Monate vorher, ich war wahnsinnig wuetend und fand, ich ich haette dies nicht verdient.
    Ich loeschte ihn und alle anderen Bekannten aus der Zeit.

    Letztes Jahr verbrachte ich damit, mir eine Wohnung zu kaufen und zu renovieren und eroberte mir langsam das Gefuehl zurueck, dass ich schon ok so bin und gut alleine klarkomme, bzw. hatte mir mittlerweile gute Freundschaften aufgebaut, denn ich war damals in seine Stadt gezogen.
    Er wollte den Kontakt nicht abbrechen aber ich sah keinen Platz mehr in seinem/ ihrem Leben und die Trauer nahm kein Ende.
    Diesen Sommer verstarb dann ein enger Freund sehr ploetzlich und als mein Ex mich bald darauf kontaktierte, dachte ich, ich sei soweit, ihn und die Kinder mal wieder zu sehen. Er hatte mir schon mitgeteilt, dass er und die neue Freundin sich nach 6 Monaten getrennt haben.
    Ich wollte nicht mehr mit dieser Wut im Bauch leben und mit der Beziehung und Trauer abschliessen und stimmte zu, dass wir uns treffen.
    Das war letzte Woche. Wir waren an einem Konzert und ja, die Anziehung ist nach wie vor sehr stark.

    Er hat mittlerweile 1.5 Jahre Therapie hinter sich und wirkt ruhiger und mehr im Einklang mit sich selbst. Dazu ist sein Business mittlerweile richtig erfolgreich und er kann sich Unterstuetzung mit dem Kinder hueten leisten, bzw. ein Kindermaedchen. Die Familie wohnt 4 Stunden entfernt.

    Ich musste mir jetzt eingestehen, dass ich null ueber ihn hinweg bin. Und dass meine Bindung zu denn Kindern immer noch so stark ist. Ich war immerhin schon irgendwie Mutter, halt nicht leiblich.
    Das Gedankenkarussell stand kaum still seit unserem Treffen, es kam so vieles wieder hoch. Mit Freunden habe ich bisher nicht wirklich gesprochen.

    Wir haben so viel zusammen durchgemacht und wir sind in so vielen Dingen auf einer Wellenlinie und wenn es nur um uns beide ginge, dann wuerde ich mich vermutlich sehr bald zu einem neuen Date hinreisen lassen aber ich weiss wirklich nicht, ob dies eine gute Idee ist?
    Ich haette nie gedacht, dass ich mir vorstellen koennte, es noch einmal zu versuchen. In den letzten 18 Monaten habe ich mich nur auf mich konzentriert und habe auch niemand anderen getroffen, bzw. mir Naehe mit jemandem vorstellen koennen.

    Meine Umstaende sind viel besser mit meiner eigenen Wohnung etc. aber in erster Linie geht es mir gar nicht so sehr um mich, sondern darum, dass ich nicht moechte, dass den Kindern Hoffnungen gemacht werden, die wir nicht erfuellen koennen. Seine Aeltere hat es sofort durchschaut, mit wem er sich trifft obwohl er versucht hat, sie aussen vor zu lassen. Sie ist sehr weise fuer ihre 9 Jahre.

    Vielleicht ist auch alles etwas zu sehr in meinem Kopf aber ich bin mir sehr sicher, ihm ging es genauso wie mir. Wir haben beide sehr versucht, (emotionale) Distanz zu wahren aber es gelang mir nicht.
    Natuerlich habe ich diese ausgeloeste Verwirrung an diesem Abend nicht angesprochen.

    Danke an alle, die es bis hier gelesen haben. Ich wende mich mit dieser Situation an Euch und faende es schoen, wenn Ihr mir Eure Gedanken ueber diese komplizierte Situation mitteilt.
    (Sorry ueber die fehlenden Umlaute aber ich lebe im englischsprachigen Ausland)

    Liebe Gruesse!

  2. Inaktiver User

    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    So eine berührende Lebensgeschichte 😢
    Im Grunde weißt du genau was du tun willst...
    Ich kann es zumindestens zwischen den Zeilen lesen...
    Hör auf dein Herz und auf dein Bauchgefühl.... 🍀🌷

  3. gesperrt

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    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Mein Gedanke ist eigentlich weniger romantisch, der sucht eine Kinderfrau und Hausmutter.

    Was diesen Kindern mit den wechselnden Ersatzmüttern angetan wird, das möchte ich gar nicht kommentieren.

  4. Inaktiver User

    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Liebe TE,

    das ist eine heftige Geschichte.

    Entscheidend finde ich, dass Du selber sagst, dass Du nicht drüber weg bist und Du sagst auch, Du bist noch für nichts Neues bereit nach 18 (!) Monaten. Finde ich persönlich ziemlich lang. Also hast Du doch nichts zu verlieren. Vielleicht könnt ihr ja ganz langsam rausfinden, ob das nochmal was wird. Ein kleines Schrittchen nach dem anderen.

    Den Kindern keine möglicherweise falsche Hoffnung machen zu wollen finde ich sehr gut gedacht. Wenn Du doch ohnehin offen für Therapie und andere professionelle Hilfe bist, findest Du ja vielleicht da jemanden der Dir praktische Tipps geben kann?

    Viel Glück.

  5. Inaktiver User

    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Zitat Zitat von Bamboo82 Beitrag anzeigen
    der sucht eine Kinderfrau und Hausmutter.
    Harte Worte, aber auf den Punkt gebracht.

    Sturmfest, leider sehe ich das genauso.

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    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Zitat Zitat von Bamboo82 Beitrag anzeigen
    Mein Gedanke ist eigentlich weniger romantisch, der sucht eine Kinderfrau und Hausmutter.

    Was diesen Kindern mit den wechselnden Ersatzmüttern angetan wird, das möchte ich gar nicht kommentieren.
    Er hat doch ein Kindermädchen...

    Hallo Sturmfest,

    sicher wünscht sich jeder eine Beziehung, in der von Anfang an alles glatt läuft, Friede-Freude-Eierkuchen herrscht und man "happily ever after" lebt. Aber wer erlebt das schon und heißt es nicht "in guten wie in schlechten Zeiten"?

    In 1 1/2 Jahren kann viel passieren und wenn er ebenfalls in Therapie ist und den Willen hat an sich etwas zu ändern, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen.

    Er hat dich nach der Trennung schnell "ersetzt", diese Verhaltensweise kenne ich von einigen Männern aus dem Bekanntenkreis (aber auch von Frauen ), aber lange gehalten hat es (natürlich) nicht.
    Hab ich jetzt überlesen, dass es da noch andere Frauen gab, wenn hier geschrieben wird, dass er den Kindern "wechselnde Ersatzmütter angetan" hat. Ich lese von 2 Frauen innerhalb von 4 Jahren, mit dir war er 2,5 Jahre zusammen, mit der anderen 6 Monate, demnach müsste er jetzt 1 Jahr Single sein. 2 Frauen in 4 Jahren empfinde ich jetzt nicht als "ständig wechselnd".
    Und den Kindern "Frauen vorsetzen"? Wie soll er als Witwer mit 2 kleinen Kindern ohne große Hilfe durch die Familie (wegen großer Entfernung) eine Beziehung führen ohne dass es die Kids mitbekommen? Geht nicht..

    Auch die Tatsache, dass er sich nach dem Tod seiner Frau schnell in dich verliebt hat, finde ich jetzt nicht verwerflich. Krebs ist ein Arschloch und in meinem Bekanntenkreis haben 2 Menschen ihre Partner durch einen Gehirntumor verloren. Beide sprachen davon, dass gerade die letzten Monate unerträglich waren, insbesondere weil die Erkrankten starke Veränderungen in ihrer Persönlichkeit hatten.
    Die Trauer, diesen Menschen zu verlieren, wurde bereits während der Krankheit durchlebt.

    Irgendetwas zieht Euch an, ihr spürt es Beide. Ich kann deine Angst verstehen, aber ich lese auch Hoffnung in deinen Zeilen, dass sich etwas geändert hat, dass die Voraussetzungen allgemein besser sind.
    Die Kinder vermissen dich und das dürfen sie auch.

    Geh es langsam an, achte auf dich (aber das machst du seit 1,5 Jahren) und im Zweifel entwickelt sich das ganze als gute Freundschaft.

    Ich wünsche Dir alles Gute
    Zada

    Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung.
    [Lucius Annaeus Seneca]

    Wer lebt, stört.
    [Tankred Dorst]
    In einer Familie, die nicht nur aus Mumien besteht, gehören Konflikte dazu.
    [Reinhard Mey]

  7. Inaktiver User

    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    @ Zada 👍🌷

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    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Zadas Post kann ich mich quasi zu 100 % anschließen.

    Da ist noch was. Warum nicht rausfinden, wohin es führt?
    Macht langsam, genießt den Zauber des Anfangs nochmal. Schau mehr auf Dich, auch wenn ihr wieder in einer Beziehung seid. Behalte Deine Wohnung und zieh nicht zu ihm.
    Aber sonst wüsste ich nicht, was dagegen sprechen würde, es noch mal zu probieren. Ihr habt beide an Euch gearbeitet, ihr seid nicht mehr die Gleichen wir vor 1,5 Jahren. Auch die Rahmenbedingungen sind Andere.

    Ich denke, ich an Deiner Stelle würde es darauf ankommen lassen. Sonst würde ich mich immer fragen, was gewesen wäre wenn. Die Kinder komplett raus zu halten wird mangels Betreuung schlecht gehen denke ich, aber gerade am Anfang solltet ihr da langsam machen.

    Ich fände es schön, wenn Du berichten würdest, wie Du Dich entschieden hast und wie es weiter läuft.
    „Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.“
    Nicolas Chamfort

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    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @ Zada ����
    dem schließe ich mich an!

  10. User Info Menu

    AW: Er, ich und seine Kinder-damals und jetzt

    Liebe Sturmfest,

    eine bewegende Geschichte.

    Dass es damals schief gegangen ist, dass er sich nach Dir gleich wieder in eine Beziehung gestürzt hat, hat vermutlich daran gelegen, dass er seine Trauer noch nicht aufgearbeitet hatte. Er war mitten drin im Trauerprozess, wahrscheinlich auch ausgelaugt von den Überlastungen der vergangenen Jahre.

    So wie Du ihn beschreibst, scheint er jetzt in seinem neuen Leben angekommen zu sein. Dass Du vorsichtig bist, ist gut und richtig. Gerade auch für die Kinder.

    Wenn Du das wirklich willst, dann geht langsam aufeinander zu. Vielleicht erst mal nur freundschaftlich und schaut, was passiert. Ich denke, der Zeitpunkt, an dem Ihr Euch begegnet seid, war einfach mehr als ungünstig.

    Daher gib Euch eine Chance, aber pass auf Dich auf. Ich wünsch Dir (Euch) viel Glück!


    LG, BNH2009

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