Hallo Forum,
(ich weiß nicht genau, in welches Forum das passt, deswegen setze ich es mal hier rein).
Mich würde Eure Meinung zu einer Begebenheit in meinem Leben interessieren, über die ich ungern rede.
Ich versuche es erst einmal kurz zu machen. Das Ganze ist zum Glück einige Jahre her.
Als ich damals Single war, habe ich einen Mann näher kennen gelernt, den ich entfernt kannte. Wir hatten beruflich miteinander zu tun.
Ich war damals aufgrund mehrerer Themen ziemlich down und er hat mir angeboten, mal was zusammen zu unternehmen (= Kurzfassung. Das ging erst eine Weile per Mail hin und her, aber egal).
Ich kannte ihn als lustigen Typen, erfrischend, und so habe ich zugesagt.
Als wir uns trafen, hat er recht schnell gestanden, dass ich ihn schon länger interessiere. Das hat mich verwirrt, denn wir kannten uns kaum, und ich hatte damals auch ganz andere Probleme, als mir eine neue Liebe zu suchen. Aber gut - geschmeichelt hat es mir natürlich.
Ich (=naiv) ging davon aus, dass er auch Single ist, jedenfalls hat er nie was von einer Partnerschaft erzählt.
Dennoch habe ich ihn sicherheitshalber gefragt und fiel aus allen Wolken. Er war verheiratet mit drei Kindern!
Dennoch baggerte er bei jenem (eigentlich neutralen) Treffen weiter, wollte mich küssen - ich aber lehnte ab und sagte, dass er erst einmal für sich Klarheit gewinnen sollte.
Es war sicherlich ein Fehler, dass ich nicht gleich gesagt habe "lass das". Aber ich wusste zu jenem Zeitpunkt auch nicht, wohin die Reise gehen könnte und war überfordert. Grundsätzlich wäre ich nicht abgeneigt gewesen, aber dass er kein Single war, war ein No-Go.
Er fuhr nachhause und schickte mir im Laufe der nächsten Tage viele Whatsapp, wie genervt er von seiner Frau sei, etc.
Dann stand er auf einmal wieder vor meiner Türe.
Ich redete lange mit ihm, sagte nochmal, er solle seine Situation klären. Ich wollte weder eine Affäre, noch dass er sich einfach von seiner Frau trennt!!
Er fuhr heim und hat wohl im Überschwang seiner Frau erzählt, dass er sich verliebt hätte.
Sie ist (verständlicherweise) ausgerastet und war total am Ende.
Und hat sich in genau jener Nacht das Leben genommen.
Er packte eine Tasche und stand mitten in der Nacht vor meiner Türe mit den Worten: jetzt bin ich frei.
Ab dem Zeitpunkt hatte ich blanke Angst. Das war so gruselig und bizarr, dass ich mich nicht traute, ihn wegzuschicken.
Er blieb eine Weile (ich weiß nicht mehr, wie lange, habe da echt eine Erinnerungslücke), bis ich den Mut fand, ihn wegzuschicken und jeglichen Kontakt abzubrechen.
Es kamen erst verzweifelte und dann böse Emails, dass ich Schuld an der Sache wäre etc.
Ich lebte einige Wochen in Angst, bis ich das Ganze endlich verdrängen konnte....
Was sagt Ihr dazu?
Es fehlen sicherlich einige Details, die ich aus bestimmten Gründen aber nicht hinzufügen möchte.
Wenn ich das jetzt lese, kommt es mir echt unwirklich vor. Das Ganze ist auch nicht im "Asi-Milieu" passiert, sondern bei halbwegs kultivierten Menschen.
Antworten
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05.12.2016, 20:34
Sie hat sich meinetwegen umgebracht
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05.12.2016, 20:43
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Meine Meinung: Nein, du bist nicht"schuld". Es war ihre Entscheidung, sich das Leben zu nehmen. Ganz allein ihre. Ich vermute (!), dass sie eine Vorerkrankung hatte. Viele Leute trennen sich, werden getrennt. Du bist Anlass für ihn gewesen, aus seiner Situation auszubrechen. Er versuchte dann seine Schuldgefühle auf dich zu übertragen.
Was ich aber sehr spannend finde: Es ist schon länger her und du stellst es jetzt hier zur Diskussion. Warum? Was ist der Auslöser? Und: Bist du dir bewusst, dass du dich hier auf eine hochemotionale Dsikussion einstellen musst? Dass du eventuell auch ordentlich einstecken musst, weil einige Leute dein Verhalten sehr wohl schuldhaft finden?
Möchtest du dich dem stellen?Egal wieviel ich esse, es ist immer Platz für Nachtisch.
Nachtisch geht nicht in den Magen, Nachtisch geht direkt ins Herz.
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05.12.2016, 20:45Inaktiver User
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Ich sehe keine Schuld bei dir. Und auf die harmlose Aussage von ihm sich verliebt zu haben würde sich niemand umbringen glaube ich....da war sicher vorher schon vieles im argen.....
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05.12.2016, 20:48
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Hallo Baretta,
dass ich es erst jetzt reinstelle, hängt wohl damit zusammen, dass ich einige Monate fast schon Paranoia hatte, dass ER mir irgendetwas antut. Seine Emails nach dem Vorfall waren wirklich gruselig...
Dann war es auch so, dass die nahestehenden Menschen, mit denen ich geredet habe, "komisch" reagiert haben, so als ob ich ihnen irgendeinen Sch*iß erzähle. Oder sie konnten halt mit dem Thema selbst nicht umgehen.
Das führte dann dazu, dass ich die Sache versucht habe zu "vergessen".
Naja, ab und zu denke ich dann halt doch wieder daran, z.B. wenn ich von einem Suizid im Umfeld erfahre. Und dann hatte ich die spontane Idee, es mal hier reinzustellen.
Warum ich "ordentlich einstecken" muss, weiß ich ehrlich gesagt nicht?! Letztendlich habe ich a) anfangs nicht gewusst, dass er verheiratet ist (SEINE Aufgabe, das zu berücksichtigen!) und b) ihn ja nicht verführt, sondern sogar gesagt, er soll seine Ehe in den Griff bekommen.
Man KANN mir vielleicht eine gewisse "Mitschuld" geben, aber sicherlich nicht in dem Maße, dass ich "ordentlich einstecken" muss....
So long...
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05.12.2016, 20:56Inaktiver User
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05.12.2016, 20:56
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Naja, die Bri-Mechanismen halt. Ich finde es mutig, mit so einem Thema hier an die Öffentlichkeit zu gehen. Vielleicht habe ich ja auch unrecht (hoffentlich).
Wie gesagt, ich glaube auch nicht, dass du Ursache warst. Bei mir gehen nach deiner Schilderung deiner Angst vor ihm auch Ideen durch den Kopf, wie er ihr seine Verliebtheit mitgeteilt haben könnte. Aber das sind und bleiben Phantasien.
Die ganze Geschichte beschäftigt dich also noch. Was genau beschäftigt dich? Das Thema Schuld? Oder geht es dir noch nah (zumindest ab und an)? Was willst du für dich klären?Egal wieviel ich esse, es ist immer Platz für Nachtisch.
Nachtisch geht nicht in den Magen, Nachtisch geht direkt ins Herz.
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05.12.2016, 21:02
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Die drei Kinder sind schon außer Haus. Hatte ich nicht erwähnt. Er ist einige Jahre älter und früh Vater geworden.
Ich habe auch nicht mehr die exakte Erinnerung über die genauen Abläufe dieser Nacht bzw. der 2-3 Tage danach, muss ich gestehen. Bzw. wäre die Geschichte ziemlich lang gewesen, wenn ich jedes Detail erwähnt hätte. Faktisch kam er glaube ich erst am Abend nach dem Vorfall mit der gepackten Tasche. Da waren die Polizei etc. schon da gewesen.
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05.12.2016, 21:05
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Was deutest du an mit der Aussage, du hättest regelrecht Schiss vor ihm gehabt?
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05.12.2016, 21:11
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Klar beschäftigt mich das.
Ich hatte damals irgendwie Schuldgefühle, weil ich mich durch sein Interesse geschmeichelt gefühlt habe - auch als ich wusste, dass er verheiratet ist. Ich persönlich verurteile es nämlich, anderen Frauen den Mann auszuspannen - oder es zumindest mal "zu versuchen".
Seine Frau war in einem Alter, in dem man vermutlich recht viele Zweifel hat. Und nachdem Wenigen, das ich über sie weiß, hatte sie Zweifel. Und genau dann komme ich daher: jung, Single, frei... Sie kannte mich ja nicht, und genau deswegen war ich in ihrer Vorstellung ein so ungleicher Gegner, dass sie keine Chance gesehen hat :-(
Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht... und genau das wird nie jemand erfahren. Vielleicht ist es genau das, was mich manchmal wieder belastet.
Vielleicht auch (ganz egoistisch) die Angst, dass ich selbst mal in so eine Situation komme wie sie (nicht dass ich mich umbringe, aber dass mein Mann jemanden kennen lernt (bin mittlerweile verheiratet)).
Keine Ahnung...
Manchmal war/bin ich auch sauer, Teil einer solchen furchtbaren Geschichte zu sein. Das gebe ich offen zu.
Übrigens - nicht dass es jetzt heißt "denk doch mal an den armen Mann": Der war sehr schnell wieder lieert und zwei Jahre später auch wieder verheiratet, wie ich über einen Zufall mitbekommen habe.
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05.12.2016, 21:13
AW: Sie hat sich meinetwegen umgebracht
Jetzt wird's wild, aber es ist halt so: Er besitzt aufgrund eines Jagdscheins Waffen.
(Ich glaube ich weiß langsam, warum ich die Geschichte ungern erzähle bzw. die wenigen "Mitwisser" komisch reagieren. Es klingt wie in einem Film und zwar in einem ganz schlechten. Das ist mir bewusst, aber dem Leben ist es reichlich egal, ob seine Geschichten plausibel sind oder nicht...).


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Und die drei Kinder hat er derweil neben der toten Mutter stehen lassen?