Mein Freund und ich sind seit März 2013 ein Paar. Wir leben 130 km voneinander getrennt und sehen uns größtenteils nur am Wochenende. Seine Frau ist im Juli 2011 gestorben, aus der Beziehung gibt es drei Kinder (20, 23 und 24). Der älteste Sohn (wohnt noch zu Hause) ist der leibliche Sohn meines Partners, die beiden jüngeren Geschwister waren die Kinder seiner verstorbenen Frau, die er angeheiratet und adoptiert hat. Die beiden wohnen nicht mehr zu Hause.
Meistens treffen wir uns am WE bei ihm, weil er ein Haus und somit mehr Platz hat. Zum anderen ist er wochentags beruflich viel unterwegs und ein Haus mit Garten macht auch Arbeit, die wird dann oft am WE erledigt.
Als ich das erste mal bei ihm war, hing im Ankleidezimmer noch der Schmuck seiner verstorbenen Frau, im Badschrank lag ihre Kosmetika, der Nachttisch war noch voll, im Flur hing ein riesiges Foto von ihr. Ich fand das zunächst nicht schlimm, zumal diese persönlichen Dinge nach und nach dann auch verschwunden sind. Mittlerweile sind jedoch 1 1/Jahre ins Land gegangen und ich finde, es ist so eine Art "Stillstand" eingetreten. Obwohl ich fast jedes WE bei ihm bin, darf ich außer Hausschuhen nichts stehen lassen. Und so packe ich Freitags mein Köfferchen ein und Sonntag Abend dann wieder aus. Ok, damit kann ich leben, aber normal finde ich es nicht, dass z.B. noch nicht mal eine Haarbürste dort verbleiben kann. Ich habe Anfangs Dinge stehen lassen, die kamen dann aber immer Postwendend zurück, weil er dachte, die hätte ich vergessen. Andersherum freue ich mich z.B., dass sein Rasierwasser in meinem Bad steht. Ich hatte auch mal eine Schublade in meinem Kleiderschrank für ihn freigeräumt, die wurde bis heute nicht benutzt. Auch damit kann ich leben.
Es gibt jedoch ein Thema, das beschäftigt mich und mittlerweile frage ich mich, ob ICH nicht normal bin oder ER. Er hat noch immer sein Ehebett stehen: weißes Leder mit Swarovski-Steinen. Ich mag es nicht und es gefällt mir auch nicht. Aber klar, ich weiß, es war teuer, das gibt man nicht so einfach in den Sperrmüll. Aber alleine der Gedanke, dass es sein Ehebett war, ist für mich einfach unangenehm. Wenn wir im Bett liegen, fühlt es sich für mich manchmal so an, als ob wir zu Dritt dort liegen würden. Ich habe dieses Thema schon mehrfach angeschnitten und bin auf taube Ohren gestoßen. Vor fünf Wochen habe ich dann umgeschwenkt. Wenn schon kein neues Bett, dann könnten wir doch zumindest eine neue, gemeinsame Bettwäsche kaufen. Aber bis heute ist nichts passiert. Er reagiert da überhaupt nicht drauf. Auch bei anderen Vorschlägen, was man vielleicht ändern könnte, stellt er sich taub. Es sind sowieso nur Kleinigkeiten, die ich ändern würde (z.B. die viele Deko etwas zu reduzieren) . Ich respektiere, dass es sein Haus ist und würde deshalb auch nie von ihm verlangen, die Wände grün zu streichen - nur mal als Beispiel. Aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr nervt es mich, dass so GAR NIX geändert werden darf. Klar, er hat das Haus mit seiner Frau gebaut, er hat die Möbel mit ihr ausgesucht, da hängt man dran. Aber ich fühle mich oftmals als fünftes Rad am Wagen und er versteht es einfach nicht. Für ihn ist die Situation völlig in Ordnung. Zitat "wenn Du mal hier wohnst, können wir das ändern". Ist das wirklich normal? Ich gehe nun schon so lange dort aus und ein, kenne seine ganze Familie, habe ein gutes Verhältnis zu seinen Kindern ... da will man doch auch so eine gewissen persönliche Note in sein Umfeld mit einbringen, auch wenn man nicht zusammen wohnt. Für mich war es z.B. selbstverständlich, dass ich das Bett aus meiner letzten Beziehung nicht mit in die neue Wohnung und in mein neues Leben nehme. Aber meine letzte Beziehung ist eben nicht gestorben, wir haben uns "nur" getrennt.
Manchmal denke ich, mir wäre hundertmal lieber, er wäre einfach "nur" geschieden. Da trennt man sich ja ganz gerne von alten Dingen. Aber in meinen Augen ist das einfach auch notwendig für einen Neuanfang. Anfangs habe ich noch immer mal was gesagt, aber so langsam resigniere ich. Denn wenn ich was sage, heißt es, ich wäre immer nur am meckern .....
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19.08.2014, 16:12
Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
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19.08.2014, 16:23
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Liebe Tini,
nicht selbst erlebt, aber im Umfeld mitbekommen:
Er konnte sich auch erst nicht von Vielem trennen (da war er aber Single)
Als eine neue FRau ins Leben trat, tat er sich auch schwer-sie war dann irgendwann echt sauer!
Ähnlich wie bei dir gings nicht unbedingt um Riesenveränderungen, aber schon so, dass ein neues-gemeinsames "wir" zu sehen war.
ICH könnte damit ebenfalls nicht leben!
Ich unterstell mir jetzt mal: ich hätte gern gerade im Schlafzimmer eine Komplettveränderung!
Neue Farben, Bett u Wäsche.......Deko-UNS u WIR
Den Rest des Hauses gemeinsam überlegen, was für dich sehr wichtig wäre und as für ihn unbedingt bleiben soll
Natürlich hätte ich kein Problem damit, wenn z.B ein normal großes Bild von ihr stehen würde!!
Aber das du nix eigenes da lassen darfst-geht für mich so wie du eure Beziehung beschreibst, gar nicht!
Ich bin mir nicht sicher, wieweit er DICH wirklich liebt....Es wird Zeit für eine neue Signatur
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19.08.2014, 17:31
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Hallo Tini,
ich lebe zwar nicht mit einem Witwer zusammen, bin aber eine Witwe (Gott, ich hasse dieses Wort), die inzwischen mit einem neuen Mann zusammen lebt.
Ich sehe folgende Parallelen zu mir:
- Er ist in meine (unsere) Wohnung gezogen.
- Der Zeitraum zwischen dem Tod des Partners und der neuen Beziehung ist kurz.
Als erstes möchte ich Dir sagen, dass er Dich nach so kurzer Zeit, soweit in sein Leben gelassen hat, Dich seiner Familie vorgestellt hat und Du herzlich aufgenommen wirst, ist ein sehr großer Schritt. Und ja, es ist etwas ganz anderes als wenn er „nur“ geschieden wäre. Das ist eine Hypothek, der Du Dir bewusst sein musst.
Ich habe mich auch sehr schnell nach dem Tod meines Partners neu verliebt. Es hat lange gedauert, bis ich das angenommen habe. Auch wenn es sich richtig anfühlt, auch wenn man weiß, der verstorbene Partner würde es so wollen, auch wenn man weiß, das die neue Beziehung die Liebe zum verstorbenen Partner nicht in Frage stellt, ihr vielleicht einfach nur den richtigen Platz zuweist, auch wenn Familie und Freunde diese Entwicklung unterstützen, bleibt ein „merkwürdiges“ Gefühl. Manchmal fühlt es sich ein wenig wie Verrat an, manchmal ungerecht, weil man wieder Glück empfindet. Ich kann es nicht anders benennen. Und Dinge in der Wohnung sind das letzte was bleibt. Gott, wie oft habe ich weggeräumt, wieder rausgeholt. Das hatte NIE etwas mit meinem neuen Partner zu tun. Ich glaube es ist schwer zu beschreiben. Was ich aber weiß ist, dass, nur weil mein neuer Partner, inzwischen sind wir auch verheiratet, diesen Dingen gegenüber so tolerant war und ist, Verständnis aufgebracht hat und bringt, sich nie als zweite Wahl fühlt, funktioniert das mit uns.
Ich weiß nicht, ob Dir das hilft – gerne schreibe ich auch mehr.Geändert von sunflower37 (19.08.2014 um 17:37 Uhr)
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19.08.2014, 18:01
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Hallo Tini,
ich kann dich gut verstehen!
Ich bin auch mit einem Witwer liiert. Wir kennen uns seit 5 Jahren, ich selbst bin geschieden. Seine Frau war 3 Jahre zuvor gestorben.
Vor ca 2 Jahren stand - unausgesprochen - im Raum, dass ich in sein Haus einziehen könnte. Er wollte damals sein Haus seinem Sohn überschreiben. Unausgesprochen darum, weil wir vorher schon des öfteren darüber geredet hatten, dass wir uns in unseren beiden Wohnungen ganz wohl fühlen, unsere Gewohnheiten haben, vor allem haben wir beide keine Lust, uns z. B. nach der Arbeit mit einem Partner auseinanderzusetzen (ansonsten ist unsere Kommunikation aber super!).
Vor allem war aber der Grund für mich, nicht in sein Haus zu ziehen, weil da zu viel an seine Frau erinnert, von den Möbeln bis hin zu dem ganzen Haus, das sie sogar selbst geplant hat. Allerdings ist sein Schlafzimmer komplett neu - das wäre für mich auch ein absolutes No go gewesen, im Bett seiner Frau zu schlafen! Und wenn es dann noch so ein "besonderes" Bett gewesen wäre, mit Swarowskikristallen - nee
In den ersten zwei Jahren unserer Beziehung habe ich nicht in seinem Haus geschlafen. Das hätte ich nicht gekonnt. Ihn dort besuchen, ja. Aber über Nacht - immer bei mir. Mittlerweile hat sich das geändert. Ich kann meine Sachen bei ihm lassen, wenn ich will, habe im Bad ein Fach für meine Kosmetika usw.. Es gibt neue Möbel, neue Lampen, viel Deko ist im Keller verschwunden - mittlerweile suchen wir ab und zu sogar zusammen etwas aus, was dann wieder in den Wohnbereich kommt
Seit wann ist dein Freund denn Witwer? Vielleicht muss nur noch ein bisschen Zeit ins Land gehen, damit er loslassen kann? Kann er nicht für eine Weile zu dir kommen, statt du zu ihm? Ansonsten musst du wohl dicke Bretter bohren - z. B. mal selbst neue Bettwäsche mitbringen... Und: du schreibst, es steht im Raum, dass du zu ihm ziehst. Das täte ich nur unter der Bedingung, dass die Wohnung in großen Teilen umgestaltet wird!
KürbiskernDie guten Jahre im Leben zählen zehnfach
(mit freundlicher Erlaubnis von ras-le-bol)
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20.08.2014, 09:15
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Hallo Sunflower,
danke für Deinen Beitrag.
Es ist sehr interessant und irgendwie auch tröstlich, die Lage auch mal aus der Sicht "des anderen" zu sehen.
Ich weiß, dass Möbel usw. das letzte ist was bleibt; ich habe das auch von Anfang an respektiert.
Wenn mein Freund mit mir darüber reden würde, dann wäre das in Gewisser Weise auch ok. Aber er redet nicht oder nur selten über seine verstorbene Frau oder über seine Beweggründe, warum nichts verändert werden darf. Das irritiert mich einfach und hinterlässt einen faden Beigeschmack - weil dadurch natürlich viel Raum für Spekulationen bleibt.
Ich denke, fast jeder Mensch hat schon einen Verlust hinnehmen müssen. Auch Trennungen sind ja oftmals nicht freiwillig oder gehen nur von einer Seite aus. Da muss man aber auch irgendwann darüber hinwegkommen, denn das Leben geht weiter.
Liebe Grüße
Christine
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20.08.2014, 09:42Inaktiver User
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Ich bin weder noch....aber ich könnte nicht mal nach einer Trennung nach so kurzer Zeit schon wieder eine Beziehung eigehen...
1,5 Jahre ist das erst her....keine Ahnung wie andere das sehen, aber Trauer dauert doch unterschiedlich.
Die Frau ist gestorben, nicht die Oma, oder eine Tante.
Ein Freund von uns verlor seine Freundin und Bilder hängen noch immer an der Wand obwohl er wieder verheiratet ist....
Dieses Leben mit seiner Frau ist seine Vergangenheit, die gehört zu ihm wie seine Zukunft, er ist der Mensch der ist durch alles was er erlebt hat.
Nach so kurzer Zeit finde ich das nicht ungewöhnlich. Zumal seine verstorbene Frau dir nichts wegnehmen kann.... er trauert.
Ich bin sicher er weiß dass das Leben weiter geht, aber ich glaube er braucht noch Zeit. Die gibst du ihm denn zwingen wirst du ihn nicht können.
Übrigens reden.... ich konnte 5 Jahre nicht über den Tod meiner Oma sprechen..... nur mein Oma. Den Verlust meines Mannes möchte ich mir lieber gar nicht erst vorstellen.
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20.08.2014, 09:44Inaktiver User
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Hallo Tini, selbst habe ich das nicht erlebt, aber eine enge Freundin. Sie hatte allerdings noch 2 minderjährige Kinder. Ich glaube, dass die meisten die Umgebung so lassen, weil es tröstlich für die Kinder ist. Sie hat noch ca. 4 Jahre lang mit den Kindern das ehemalige Haus bewohnt und ist dann mit dem neuen Partner in ein neues Haus gezogen (mit Kindern). In der alten Wohnung hingen diverse Fotos des toten Mannes. In der neuen Wohnung beschränkt sich das auf die Kinderzimmer.
An deiner Stelle würde ich aber mit seiner Haltung nicht zu ihm ziehen. Das würde ich erst dann tun, wenn er offen für Neues und Veränderung ist. Das scheint noch nicht so weit zu sein. Jedenfalls würde ich weder das Bett der verstorbenen Frau (und dann noch so ein hässliches) behalten wollen, noch mit ihren Dekoartikeln wohnen wollen.
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20.08.2014, 09:55
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20.08.2014, 10:05
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
Ich bin mit einem Witwer liiert und inzwischen mit ihm auch verheiratet.
Ich hätte nicht mit ihm zusammen sein können, wenn er noch nicht mit seiner Trauer abgeschlossen hätte. Seine Frau war 1 Jahr verstorben, als wir uns kennenlernten. Für ihn war es selbstverständlich, dass er neue Bettwäsche, neues Bett und andere sehr persönliche Dinge neu gekauft hat. Bilder seiner Frau wurden abgehängt in den "öffentlichen" Räumen und in den Kinderzimmern neu aufgehängt. Damit hatte ich kein Problem, aber alles andere wäre für mich nicht hinnehmbar gewesen. War aber gottseidank auch nie ein Thema zwischen uns.
Ich gestehe jedem seine Trauer um einen verlorenen Partner zu und sicher trauert jeder unterschiedlich und unterschiedlich lang. Aber ich bin der Meinung, solange die Trauer nicht verwunden ist, sollte man keinen neuen Partner an seiner Seite haben.bbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb bbbb
Werde, die du bist

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20.08.2014, 10:06
AW: Wer ist hier auch noch mit einem Witwer liiert?
@ Visurgis:
Ich bin absolut Deiner Meinung. Wenn (kleine) Kinder im Spiel sind, ist es wichtig, das Andenken an den toten Elternteil zu erhalten. Bei meinem Freund steht ein Familienbild und auch ein Bild von ihr im Wohnzimmer. Ich fühle mich zwar unbehaglich, wenn ich auf der Couch sitze und sie strahlt mich von ihrem Foto aus an. Aber letztendlich ist das völlig in Ordnung so, auch wenn die erwachsenen Kinder nicht mehr im Haus wohnen bzw. nur der älteste Sohn, der aber quasi nur zum Schlafen und Duschen nach Hause kommt :-)
Ja, ich denke, bei aller Offenheit ist er wohl noch nicht so weit, Veränderungen zu zu lassen. Das macht mich schon etwas traurig. Ich hatte gehofft, dass nach über drei Jahren die Trauer irgendwann mal nachlässt. Aber zumindest weiß ich jetzt, dass die unbefriedigende Situation nicht (nur) an mir liegt und ich keine überzogenen Erwartungen habe.


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