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    Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Liebe Mitmenschen und Mitlesende,

    schon seit längerer Zeit bin ich hin und wieder im Brigitte-Forum unterwegs, allerdings nur passiv mitlesend. Dies jedoch mit großer Begeisterung. Heute will ich selbst ein Thema eröffnen und bin schon gespannt und sogar ein wenig aufgeregt, ob und welche Resonanz ich bekommen werde.

    Mein ganz persönliches Thema ist das des Lebens einer "Schattenfrau". Ich kann jetzt im Moment nicht klar sagen, ob ich ein akutes Problem habe, oder mir einfach ein wenig einen Teil meiner Geschichte von der Seele schreiben will. Bei vielen Beiträgen war ich als Leserin sehr begeistert von den offenen und zugewandten Gesprächen, die sich hier ergeben haben, und all dies (sehr oft, nicht immer) frei von aggressiven Pauschalisierungen oder Verurteilungen. Leben ist nicht einfach - für keine/n von uns!

    Nun aber ans Eingemachte. Ich bin 33 Jahre alt und war über 4 Jahre die Geliebte eines verheirateten Mannes. Es gab diesbezüglich seinerseits nie Geheimnisse. Er war von Anfang an offen und ehrlich, erzählte mir von seinem Leben, seiner Frau, seinen beiden Kindern (heute 15 und 18 Jahre alt). Wir haben ein Jahr lang nur miteinander geschrieben und telefoniert, bevor wir uns ganz real trafen. Verliebt haben wir uns sehr schnell ineinander, unsere Seelen haben sich bereitwillig und zwanglos geöffnet. Man mag darüber denken, was man will, aber wir haben schon Liebe füreinander entwickelt, bevor wir uns real von Auge zu Auge gegenüberstanden. Die Empfindungen wurden intensiver, und so führten wir drei Jahre lang eine Fernbeziehung. Wir telefonierten jeden Abend mehrere Stunden. Er sagte mir, dass er seiner Frau von mir erzählt hat, gab mir aber immer wieder zu verstehen, dass er, vor allem wegen der Kinder, nichts an seiner Lebenssituation ändern würde. An diesem Punkt werde ich wohl wenig Verständnis oder Verstehen von euch bekommen. Ich ließ mich dennoch auf ihn ein, er sich umgekehrt auf mich.
    Als Selbstständiger hatte er während der gesamten Zeit unserer Beziehung auch immer viel Arbeit, Montag bis Sonntag... Unsere Zeit war also sehr begrenzt, was für uns unbefriedigend war. Es gab in uns beiden eine Sehnsucht, näher beieinander zu sein.
    Ich hatte einen Job, den ich schon längere Zeit loswerden wollte. Nach langen Überlegungen und vielen Gesprächen, die wahrscheinlich damals nicht konkret genug waren, zog ich in seine Nähe (300 km von meinem alten Zuhause entfernt). Ich hab wirklich mein gesamtes Leben umgekrempelt, weil ich hoffte und glaubte, wir würden langfristig eine Basis für ein gemeinsames Leben aufbauen können. Das ist nun ein dreiviertel Jahr her. In dieser Zeit sahen wir uns etwa ein Mal pro Woche... Mitten in der Nacht ist er immer weggefahren, er hat nie bei mir geschlafen. Die Treffen richteten sich stets nach seinem Terminplan. Ich fühlte mich nicht nur auf Abruf, ich war es... Es gab immer öfter Streit darüber, dass ich mich als zweite Wahl empfand. Er wollte aus Gründen einer gewissen Harmoniesucht immer, dass es allen Beteiligten so gut wie möglich ginge. In mir kamen immer mehr Zweifel auf, wie klar er z. B. gegenüber seiner Frau war, ich hatte ständig Angst.
    Ich kann im Moment nicht wirklich beschreiben, wie es mir geht. Letztes Wochenende haben wir uns getrennt, seitdem ist zum ersten Mal nach vier Jahren so lange Funkstille. Es ist so eine merkwürdige Stille. War es das jetzt? Ich bewege mich in ständigem Auf und Ab durch den Tag, fühle Fassungslosigkeit.

    Was denkt ihr???

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    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Ambivalentina

    Er sagte mir, dass er seiner Frau von mir erzählt hat

    Er wollte aus Gründen einer gewissen Harmoniesucht immer, dass es allen Beteiligten so gut wie möglich ginge.
    Du könntest Deine Zweifel mit seiner Frau, die ohnehin Bescheid weiß, ganz direkt klären.

    Verwechselt er da nicht Harmoniesucht mit Feigheit?


    Ambivalentina
    gab mir aber immer wieder zu verstehen, dass er, vor allem wegen der Kinder, nichts an seiner Lebenssituation ändern würde
    Was hast Du daran nicht verstanden?

  3. Inaktiver User

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Zitat Zitat von Ambivalentina Beitrag anzeigen
    Was denkt ihr???
    Hallo Ambivalentina.

    Ganz spontan denke ich, dass Deine Fassungslosigkeit einem brutalen "Wachwerden" geschuldet ist und habe Mitgefühl für Dich.

    Etwas nüchterner betrachtet würde ich Dir folgende Fragen stellen, die Du hier nicht beantworten musst, aber für Dich ein Einstieg in den Ausstieg sein könnten:

    1. Der Mann hat klar artikuliert, dass er seine Frau/Familie nicht verlassen wird. Was hat Dich veranlasst, dorthin - mit dem Wissen - zu ziehen und Dein eigenes Leben derart umzukrempeln? Warum hast Du das nicht ernst genommen?

    2. Seelenverwandtschaft.
    Ein Wort auf das ich heute - zugegeben - etwas allergisch reagiere. Der Hintergrund, ich bin vor Jahren ähnlich in eine Beziehung gegangen, die dann in eine destruktive endete (ich erlebte sie dann real, der Mann zog zu mir, d.h. er trennte sich tatsächlich, wir wurden ein Paar) und "Seelenverwandtschaft" war das Zauberwort schlechthin, bis es sich als völlige Verklärung herausstellte.
    Von Außen betrachtet sehe ich eine Menge Projektion (wohl beiderseits) in unendliche Wünsche und Gefühlswelten, die der Realität überhaupt nicht standhalten konnten/können bzw. es gar nicht erst versucht wurde - siehe Aussage des Mannes, die, nochmals, von Anfang an klar und deutlich war - und trotzdem das Einsteigen Deiner Denke in das Hoffen von " langfristig eine Basis für ein gemeinsames Leben aufbauen können".

    3. Du hast vier Jahre fokussiert auf einen Mann, der überhaupt nicht "frei" war, Dich nur nach seinem Leben ausgerichtet und, mit dem Umzug, wurde Dir dieser Spagat, diese Trennung von Wunsch und Realität zunehmend klarer (endlich möchte ich sagen, so weh es auch tat).
    Was hat Dich dazu gebracht, in dieser Art und Weise DEIN eigenes Leben so zu vernachlässigen, wie abhängig kann man von einem Menschen nur sein, um so viele Dinge auszublenden, die so offenbar auf der Hand liegen (ich klage Dich nicht an, ich weiß genau, worüber ich spreche).

    4. Du liebst einen Mann, der Dir Aussage a und b gegeben hat. Aussage a: ich trenne mich nicht. Aussage b: meine Frau weiß über alles Bescheid.
    Leben diese Menschen eine offene Ehe? Weißt Du das wirklich, woher rührte diese Angst in Dir?
    In einer offenen Beziehung wären - so kenne ich das - außerhäusliche Übernachtungen überhaupt kein Problem/Thema. Auch nicht bei Kindern, die im gemeinsamen Haushalt wohnen.

    5. Die Fassungslosigkeit nochmals zum Abschluss.
    Ich würde Dir sehr wünschen, genau hinzusehen, wer dieser Mann wirklich ist. Als Erstes. Und dann, wer bist Du, was bist Du in dieser Zeit "geworden", was ist übrig von dem Menschen, der Du vor dieser Beziehung warst?

    Ich vermute, diese Beziehung ist längst noch nicht "durch" (auch, wenn Dir das ein innerliches "ja und ich kann doch noch hoffen" beschert, wäre es m.E. viel viel klüger, einen Kontaktabbruch zu installieren). Ich vermute weiter, dass Du nur auf ein Zeichen von ihm wartest, um die Beziehung wieder aufzunehmen.

    Grundsätzlich darf ich Dir sagen, dass solche Beziehungsstrukturen lange Zeiten brauchen, um sich aufzulösen, was wiederum auch wirklich in Deiner Hand liegt. Wenn Du für Dich klar definieren kannst, was Du willst: Geliebte auf Lebenszeit sein, dann gehe den Weg (der Dir bereits zeigt, wohin Du damit kommst), oder vielleicht: eine schmerzvolle Trennung durchzuhalten und Dich wiederzufinden, um irgendwann frei zu sein, für einen Menschen, der wirklich zu Dir steht (ich weiß nicht, ob z.B. auch Kinder/Heirat Themen für Dich sind).
    Es könnte durchaus sein, dass hier eine Abhängigkeitsbeziehung gewachsen ist und es könnte auch sein, dass Du dieses alles noch nicht sehen willst oder kannst und dieser Beitrag bei Dir großes Bauchgrummeln hervorruft, achte genau auf Deine Reaktionen...

    Summa summarum: pass gut auf Dich auf.

    Ein lieber Gruß in die Nacht,

    narrare.

  4. Inaktiver User

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Zitat Zitat von Ambivalentina Beitrag anzeigen
    Ich hab wirklich mein gesamtes Leben umgekrempelt, weil ich hoffte und glaubte, wir würden langfristig eine Basis für ein gemeinsames Leben aufbauen können.
    Der Mann hat dir klipp und klar gesagt, was geht und was nicht geht...dafür, dass du dir mehr versprochen hast, kann er im Grunde genommen nix. Ich gehe übrigens davon aus, dass seine Frau nichts von dir weiß...zumindest wird sie nicht wissen, dass du seine Geliebte bist/warst. Wenn überhaupt, hat er dich vermutlich als platonische Freundin deklariert...
    Geändert von Inaktiver User (13.01.2012 um 07:20 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Zitat Zitat von Ambivalentina Beitrag anzeigen
    ..... Ich bewege mich in ständigem Auf und Ab durch den Tag, fühle Fassungslosigkeit....
    Ja, fassungslos kannst du sein wegen deiner letztendlichen Naivität, dass er sich doch noch für dich entscheidet bzw. deine Bedürfnisse Ernst nimmt. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, sondern eine Feststellung.

    Es wird dich momentan nicht trösten, aber du bist noch in einem Alter, wo du problemlos eine eigene Familie gründen kannst mit einem Mann, der voll und ganz zu dir stehen kann und will.

    Rappel dich auf und lebe dein eigenes Leben, ohne drauf warten zu müssen, eine kurze zeitliche Lücke im Leben eines anderen füllen zu "dürfen".

    Gruß, Elli

  6. User Info Menu

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Hallo Ambivalentina,

    was mir als allererstes zu Deiner Geschichte einfällt ist:

    - 4 Jahre sind so ungefähr der Zeitraum, wo man in Beziehungen oft die rosarote Brille der Verliebtheit trägt und damit die Beziehung auch immer ein bißchen rosarot sieht. Nach 4 Jahren wacht man dann so allmählich auf, guckt sich um und fragt sich: "Will ich diese Situation weiterhin so haben?"
    Bei mir und bei einigen meiner Bekannten war`s jedenfalls öfter schon so.

    - was man 4 Jahre lang gelebt hat, kann aber nicht ganz so daneben gewesen sein, kann nicht gänzlich an den eigenen Bedürfnissen und Wünschen vorbei gelebt gewesen sein. Ich denke, hättest Du Familie gewollt, hättest Du keine 4 Jahre andauernde Beziehung mit einem verheirateten Mann gehabt. Daher würde mich interessieren: Hast Du den Wunsch, eine Familie zu gründen oder würdest Du Dich eher als freiheitsliebenden, weniger bindungsfreudigen Menschen einschätzen?

    Herzliche Grüße
    Kyria

  7. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Ich staune überhaupt nicht. Du erzählst eine klassische Geschichte, was auch immer er für Liebesgesäusel losgelassen hat. Obwohl er dir ja durchaus ganz klar gesagt hat, er wird sich nicht trennen.

    Ich wüsste ganz ehrlich nicht, was ich an deiner Geschichte anders als andere Storys sehen würde in so einer Dreieckskonstellation.

    Du hast das erlebt, was Millionen von Geliebten leidvoll durchstehen mussten.

    Das Einzige was ich dir empfehlen kann: Schau, dass du nicht noch einmal in so eine Situation gerätst und den Kopf obenauf behältst.

    Alles Gute.

  8. User Info Menu

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Zunächst einmal an alle mein Dank für eure klaren Worte! Ich war ganz überrascht, so schnell so viele Antworten vorzufinden.

    @Schafwolle: Ich habe nicht das Gefühl, mit seiner Frau etwas zu klären zu haben. Die Beziehung hatte ich ja mit ihm! Wie schwierig die Konstellation auch immer sein mag, habe ich entweder ein Grundvertrauen, aus dem heraus ich liebe, oder ich habe es nicht. D. h. ich fühle mich entweder geliebt oder muss ständig nachfragen und nach Beweisen suchen, auch bei Dritten Bestätigung für die "Wahrheit" bzw. "Wahrhaftigkeit" suchen. Dieses Bedürfnis, was ja auch irgendwie eine gewisse Kontrolle bedeuten würde, habe ich nicht und hatte ich nie.
    Ich habe sehr wohl seine Worte gehört, dass er bei seiner Familie bleiben wird. Es geht ja hier nicht um mein intellektuelles Verständnis, sondern um das gefühlte, also hinsichtlich: "Wenn wir einander so wichtig sind, geht da nicht doch mehr?"
    Herz und Verstand sind selten einer Meinung. Was meinst Du?

  9. Inaktiver User

    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Zitat Zitat von Ambivalentina Beitrag anzeigen
    Herz und Verstand sind selten einer Meinung. Was meinst Du?
    Hm. Also meinen Verstand setze ich ganz gern für mich ein. Und leider sagt er mir ziemlich deutlich, dass ein Mann der schon eine Frau hat für eine Beziehung wie ich sie mir wünsche nicht in Frage kommt.

    Herz hin oder her.

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    AW: Schattenfrau tritt aus dem Schatten...

    Hallo Narrare,

    auch an Dich mein Dank für Deine Worte! Ich habe lange überlegt, ob ich hier schreibe, mich aber mit dem Ziel der Auseinandersetzung mit mir selbst und mit der erlebten Geschichte auseinander zu setzen. Deshalb will ich mich auch auf Deine Gedanken einlassen.

    1. Ich habe, genau wie er, eine beeindruckende Nähe, geistig und emotional, erlebt. Auch hatte ich den Wunsch, unabhängig von ihm, mein Leben neu zu gestalten. Ich hätte auch ohne dass es ihn gegeben hat mein Leben umgekrempelt und hätte meine alte "Heimat" verlassen. In seine Gegend bin ich gezogen, weil ich meinem Herzen gefolgt bin. Das mag verkitscht und romantisch klingen, ist es vielleicht auch, aber damit lebe ich. Ich habe keinesfalls das Gefühl, einen kollossalen Fehler mit diesem Schritt gemacht zu haben. Ich habe aus innerer Überzeugung gehandelt, und schon deshalb war es richtig. Ich bereue es nicht!

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