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    Ich hasse seine Tochter

    Ich bin mit meinem „gebrauchten“ Mann nunmehr drei Jahre zusammen. Fast ebenso lange ist er geschieden, hat einen fast erwachsenen Sohn und eine fünfjährige Tochter. Er sieht seine Kinder jedes Wochenende, seit wir uns kennen, ist der Samstag ein Ausflugstag, der ihnen gehört. Bis vor einem halben Jahr haben mein Lebensgefährte und ich eine Wochenendbeziehung geführt, deren fester Bestandteil eben dieser „Kindertag“ war. Mir war von Anfang an wichtig, einen unproblematischen Kontakt zu den Kindern zu haben und ihnen durch die neue Partnerschaft nichts wegzunehmen. So ergab es sich, dass mein Partner und ich über einen Zeitraum von knapp über zwei Jahren unser Wochenende mit seinen Kindern teilten, jeden Samstag gemeinsam viele Kilometer fuhren, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Rückblickend kann ich sagen, so bemüht gewesen zu sein, im vermeintlichen Interesse meines Partners und der Kinder gehandelt zu haben, dass ich gar nicht merken wollte, wie anstrengend mir die Wochenenden wurden und wie sehr ich meine eigenen Bedürfnisse (nach ungeteilter Aufmerksamkeit und Zweisamkeit mit meinem Freund) vernachlässigte. Eine Zeit lang versuchte ich sogar noch, gegen dieses Empfinden, mir selbst etwas wegzunehmen, anzusteuern, indem ich mich noch intensiver und fürsorglicher gegenüber den Kindern verhielt, als ich es ohnehin schon getan hatte. Ich strengte mich an, die verständnisvollste Partnerin und patenteste Freundin der Kinder zu sein. In dieser Zeit entwickelte sich eine so große Abneigung gegenüber meiner gespielten Rolle und leider auch ganz unbemerkt eine gegenüber der Tochter meines Lebensgefährten, dass ich mich mit ihm darauf einigte, nur ihn nur noch jeden zweiten Samstag zu begleiten. Ich sprach mit ihm offen über meine Beweggründe, nur die aufkeimende Abneigung gegenüber seiner Tochter, die er vergöttert wie keinen zweiten Menschen auf Erden, ließ ich unerwähnt. Mit der Zeit wurde mir klar, in welch großem Ausmaß ich durch meine geheuchelte Fürsorge und gespielte Zuneigung gegenüber dem Mädchen Aggressionen entwickelt hatte, aber da war es zu spät, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
    Seit einem halben Jahr lebe ich nun mit meinem Partner zusammen und überlasse die Kindersamstage größtenteils ihm. Ursprünglich hatten wir, mit Absprache der Kinder und deren Mutter, geplant, die Jedes-We-Regelung nach unserem Zusammenziehen in eine Jedes-zweite-We-Regelung zu überführen, die Kinder dann aber das gesamte Wochenende zu uns zu nehmen. In der fernen Theorie klang dieser Plan immer gut, in der nahenden Praxis scheint er mir undurchführbar.
    Auf Drängen seiner Exfrau hin hat mein Freund nun ohne vorherige Absprache mit mir vereinbart, die Kleine am kommenden Wochenende zum ersten Mal bei uns übernachten zu lassen. Mir graut vor dieser Vorstellung. Davor, Intimität mit dem Kind zu teilen, sie in der gemeinsamen Wohnung, in meinem Heim zu haben, dem Kontakt mit ihr dort und über viele Stunden nicht aus dem Weg gehen zu können. Ich will seine Tochter nicht in einer so unausweichlich intimen Zusammenkunft ertragen müssen. Allein die Vorstellung erzeugt Hassgefühle in mir, die so stark sind, dass sie mich erschrecken.
    Trotz dieser manifesten Antipathie frage ich mich, ob der probateste Weg zu deren Überwindung nicht darin liegen könnte, mich der Situation zu stellen. Ich bin mir darüber bewusst, woher die Abneigung gegenüber dem Kind resultiert. Es sind Gefühle der Eifersucht, die ich auf sie projiziere, sie ist für mich zum Sinnbild der Dinge geworden, die ich mit meinem Freund niemals haben oder auch nur teilen kann. Er will keine weiteren Kinder mehr, ich verspüre zumindest die tiefe Sehnsucht, eine eigene Familie mit ihm zu haben, manchmal aus dem puren Wunsch heraus, manchmal lediglich als Kontrapunkt, als Ausgleich zu dem, was er an Bindungen in die „alte“ Familie hat. Ich bin eifersüchtig auf seine Exfrau, die er auf eine Art und Weise geliebt hat, die er mir leider vorenthält. Er liebt mich tief und innig, aber nicht auf solch zwingende, leidenschaftliche Weise, wie er sie geliebt hat. Dass die verfleischlichte Frucht dieser Bindung nun von mir umhegt und umsorgt werden soll, empfinde ich als abartig, als Zumutung, als Hohn, zumal seine Tochter der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Wenn ich sie ansehe, sehe ich seine Exfrau und wenn er sie ansieht, voller Liebe, sehe ich ihn seine Exfrau ansehen. Es will mir nicht gelingen, dieses Gefühl zu rationalisieren, noch will mir einfallen, wie ich diese Tatsache ihm gegenüber so sanft und gleichzeitig nachdrücklich formulieren soll, dass er mit Verständnis reagiert. Er weiß und meine Eifersucht und ihre Gründe, aber er weiß nicht, wie sehr sie mich zerfrisst. Alle Versuche, das Thema behutsam anzusprechen und zu einer Lösung zu finden, schlugen bisher fehl, denn er ist mit kaum etwas so närrisch wie mit seiner Tochter und bei keinem anderen Thema so übersensibel.
    Ich glaube nicht, dass ich den Mut finde, geschweige denn die Kraft habe, mich mit ihm kurzfristig auszutauschen und ihm zu gestehen, dass ich mehr als Bauchschmerzen habe, wenn ich an das näher rückende Wochenende denke.
    Vielleicht hat eine/r von euch einen guten Ratschlag für mich?

  2. User Info Menu

    AW: Ich hasse seine Tochter

    und zu einer Lösung zu finden
    Was fuer eine Loesung soll das sein? Dass er seine Tochter nicht mehr sieht? Oder seine Tochter nicht mehr liebevoll anschaut.

    Da gibt es nur zwei Loesungen. Entweder machst du eine Therapie und lernst diesen Hass abzubauen und die Gruende dafuer begraben oder du suchst dir einen Mann mit dem du deinen Kinderwunsch erfuellen kannst und der eben nicht "gebraucht" ist.
    Alles Andere fuehrt zum tiefen Unglueck von vier Menschen, zwei davon Kinder.

  3. Inaktiver User

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Diomarta,

    du musst seine Tochter nicht liebhaben oder deine Freizeit, die du zu deiner Erholung brauchst, mit ihr verbringen.

    Dein Freund liebt seine Tochter und möchte Zeit mit ihr verbringen, das ist normal. Du willst Paarzeit mit ihm haben. Ist auch normal.

    Manchmal begegnet man sich zur falschen Zeit. Eure Lebensentwürfe und -situationen passen momentan nicht so richtig zusammen, würde ich sagen. Jeder ist für sich mit seinen Wünschen und Vorstellungen ok, aber es passt leider nicht zusammen.

    Das ist Fakt. Dich selbst ob dieser Erkenntnis zu pathologisieren finde ich...... naja.

    Andere Mütter haben auch nette Söhne. Da ist sicher einer dabei, der mit dir eine Familie gründen möchte.

    Gruß, Elli

  4. Inaktiver User

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Zitat Zitat von Diomarta Beitrag anzeigen
    Alle Versuche, das Thema behutsam anzusprechen und zu einer Lösung zu finden
    Ich sehe keine...es würde mich aber interessieren, welche Lösung dir vorschwebt.

    Vielleicht hat eine/r von euch einen guten Ratschlag für mich?
    Ich habe den besten: Trenn dich. Das ist absolut ernst gemeint, weil ich denke, das wäre das Sinnvollste für alle Beteiligten. Auch für dich.

  5. Inaktiver User

    AW: Ich hasse seine Tochter

    du kommst mit der tochter nicht einig, du schiebst eine riesenkrawatte auf seine vergangenheit- er kann bei dir einziehen, dich heiraten- er kann alles tun- du hälst ihm innerlich seine vergangenheit vor.

    habe ihn lieb- und trenne dich in güte von ihm.

    ihr tut euch nur gegenseitig weh.

  6. Inaktiver User

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Dein Problem liegt in dir. Begebe dich bitte in professionelle Hände. Wenn es nicht das Kind ist, dann ist es Nachbars Porsche vor der Tür. Nur, dass sich ein 5-jähriges Kind gegen deinen Hass nicht zur Wehr setzen kann und Schaden davontragen wird. Kinder spüren sehr deutlich, wenn sie abgelehnt werden. Aber damit können viele umgehen, weil eine Ablehnung ein klares Signal ist. Wirklich schlimm wird es, wenn Menschen da sind wie du. Menschen, die heucheln, doppelte Signale aussenden. Aber nicht nur das; das Mädchen liebt ihren Vater und bemerkt, wie er mit dir verbunden ist, der Ersatz-Mutter. Sie will dir gefallen. Unbedingt. Denn sie will ihrem Vater gefallen. Aber du hasst sie, und so hat sie keine Chance...

    Ich finde das zum Heulen! Ehrlich! Es bewegt mich zutiefst, und ich fühle mit dem unschuldigen kleinen Kind!

    Du hast doch selbst erkannt, dass sie eine Projektion deines eigenen Selbst-Hasses ist. Gleichzeitig glaubst du tatsächlich, du müsstest "eigentlich" deinem Partner, dem Vater dieses Mädchens, deine fehlgeleiteten Gefühle beichten? Wo, bitte-schön, soll denn da die Lösung sein???

    Also wiederhole ich: Das Problem liegt in dir. Und da, wo das Problem liegt, befindet sich auch der Schlüssel zur Lösung. Was du jetzt tun kannst, ist, dir das immer wieder klar und deutlich vor Augen zu halten, wenn dich gerade diese hasserfüllten Gefühle übermannen. Dir selbst sagen: Ich projeziere nur. Es ist in mir. Die Kleine hat nichts damit zu tun!

    So hören wenigstens deine heuchlerischen Signale auf. Vielleicht hilft es auch, wenn du eine Weile nicht da sein wirst, wenn das Mädchen bei euch ist. Um dich selbst mal in den Griff zu bekommen.

  7. Inaktiver User

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Also ich sehe das nicht ganz so vernichtend wie meine Vorschreiberinnen,
    wenn auch durchaus sehr ernst.

    Ich könnte mir vorstellen dass eine Gesprächsbereitschaft deines Partners bezüglich des Themas für dich nicht nur faktisch eine große Erleichterung wäre,
    sondern eben auch ein Zeichen auf übergeordneter Ebene.

    Oder andersrum betrachtet- durch die Tabuisierung, die das Thema durch deinen Partner erfährt wird genau dieses Gefühl der Abneigung, Eifersucht, Ohnmacht in dir genährt und der innere Konflikt immer weiter verschärft.

    Ein Kind nicht leiden zu können ist ein Gefühl, das gesellschaftlich geächtet ist-
    liest man ja hier. Das ändert aber nichts daran, dass du dieses Gefühl hast, und ihm nicht mal Ausdruck verleihen darfst und kannst, um das Schreckgespenst damit vielleicht ein wenig zu entmachten.

    Vielleicht bin ich auch nur deshalb die gegenüber nachsichtig, weil eine Freundin von mir ähnliches, in anderer, teils abgeschwächterer Form, was ihre Abneigung, in heftigerer, was die Vergötterung und Unantastbarkeit der Kids (und in gewisser Weise auch deren Mutter) durch ihren Partner betraf, mitmachte.
    Das Partner niemals den gleichen Stellenwert haben können wie die eigenen Kinder, und auch das die leibliche Mutter eine Sonderrolle hat, ist klar.
    Wenn man aber so ganz und gar das Gefühl hat hinten runter zufallen, und das nicht mal wagen darf zu artikulieren, weil dann erst recht Polen offen ist- mei, des ist schlecht!!!!

    Da stimmt bei der Paarkommunikation an sich doch schon einiges nicht.

    Auch der Umstand, dass ihr von Beginn an kaum Zeit für euch hattet, bei ihm wohl auch das Bedürfnis danach gar nicht da war, bzw. weit hinter dem Bedürfnis rangierte Zeit mit seinen Lütten zu verbringen spricht für seine Prioritäten.
    Nicht das ich was dagegen hätte, aber um mich geht es ja nicht-
    sondern um dich.

    Und wenn du mich fragst, frag ich -ohne wertenden Unterton- zurück:
    warum muss es ausgerechnet dieser Mann sein?
    Der neben den vielfältigen Problemen und Unterschiedlichkeiten hinsichtlich partnerschaftlicher Vorstellungen, Interessen und zwischenmenschlichem Austausch dir auch nicht im entferntesten die Zukunft bieten wird, die du dir erträumst.

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    AW: Ich hasse seine Tochter

    @ Diomarta

    Möchte mich im Kern dem Beitrag von schlaflos anschließen - doch das weißt du alles im Grunde ja selbst.

    Du fragst nach einem Rat fürs nächste WE? Ich sage (auch sie schlaflos): erstmal raus aus der Situation, verschwinde erstmal, wenn die Tochter da ist. Is wahrscheinlich auch besser für die nächsten Male.

    Ansonsten: deine Ratio geht nicht konform mit deinem Gefühl, auch das weißt du selbst. Versuche irgendwie, für die nächsten Wochen Zeit zu gewinnen und den für dich schmerzlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Das scheint mir akut das beste zu sein.

    Und dann? Na klar, du ahnst es schon ... reden mit deinem Freund, sehr lange und und intensiv und immer wieder ... ihr müsste einen Weg finden und ihr könnt das auch (du auf jeden Fall hast ne gute Voraussetzung dafür), evtl. in der Tat ne gute Paartherapeutin.

    Der Kern scheint wirklich zu sein: er will keine Kinder mehr mit dir ...

    VanDyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

  9. User Info Menu

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Ich habe gerade aufgrund der Dringlichkeit mit meinem Partner offen gesprochen. Wie zu erwarten, war das Thema so sensibel, dass mehr als ein paar Tassen zu Bruch geraten sind.
    Er war sehr wütend, hilflos und verständnislos, aber ich habe es geschafft, diese unschöne Situation zu verbalisieren. Not tat das. Ich liebe ihn sehr, das hätte ich vielleicht mehr herausstellen sollen.
    Natürlich brauche ich keine Therapie. Leute, es ist normal, dass solche Situationen nicht leicht sind. Und wenn man es überambitoniert angeht, befindet man sich schnell in einer Situation wie meiner.
    Er gibt mir schlicht zu wenig, damit ich mit seiner Tochter mithalten kann. Da liegt das Problem.
    Geändert von Diomarta (07.10.2011 um 16:02 Uhr)

  10. User Info Menu

    AW: Ich hasse seine Tochter

    Du bist nicht verantwortlich was Dir in den Kopf kommt...aber Du bist verantwortlich wie Du damit umgehst.

    Ich kann verstehen, dass Du das Kind nicht magst, ich finde es aber gefährlich ein Kind zu hassen.

    Ich rate Dir trenne Dich damit es Euch allen besser geht.
    Los lassen ist einer der besten Geschenke die man sich geben kann.

    Mckenzie

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