Hallo,
ich lese hier viel mit in der letzten Zeit und das war auch schon sehr hilfreich. Ich bräuchte aber mal ein paar Meinungen von außen. Vll könnt Ihr mir ja helfen.
Ich stehe momentan auf der Warteliste für einen stationären Platz in einem psychosomatischen Krankenhaus. Vor Januar wird wohl nichts für mich frei sein, vll muss ich aber noch länger warten. Mir wurde im Vorgespräch empfohlen, mir mal über Medikamente Gedanken zu machen. Die sollen mir die Wartezeit wohl erträglicher machen. Ich muss sagen, dass ich im Hinblick auf meinen Arbeitsplatz eigentlich sehr für Medikamente bin. Aktuell habe ich Angst, meinen Job zu verlieren. Ich komme mir vor wie eine tickende Zeitbombe, die jeden Moment hochgehen könnte. Ich habe das Gefühl, jeden Moment ausflippen zu können und irgendwas zu tun, was meinem Job "nicht gerade förderlich ist". Patzig gegenüber dem Chef oder aber einfach so weggehen, heulend zusammenbrechen, was auch immer. Meine Angstliste ist diesbezüglich lang.
Meine Probleme haben nicht nur mit dem Job zu tun. Ich glaube zwar, an sowas wie Burn-Out zu leiden (bin auch nicht die Einzige in der Firma, der es schlecht geht, denn der allgemeine Druck ist sehr hoch und die Art, wie man mit Mitarbeitern umgeht größtenteils unmöglich), aber die Ursache allem liegt eher in meiner Kindheit, was mir gerade in den letzten Wochen sehr bewusst geworden ist. Daher habe ich auch große Angst vor diesen Medikamenten. Wie wirken die denn? Ich bin trotz allem Schmerz so froh, dass mir nun einiges bewusster geworden ist. Keinesfalls will ich diesen Hahn wieder zudrehen und mich betäuben, nur damit ich auf der Arbeit funktioniere (dankt einem doch eh keiner). Aktuell habe ich fast tägliche neue "Erkenntnisse". Sind gar nicht mal so die großen Neuigkeiten, aber die Dinge (Ursachen meiner Probleme) werden klarer und das möchte ich einfach nicht verlieren. Das kann doch auch bestimmt nicht gut für mich sein?
So gesehen muss ich meinem Arbeitgeber fast dankbar sein. Wäre es im Job nicht immer schlimmer geworden, hätte ich andere Probleme vll weiter verdrängen können. So aber fehlt mir die Energie, alles im Griff zu haben und ich habe erstmals in meinem Leben vor einigen Monaten gespürt, dass ich Hilfe von außen brauche. Nun ist die Hilfsmaschine am Laufen, aber ich muss halt Moooonate überbrücken und weiß nicht wie. Medikamente ja/nein?![]()
Für Hilfestellung und Gedankenanregung wäre ich dankbar.
Müde,
Luci
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20.09.2008, 20:28Inaktiver User
Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
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20.09.2008, 20:40Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
Hallo Luci,
ich verstehe deine Unschlüssigkeit sehr sehr gut - ich habe selbst schon mehrfach vor der gleichen Entscheidung gestanden.
Magst du mal sagen welcher Art deine Symptomatik ist? Du schreibst im Forum Depressionen - sind es welche? Oder Ängste, Erschöpfung? Von welchen Medikamenten wurde denn gesprochen?
Im übrigen ist es prima dass du für dich erkannt hast Hilfe zu benötigen und alles in die Wege geleitet ist.
LG
Susi
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20.09.2008, 21:13Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
hallo susi,
wie hattest du dich denn entschieden? falls dafür: wie haben die medikamente auf dich gewirkt?
bei mir wurde von keinen bestimmten medikamenten gesprochen. wenn ich welche haben möchte, müsste ich wohl erstmal wieder aktiv werden und mich an einen psychiater wenden. therapeuten dürfen nichts verschreiben, glaube ich, und an meinen hausarzt möchte ich mich auch nicht wenden. der nimmt sich gerade mal 10 minuten zeit und wird dann schon unruhig. das ist okay für nen grippalen infekt, aber nicht für meine seele.
denke schon, dass es aktuelle eine richtig "nette" depression ist. die ursache meiner probleme im alltag liegt aber in meiner kindheit begründet. ich schleppe das also schon ewig mit mir herum. tja, ich schreibe unter depression, weil es meine aktuelle empfindung ist. vll hätte ich auch unter psychotherapie schreiben können. ich finde es eh komisch, dass man das hier vor kurzem so getrennt hat. für mein empfinden liegen die dinge recht nah beieinander.
ja, ich fühle mich erschöpft, müde, ausgelaugt. meine energie ist an einem arbeitstag so spätestens gegen 12.00 h aufgezerrt. die zeit danach (bis zum feierabend) bedeutet eine große anstrengung für mich. komme ich dann nach hause, habe ich kaum noch lust auf irgendwas und bin froh, mich irgendwo "ablegen" zu können. spaß bringt das alles keinen (mehr).
ängste? hm, nicht so direkt. in erster linie die angst vor jobverlust, wenn das so weitergeht mit mir. unabhängig davon, dass ich angst habe, mal etwas unüberlegtes zu sagen oder da auszuflippen, lässt meine arbeitsleistung aktuell zu wünschen übrig. ich würde sagen, dass ich nur ca. 50% fahre
. bis jetzt ist das noch keinem aufgefallen. ich habe ein eigenes arbeitsgebiet und wenn da alles läuft (und das tut es, soviel ist auf jeden fall drin), dann merkt das auch keiner. im oktober/november wird aber deutlich mehr zu tun sein. mir graust jetzt schon!
ja, ich bin auch froh, dass ich es endlich angehe. ich merke auch, wie wichtig es ist, dass der wunsch aus einem selbst heraus entsteht und man nichts tut, nur weil jemand sagt "lass dir helfen". vermutlich musste der leidensdruck einfach nur stark genug werden.
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20.09.2008, 21:50
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
Zitat von Inaktiver User
Deine Beschreibung klingt ev. nach einer depressiven Verstimmung. Dagegen gibt es tatsächlich eine gute medikamentöse Behandlung - diese sollte allerdings nur mit begleitender Psychotherapie erfolgen, da sonst nur die Symtome, nicht aber deren Ursachen behandelt werden.
Moderne Antidepressive (z.B. Citalopram, fluctine, etc.) machen nicht abhängig und haben wenig Nebenwirkungen - können jedoch Symptome wie Erschöpfung etc. gut lindern.
Ich würde mir an deiner Stelle einen Facharzt für Psychiatrie suchen und mich von diesem beraten lassen.
Ich würde allerdings sicherheitshalber einen Blutbefund machen, um etwaige organische Ursachen auszuschließen (eisenmangel, Entzündungsherd im Körper, Reuma etc.).
Vielleicht kannst du bis zum Klinikaufenthalt ein paar freie Tage einplanen, z.B. ein Wochenende in einem Wellnesshotel.
Alles Gute!
Sumpfhuhn
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20.09.2008, 22:03Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
Hallo Luci,
hast du denn aktuell einen Therapeuten mit dem du das besprechen könntest? Oder stehst du in Kontakt mit der Klinik und könntest dich da beraten lassen?
Bis Januar ist ja noch eine Weile und bis dahin musst du ja irgendwie zurechtkommen - so wie du es schilderst ist die Arbeitssituation im Moment wohl sehr anstrengend und nicht gerade von Verständnis geprägt.
Wenn du Angst vor Jobverlust hast baut das zusätzlichen Druck auf der die Situation nicht gerade einfacher macht. Im Hinblick darauf wären Medikamente evtl. eine gute Stütze - in dem Fall solltest du sie wirklich als "Krücke" sehen die du irgendwann nicht mehr brauchst. Entscheiden musst du das aber letztendlich mit fachlicher Beratung!
Ich verstehe deine Bedenken dass ggfs. wieder was "zugedeckelt" wird durch die Einnahme von Psychopharmaka. Aber sieh das mal nicht so eng. Sicher sind Tabletten keine langfristige Lösung - aber du bist willens aktiv an deinen Themen zu arbeiten, das ist eine gute Voraussetzung. Und alles was dir jetzt bewusst wurde verschwindet auch nicht einfach so nur weil du Tabletten nimmst.
Wichtig finde ich aber dass du dann auch wirklich dahinter stehst, sonst macht die Einnahme auch wieder unnötige Sorgen oder Druck den du gar nicht gebrauchen kannst!
Tja, wie war das bei mir. Es ist nicht so wirklich vergleichbar weil ich eine Angststörung mit Panikattacken habe.
Anfangs wollte ich nur dass es mir besser geht und habe mir wenig Gedanken darüber gemacht, bzw. hatte vor lauter Leidensdruck das Gefühl keine Wahl zu haben.
Irgendwann habe ich die Medikamente dann abgesetzt, habe aber in Krisenzeiten immer wieder vor der Entscheidung gestanden "soll ich oder soll ich nicht?"
Ich "durchlebe" es jetzt ohne und es ist für mich die richtige Entscheidung. Meine Ängste wollen mir immer was sagen und mich weiter bringen (auch ich decke gerade "Altlasten" auf) - mit Tabletten würde ich zuviel eindämmen was raus will.
Aber das ist wirklich ganz persönlich und nicht übertragbar.
Bei jedem ist das wohl anders....
Ich empfehle dir wirklich fachlichen Rat, das wird es dir leichter machen für dich zu entscheiden.
Kannst du aktuell irgendwas Gutes für dich tun? Dir was gönnen, lieb mit dir umgehen?
Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit!
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22.09.2008, 13:34Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
ich glaube, dass es schon deutlich mehr als "nur" eine depressive verstimmung ist
Zitat von Sumpfhuhn75
begleitende psychotherapie kann ich leider nicht machen, da die wartezeiten ewig lang sind. ich warte auf den klinikplatz und muss mir demnächst eine thera für die zeit nach der klinik suchen. nicht, dass ich dann in ein loch falle oder so.
facharzt für psychatrie. ja, du hast recht. ich weiß, ich weiß...und trotzdem...ich fühle mich, als ist schon das zu anstrengend
bin vermutlich auch so negativ, weil ich angst habe, dass mich das zeug betäubt bzw sonstwie das hirn vernebelt.
wenn ich wüsste, ich könnte schon in ca. 2 monaten in die klinik, würde ich vll gar versuchen, mich krankschreiben zu lassen. aber ich muss ja viel länger warten und traue mich daher nicht *seufz*
danke für dein posting
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22.09.2008, 13:42Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
genau so geht es mir auch
Zitat von Inaktiver User
....das ist ja das problem. ich habe seit ein paar wochen das gefühl, dass ich fast täglich neue erkenntnise dazu gewinne. das ist schön und wichtig, aber auch anstrengend, weil ich nicht mehr meine augen verschließen kann und mich dem irgendwie stellen muss. ich habe gar nicht mal angst davor, dass ich bereits gewonnene erkenntnisse wieder verliere, aber es kämen bestimmt keine neuen hinzu. das ist es, was mir sorgen macht. wenn man jahrelang verdrängt und mit einmal so vieles ans licht kommt, ist es doch wertvoll. ich weiß nur nicht, wie ich das mit meinem berufsleben verbinden soll
danke für deine mühe
ich bin in einer phase, wo ich nicht wertvoll genug mit mir umgehe. lieb umgehen, würde bedeuten, krank zu hause zu bleiben und zeit für mich zu haben. und zwar nicht nur für 2 wochen. aber das geht ja gar nichtKannst du aktuell irgendwas Gutes für dich tun? Dir was gönnen, lieb mit dir umgehen?
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22.09.2008, 13:51
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
seufz.
liebe luci!
antidepressiva vernebeln dein hirn nicht. die gängigen mittel, die verschrieben werden (serotonin-wiederaufnahme-hemmer) machen vielleicht am ersten tag der einnahme etwas müde, das ist alles.
ich begreife nicht, woher diese so weitverbreitete, riesige angst vor medikamenten kommt, die wirklich helfen.
schau: wenn du eine depressive phase hast (was ziemlich weit verbreitet und kein exotisches leiden ist), dann liegt eine stoffwechselstörung im gehirn vor, ganz vereinfacht gesagt. vielleicht hilft es dir, dir wirklich klar zu machen, dass das gehirn ein organ ist wie leber, niere, herz, bauchspeicheldrüse etc auch? und wenn zu z.b. ein stoffwechselproblem der bauchspeicheldrüse hast, dann gehst du selbstverständlich zum arzt, um das medikamentös zu behandeln. fragst du da nach nebenwirkungen?
wieso diese zögerlichkeit, das gleiche für depressionen zu tun und da gut mit dir umzugehen? ok, das gehirn ist das organ, das dich fühlen lässt, und das dir deinen seelischen und geistigen zustand "gibt" (ich vereinfache absichtlich, das ist nicht respektlos gemeint
). bitte befrei dich von diesem unnötigen tabu! es hindert dich daran, den ersten schritt zur selbsthilfe zu tun!
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22.09.2008, 14:08Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
Ich habe vor 11 Jahren an einer Depression gelitten. Ich habe es schon einmal erwähnt - mir hat die Pharmaindustrie das Leben gerettet.
Meine Sympome waren vor allem Schlaflosigkeit - in extremer quälender Form. Aber auch Antriebsschwäche, Lebensangst, die ganze Palette.
Ich bekam ein Antidepressivum, welches schlafanstoßend wirkte. Binnen zweier Wochen waren die schlimmsten Schlafstörungen vorbei.
Antidepressiva sind im allgemeinen gut verträglich - machen nicht abhängig und dämpfen nicht!!!! (Wie das bei Psychosemedikamenten ist, weiß ich nicht, aber wir sind ja hier bei Depressionen). Das Gegenteil war bei mir der Fall - ich schlief wieder besser, hatte Kraft und Energie für den Tag.
Ich hab die Tabletten über 1 Jahr genommen, niedrig dosiert, dann langsam ausgeschlichen.
Meiner Meinung nach sind die Vorurteile gegenüber Psychopharmaka in der vorherrschenden Art nicht gerechtfertigt.
Eine Depression ist eine Stoffwechselstörung im Gehirn - und hier greifen die Medikamente ein. Kein Diabetiker würde auf die Idee kommen, auf sein Insulin zu verzichten.
Natürlich spielen bei Depressionen psychosoziale Elemente eine Rolle. Ich glaube aber nicht, dass alleine eine Therapie hilft, denn es müssen auch immer Vorgänge im Gehirn dazu kommen, dass eine Depression besteht.
Luci, ich bin das beste Beispiel dafür, dass mir innerhalb weniger Wochen die Antidepressiva mein Leben gerettet haben (ich war suizidgefährdet). Ich war in der Depression der festen Überzeugung, dass ich dieses tiefe dunkle Tal niemals durchschreiten werde - und doch strahlte bald die Sonne wieder am Ende des Tunnels.
Alles Gute
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22.09.2008, 14:08Inaktiver User
AW: Medikamente ja/nein - bin unschlüssig...
hallo lizzie,
Zitat von Lizzie64
ich bin kein großer freund von medikamenten, aber würde mir sofort etwas davon einwerfen, wenn es mir nur darum ginge, mich besser zu fühlen. ich habe auch keine angst vor den üblichen nebenwirkungen. mir geht's schlecht, die wären mir jetzt auch egal.
ich habe angst davor, dass es mir wieder ZU gut geht, dass ich wieder alles verdränge, dass ich die ursache meiner probleme nicht mehr so stark spüre. ich lerne momentan soviel über mich, wie in all den jahren nicht. ich habe angst davor, diesen hahn durch medikamente wieder zuzudrehen. versteht mich nur keiner oder übertreibe ich mit meiner sorge?


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