+ Antworten
Seite 2 von 5 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 43
  1. Avatar von Dachziegel
    Registriert seit
    30.04.2008
    Beiträge
    1.132

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Quirin
    Bei Selbstmordgedanken würde ich eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie erwägen.
    Ja, ich auch. Man kann als Normalsterblicher natürlich niemanden in die Psychiatrie "zwangseinweisen", aber die Polizei bzw das Ordnungsamt kann das. Und die kann bzw muss man benachrichtigen, wenn jemand einem gegenüber Selbstmordabsichten geäußert hat.

  2. AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Quirin
    Bei Selbstmordgedanken würde ich eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie erwägen.
    Erwägen würde ich diese auch.

    Allerdings im vollen Bewusstsein darüber, dass es genau diese Politik der schnellen Einweisung ist, die Selbstmordgefährdete in die Enge treiben und letztlich sogar davon abhalten kann, sich im Gespräch über Suizidgedanken vertrauensvoll zu erleichtern.

    Der zusätzliche Druck, den das Verschweigen von Selbstmordgedanken aus Angst vor Zwangseinweisung beim Gefährdeten bewirken kann, bewirkt leider allzu häufig die Tat, die es zu verhindern galt.

    Ich habe vor Jahren einmal gegenüber einer "Freundin" geäußert, am liebsten nicht mehr leben zu wollen. Ich befand mich in einem Zustand hochgradiger Seelennot, war allerdings weit davon entfernt, mich vor den nächsten Zug schmeißen zu wollen.
    Ich hatte mir Beistand, Verständnis und Trost erhofft und bekam stattdessen Hilfe.

    Meine Freundin informierte ohne zu zögern die Polizei und den sozialpsychiatrischen Dienst.
    Ehe ich mich versah, saß ich einer wildfremden Frau gegenüber, die es in Sachen Sachkompetenz und Einfühlungsvermögen locker mit meiner Wohnzimmerwand aufnehmen konnte.
    Ihre gehetzte Aufgabe war es, möglichst schnell den Grad meiner Gefährdung festzustellen.
    Sie sagte ganz trocken zu mir: Im Zweifelsfall lasse ich Sie in die Psychiatrie einweisen.

    Unter dem vollen Aufgebot meiner verbliebenen Ressourcen gelang es mir, ihr ihre Zweifel zu nehmen.
    Ich hatte Panik.
    Während ich meine Verzweiflung zu einer Verirrung und die gefühlte Aussichtslosigkeit zu einer Spontanblindheit banalisierte, ging mir die ganze Zeit der Gedanke im Kopf umher, in meinem Vertrauen verraten und verkauft worden zu sein.

    Eine Zwangseinweisung sollte das letzte Mittel bleiben - und zwar gerade weil der Bereich zwischen Hilfe und Hilfeleistung eine so hochsensible Grauzone ist.
    Das vielbenutzte Argument, im Zweifelsfalle verhindere man lieber durch scharfe Maßnahmen das Äußerste, als durch Zögern und Hilflosigkeit einen Suizid mitverantworten zu müssen, lasse ich nicht gelten.

    Zu oft wird es als Legitimation missbraucht, sich dem Tabu Suizid nicht in dem Maße und nicht zu der Zeit stellen zu müssen, die eine plötzliche, persönliche Konfrontation in Anspruch nähme.
    Eines sollte man ständig im Hinterkopf haben:
    Die allerwenigsten Suiziderwägenden wollen sterben, sie wissen nur nicht mehr, wie sie leben sollen.
    Die allerwenigsten Suiziderwägenden verbalisieren ihren Konflikt, um vor dem Tod gerettet zu werden.
    Sie tun das, um einen Grund zum Leben zu finden.

    "Die Geschlossene" ist sicherlich keiner.
    1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.

    2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.

    9.) Iss einen Keks.


    Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
    (Georg Christoph Lichtenberg)

  3. Inaktiver User

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken



    ein Hilfeschrei einfach wegsperren löst keine Probleme und lässt den Menschen noch viel einsamer zurück.

  4. Avatar von Dachziegel
    Registriert seit
    30.04.2008
    Beiträge
    1.132

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Inaktiver User


    ein Hilfeschrei einfach wegsperren löst keine Probleme und lässt den Menschen noch viel einsamer zurück.
    Wer soll denn hier "weggesperrt" werden?

    Ich habe lange in der Psychiatrie gearbeitet, da wurde sich engagiert und sachkundig um die Patienten gekümmert. Golddrops' Erfahrungen sind keine schönen, so sollte es nicht laufen.

    Es gibt den Rat, einen Suizidgefährdeten dazu zu bewegen, freiwillig stationäre Hilfe anzunehmen. Dann ist er eben freiwillig und nicht per PsychKG (also zwangsweise) in der Psychiatrie und hat damit einen anderen Rechtsstatus. erst wenn das nichts fruchtet, sollte man ihm mitteilen, dass man dann die Polizei benachrichtigt.

    Ich glaube, als Laie ist man schnell überfordert mit so einer Situation. Man sollte hier seine Kräfte und Einflussmöglichkeiten nicht überschätzen.

  5. AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Dachziegel
    Wer soll denn hier "weggesperrt" werden?
    PsychKG ist natürlich der reizärmere Ausdruck.
    Eine Zwangseinweisung stellt für den suiziderwägenden Menschen in den allermeisten Fällen eine extreme Stressbelastung dar, die allein nicht zu unterschätzen ist.

    Ich habe lange in der Psychiatrie gearbeitet, da wurde sich engagiert und sachkundig um die Patienten gekümmert.
    In der Akutpsychiatrie sind die primären Interventionsmaßnahmen vorrangig keine solchen, die sich durch Engagement auszeichnen müssen.
    Das Wort "sachkundig" gefällt mir allerdings in diesem Zusammenhang recht gut.


    Es gibt den Rat, einen Suizidgefährdeten dazu zu bewegen, freiwillig stationäre Hilfe anzunehmen. Dann ist er eben freiwillig und nicht per PsychKG (also zwangsweise) in der Psychiatrie und hat damit einen anderen Rechtsstatus. erst wenn das nichts fruchtet, sollte man ihm mitteilen, dass man dann die Polizei benachrichtigt.
    Nötigung zur Freiwilligkeit ist auch keine Lösung.

    Ich glaube, als Laie ist man schnell überfordert mit so einer Situation.
    Das glaube ich auch.
    Ist der Laie aber ein Freund, sollte man ihm diese Überforderung zubilligen können müssen.
    Oftmals kann der vertraute Laie mehr ausrichten als ein fremder Profi; er hat zwar im Regelfall keine Psychopharmaka in der Manteltasche, dafür aber etwas, das in seiner Wirksamkeit nicht zu unterschätzen ist: den Beistand eines Freundes.
    Praktizierte Nächstenliebe ist immer noch um vieles wertvoller als der Dienst am Nächsten, der rein beruflicher Natur ist.

    Ich will keineswegs verharmlosen und klarstellen, dass es viele Akutfälle gibt, die psychiatrische Obhut unumgänglich anzeigen.
    Nur sollte man sich die Frage stellen, wer die Entscheidung über Unverzichtbarkeit einer Zwangsmaßnahme fällt und fällen kann.

    Ist jemand, der Selbstmordgedanken hegt, grundsätzlich von der Unbedingtheit seiner Entscheidungsrechte zu entbinden?
    Wann, ab welchem Zeitpunkt stellt ein Mensch eine Gefährdung für sich selbst dar?
    Wann ist diese Gefährdung ausgeprägt genug, um ihn seiner Freiheit und Mündigkeit berauben zu dürfen?

    Man sollte hier seine Kräfte und Einflussmöglichkeiten nicht überschätzen.
    Man sollte sie aber auch nicht unterschätzen.

    Ich habe leider mehrfach erleben müssen, unter welch lauen, willkürlichen und unter dem Deckmantel der Professionalität geleisteten Prüfungsverfehlungen Menschen weggesperrt wurden, die das Gegentyl gewollt und verdient hätten.
    1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.

    2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.

    9.) Iss einen Keks.


    Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
    (Georg Christoph Lichtenberg)

  6. Avatar von Novemberwind
    Registriert seit
    14.12.2007
    Beiträge
    1.312

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Ich schließe mich komplett Golddrops an. Da gibt es von mir nichts hinzuzufügen.

    Ich sage das aus der Sicht der Erfahrung aller Beteiligten in solchen Fällen. Ich stand auf professioneller Seite wie auf der anderen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    La esperanza muere al final.

  7. Inaktiver User

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Golddrops
    Ist der Laie aber ein Freund, sollte man ihm diese Überforderung zubilligen können müssen.
    Oftmals kann der vertraute Laie mehr ausrichten als ein fremder Profi; er hat zwar im Regelfall keine Psychopharmaka in der Manteltasche, dafür aber etwas, das in seiner Wirksamkeit nicht zu unterschätzen ist: den Beistand eines Freundes.
    Praktizierte Nächstenliebe ist immer noch um vieles wertvoller als der Dienst am Nächsten, der rein beruflicher Natur ist.

    Ich will keineswegs verharmlosen und klarstellen, dass es viele Akutfälle gibt, die psychiatrische Obhut unumgänglich anzeigen.
    Nur sollte man sich die Frage stellen, wer die Entscheidung über Unverzichtbarkeit einer Zwangsmaßnahme fällt und fällen kann.

    Ist jemand, der Selbstmordgedanken hegt, grundsätzlich von der Unbedingtheit seiner Entscheidungsrechte zu entbinden?
    Wann, ab welchem Zeitpunkt stellt ein Mensch eine Gefährdung für sich selbst dar?
    Wann ist diese Gefährdung ausgeprägt genug, um ihn seiner Freiheit und Mündigkeit berauben zu dürfen?
    Ich finde, du machst es dir zu einfach, Golddrops.
    Wie sollen Freunde / Angehörige denn entscheiden können, wie "ernst" jemand seine Selbstmorddrohung meint? Sie können nicht in seinen Kopf sehen.

    Wenn jemand Selbstmordgedanken äußert und offensichtlich völlig verstört ist, halte ich es auch für das beste, ihm vorzuschlagen, freiwillig in die Klinik zu gehen. Der Status dort st ein ganz anderer, wenn er freiwillig kommt.

    Wenn man als Freundin, Angehörige diesen Notruf nicht ernst nimmt und der/die Betroffene begeht tatsächlich einen Suizid, ist das entsetzlich und man muss immer mit dem Vorwurf "unterlassene Hilfeleistung" leben.

    Wenn jemand aber die Selbstmorddrohung nicht wirklich ernst meint, sondern nur ein bißchen "Dramatik" reinbringen will und damit seine Freunde belastet, dann sollte er sich mal fragen, was er anderen damit antut. Wenn er bei klarem Verstand ist, handelt er unverantwortlich. Und wenn nicht, ist er in einer Klinik ohnehin besser aufgehoben.

  8. Avatar von Novemberwind
    Registriert seit
    14.12.2007
    Beiträge
    1.312

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Da liegt ja der Hund begraben. Wer sagt denn, dass der suizidale Mensch in einer Klinik besser aufgehoben ist? Weiß aus Erfahrung, dass es oft einen anderen Weg gibt. Irgendeinen. Und wenns Rundumdieuhrwache von Freunden ist. Gibts, ist machbar. So eine Krise hält ja nicht ewig an. Selbstmordgedanken zu äußern, heißt nicht, dass der Mensch aufhört, zu denken ("verstört ist")- im Gegenteil, es ist eher so, dass er zu viel denkt. Man kann dem Menschen vorschlagen, in eine Klinik zu gehen, aber ich glaube nicht dran, dass es da allzuviel Ja- Antworten gibt...
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    La esperanza muere al final.

  9. AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich finde, du machst es dir zu einfach, Golddrops.
    Wie sollen Freunde / Angehörige denn entscheiden können, wie "ernst" jemand seine Selbstmorddrohung meint? Sie können nicht in seinen Kopf sehen.

    Wenn jemand Selbstmordgedanken äußert und offensichtlich völlig verstört ist, halte ich es auch für das beste, ihm vorzuschlagen, freiwillig in die Klinik zu gehen. Der Status dort st ein ganz anderer, wenn er freiwillig kommt.

    Wenn man als Freundin, Angehörige diesen Notruf nicht ernst nimmt und der/die Betroffene begeht tatsächlich einen Suizid, ist das entsetzlich und man muss immer mit dem Vorwurf "unterlassene Hilfeleistung" leben.

    Wenn jemand aber die Selbstmorddrohung nicht wirklich ernst meint, sondern nur ein bißchen "Dramatik" reinbringen will und damit seine Freunde belastet, dann sollte er sich mal fragen, was er anderen damit antut. Wenn er bei klarem Verstand ist, handelt er unverantwortlich. Und wenn nicht, ist er in einer Klinik ohnehin besser aufgehoben.
    Ich mache es mir nicht (zu) einfach, indem ich sage, dass der Umgang mit suizidgefährdeten und suizidandrohenden Menschen schwierig ist.
    Die situative Überforderung des Selbstmorderwägenden darf nicht zu einer Überforderung der zur Hilfe gerufenen Freunde werden, wohl aber zu einer Mitbelastung.
    Intensive Begleitung und Betreuung von nahestehenden Personen, die nicht sofort selbst nach Hilfe schreien, halte ich für nottuend und selbstverständlich.

    Es ist richtig und wichtig, dem Selbstmorderwägenden die Möglichkeit eines freiwilligen Klinikaufenthaltes aufzuzeigen.
    Es ist falsch, aus Angst und Scheu, das Falsche zu tun, das Falsche zu tun, indem man einen Suizidgedanken äußernden Freund vorschnell fremdbetreuen lässt.

    Den letzten Absatz deines Beitrages finde ich bedenklich.
    Eine Selbstmordandrohung ist niemals der Versuch, "mal ein bisschen Dramatik" in eine Situation zu bringen.
    Eine Dramatik, die zur Dramatisierung reicht, ist immer und unbedingt ernst zu nehmen.
    Niemand kündigt einen Selbstmord aus Spaß an.
    1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.

    2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.

    9.) Iss einen Keks.


    Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
    (Georg Christoph Lichtenberg)

  10. Avatar von Novemberwind
    Registriert seit
    14.12.2007
    Beiträge
    1.312

    AW: Meine Freundin hat Depressionen und Selbstmordgedanken

    Unterschreibe ich alles so.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    La esperanza muere al final.

+ Antworten
Seite 2 von 5 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •