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    Es wiederholt sich alles

    Hallo ihr alle,

    ich bin neu hier und habe mich angemeldet, in der Hoffnung, ein bißchen Unterstützung zur Selbsthilfe zu erhalten.

    Ich führe "eigentlich" ein Leben, in dem ich sehr glücklich sein sollte.
    Ich habe einen lieben Mann, einen tollen Sohn im Teenageralter, einen Job, der mir Spaß macht und wir sind alle gesund.

    Allerdings habe ich eine nicht ganz so tolle Vergangenheit und die holt mich grad wieder ein.

    Ich hatte als Teenager starke Panikattacken.
    In der damaligen Zeit war das nicht so bekannt und ich wusste überhaupt nicht, was mit mir los war. Ich hatte einfach vor allen Dingen, die mit sozialen Kontakten zu tun hatten, Angst.
    Meine zahlreichen Hobbies, meine Unternehmungen mit dem grossen Bekannten- und Freundeskreis, auch familiäre Treffen. Es ging gar nichts mehr. Selbst zur Schule musste ich mich zwingen und den Konfirmationsunterricht, der damals angestanden und an dem meine gesamte klasse teilgenommen hatte, habe ich zum grossen Entsetzen meiner Familie verweigert.

    Natürlich hat das niemand verstanden, warum ich plötzlich nirgends mehr mitmachen wollte. Wie auch? Ich verstand es ja selbst nicht.

    Das Ende vom Lied war auf jeden Fall, dass ich irgendwann ganz alleine da stand.
    Auch meine zwei besten Freundinnen hatten zum Schluß nur noch Spott für mich übrig und liessen mich einfach stehen.

    Diese Zeit war unglaublich schmerzhaft und auch jetzt, während ich das schreibe, kämpf ich schon wieder mit den Tränen.
    Ich habe viele Jahre völlig ohne sozialen Kontakte vor mich hin gelebt und habe in dieser Zeit mehr als einmal an Selbstmord gedacht.

    Irgendwann, schon im Erwachsenenalter, habe ich eine Sendung im Fernsehen gesehen, die Panikattacken behandelte und plötzlich war mir klar, was los ist.
    Ich habe daraufhin eine Therapie gemacht und auch wenn die Attacken anfangs nicht komplett weggingen, konnte ich mir zumindest wieder ein lebenswertes Leben aufbauen.

    Inzwischen lebe ich so gut wie beschwerdefrei.
    Jedoch kann ich meine Vergangenheit nicht vergessen.
    Wenn andere über ihre gemeinsame Jugendzeit sprechen, über Diskobesuche, Hüttenaufenthalte, gemeinsame Urlaube, dann sitze ich daneben, denke an meine Einsamkeit und versinke in tiefe, schwarze Löcher.
    Ich schaffe es nicht, die Gefühle und Gedanken abzustreifen.

    Das alleine würde mir schon reichen, aber jetzt kommt noch hinzu, dass mein Sohn gerade etwas ähnliches durchmacht.
    Er hat zwar keine Panikattacken, aber er, der er in der Grundschule und Anfang der fortführenden Schule Freunde en masse hatte, der steht plötzlich alleine da.

    Er ist ein Mensch, der mit allem, was die Entwicklung betrifft, von Geburt an immer mindestens ein halbes Jahr hinter den anderen war.
    Erster Zahn mit 9 Monaten, krabbeln mit einem Jahr, laufen mit eineinhalb und mit dem Wachstum ist er auch deutlich hinterher. Er war und ist immer und überall der Kleinste.
    Das war allerdings nie ein Problem, auch schulisch nicht.

    Aber jetzt, in einem Alter, in dem die Jungs anfangen Bier zu trinken, Party zu machen, abends zusammen wegzugehen, in Gruppen zusammen abzuhängen, den Mopedführerschein zu machen, da ist mein Sohn immer noch am liebsten bei Mama und Papa auf dem Sofa, trinkt Spezi und geht um zehn ins Bett.
    Wir haben kein Problem damit. Wir wissen, auch seine Zeit kommt. Verzögert halt.
    Aber seine Freunde, die sind weg.
    Die treffen sich jedes Wochenende bei jemand anderem zum Party machen und Mädels kennenlernen.
    Mein Sohn ist nicht neidisch. Er vermisst das nicht. Aber er ist alleine. Und das tut ihm weh.
    Und mir auch. Ich könnte täglich heulen und bin wieder in meine Zeit früher versetzt.

    Ich schaff es nicht damit umzugehen und falle von einem schwarzen Loch ins nächste.
    Mein Mann schafft es trotz aller Liebe und Geduld nicht, mich aufzufangen und unser Familienleben leidet sehr unter meinen Stimmungen.

    Ich habe bereits eine Therapie beantragt, weil ich merke, dass ich es alleine nicht schaffe, aber auf diesen Therapieplatz muss ich lange warten. Die Therapeuten sind durch Corona voll belegt bis zum Anschlag. Auch bei der Caritas hatte ich kein Glück.

    Ich weiss nicht, ob ihr mir irgendwie helfen könnt. Eventuell reicht es mir auch für's erste, drüber geschrieben zu haben.
    Aber falls jemand eine Idee hat, wie ich mit dieser Situation umgehen kann, dann wäre ich für Tipps sehr dankbar...
    Es ist nicht toll, immer im tiefen Loch zu sitzen.

    Verzweifelte Grüsse
    Silvia

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Das tut mir sehr leid! Leider ist es halt nunmal so, dass man seine Vergangenheit nicht mehr ändern kann. Ein wenig kenne ich das auch, meine erste Panikattacke hatte ich auf einer Klassenfahrt nach London und wusste damals natürlich auch noch nicht, was das war.

    Generell bin ich ein Mensch, der eine gewisse Kontinuität und Sicherheit braucht. Mit den Jahren habe ich gelernt, das zu akzeptieren. Manchmal denke ich an meine Jugend zurück und einige Dinge sind von dort sehr unschön und schambehaftet.

    Inzwischen bin ich aber ein anderer Mensch, stehe mitten im Leben bin Mutter von 2 erwachsenen Kindern und Oma von einem kleinen Enkelchen.

    Ich versuche, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Sie wird immer so bleiben, das gibt es nichts mehr zu verändern, lieber beschäftige ich mich mit dem Hier und Jetzt.

    Das mit deinem Sohn kann ich auch verstehen, meiner war zwar geistig immer fit und auch von Anfang an sehr weit mit sprechen, laufen usw.

    In die Pubertät kam er aber erst so richtig mit 15/16, da sahen andere Kumpels schon aus wie Männer. Auch daran ist nichts zu ändern. Meiner saß auch mit 15 noch bei mir auf dem Sofa und war zufrieden.

    Vielleicht hat dein Sohn Lust, ein Hobby anzufangen, bei dem es nicht unbedingt um Größe und Aussehen geht. Vielleicht in einem Chor singen, etwas Kreatives, ein Sport der ihm zusagt. Über diese Schiene kann er neue Leute kennenlernen, die ihn als das wahrnehmen, was er ist: ein netter Typ.

    Im sozialen Bereich spielt die Größe und die Entwicklung auch nicht so eine Rolle. Ich denke da an Gruppenleiter bei den Pfadfindern, oder in einer Gemeinde. Nur so eine Idee.

    Ich glaube, viele Menschen hadern mit ihrer Vergangenheit, du bist da nicht alleine. Aber denke immer daran, so nahe dir dein Sohn auch verständlicherweise steht, er ist ein eigener Mensch, es muss sich nicht wiederholen, was dir wiederfahren ist.

    Hoffe, du kannst durch meine Worte etwas Zuversicht finden.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Hallo ichbins2006, erst einmal .

    Ich hoffe, du bekommst schnell therapeutische Hilfe. Bitte, bitte projiziere deine Probleme in der Jugend um Gottes Willen nicht auf deinen Sohn.
    Er wird das spüren und darunter leiden. Er wird den Anschluss sicher irgendwann finden.

    Ich kann dir leider sonst keinen Rat geben, weiß aber, wie sehr ich unter dem Leiden meiner Mutter als Jugendliche gelitten habe und mich dafür verantwortlich fühlte.

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Hallo,

    Ich möchte dir mal eine positive Sichtweise geben.

    1. Dein Sohn hinkt nur wenige Monate hinterher. Es ist also absehbar wann er auch an Mädchen und Party Interesse kriegt...

    2. Genau weil du weißt wie es ist, wenn man in dem Alter allein ist..... Kannst du deinem Sohn Verständnis entgegenbringen.

    Das allein ist sehr viel Wert. Du kannst seine momentane! Situation nicht für ihn ändern.

    Aber du kannst für ihn da sein, wenn er drüber reden möchte.


    3. Auch für dich selbst, siehst du handlungsbedarf. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

    .........

    Auch wenn es parallelen zu dir gibt. Dein Sohn ist ein anderer Mensch. Vielleicht leidet er überhaupt nicht unter der Situation. Er ist vielleicht nur etwas irritiert.

    Er hat es in der Vergangenheit doch auch immer gut hingekriegt - vertraue ihm, das auch er auch diese Zeit schafft.

    Und wenn nicht - bist du für ihn da.
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Ich finde die Idee mit der neuerlichen Therapie sehr richtig, bitte lass das nicht fallen. Leider scheuen viele Menschen mit psychischen Problemen die Einnahme von Medikamenten. Ich kann nur raten, diesbezüglich sehr aufgeschlossen zu sein und dich aus diesem Grund auch bei einem entsprechenden Facharzt anzumelden. Eventuell kann dir auch dein Hausarzt etwas verschreiben, warst du schon dort?
    Solange dein Sohn das Partymachen nicht vermisst ist doch alles okay. Vielleicht findet er in anderen Kreisen junge Leute, mit denen ihn mehr verbindet als Mädels aufreißen, Sport oder Musik zum Beispiel.

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Liebe Ichbins2006,

    aus eigener Erfahrung (seit rund 25 Jahren diagnostizierte mittelschwere Depression, mit Medikation lebens- und arbeitsfähig) möchte ich Dir Mut machen und mich dem Rat von Luipet anschließen.

    Wenn Du einen verständnisvollen Hausarzt hast, kann er Dir ein Antidepressivum verschreiben, das von einer Anfangsdosis aus langsam "eingeschlichen" wird. Die Wirkung setzt nach ca. 2-3 Wochen ein. Das AD stoppt die Spirale aus Grübeln, negativen Erinnerungen und anschließenden Sorgen.

    Dadurch wird es für Dich vermutlich leichter, die Wartezeit bis zur Psychotherapie zu überbrücken.

    Was Deine Vergangenheit betrifft, hast Du mein volles Mitgefühl. Meine Jüngste leidet auch an Panikattacken, hat aber glücklicherweise ganz andere Informations- und Hilfsmöglichkeiten als Du damals.

    Ich hatte als kleines Mädchen große Defizite im sozialen Bereich, weil ich Einzelkind war, meine Mutter mich aber nicht in den Kindergarten gegeben hat. So kam ich in die 1. Klasse Grundschule als jemand, der zwar fließend lesen konnte, aber nie gelernt hatte, sich unter anderen Kindern zu bewegen /zu behaupten, in Teufels Küche.

    Meine insgesamt 12 Schuljahre waren rückblickend ein Spießrutenlauf aus Mobbingerfahrungen (z.B. in Stufe 5 im Winter mit Hausschuhen im Bus nach Hause, weil man meine Stiefel versteckt hatte - Sarkasmus off. )

    Ähnlich wie Du es beschreibst, trafen sich die beliebten MitschülerInnen nachmittags, Kino, Party, etc. pp. In unserer Klasse (Stufe 9 - 12) gab es eine Rangliste der beliebtesten Schülerinnen - ich fand mich auf dem letzten Rang zugleich mit noch 2 weiteren Mädchen wieder.

    Bekanntes Muster auch, wenn im Sportunterricht 2 Mannschaften gewählt wurden. Wir drei Unbeliebten blieben übrig und wurden dann seufzend (weil unsportlich) genommen.

    to be continued

    Ich bin in psychiatrischer Behandlung seit meinem 26. oder 27. Lj.

    Was ich Dir gern sagen möchte: Mir war es dank Medikation mit Antidepressiva und Psychotherapie möglich, mit dem Thema weitgehend abzuschließen.

    Mein Mann und ich haben drei Kinder (20 / 16 / 15). Rückblickend auf meine Mobbing-Erfahrungen war es mir immer wichtig, sobald ich von den Kids etwas in Richtung Mobbing anderer Kinder hörte, strikt, aber immer erklärend dazwischen zu gehen.

    Meine "Nr. 3" leidet ebenfalls an Panikattacken. Sie hatte im letzten Schuljahr Lehrpersonen, die sie sehr unterstützt haben.

    Wie ich Dich lese, hast Du sehr viel Empfindsamkeit für die Verfassung Deines Sohnes. Solange Du ihm gegenüber offen bleibst und ihr im Gespräch bleibt, ist alles gut.

    Ach, und zu guter Letzt, liebe Ichbins2006:

    Nach meiner Erfahrung neigen viele Mitmenschen dazu, ihre Vergangenheit unglaublich und phänomenal schön zu reden. Möglicherweise erzählt der Eine / die Andere bloß Fake News?

    Alles Liebe und Gute

    Lady_Emelia
    Geändert von Lady_Emelia (19.07.2021 um 22:16 Uhr) Grund: Grammatik
    Katzen lieben Menschen viel mehr, als sie zugeben wollen,
    aber sie besitzen genug Weisheit, es für sich zu behalten.


    Mary Eleanor Wilkins Freeman (1852 - 1930), US-amerikanische Schriftstellerin

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Guten Morgen, ihr Lieben,

    erst mal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.
    Ich weiß, ihr habt recht, man sollte die Vergangenheit ruhen lassen und nach vorne schauen.
    Leider bin ich ein Mensch, der extrem in die Vergangenheit blickt.
    Meine bevorzugten Gedankengänge sind "warum hab ich nicht..." - "es wäre besser gewesen, wenn...."
    Ich versuche, dagegen anzukämpfen, schaffe es allerdings in den wenigsten Fällen.
    Grad auch heute wieder bin ich um vier aufgewacht und seitdem dreht sich das Gedankenkarussell.

    Dazu kommt ja noch, dass ich von Natur aus ein extrem pessimistischer Mensch bin.
    Ich gehe also sowieso immer vom schlechtesten aus und versaue mir damit alles.

    Ich weiß, daß ihr damit recht habt, die Geschichte meines Sohnes nicht mit meiner zu verknüpfen.
    Mein Mann sagt seit Monaten dasselbe.
    Aber auch hier komme ich nicht aus meiner Haut.
    Ich schaffe es kurzfristig, wenn ich mich wirklich stark darauf konzentriere, aber meist hält das nicht lange an.

    Ich hoffe wirklich auf die Therapie und muß die Zeit bis dahin irgendwie überbrücken.

    Vielen Dank für eure Ratschläge

    viele Grüße
    Silvia

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Hallo ichbins2006,

    ich möchte dir noch einen sehr positiven Gedanken mitgeben.

    Wenn die anderen "Kerle", im Alter deines Sohnes, nun Party machen und um die Häuser ziehen, dann wird mit Sicherheit nicht jeder von denen, genau das wollen und machen.
    Was meinst du, wie viele nur mitgehen und mitziehen, weil sie bloß "in der Gruppe bleiben" wollen? Dieser Herdentrieb ist wirklich sehr stark und ob sich alle in der Gruppe dazu wohlfühlen, darf man gut in Frage stellen.

    Insofern- finde ich jetzt das Verhalten deines Sohnes richtig gut!
    Denn er könnte das auch machen- mitgehen, mitziehen, mit Alkohol trinken um bei den tollen Jungs dabei zu sein.
    Macht er aber nicht!

    Und das zeigt doch auch, dass er einerseits diese innere Kraft hat- den eigenen Weg zu gehen und die innere Stärke, sich nicht krampfhaft an den anderen festhalten zu müssen.
    Das ist in dem Alter schon bemerkenswert!
    Plus, dass er sich doch offenbar bei euch Zuhause sehr wohl fühlt.

    Dass er um die Freunde traurig ist- ist doch verständlich und eine Erfahrung, die wir alle im Leben machen- man passt nicht zu jedem. Eine Erfahrung, die er halt jetzt früher im Leben macht- die ihn aber nicht zu einem eigenen Verbiegen bringt sondern er geht trotzdem SEINEN Weg.

    Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich mich aus Angst von allem zurückziehe (wie du es gemacht hast) oder ob ich merke "es passt gerade gar nicht" und mich heraus nehme.
    Kannst du diesen Unterschied erkennen?

    Ich schätze mal, dass dein Sohn auch mit dir reden könnte - oder mit deinem Mann.
    Bedeutet: ER hat seelischen Beistand und wird niemals so einsam und verlassen sein, wie du es warst.

    Sieht also gerade danach aus, dass dein Sohn eine ganz andere Lebensgeschichte durchlebt, als du einst.......stimmts?

    Mein Gedanke wurde schon formuliert- vielleicht gibt es ja ein Hobby, wo er eher Menschen trifft, die zu ihm passen. Vielleicht Musik, vielleicht Schach.....mal ins Blaue gedacht....frag ihn doch mal, was er vielleicht gerne machen würde.

    Schön, dass du deine Themen mit Therapie aufräumen wirst
    Wenn "das Hinten" aufgeräumt ist- kannst du auch leichter nach vorne schauen.

    ps- und- "es wiederholt sich alles"- stimmt doch keineswegs!
    Dein Sohn entscheidet freiwillig, dass er lieber ohne die anderen ist- obwohl er es könnte.
    Du dagegen hattest keine Wahl- du warst gezwungen.
    Komplett andere Voraussetzungen, die hinter den Umständen stehen.

    alles Gute
    kenzia

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Hallo liebe kenzia,

    danke für deine aufbauende Antwort!!

    Die Argumente von dir (er entscheidet sich selber dafür, nicht dabei sein zu wollen) helfen mir prinzipiell.
    In diese Richtung dachte ich ehrlich gesagt auch schon.
    Wenn er dann aber andrerseits dahockt, mit Mundwinkeln bis zum Boden und fast am heulen ist, weil keiner, den er fragt Zeit bzw Lust hat,sich mit ihm zu treffen, und er dann tatsächlich noch Sätze sagt, wie: „ich hab doch ein scheiss Leben“, dann hock ich neben ihm und könnt plärren…..

    Ich hoffe einfach darauf, dass mir in der Therapie gezeigt wird, wie ich lernen kann, nach vorne und nicht nach hinten zu schauen.
    Wie ich meine pessimistischen Gedanken abschütteln, bzw in positive umlenken kann.
    Allein, bzw mit meinem Mann schaff ich das nicht.

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    AW: Es wiederholt sich alles

    Hallo Silvia,

    ich glaube, das, was dir gerade passiert, ist eine an sich ganz normale Sache; trotzdem finde auch ich, dass die Therapie eine sehr gute Idee ist.

    Dem nach, was du so geschrieben hast, klopft da bei dir ein Thema von früher an und zeigt dir, dass es da noch etwas in deiner Biographie gibt, das du dir noch mal anschauen solltest.

    Es passiert häufig, dass man durch Dinge wie z.B. die Situation, in der dein Sohn gerade ist, noch einmal an die eigene Geschichte erinnert wird und an die Bereiche, die nicht so schön waren:

    //Wenn andere über ihre gemeinsame Jugendzeit sprechen, über Diskobesuche, Hüttenaufenthalte, gemeinsame Urlaube, dann sitze ich daneben, denke an meine Einsamkeit und versinke in tiefe, schwarze Löcher.
    Ich schaffe es nicht, die Gefühle und Gedanken abzustreifen.//

    und

    //Mein Sohn ist nicht neidisch. Er vermisst das nicht. Aber er ist alleine. Und das tut ihm weh.
    Und mir auch. Ich könnte täglich heulen und bin wieder in meine Zeit früher versetzt. //

    Daran kann man, find ich, ganz gut erkennen, dass da in Bezug auf diese Zeiten von früher einige Dinge noch nicht vollständig verarbeitet sind - Einsamkeit und Ausgeschlossensein sind ja ganz elementar schlimme Gefühle. Sich da zu sagen, dass man die Vergangenheit jetzt einfach ruhen lässt, bringt da nicht allzu viel, denn du bist mit diesen Dingen ja noch durch irgendetwas (Ungeklärtes) verbunden; man kann solche Dinge vielleicht für einige Zeit wegschieben, sie melden sich aber trotzdem immer wieder, um angesehen zu werden.

    Von daher brauchst du vielleicht so eine Art "Aufbaukurs" zu dem, was du früher an Therapieinhalten gemacht hast. Da deine Symptomatik damals so schlimm war und die Stunden einer Therapie in der Regel ja recht begrenzt sind, kann es sein, dass ihr nur erst mal das Allernötigste gemacht habt, um dich wieder einigermaßen "fit" zu machen; Angststörungen können aber durchaus tiefergehende und komplexe Ursachen haben.

    Von daher ist es bestimmt eine gute Idee gewesen, eine Therapie zu beantragen. Um die Zeit rumzukriegen und auch das Problem mit deinem Sohn anzugehen, könntest du vielleicht eine Familien- und Erziehungsberatungsstelle aufsuchen; da könntet ihr beide probehalber einmal pro Woche (oder so) hingehen. Es ist auch nicht unüblich, dass bei solchen Themen wie den sozialen Schwierigkeiten von Jugendlichen auch die Themen der Eltern mit angegangen werden.

    Könntest du dir so etwas vorstellen? Es gibt solche Beratungsstellen in jeder Kleinstadt; man bekommt schnell einen Termin (bzw. haben die auch in der Regel 1x pro Woche eine offene Sprechstunde, zu der man einfach so hingehen kann), und du müsstest nicht erst die Krankenkasse hinzuziehen.

    Vielleicht hilft eine solche Anlaufstelle und das Gefühl, nicht so ganz allein mit den Problemen zu sein, ja auch schon, dass es dir ein bisschen besser geht. Medikamente sind ja immer so eine Sache für sich und nichts, was man mal eben so nimmt.
    Geändert von skinhype27 (23.07.2021 um 20:56 Uhr)

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