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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Nicht gegen Krebs oder Herzinfarkt helfen. Aber zugänglich sein, wie für andere Menschen auch, für jemand der mit Krebs oder Herzerkrankung lebt?
    Ja klar, das sollte man ja immer, in guten und in schlechten Phasen.

    Aber hier schwingt ja doch die Frage mit ob man es haette verhindern können, also Mit-Verantwortung.

    Das ist bei Depression für mich mehr Thema als bei anderen Krankheiten.

    Manchmal wird das ja auch so ausgesprochen, meine Ehe, oder meine Kindheit, oder der Job, hat mich depressiv gemacht.

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von Venice Beitrag anzeigen
    Und das war eben meine Frage bzw. meine Gedanken. Lag es an der Krankheit bzw. hätte es irgendjemand geschafft, sie aus der Krankheit rauszubringen? Oder ist da jeder und alles chancenlos?
    Venice, ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass dich im Grunde umtreibt, warum deine Hilfsbereitschaft nicht abgerufen wurde. Warum du oder "man" nicht als Retter/in dastehen kann.

    Das klingt sicher hart, ist es auch.

    Oben habe ich erwähnt, dass mich, als ich eine schlimme depressive Phase hatte, ein guter Freund täglich angerufen und quasi begleitet hat. Der saß übrigens 600 km weit weg. Ich war damals auf der Warteliste für einen Platz in einer Tagesklinik, den Aufenthalt konnte ich dann wenig später antreten. Ein paar Monate war ich dort. Das war die wichtigste Zeit meines Lebens, der Richtungswechsel in Richtung Gesundwerden.

    Ich habe das hier schon öfter erzählt, hier passt es vielleicht nochmal ganz gut: Während der Therapie habe ich einmal in einer Vorstellungsrunde für neue Patienten gesagt, warum ich dort war: "Weil ich die und die Diagnose habe, weil es mir anfangs besch... ging, weil die Krankenkasse es mir bezahlt und weil ich gefälligst therapiert werden will." Mein guter Freund fand das klasse; ich hab es ihm natürlich erzählt.

    Der Freund war ein wirklich enger Freund, obwohl ich ihn erst kurz kannte. Aber er hat sich 4 Jahre später umgebracht. Ohne Abschiedsbrief, ohne jegliches Zeichen. Sein Timing war extrem ausgeklügelt, an einem Wochenende, an dem er mit seinem Gechäft in eine andere Straße ziehen wollte. Da rechnete eh niemand damit, dass er telefonisch oder sonst wie zu erreichen wäre. WhatsApp gabs noch nicht.

    Niemand hätte ihn aufhalten können, weil er entschieden hatte, es niemanden wissen zu lassen. Wir konnten alle im Nachhinein nur ahnen, dass er offenbar depressiv gewesen ist. Er konnte anderen prima helfen, weil er perfekt darin war, Stärke zu demonstrieren, er war ein sehr bodenständiger und handfester Typ. Und klug. Deshalb wusste er genau, was er tun und was er lassen musste.

    Erfahren habe ich von seinem Tod, als ich nachts hier in der BRI im Chat unterwegs war (der Freund hatte nichts mit der BRI zu tun), und habe wunderbare, spontane und liebevolle Unterstützung bekommen.
    Geändert von Lizzie64 (03.06.2020 um 23:22 Uhr)
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

    Dialektfreiheit ist kein kulturelles Verdienst

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    Was Leute tun, tun sie normalerweise wegen sich. Nicht wegen dir.
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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von umsonst Beitrag anzeigen

    Manchmal wird das ja auch so ausgesprochen, meine Ehe, oder meine Kindheit, oder der Job, hat mich depressiv gemacht.
    Natürlich, und ich spreche hier selbst auch aus persönlicher Erfahrung, trotzdem weiß man auch als Betroffener, dass man Hilfe nur professionell erhalten kann und schlussendlich einem das "Umfeld" nicht helfen kann. Es ist schön. wenn sie verständnisvoll sind und da sind - aber die Depression selbst, die kann einem das "gemeine Umfeld" nicht nehmen. Da muss man schon selbst ran und durch mit professioneller Hilfe.

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von Vienna__ Beitrag anzeigen
    Natürlich, und ich spreche hier selbst auch aus persönlicher Erfahrung, trotzdem weiß man auch als Betroffener, dass man Hilfe nur professionell erhalten kann und schlussendlich einem das "Umfeld" nicht helfen kann. Es ist schön. wenn sie verständnisvoll sind und da sind - aber die Depression selbst, die kann einem das "gemeine Umfeld" nicht nehmen. Da muss man schon selbst ran und durch mit professioneller Hilfe.
    Ausnahmsweise Vollzitat direkt unter dem Beitrag.

    Das ist die zweite wichtige Erkenntnis. Es geht wirklich nur mit zum Teil langwieriger professioneller Hilfe und oft auch zusätzlich mit Antidepressiva. Es ist in den meisten Fällen nur eine Phase. Sie kann Jahre dauern, sie kann schwächer und stärker sein, aber sie ist behandelbar.

    Was nicht geht, ist eine Heilung ausschließlich durch Aufmerksamkeit und Hilfe von Laien. Es geht wirklich nicht. Mary hat alles Wesentliche dazu gesagt. Wer Depressionen nicht aus eigenem Erleben kennt: Glaubt es bitte. Das wäre eine große Hilfe für Depressive. Darauf hinzuwirken, sich professionelle Hilfe zu holen.

    Was mich ärgerlich macht, ist in dem Zusammenhang auch das weitverbreitete und tief verwurzelte Misstrauen gegen Antidepressiva. Die Uninformiertheit, die man mit ein bisschen Nachlesen beseitigen könnte. Das geht schon damit los, dass nicht mal bekannt ist, dass man lernen könnte, dass Antidepressiva nichts zu tun haben mit "schweren" Psychopharmaka wie z.B. Neuroleptika.

    Ganz schnell geht da die Angst-Klappe runter und man bleibt betroffen, aber weiterhin uninformiert.
    Geändert von Lizzie64 (03.06.2020 um 23:24 Uhr)
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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von Lizzie64 Beitrag anzeigen
    Das wäre eine große Hilfe für Depressive. Darauf hinzuwirken, sich professionelle Hilfe zu holen.
    Was aber schwierig ist, wenn derjenige eben aufgrund der Depression gar nicht daran glauben kann, dass ihm irgendwer oder irgendwas helfen könnte und eben nicht, wie du, will.

    Das ist dann eben bitter für das Umfeld das genau davon überzeugt ist, dass es Hilfe bräuchte, aber auch gäbe. Dieses krankheitsbedingte Nicht-Können dann nicht als Nicht-Wollen einzuordnen ist ebenfalls nicht einfach.

    Ich wünschte mir, dass eben auch die Hilflosigkeit des Umfeld gesehen würde, zumindest wenn wir uns hier unterhalten. Manchmal wird einem die ja auch durchaus um die Ohren gehauen.

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    @Lizzie64 - volle Zustimmung zu Deinem gesamten Post #54.

    Was mich persönlich zudem noch so sehr ärgert ist diese Ignoranz in der Gesellschaft, was Depressionen angeht. Dabei wird es doch ständig in den Medien thematisiert! Es wird z.B. auch festgestellt, dass z.B. Krankschreibungen wegen Depressionen extremst zugenommen haben etc. (bitte selbst googeln). Trotzdem, wird es immer noch tabuisiert. Es ist ein gesellschaftliches Problem.

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von umsonst Beitrag anzeigen

    Ich wünschte mir, dass eben auch die Hilflosigkeit des Umfeld gesehen würde, zumindest wenn wir uns hier unterhalten. Manchmal wird einem die ja auch durchaus um die Ohren gehauen.
    Oh ja! Das zeigt, dass wir immer noch ganz am Anfang sind. Und es wäre richtig gut, wenn die Art Austausch, wie wir ihn hier führen, dazu beitragen könnte, die Hilflosigkeit in Aufmerksamkeit zu wandeln. Oder eben deutlich zu machen, dass eine Veränderung im Bewusstsein stattfinden muss; in die Richtung, dass Depressionen nicht als das exotische Böse wahrgenommen werden, das immer nur andere trifft, sondern als die Volkskrankheit, die sie sind.

    Und dass es nicht zur sofortigen Stigmatisierung führt, wenn man sich in neurologische oder psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung begibt.

    Edit:

    Vienna:
    Trotzdem, wird es immer noch tabuisiert. Es ist ein gesellschaftliches Problem.
    Genau, solange die Furcht davor, "was die Leute denken" immer noch mächtiger ist als die Bereitschaft, sich von Fachärzten helfen zu lassen, wie man es bei einem Beinbruch oder einem Herzinfarkt oder Halsweh mit absoluter Selbstverständlichkeit tut, werden sich Menschen umbringen, anstatt in Therapie zu gehen.
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von umsonst Beitrag anzeigen
    Ich wünschte mir, dass eben auch die Hilflosigkeit des Umfeld gesehen würde, zumindest wenn wir uns hier unterhalten. Manchmal wird einem die ja auch durchaus um die Ohren gehauen.
    Klar, natürlich und die gibt es auch - meine Erfahrung. Aber darum geht es ja auch. Dass sich das Umfeld dann eben auch aktiv selbst Hilfe sucht.

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    Zitat Zitat von Lizzie64 Beitrag anzeigen
    Genau, solange die Furcht davor, "was die Leute denken" immer noch mächtiger ist als die Bereitschaft, sich von Fachärzten helfen zu lassen, wie man es bei einem Beinbruch oder einem Herzinfarkt oder Halsweh mit absoluter Selbstverständlichkeit tut, werden sich Menschen umbringen, anstatt in Therapie zu gehen.
    Ich bin dazu übergegangen im "jetzigen" Job (Therapie war schon vorher) zu sagen: "Da und da habe ich einen Arzttermin!" Meinen engen Kollegen habe ich gesagt: "Ich mache eine Therapie!" Ich verstecke mich nicht - im Gegenteil! Ich erkläre mich aber auch nicht und darum geht es glaub ich oft, dass man das Gefühl hat, sich erklären und rechtfertigen zu müssen.

    Offenheit und Akzeptanz in der Gesellschaft wäre wirklich klasse - generell.

    Dann würde es den Betroffenen auch einfacher fallen, z.B. zu sagen: "Ich kann nicht mehr!"

    Ich persönlich kann nur jedem empfehlen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und ggf. - auch - vermeintlich Betroffenen zu raten, diese in Anspruch zu nehmen. Durchaus das Thema ansprechen. Mir geht es gut mittlerweile und ich habe sehr viel gelernt. Will ich - tatsächlich - auch nicht missen.
    Geändert von Vienna__ (04.06.2020 um 00:15 Uhr) Grund: .

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    AW: Wie bzw. hätte man überhaupt helfen können?

    #59 - Liebe Vienna, genau! So habe ich das bei meinen Kollegen damals, 2001, auch gemacht. Ich war in der Tagesklinik an meinem Wohnort, 4,5 Monate lang, und in der Zeit ausdrücklich auch immer mal wieder von meinem Chef eingeladen, beim Arbeitgeber (große Firma) reinzuschauen. Zu berichten, wie es mir geht und auch selbst auf dem Laufenden gehalten worden. Sogar an einem kleinen Firmenfest habe ich teilgenommen für eine oder zwei Stunden, als das möglich war.

    Das Konzept Tagesklinik ist sowieso ideal, finde ich. Da musst du den Rest des Tages dein Leben auf die Reihe bekommen, und ungefähr einen Arbeitstag lang bist du in der Tagesklinik.
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

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