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    AW: Lethargie bei Depression

    Guten Morgen, Kate!
    Man KANN eine Andere werden, aber das geht meist nur sehr langsam und schrittweise. Es reicht ja bereits, wenn du täglich ein wenig an einem kleinen Schräubchen drehst - nach einer gewissen Zeit merkt man dann rückblickend, dass sich etwas an und in einem verändert.
    Ein Beispiel von mir:
    Ich habe irgendwann einmal vor Jahren mit QiGong angefangen. Ich war und bin ein sehr unruhiger, gehetzter Mensch, habe immer 180 Prozent in allen Bereichen gegeben, bis ich zusammenbrach. Man schärfte mir damals ein, dass ich es ruhiger angehen müsse. Ich kam aber schnell wieder auf die Beine und geriet alsbald wieder in altes Fahrwasser. Während des Zusammenbruchs aber hatte ich QiGong für mich entdeckt. In der akuten Phase beruhigte es mich, danach wollte ich es einfach drangeben. Da ich aber ein sehr disziplinierter Mensch bin (bis zum Exzess), praktizierte ich weiter. Jeden Tag ein wenig - manchmal nur 20 Minuten. Oftmals war ich unzufrieden. Ich wartete auf die große Erleuchtung, den heilsamen Frieden, mir schmerzten stattdessen die Muskeln. Ich lernte beseelte Esoteriker kennen, die mich fast in den Wahnsinn trieben, praktizierte also lieber wieder allein. Einfach jeden Tag, ohne groß darüber nachzudenken. Und IRGENDWANN - nach fast einem halben Jahr - begann ich eine Veränderung zu verspüren.
    So ging es mir mit vielen kleinen Veränderungen nach und nach:
    Ich begann Rad zu fahren (hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gemacht), meine Stunden auf der Arbeit ein wenig zu reduzieren, meinen abendliches Glas Wein wegzulassen, zu puzzeln usw.
    Und nach und nach wurde ich eine Andere, keine Fremde, aber eine Andere. Nach und nach legte ich etwas frei, was verschütt gegangen war.
    Ich habe immer noch depressive Phasen, die mir zusetzen, aber dann tue ich etwas, von dem ich sicher weiß, dass es zumindest Linderung verschafft, ich drehe an einem kleinen Schräubchen. Oftmals hilft das. Manchmal hilft es schon, an meiner Lieblingsseife zu riechen oder Mascara aufzulegen oder meine Nägel in einer tollen Farbe zu lackieren.
    Du wirst leider nicht über Nacht ein anderer Mensch, aber sehr kleine Veränderungen, die auch dir gelingen werden, können überraschend viel bewegen.
    Herzliche Grüße!
    CC

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    AW: Lethargie bei Depression

    Hallo Caro,

    danke für deine ausführliche und tolle Nachricht...Leider kann ich nicht immer sofort antworten.

    Erst mal toll, dass du so gute Erfolge verbuchen kannst. Und vor allem, dass du die winzigen Schritte wahrnimmst, statt sie platt zu machen.

    Irgendwann hatte ich auch schon mal ganz kurz erlebt, dass ich das erste oder zweite Programm bei mir einstellen kann. Ich fühle mich jetzt so oder eben so...
    Das lernt man ja auch in der Verhaltenstherapie, mit der ich allerdings gar nichts anfangen konnte. Ich fühlte mich bei der Verhaltenstherapie "verarscht" (entschuldige). Ich kann einfach nicht zu mir sagen: das hast du TOLL gemacht, du bist heute morgen aufgestanden UND hast noch Frühstück für die Kinder gemacht! Bravo!

    Jetzt wirst du zu recht wieder sagen, dass man liebevoll mit sich umgehen sollte. Auch die kleinsten Bewegungen würdigen, wie z. B. duschen gehen. Ja, du hast recht. Aber das kann ich einfach nicht, es kommt mir zu unehrlich vor.
    Andererseits wünsche ich mir ja nichts mehr als etwas Anerkennung, Mitgefühl und vielleicht sogar Liebe. Von jemand anderem werde ich das niemals so ehrlich bekommen wie von mir selber.

    Verzwickte Sache!

    Sicherlich hat es viel mit der eigenen Akzeptanz zu tun, des Innenlebens bzw das ganze Leben, wie es halt ist.

    Was für dich seltsam klingen mag, ist dass ich so sein möchte wie du: dizipliniert, ausdauernd, organisiert und leistungsstark. Ich bilde mir ein, dass ich dann selbstbestimmt und frei wäre...
    Hoffentlich trete ich dir nicht zu nahe, denn ich weiß natürlich, dass manche ihre Depressionen in Hyperaktivität ausleben.

    Für heute alles Liebe, Kate

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    AW: Lethargie bei Depression

    [QUOTE]
    Zitat Zitat von Kate1965 Beitrag anzeigen
    Das lernt man ja auch in der Verhaltenstherapie, mit der ich allerdings gar nichts anfangen konnte. Ich fühlte mich bei der Verhaltenstherapie "verarscht" (entschuldige). Ich kann einfach nicht zu mir sagen: das hast du TOLL gemacht, du bist heute morgen aufgestanden UND hast noch Frühstück für die Kinder gemacht! Bravo!

    ja toll, ich bin zwar nicht gefragt; als ob das besondere Kenntnisse braucht, wenn da nicht die Lethargie und die Vernachlässigung wäre.


    Verzwickte Sache!

    Sicherlich hat es viel mit der eigenen Akzeptanz zu tun, des Innenlebens bzw das ganze Leben, wie es halt ist.

    Was für dich seltsam klingen mag, ist dass ich so sein möchte wie du: dizipliniert, ausdauernd, organisiert und leistungsstark. Ich bilde mir ein, dass ich dann selbstbestimmt und frei wäre...
    Durchorganisiert und leistungsstark sein lässt keinen Freiraum für die Schwächen, die einen wirklich festhalten können,: Ist das alles die Anstrengung wert um dann bei veränderten Gegebenheiten nicht mehr wissen, was zu tun ist?

    Disziplinierte Handlungen reichen völlig aus und sind genug für einen guten Anfang und Alltag. Die Frage ist meist, was ist dir an dir wichtig , dass du das erhalten magst. Für sich selbst. Wenn andere Menschen damit noch involviert sind, wie Familie, sieht es schon wieder etwas anders aus. Da wirkt überdrüssiges Verhalten nicht besonders motivierend für den Rest der Familie. Versuche aus der Lethargie heraus Motive festzuhalten, die es wert sind top zu sein.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee

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    AW: Lethargie bei Depression

    Hallo Kate,
    vielleicht hast Du noch nicht wirklich verstanden, daß Du krank bist.
    Für einen Gesunden ist es keine große Leistung, aufzustehen und für die Kinder Frühstück zu machen.
    Angenommen, Du hast einen gebrochenen Arm. Eingegipst, in einem Dreieckstuch. Der rechte.
    GROßE Leistung, alleine aufzustehen, und sogar noch für die Kinder Frühstück zu machen, und sogar noch rechtzeitig und ein ordentliches Frühstück!!
    Bleib dran,
    gute Besserung,
    s12

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    AW: Lethargie bei Depression

    Liebe Silvia,
    Danke für deinen Kommentar!
    Du hast recht...Aber es ist auch super schwer mit dieser Diagnose selbstbewusst umzugehen.
    Besonders wenn es keiner sieht, keiner glaubt.
    Und privat (mein Mann) das komplett ignoriert wird. Das habe ich schon oft gehört und gelesen, dass Depressionen nicht akzeptiert wird, sondern sls Schwäche gilt. Das habe ich leider in meiner eigenen Familie und dann ist das mit dem Standing doppelt schwer!
    Lg und schönes WE!!

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    AW: Lethargie bei Depression

    Zitat Zitat von Kate1965 Beitrag anzeigen
    Besonders wenn es keiner sieht, keiner glaubt.
    Und privat (mein Mann) das komplett ignoriert wird.
    Hallo Kate,
    ich verstehe dich gut, fühle mit dir.
    Es macht auch einsam, inmitten von Menschen.
    Alles Gute

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