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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Liebe Lily

    Du gehst nicht zur Therapie, um Deine Therapeutin glücklich und zufrieden zu machen und eine Musterpatientin zu sein.

    Es ist ausgeschlossen, daß Du sie „enttäuscht“ – denn sie soll und darf nicht „Erwartungen“ an Dein Verhalten stellen – sondern sie ist dafür da, Dich zu unterstützen.

    Deswegen solltest Du unbedingt Deine Gedanken ehrlich und ausführlich ihre gegenüber aussprechen. Oder druck doch – wenn Dir das aussprechen schwer fällt – Deinen Beitrag hier aus und nimm ihn mit.

    Bis Du die Möglichkeit hast mit ihr zu sprechen, ruf bitte wirklich die genannte Nummer der Seelsorge an.

    Tel 0800 1110111

    Ich schreibe die Nummer hier nochmal – nicht, weil ich die Beiträge vorher überlesen hätte – sondern weil sie auf jeder Seite dieses Threads unbedingt ohne Blättern zur Hand sein soll.

    Solltest Du am Wochenende in eine depressive Phase fallen, ruf an. Einmal, Zweimal, Fünfmal – so oft, bis Du glaubst, daß Du das Wochenende und die Zeit bis zu Deinem nächsten Therapietermin durchstehen kannst.

    Antje
    Wer glaubt, daß Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten..

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Ich bin gerade so unglaublich dankbar für diese Unterstützung von euch, wirklich

    @Mediterranee: Warum ich diverse Jobs nicht bekommen habe und ob es an der Behinderung lag - das werde ich ja nie erfahren und wenn es so wäre, würde mir das ja wohl kaum irgendein Personaler so sagen. Aber ich hatte schon Gespräche, bei denen meine Qualifikationen wirklich über alle Maßen gelobt wurden und man sich letztendlich doch anders entschieden hat. Das macht mich ein wenig stutzig.
    Ob ich es offen ansprechen soll? Käme so etwas denn gut an oder eher schlecht? Ich habe bis jetzt nur etwas dazu gesagt, wenn ich danach gefragt wurde, was aber auch nur einmal vor kam.
    Einschränken tut sie mich wie gesagt eigentlich nicht, sonst hätte ich wohl kaum all das erreicht, was schon in meinem Lebenslauf steht, aber auf manche Menschen wirkt es vielleicht etwas abschreckend?

    Jetzt gerade sitze ich an einer Arbeitsprobe für ein kommendes Vorstellungsgespräch. So etwas macht mir eigentlich Spaß und meine bisherigen Arbeitsproben wurden ja auch immer gelobt, aber ich frage mich gerade, wofür ich das hier eigentlich mache.

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Lily, ach weißt Du, ich hab auch schon Jobs nicht bekommen, weil jemand anderes noch einen Ticken mehr auf der Pfanne hatte als ich oder sogar, weil ich zu gut war (überqualifiziert). Das ist doof und zieht einen runter, aber irgendwann ist was dabei, da passt Du drauf wie Arsch auf Eimer.
    Manchmal sind die Gründe völlig banal, zum Beispiel bekommt eine den Job, weil sie blond ist oder ne schöne Stimme hat. Ohne Dich zu kennen behaupte ich einfach mal, dass Deine Behinderung nicht der Grund war.
    Du kannst bei einer Absage auch nachfragen, was der Grund war, dass Du nicht genommen wurdest. Ich mache das immer. Weil es hilft, mich besser vorzubereiten und einzuordnen.
    Ob Du dann eine ehrliche Antwort bekommst, weißt Du nie, aber wenn jemand sagt "wir hatten uns jemanden mit hervorragenden Excelkenntnissen vorgestellt, weil wir hier jede Menge Tabellenkalkulation machen, Sie haben aber nur Grundkenntnisse", dann kann man das schon mal glauben. Mir hat mal ein Chef gesagt, dass er glaubt, dass ich mich in dem Job langweilen würde (überqualifiziert). Als ich ihm sagte, dass ich mich dann wohl kaum beworben hätte, wenn ich das annehmen würde, hat er nur mit den Schultern gezuckt. Such is life.

    Nicht verzweifeln wegen der Arbeitsprobe. Dass Du jetzt gerade das Gefühl hast, das ist völlig für den Po, das darf auch mal sein, gerade in einer Situation, in der Du nicht gerade vor Zuversicht platzt. Mach sie trotzdem so gut Du kannst.
    Ich bin jetzt neugierig: Was ist es denn, was Du da machst?

    Wie sieht es denn privat aus, hast Du jemanden (Freund, Freundin, Mama, Papa, Tante Frieda), den Du anrufen und Dich mal so richtig ausheulen kannst?
    Und wenn es Dir gut tut, uns hier zu erzählen, was bei Dir los ist, auch wenn es vielleicht nur Kleinigkeiten sind, dann schreib Dir die Finger wund! Wir sind da.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Tut mir Leid, dass ich jetzt erst antworte, aber jetzt ging gerade alles sehr schnell.

    Ich bin jetzt bei meinen Eltern. Sie wissen Bescheid. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich jetzt erst einmal ein paar Tage bei ihnen bleibe.

    Mein Freund weiß es nun auch. Mit ihm werde ich gleich noch mal reden.

    Ich habe gerade gemerkt, dass ich deine Frage von vorhin, ob ich in der Lage bin, einen neuen Job anzutreten, gar nicht beantwortet habe: Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mir dieses Gefühl, nur zu Hause zu sitzen und nicht gebraucht zu werden, überhaupt nicht gut tut. Ich würde es lieber gerne früher als später beenden, zumal ich ja auch eigentlich unbedingt nach insgesamt sechseinhalb Jahren Studium endlich einen Job WILL. Außerdem habe ich Angst, dass es dann blöd aussieht, wenn im Lebenslauf direkt nach dem Studium eine Lücke klafft. Finanziell könnte ich ein paar Monate überbrücken, aber ich habe trotzdem Angst, NIE was zu finden. Wobei ich echt fast immer eingeladen werde. Hmpf.

    Ich bin gerade so unglaublich erschöpft.

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Komm jetzt erst mal zur Ruhe und lass Dich von Deinen Eltern und Deinem Freund ein bisschen verwöhnen. Das tut bestimmt gut.

    Ich verstehe Deine Gedanken sehr gut. Auch wenn Du jetzt gerne Gas geben möchtest, nimm Dir Zeit, Dich zu sortieren. Deine Situation im Moment kostet Dich eine Menge Kraft.

    Mach Dir mal keine Sorgen um eine Lücke im Lebenslauf. Das ist nicht so wild. Ich habe mehrere und habe trotzdem immer gute Jobs gehabt. Manche machen nach dem Studium erst mal eine längere Reise oder erholen sich einfach von den Prüfungen. Das kann man alles irgendwie erklären.

    Ich wünsche Dir ein ruhiges Wochenende im Kreis Deiner Lieben und ganz viel Liebe und Zuwendung.

    Und mach Dir bloß keinen Kopp, wenn Du hier mal länger nix postest und ein paar Fragen offen bleiben, das ist absolut in Ordnung.

    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


  6. Inaktiver User

    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Alles Gute Lily!!!


  7. VIP

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Alles Gute, Lily, auch von mir.

    Du bist sehr mutig, dass du mit deinen Eltern und deinem Freund über deine Gedanken gesprochen hast.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Oh ja, das finde ich auch! Richtig gut!
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Alles Gute, Lily, auch von mir.

    Du bist sehr mutig, dass du mit deinen Eltern und deinem Freund über deine Gedanken gesprochen hast.
    Liebe Lily, das habe ich auch gedacht, als ich Deine Zeilen gelesen habe.

    Mein 2.Gedanke war: Ich würde diese leichte Behinderung im Bewerbungsgespräch ansprechen!

    Auf eine authentische Art und Weise, wie sie zu Dir passt.

    Es kann als Zeichen eines ruhigen Selbstbewusstseins empfunden werden und nimmt dem Gegenüber die Scheu
    wenn dieser damit nicht umgehen kann, liegt das Thema bei ihm und Du passt da nicht hin

    Wer dich diesbezüglich nicht will, ist Dich nicht wert!

    Aber bis es soweit ist: Alles Gute
    Es wird Zeit für eine neue Signatur

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    AW: Den Mut finden, Dinge anzusprechen (CN Suizid)

    Liebe Lily,
    ich hatte in meinem Leben mehrere Phasen, in denen ich über Selbstmord nachgedacht habe. Und ja, wenn man das tut, dann schämt man sich, fühlt sich kaputt, krank etc.

    Im Rückblick sehe ich das ein bißchen anders. Ich kann viel mit dem Bild anfangen, dass wir alle unterschiedliche Teilpersönlichkeiten haben, mit denen wir uns unterschiedlich stark identifizieren. Aber auch diejenigen Teile, die wir nicht mögen, die wir aus irgendwelchen Gründen nicht haben und nicht wahrnehmen wollen, sind da, irgendwo im Schatten.
    Ich war früher sehr stark identifiziert mit den Anteilen von mir, die alles richtig machen wollten, die geliebt werden wollten, die gefallen wollten. Denn ich hatte große Sorge darum, dass ich in dieser Welt keinen Platz bekommen würde, wenn es mir nicht gelang, mich anzupassen, zu funktionieren und so zu sein, wie andere mich haben wollten. Das hieß nicht, dass ich nicht auch eigene Wünsche hatte. Aber für mich war damals immer klar, dass ich ja erst mal einen Platz haben muss und dann (erst) schauen kann, wie weit da eigene Wünsche überhaupt realisierbar sein würden.

    Doch da gab es einen verdrängten Anteil in mir, der nicht bereit war, jeden erdenklichen Preis zu zahlen, um einen Platz in der Welt zu bekommen. Meine Suizidgedanken waren seine Art, „nein“ zu sagen zu meiner Anpassungsbereitschaft, die der Selbstaufgabe oft gefährlich nahe kam.
    Ich schätze diesen Anteil heute und nutze seine Kraft, „nein“ zu sagen, mittlerweile bewusst. Nein, ich bin nicht (mehr) bereit, mich allem anzupassen. Es gibt eine Grenze. Ich habe gelernt, indem ich mich mit diesem Anteil angefreundet habe, auch „nein“ zu sagen in Situationen, in denen es anscheinend keine Alternative gab, keinen Ausweg. Erst danach, erst als ich dieses Risiko eingegangen war, hat sich dann doch ein Ausweg gezeigt (manchmal erst nach einer sehr langen Durststrecke und sehr viel Angst). Ich will damit nicht sagen, dass es eine Garantie dafür gibt, dass sich immer ein Ausweg zeigt – die gibt es meiner Ansicht nach für mich nicht und für andere auch nicht. Doch ich kann sagen, dass es sich für mich gelohnt hat, das Risiko immer wieder einzugehen.

    Nicht alle Menschen brauchen dieses verzweifelte „Nein“. Manche können mit und aus Zuversicht „Nein“ sagen, weil sie Vertrauen haben in die Welt. Das werde ich vielleicht nie können (auch wenn die gute Erfahrung natürlich auch bei mir einiges verändert hat). Ich bin ein eher ängstlicher Mensch, es fällt mir schwer zu vertrauen, zuversichtlich zu sein. Ich war mit dieser Ängstlichkeit lange viel zu leicht zu erpressen. Der Mut der Verzweiflung hat mir geholfen. Durch meine Selbstmordgedanken habe ich mich dagegen zur Wehr gesetzt, mich selbst völlig zu verbiegen. Jetzt, wo ich gelernt habe, auf andere Weise und viel früher nein zu sagen, jetzt wo ich weiß, wofür ich auf der Welt bin, wofür ich mich einsetzen will und was ich auf gar keinen Fall bereit bin zu dulden (ja: „nur über meine Leiche“), glaube ich nicht, dass ich diese Gedanken je wieder brauchen werde.

    Ich habe nicht nur diesen Strang hier, sondern auch Deine Beiträge im Bewerbungsstrang gelesen und habe mich in mancher Hinsicht an mich selbst erinnert gefühlt. Ich wollte das hier schreiben für den Fall, dass es Dir vielleicht weiter hilft - oder auch einer anderen Person, die das vielleicht irgendwann liest.
    Das ist leider so ein tabuisiertes Thema, und es ist schwer, Menschen zu finden, mit denen man da offen sein kann.
    Alles Gute für Dich, liebe Lily!
    Himiko
    We are born to be happy, not perfect.

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