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  1. Avatar von Mediterraneee
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Zitat Zitat von Karlskrona Beitrag anzeigen
    Genau so sieht es in mir aus. Um mich herum heiraten die ersten, andere finden ihre Erfüllung im Job. Ich habe das Gefühl, dass ich dieses unheimlich schwere Gewicht mit mir herumtragen muss, während alle anderen locker leicht durch ihr Leben springen. Und auch nicht nachvollziehen können, wie kräftezehrend es ist, diese schweren Gedanken die ganze Zeit mit mir tragen zu müssen.
    Ach, weißt Du, die anderen haben bestimmt auch ihre Sorgen und Nöte. Denk nicht, dass es allen gut geht außer Dir, das ist sicher nicht so.

    Zitat Zitat von Karlskrona Beitrag anzeigen
    Weißt du diese Gedanken hatte ich auch, allerdings vor längerer Zeit, als ich wirklich "glücklich" war. Ich weiß noch, ich war mit meinem Ex zusammen und von vielen lieben Menschen umgeben. Und da dachte ich: Wenn mein damaliges ich doch wüsste, wie gut es mir jetzt geht. Dass ich jetzt angekommen bin. Und nun bin ich weiter davon weg als je zuvor und denke mir nur: Da habe ich mich wohl zu früh gefreut.
    Was heißt zu früh gefreut? Glück ist ja nichts Endgültiges. Auch wenn Du angekommen bist, zum Beispiel in einer guten Beziehung mit Aussicht auf Familie, bedeutet das nicht, dass Du für den Rest Deines Lebens vor Problemen gefeit bist.

    Ich habe eben mal Deinen anderen Strang über Deinen Exfreund gelesen. Wie ist es denn da? Habt Ihr noch Kontakt oder ist jetzt erst mal Funkstille?

    Zitat Zitat von Karlskrona Beitrag anzeigen
    Das schwer zu beantworten für mich. Ich glaube alles in allem bin ich ganz ok. Es kommt einfach immer ganz darauf an, wen oder was man als Vergleich heran zieht. Ich habe einen guten Job, mit dem ich gut herum komme, einen gefestigten Freundeskreis und soliden familiären Hintergrund. Alles in allem. Aber natürlich ginge immer noch mehr. Ich könnte mir zum Beispiel einen Job suchen, bei dem ich besser für das entlohnt werde, was ich mache. Ich könnte versuchen, mir noch mehr Zeit für meine Freunde zu nehmen, mehr für mich selber machen. Irgendwie ist die Decke aber immer irgendwo zu kurz und ich muss auch ehrlich sagen: Ich schaffe es aktuell nicht. Mir fehlt die Energie. Ich koche und esse eigentlich leidenschaftlich gerne, nehme aber seit Monaten nur noch ab, weil ich keinen Appetit mehr habe. Manchmal vergesse ich ganze Mahlzeiten in Reihe. Ich weiß nicht, ob ich mir selbst eine gute Freundin bin. Sagen wir so: Ich versuche es.
    Na, das ist aber doch schon mal was, dass Du es versuchst. Und dass die äußeren Lebensumstände zumindest okay sind.

    Ich glaube, dass Dir die Trennung tatsächlich noch ganz schön in den Knochen steckt, zumal Du unter dem Hin und Her in letzter Zeit gelitten hast.

    Versuch erst mal ein bisschen, Dir ganz bewusst was Gutes zu tun. Regelmäßig essen (!), Dir selbst eine Kleinigkeit schenken, Dir einen schönen Tag in der Sauna, im Museum oder wo immer Du gerne hingehst zu machen. Das trägt zumindest dazu bei, dass Du Dich ein bisschen weniger beschissen fühlst.

    Was mir damals geholfen hat: vielleicht setzt Du Dich mal hin und schreibst Dir auf, was Du von Deinem Leben erwartest, in den nächsten zwei Wochen, den nächsten sechs Monaten, den nächsten zehn Jahren. Und überlegst Dir dann, wie Du da hinkommst. Selbst wenn sich davon erst mal nichts von heute auf morgen umsetzen lässt, das macht nichts. Allein die Tatsache, dass Du nach vorne schaust und versuchst Möglichkeiten zu sehen, kann helfen, dass es nicht mehr so düster aussieht.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.



  2. Registriert seit
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Ich habe eben mal Deinen anderen Strang über Deinen Exfreund gelesen. Wie ist es denn da? Habt Ihr noch Kontakt oder ist jetzt erst mal Funkstille?
    Aktuell ist Funkstille. Zumindest sind auch alle restlichen organisatorischen Dinge nun geklärt.

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Was mir damals geholfen hat: vielleicht setzt Du Dich mal hin und schreibst Dir auf, was Du von Deinem Leben erwartest, in den nächsten zwei Wochen, den nächsten sechs Monaten, den nächsten zehn Jahren.
    Das klingt an sich nach einer schönen Idee, nur ist da bei mir nichts. Irgendwie ist hinter mir alles schwarz, vor mir alles schwarz und die Gegenwart auch...

  3. Avatar von Mediterraneee
    Registriert seit
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Zitat Zitat von Karlskrona Beitrag anzeigen
    Aktuell ist Funkstille. Zumindest sind auch alle restlichen organisatorischen Dinge nun geklärt.



    Das klingt an sich nach einer schönen Idee, nur ist da bei mir nichts. Irgendwie ist hinter mir alles schwarz, vor mir alles schwarz und die Gegenwart auch...
    Ich denke, das mit der Funkstille ist besser so.

    Und der Rest: da fällt mir jetzt auch nicht mehr wirklich was Kluges ein. Ich drück Dich einfach mal virtuell und sage Dir, dass ich ganz sicher bin, dass auch Du wieder glücklich sein wirst. Vielleicht nicht morgen, vielleicht nicht in vier Wochen, aber ganz bestimmt bald!
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.



  4. Registriert seit
    06.07.2019
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Danke für deine Worte. Es ist nun schon wieder ein paar Wochen her, dass ich hier geschrieben habe. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich fühle mich wie in Watte gepackt.

    Es ist verrückt, von außen könnte man denken, dass es mir gut geht. Ich plane Aktivitäten, habe Hobbys, gehe nach wie vor zur Arbeit. Innerlich fühle ich mich schwerer denn je. Es ist ganz komisch, anfangs hatte ich dieses für alle sichtbare "Gepäck" - eine Trennung, schwere Zeiten in der Familie. Und das war furchtbar.

    Aber auf eine gewisse Art finde ich es aktuell noch schlimmer. Weil die Last jetzt unsichtbarer geworden ist. Es ist aktuell ja kein konkreter Anlass mehr da, weswegen es mir schlecht geht. Augenscheinlich stehe ich voll im Leben. Umso schwerer fällt es mir zu kommunizieren, wie es in mir aussieht. Dass jeder Schritt schwer fällt, dass es eben nicht einfach weggeht und die Zeit es besser macht. Ich will gar nicht wissen, wie es ohne AD aussähe. Wahrscheinlich könnte ich dann meinen Alltag nicht meistern.

    Und es fühlt sich aktuell auch anders an als damals. Als wenn die Depression sich nun mehr gefestigt hätte.


  5. Registriert seit
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Liebe Karlskrona,

    ich hatte mich hier raus gehalten, weil Du so vieles hast, was ich nicht habe - Arbeit, Familie, Freunde. Es geht immer noch schlimmer, aber das hilft Dir jetzt auch nicht weiter.

    Als ich zum ersten Mal die Diagnose Depri bekommen habe, habe ich mich damit meinen wenigen Freunden gezeigt und keine der Freundschaften hat das überstanden. Ich kann Dich daher nicht dazu ermutigen, Dich Deinen Freunden zu öffnen. Gleichgesinnte wiederum sind oft sehr in ihrem eigenen Leid gefangen. Man ist schon sehr alleine mit einer Depression. Vielleicht ist das auch symptomatisch. Wer immer für mich da war: dieses Forum. Ein Forum ersetzt keine Freunde, aber es geht jetzt in der Depression darum, die Tür nach draußen offen zu halten, auch der kleinste Lichtschimmer kann entscheidend sein. Fallen Dir noch weitere Möglichkeiten ein?

    Wenn Du nicht mehr essen kannst, ist es ernst. Allerdings kann Appetitlosigkeit auch eine Nebenwirkung des AD sein. Die Wirksamkeit Deiner Medikation, wie Du sie beschreibst, würde ich anders beurteilen als Du es tust. Es wirkt ja offensichtlich nicht stimmungsaufhellend bei Dir. Ich würde mich an Deiner Stelle noch mal gründlich (!) über das Medikament informieren und auch einen weiteren (Fach-) Arzt dazu befragen.

    Wie Du weine auch ich sehr viel. Weinen befreit, aber ab einem gewissen Punkt hat es mich zusätzlich gestresst. Beruhigungsmittel habe ich nicht vertragen. Es gibt aber 1000 Dinge, mit denen ich mich beruhigen und erden kann. Nicht immer, das sind dann die Tage, wo es halt raus muss und ich mir Unterstützung organisiere. Das Weinen macht aber ganz deutlich: der Mensch ist keine Maschine. Die Trennung war ein schmerzhafter Verlust und die Seele heilt anders als ein gebrochener Knochen.

    Soviel für heute. Beherrschst Du eigentlich ein Entspannungsverfahren?

    Alles Liebe und Gute
    neustart
    naja wenigstens hab ich es versucht


  6. Registriert seit
    06.07.2019
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    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Danke für deine ausführliche Antwort, neustart!

    Zitat Zitat von neustart_jetzt Beitrag anzeigen
    Ich hatte mich hier raus gehalten, weil Du so vieles hast, was ich nicht habe - Arbeit, Familie, Freunde. Es geht immer noch schlimmer, aber das hilft Dir jetzt auch nicht weiter.
    Das stimmt absolut. Ich hadere damit sehr, dass es mir nach äußeren Faktoren eigentlich besser gehen müsste. Dass es so unheimlich viele Menschen gibt, die in einer sehr viel schlechteren Ausgangslage sind als ich. Das macht es für mich noch frustrierender, weil ich mir oft denke, dass ich eigentlich gar kein "Recht" habe, mich so zu fühlen.

    Zitat Zitat von neustart_jetzt Beitrag anzeigen
    Ein Forum ersetzt keine Freunde, aber es geht jetzt in der Depression darum, die Tür nach draußen offen zu halten, auch der kleinste Lichtschimmer kann entscheidend sein. Fallen Dir noch weitere Möglichkeiten ein?
    Ja, das hat auch mich dazu gebracht, hier zu schreiben. Langfristig will ich auf jeden Fall eine Therapie machen, bin auch grade an einem Online Angebot meiner Krankenkasse dran - leider bislang noch erfolglos.

    Zitat Zitat von neustart_jetzt Beitrag anzeigen
    Wenn Du nicht mehr essen kannst, ist es ernst. Allerdings kann Appetitlosigkeit auch eine Nebenwirkung des AD sein. Die Wirksamkeit Deiner Medikation, wie Du sie beschreibst, würde ich anders beurteilen als Du es tust. Es wirkt ja offensichtlich nicht stimmungsaufhellend bei Dir. Ich würde mich an Deiner Stelle noch mal gründlich (!) über das Medikament informieren und auch einen weiteren (Fach-) Arzt dazu befragen.
    Die Appetitlosigkeit war leider schon vor den AD da. Die helfen mir auch wirklich. Bevor ich sie genommen habe, war alles vollkommen unberechenbar für mich. Ich hatte plötzliche Panikattacken, Herzrasen, mir ist plötzlich schwarz vor Augen geworden - das habe ich nun nicht mehr. Und das war im Alltag sehr belastend, plötzlich im ÖPNV keine Luft mehr zu bekommen. Oder dass ich über Stunden am Wochenende zu Hause saß und es mir mental so schlecht ging, dass ich mir sicher war, es einfach nicht bis in den Abend zu schaffen. Mit den AD "funktioniere" ich immerhin wieder. Es sind jetzt nicht mehr diese plötzlichen starken Beeinträchtigungen, dafür fühlt es sich mehr wie so ein stumpfer Schmerz und eine dauerhafte Hoffnungslosigkeit an.

    Zitat Zitat von neustart_jetzt Beitrag anzeigen
    Beherrschst Du eigentlich ein Entspannungsverfahren?
    Leider nein. Auch da bin ich froh, dass zumindest diese akuten Zustände nicht mehr da sind.


  7. Registriert seit
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    Beiträge
    47

    AW: Ein bisschen was "von der Seele schreiben"

    Ich denke so oft an das Lied "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Ungefähr so fühlt es sich für mich an.

    Ich bin der Welt einfach seit geraumer Zeit abhanden gekommen. Sie dreht sich weiter und ich bewege mich in ihr wie ein "normaler" Mensch fort und doch bin ich das nicht. Nichts an mir ist normal.

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