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  1. Registriert seit
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    Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Ich habe schon einige starke depressive Phasen in meinem Leben gehabt, auch als Kind schon. Ich war ein sehr einsames Kind und wurde viel angeschrieen & kritisiert. Das hat wahrscheinlich den Grundstein dafür gelegt, dass ich mich auch als Erwachsene immer noch ständig sehr stark selbst kritisiere und mich und mein Leben selbst zerpflücke. Mit nichts kann ich wirklich zufrieden sein und ein Teil von mir ist total selbstzerstörerisch drauf.

    Als ich vor fast drei Jahren mal wieder plötzlich in eine sehr starke Depression verfiel, holte ich mir endlich Hilfe und fing eine Therapie an. Das hat mir aus dem gröbsten auch erstmal rausgeholfen und wir haben viel über meine Kindheit etc geredet. Leider ist meine Therapeutin dann weggezogen und ich habe die Therapie erstmal nicht weitergeführt. Mir dann aber doch irgendwann wieder eine Verlängerung geholt und bin jetzt seit ein paar Sitzungen bei einer neuen Therapeutin, ob die mir weiterhelfen wird kann ich noch nicht wirklich sagen.

    Ganz am Anfang der ersten Therapie hatte ich mal erwähnt dass ich evtl gerne Medikamente ausprobieren würde, weil es mir damals wirklich sehr schlecht ging. Letztendlich wurde ich dann sanft dazu überzeugt, es doch erstmal rein mit der Therapie zu versuchen. Langsam geht mir aber die Geduld aus, da ich leider schon länger keine wirkliche Verbesserung in meiner Stimmung feststellen kann.

    Naja, lange Geschichte, kurzer Sinn: ich bin soweit dass ich wirklich Antidepressiva ausprobieren möchte. Ich bin nicht sicher, zu wem ich da jetzt gehen muss. Einen Hausarzt habe ich zwar, war aber erst ca 2mal da und von der ganzen Depressions-Geschichte wissen die auch noch gar nichts. Zu meiner neuen Therapeutin habe ich irgendwie noch nicht so richtig Vertrauen aufgebaut und traue mich komischerweise nicht sie zu fragen. Damit würde ich ihr ja auch irgendwie symbolisieren dass sie mir nicht ausreichend helfen kann. Ich weiß aber so langsam wirklich nicht mehr worüber ich noch reden soll, im Moment ist mein Leben objektiv gesehen gar nicht schlecht, es ist nur irgendwas in meinem Gehirn, das mir immer alles schlecht redet.

    Kann da jemand aus Erfahrung sprechen? Kann man einfach zum Hausarzt gehen und sagen 'ich bin depressiv, schreiben sie mir mal was auf'? Ich hatte schonmal letztens bei meiner Krankenkasse angefragt aber leider nur eine nichtssagende Standardantwort bekommen.

  2. Moderation Avatar von Anemone
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Antidepressiva kann nur ein zugelassener Arzt verschreiben, Therapeuten sind dazu meist nicht befugt. Es bedeutet also, sich an einen niedergelassenen Psychiater/Neurologen zu wenden. Dort muss man natürlich auch erklären, warum und wieso. Diese Ärzte haben den Durchblick über die Vielfalt an AD und werden nach Lage der Dinge verschreiben, was sie für richtig halten. Da eine fühlbare Wirkung erst nach einigen Wochen einsetzt und auch nicht klar ist, ob das Mittel das richtige ist oder evt. wechseln oder Dosierungsänderung notwendig ist, muss man sich öfters mal auch bei diesem Arzt vorstellen. dort werden auch die fälligen Blutuntersuchungen gemacht, das ist oft angesagt zur Vorsicht.
    Der Therapeutin kannst du das ja so erklären, dass du für dich die zusätzliche Unterstützung durch ein Medikament wünschst. Viele Th. befürworten das auch, weil die zweigleisige Behandlung von Depressionen meist sinnvoller ist als Therapie alleine. Hausärzte können da wenig helfen, dir höchstens eine Empfehlung für einen Psychiater aussprechen. Vielleicht. Meist ist die Suche nach solch einem Facharzt schwieriger als die Therapeutensuche. Wenn du aber die Therapie schon laufen hast, und das so der Praxis vermittelst, machen sie vielleicht einen schnelleren Termin. Viel Glück dabei! Näheres kann ich auch gerne per PN mitteilen, ich kenn mich (leider) sehr gut aus.
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Achso - irgendwie hatte ich im Kopf, dass 'normale' Hausärzte auch direkt sowas verschreiben können. Dann gucke ich vielleicht einfach mal wo der nächste Psychiater zu finden ist. Irgendwie habe ich noch Hemmungen meine Therapeutin darauf anzusprechen. Von den vier Therapeuten, mit denen ich bisher gesprochen habe (zwei davon nur 'ausprobiert') hatte ich das Gefühl, dass die mir eher von Medikamenten abraten wollten.

  4. Avatar von Mendo
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Hallo Absoluterfreak,

    Anemone hat Dir schon die perfekte Antwort geschrieben.

    Leider haben die Psychiater sehr lange Wartezeiten und es gibt immer weniger.
    Ruf mal morgen bei einem an und mache einen Termin.

    Es ist ein langer Weg, bis man ein Antidepressivum findet, das einem hilft und die Nebenwirkungen akzeptabel sind.
    Also nicht aufgeben, wenn das erste verordnete Medikament nichts bewirkt. Man merkt eine Wirkung erst nach 3-4 Wochen Einnahme.

    Möglicherweise solltest Du auch einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik in Betracht ziehen.
    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.
    Too blessed to be stressed

  5. Moderation Avatar von Anemone
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Mein Hausarzt, den ich schon viele Jahre kenne, hat mich mal geradezu abgefangen, als ich nur auf ein Rezept wartete, weil ihm mein Aussehen auffiel. Ich erwähnte mein Problem und er verschrieb mir schon mal auf Verdacht ein Präparat, das sehr gebräuchlich ist. Natürlich wollte er nur schnelle Hilfe leisten und bestärkte mich darin, schnell einen Termin beim Psychiater zu machen. Also geht das schon, prinzipiell, aber ich rate davon ab. Bei einem Psychiater muss man meist einen längeren Test machen, woraus der auch Schlüsse ziehen kann. Mir hat dieses erste Mittel auch nicht geholfen, es hat schon eine ganze Weile gedauert, bis ich was gefunden hab.
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  6. Registriert seit
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Hallo absoluterfreak

    Es gibt jede Menge handfeste Gründe gegen Psychopharmaka. Du möchtest aber ein Medikament nehmen, also stelle ich meine Bedenken mal hintenan.

    Hausärzte verschreiben durchaus Psychopharmaka, das würde ich aber definitiv sein lassen.
    Psychiater sind als Fachärzte die Ansprechpartner. Antidepressiva verursachen gerade zu Beginn bei vielen Patienten erhebliche Nebenwirkungen, daher kann es besser sein, sie unter Aufsicht der Psychiater in einer Tagesklinik oder medizinischen Reha einzuschleichen.

    Du schreibst, Du weißt nicht mehr, worüber Du mit Deiner Therapeutin reden sollst. Es kann natürlich sein, dass die Depression organisch bedingt ist, Stichworte Schilddrüse, schwere Allergien, Wechseljahre und und und.

    Alles Liebe und Gute für Dich!
    neustart

  7. Moderation Avatar von Anemone
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Für den Start der Gespräche ist ja die Therapeutin in gewisser Weise verantwortlich. Sie muss den Patienten "führen", dass er sprechen kann. Nur abwarten nützt da nichts. Wenn man im tiefen Loch sitzt, hat man keine Kraft, allein ein Gespräch anzufangen. Dafür ist Therapie da. Ich hab Verhaltenstherapie als enorm hilfreich empfunden, die ist auch heute gängig bei Depressionen. Und Bedenken gegen AD generell ist kontraproduktiv. Es hilft dem Kranken, sich selber zu helfen. Eine Glückspille ohne eigenes Dazutun ist das nicht. Mein Psychiater bestellte mich jeweils nach Markenwechsel nach ein paar Tagen ein, um die Befindlichkeit zu besprechen. So sollte es sein.
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  8. Registriert seit
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Naja also wir reden schon viel über meine Gefühle und so. Ich habe nur den Eindruck dass ich da halt immer das selbe erzähle aber besser wird dadurch nichts. Höchstens manchmal dass ich die Gründe für bestimmte Emotionen besser erkennen kann. Ich habe zum Beispiel gewissermaßen ein furchtbar schlechtes Selbstwertgefühl und weiß auch woher das kommt, aber egal wie viel wir darüber und über die Gründe geredet haben, wird es halt trotzdem nicht besser. Ob dabei Medikamente helfen ist natürlich auch wiederrum fraglich.


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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Vielleicht ist die Therapieform auch nicht (mehr) die richtige für dich und du bräuchtest eine andere Form?


  10. Registriert seit
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    AW: Ständig Depressionen. Will endlich Medikamente ausprobieren. Wie geht man vor?

    Zitat Zitat von absoluterfreak Beitrag anzeigen
    aber egal wie viel wir darüber und über die Gründe geredet haben, wird es halt trotzdem nicht besser.
    meines Erachtens gehört zu einer solchen Therapie auch immer dazu - und ich meine immer, bei jeder Sitzung - dass nicht nur Gründe erhellt werden (kann man ja machen, finde ich nicht unbedingt nur sinnvoll - welchen Unterschied würde es denn für ein gebrochenes Bein und dessen Therapie machen, ob's ein Sturz beim Skifahren war, oder ausrutschen auf dem frisch geputzten Boden zuhause?) - sondern dass du auch immer etwsa mitkriegst, eine Übung, eine Art von Disziplin oder Askese, um die dunklen Gedanken zu mildern, zu bremsen, sie nicht ohne Leine laufen zu lassen. Etwas was du TUN kannst und sollst, um deine Situation zu verbessern.


    Ob dabei Medikamente helfen ist natürlich auch wiederrum fraglich.
    ja das wollte ich auch fragen, inwiefern erhoffst du, dass Medikamente etwas an Gedanken ändern können?

    wünsche dir, dass du einen guten Weg findest, welcher immer das sei

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

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