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  1. Registriert seit
    08.02.2019
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    Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Das hier ist ein Punkt in meinem Leben, der nicht besser laufen könnte. Eigentlich.
    Nur aus irgendeinem Grund passiert das alles ohne mich.*
    Ich stehe nur daneben und kämpfe einen Kampf, den ich so nur verlieren kann.

    Meine Fassade bröckelt. Und anstatt sie bröckeln zu lassen, kämpfe ich mit aller Kraft dagegen an. Mein Unterbewusstsein ist so darauf fixiert, dass ich völlig machtlos bin.
    Die letzten Versuche mit vertrauten Menschen über das grade entstehende Chaos in mir zu sprechen, wurden immer nur abgetan - "Ist doch nichts, läuft doch alles super bei dir."

    Man kann sich unsagbar alleine fühlen. Besonders jetzt fehlt mir familiärer Rückhalt so sehr. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Das wurde hier schon (für mich) schmerzlich ausdiskutiert.

    Wann kommt die Zeit wieder, in der sich nicht mehr alles verkehrt anfühlt? Ich würde gern wieder ohne Probleme aufstehen können und meinen Tag meistern. Momentan treibt mich jeder Schritt an meine Grenzen. Aber eben nur an sie heran, nicht drüber. Solange das noch geht, kann es doch eigentlich nicht so schlimm sein, oder?

    Letztens war ich nach einer für mich sehr extremen Nacht gezwungen, mir eine AU beim Arzt zu holen, weil ich es schlicht einfach nicht geschafft habe aufzustehen um zur Arbeit zu gehen. Das wirklich erste und einzige Mal.
    Der weiß jetzt natürlich auch Bescheid und sieht das ganze um einiges enger als ich. Nachdem er mich körperlich komplett auf den Kopf gestellt hat, sagte er was von mittelschwerer depressiver Episode.

    Ich möchte einfach nur wieder zu mir selbst finden.
    Hat jemand vielleicht ein paar Liebe Worte für mich? Oder einen Rat?


  2. Registriert seit
    25.03.2019
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    AW: Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Hallo Pustekuchen,

    netter Nickname übrigens.

    Fremde Menschen können sehr viel und sehr liebe Worte sagen und schreiben. Und für einen Moment wird es sicher helfen, sich nicht ganz so dusslig und "daneben" zu fühlen.

    Wirkliche und länger andauernde Hilfe gibt es nach meiner Erfahrung nach nur in Tageskliniken oder bei einem stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik.

    In einigen Städten gibt es Beratungsstellen vom Bündnis gegen Depression, vielleicht wäre das auch einmal eine Anlaufstelle für Dich?

    Alles Gute

  3. Inaktiver User

    AW: Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Zitat Zitat von Pustekuchenxc Beitrag anzeigen
    Meine Fassade bröckelt. Und anstatt sie bröckeln zu lassen, kämpfe ich mit aller Kraft dagegen an. [...]
    Die letzten Versuche mit vertrauten Menschen über das grade entstehende Chaos in mir zu sprechen, wurden immer nur abgetan - "Ist doch nichts, läuft doch alles super bei dir."
    [...] Wann kommt die Zeit wieder, in der sich nicht mehr alles verkehrt anfühlt? Ich würde gern wieder ohne Probleme aufstehen können und meinen Tag meistern. Momentan treibt mich jeder Schritt an meine Grenzen. Aber eben nur an sie heran, nicht drüber. Solange das noch geht, kann es doch eigentlich nicht so schlimm sein, oder? Ich möchte einfach nur wieder zu mir selbst finden.
    Liebe Pustekuchen,

    kennst Du das Gleichnis von der blauen und der roten Pille aus dem Film Matrix? (Wenn nicht: Kannst Du googlen.)
    Ich meine, das Leben stellt jedem Menschen die grundsätzliche Frage, ob er die rote oder die blaue Pille wählt.
    Deine Vertrauten haben sich offensichtlich für die blaue Pille entschieden. Das ist legitim, das macht ihr Leben leichter. Du hast (unbewusst, qua "Typ") die rote Pille gewählt, und ein Teil von Dir sehnt sich jetzt nach der blauen Pille.
    Ich glaube, das geht allen, die die rote Pille gewählt haben, streckenweise so, v.a. in jüngeren Jahren. Es gibt aber kein Zurück, und letztlich wärst Du sonst auch nicht Du.

    Ob Dein "Zustand" klinisch als Depression bezeichnet wird, oder nicht, ist eigentlich egal, denn so oder so bleibt die Frage, wie Du damit am besten umgehst, die Gleiche.

    Einige Anregungen:
    - Du möchtest wieder zu Dir selbst finden. --> Dabei hilft Selbsterforschung z.B. durch Lektüre, Eigenexperimente, VHS-Seminare, Therapie- oder Coachinggespräche, etc., je nachdem, welches Format Dir am meisten liegt.
    - Dein Alltag strengt Dich sehr an. --> Berücksichtige, dass Du am Anfang des Berufslebens stehst, was per se anstrengend ist.
    - Jeder Schritt treibt Dich an Deine Grenzen, aber eben nur an sie heran, nicht drüber. --> Ob das schlimm ist? Dazu kann ich Dir aus meiner Erfahrung sagen, dass dieser Zustand Jahrzehnte anhalten kann, ohne dass es jemals zum Burnout kommt, weil die eigene Selbststeuerung zwar gut ist (=Burnoutvermeidung), aber nicht gut genug, um nicht dauerhaft in einer chronifizierten Pre-Burnout-Phase hängenzubleiben. Lustig ist das nicht. Schlimm möchte ich es nicht nennen, weil ich mich nicht über Pre-Burnout-Symptome definieren möchte - ich bin doch so viel mehr als das.
    Pathologisch finde ich es auch nicht, sondern halte vielmehr das heutige überfordernde Arbeitsumfeld für falsch. Es ist quasi eine weit verbreitete System-Problematik. Man kann es auch so sehen, dass Du hier nur hellsichtiger und sensibler (auch für Deine Grenzen) bist als andere. Dazu kommt das ständige Hinterfragen, das wir mit Einnahme der roten Pille mit eingekauft haben.
    Trotzdem, könnte ich mein Leben noch einmal von vorne leben, würde ich mich wieder für Rot entscheiden.

    Ich finde es schön, dass Du der BRI noch eine Chance gibst.
    Geändert von Inaktiver User (07.04.2019 um 12:01 Uhr)


  4. Registriert seit
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    41

    AW: Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Bei meiner ersten Depression - die erst sehr viel später diagnostiziert wurde - habe ich auch noch gedacht, mit Hilfe von Lektüre, Freizeit etc. dieses Mistding einfach vertreiben zu können.
    Es schien auch alles logisch zu sein, nur: die Erfolge blieben vollständig aus. Weil ich auch durch Lektüre langsam und allmählich in milde Wahnvorstellungen geglitten bin. Auch zu spät erkannt.
    Dieser Zustand hat ein Jahr angehalten, bis ich zuerst einen fähigen Therapeuten und dann eine sehr gute Klinik gefunden habe. Die Behandlung dauerte insgesamt auch noch einmal länger als ein Jahr.
    Lebenszeit ist kostbar und deswegen tendiere ich gerade bei sehr jungen Menschen dazu, Depressionen nicht zu banalisieren, sondern möglichst früh eine Behandlung zu suchen, wenn es notwendig ist. Grade auch, weil es in diesem Bereich lange Wartezeiten gibt.

    Nur: die Notwendigkeit dazu kann nur die TE selber entscheiden.


  5. Registriert seit
    20.01.2019
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    AW: Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Zitat Zitat von Pustekuchenxc Beitrag anzeigen

    Meine Fassade bröckelt. Und anstatt sie bröckeln zu lassen, kämpfe ich mit aller Kraft dagegen an. Mein Unterbewusstsein ist so darauf fixiert, dass ich völlig machtlos bin.

    Manchmal ist der Zusammenbruch der Beginn einer wirklichen Änderung.

    Der Versuch, die Fassade aufrechtzuhalten kann dazu führen, dass man nach vielen Jahren immer noch an der selben Stelle steht.

    Das Problem ist, dass man keine Garantie hat, dass der Zusammenbruch tatsächlich "was bringt".
    Viel hängt auch davon ab, was man will.


    Grundfalsch finde ich solche Einstellungen:

    Zitat Zitat von katzy Beitrag anzeigen
    Bei meiner ersten Depression - die erst sehr viel später diagnostiziert wurde - habe ich auch noch gedacht, mit Hilfe von Lektüre, Freizeit etc. dieses Mistding einfach vertreiben zu können.

    "Mistding"..
    Nein, es ist kein Mistding.
    Alles hat seinen Grund. Es ist nichts Fremdes.
    Es ist eine Zurückweisung des Eigenen, wenn man das so sieht.
    Das passiert aber leider oft.


    Zitat Zitat von Pustekuchenxc Beitrag anzeigen

    Die letzten Versuche mit vertrauten Menschen über das grade entstehende Chaos in mir zu sprechen, wurden immer nur abgetan - "Ist doch nichts, läuft doch alles super bei dir."

    Dann sind es die falschen Leute, denen man sich anvertraut hat.


    Zitat Zitat von Pustekuchenxc Beitrag anzeigen

    Wann kommt die Zeit wieder, in der sich nicht mehr alles verkehrt anfühlt? Ich würde gern wieder ohne Probleme aufstehen können und meinen Tag meistern.

    Ohne Probleme aufstehen und den Tag meistern. Das möchten alle.
    Nur, vielleicht geht das manchmal nicht so einfach. Und wenn das nicht geht, dann hat das einen Grund.
    Letztlich hängt es auch von einem selbst ab, wozu man bereit ist.
    Wenn man nur auf das guckt, was man nicht hat, also auf die "leichten" Tage, dann reicht das eben nicht aus.
    Den eigenen Zustand als einen zu akzeptieren, der nicht "zufällig" vom Himmel abgefallen ist und sich damit zu beschäftigen, sich Hilfe zu holen.

    Niemand nimmt einem diese Entscheidung ab, wozu man bereit ist und was man will.
    Das ist für manche ein Problem und für manche eine Chance.


    Zitat Zitat von Pustekuchenxc Beitrag anzeigen
    Ich möchte einfach nur wieder zu mir selbst finden.

    Vielleicht hat das, was du gerade erlebst, viel mehr mit dir selbst zu tun, als eine alsbaldige Umstellung auf leicht zu lebende Tage.


  6. Registriert seit
    25.03.2019
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    AW: Nur Zuschauer im eigenen Leben

    Natürlich ist dieses "Mistdings" etwas eigenes. Mit meiner Lebensweise habe ich es fleissig herangezüchtet.
    Die Fähigkeit zur Änderung habe ich erst in einer Therapie bekommen und ich nehme seit einigen Jahren zusätzlich ein Antidepressivum zur Unterstützung. Beides gehört für mich untrennbar zusammen.

    Therapie deswegen, weil meiner Erfahrung nach nur Therapeuten es schaffen, die oftmals blumige Ausdrucksweise höflich und bestimmt zu unterbrechen und damit klare und lösbare Fakten herstellen können. Das erleichtert nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Miteinander.
    Geändert von katzy (07.04.2019 um 13:56 Uhr)

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