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  1. Registriert seit
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    Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hallo Ihr!

    Ich habe hier mal ein bisschen quer gelesen, weil ich mit Depressionen bisher noch nicht groß in Berührung gekommen bin. Allerdings glaube ich, dass ein Freund von mir betroffen ist, und ich versuche gerade zu verstehen, was da los ist und frage mich, wie ich damit umgehen sollte.

    Er erzählt grundsätzlich nur wenig über sich, ist ein absoluter Einzelgänger. Trotzdem hat er mich offensichtlich dazu auserkoren, eine Art Beziehung zu ihm aufzubauen, wir haben bis vor Kurzem sehr viel miteinander gechattet (wir sind beide nicht der Typ, der offen über seine Befindlichkeiten redet, schreiben fällt uns leichter – zumal wir auch mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt wohnen). Wir haben wirklich fast täglich virtuell unsere Abende miteinander verbracht.

    Treffen tun wir uns unregelmäßig, weil wir beruflich miteinander zu tun haben, und verbringen dann auch jetzt noch wie selbstverständlich den Abend miteinander… - wobei wir auch da nicht über „unsere Probleme“ reden. Aber er hat mir im Chat ein bisschen was von sich erzählt (für seine Verhältnisse wahrscheinlich schon unglaublich viel), unter anderem auch, dass er schon mal depressiv war. Und nun scheint es wieder soweit zu sein…

    Vor ein paar Wochen hat er den privaten Kontakt von heute auf morgen abgebrochen (dienstlich haben wir weiterhin täglich miteinander zu tun) – auf Nachfrage, was los sei, schrieb er nur „ich brauche eine Pause“. Er ist seitdem auch tatsächlich nicht mehr online (erkennt man ja am Status in den entsprechenden Chats), hat sich also von allem und jedem komplett zurückgezogen (wobei ich meines Wissens nach eh der einzige Mensch war, mit dem er in dieser Weise und so intensiv Kontakt gepflegt hat).

    Während der Arbeitszeit verhält er sich wie immer - und auch, wenn wir uns sehen. Er möchte mich auch sehen, er sagt, das würde ihn von "unguten Gedanken" ablenken, und er ist merklich enttäuscht, wenn ein Besuch aus irgendwelchen Gründen doch nicht klappt. Er sagt, dass ich ihn vermisse, kann er gut verstehen, es würde ihm umgekehrt genauso gehen. Aber er würde sich im Moment auch selbst vermissen und nicht wiedererkennen. Das klingt doch ziemlich danach, als wenn ihn eine Depression erwischt hat, oder?

    Es hat mich tatsächlich in gewisser Weise „beruhigt“, als ich hier von Betroffenen gelesen habe, dass sie nicht über ihre Depressionen reden (nicht mal mit ihre Partner) und diese mit sich selbst ausmachen wollen / müssen, u.a., weil sie davon ausgehen, das „Laien“ ihnen sowieso nicht helfen können und schlimmstenfalls mit irgendwelchen dümmlichen Ratschlägen kommen („Geh mal an die frische Luft!“ oder gar „Reiß Dich mal zusammen!“) – aber ich will natürlich für ihn da sein und gleichzeitig nichts falsch machen. Ich möchte, dass er weiß, dass mich die Situation hilflos und traurig macht – aber ohne ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich möchte nicht, dass das Ausbleiben von Kommentaren, andauernden Nachfragen und Ratschlägen meinerseits dazu führt, dass er denkt, es würde mir am A** vorbei gehen, sondern dass ich mir das verkneife, weil ich weiß, dass es ihm eh nicht hilft.

    Was mir große Sorgen macht, ist, dass er sich ziemlich sicher keine Hilfe von einem Profi holen würde (ist eine Depression so überhaupt in den Griff zu bekommen? Naja, einmal hat er es offensichtlich ja schon geschafft…) Und ich habe demnächst Urlaub, so dass ich keinen Schimmer haben werde, wie es ihm geht. Ich würde nicht erfahren, wenn er plötzlich nicht mehr zur Arbeit kommt. Nicht, dass ich dann etwas unternehmen könnte - wenn er nicht an‘s Telefon geht, habe ich keine Chance, ihn zu erreichen… - was denkt Ihr – wäre es für ihn belastend, ihm von diesen Gedanken zu erzählen? Ob er sich vielleicht DOCH bei mir melden würde, wenn er merkt, dass es ihm so schlecht geht, dass er Hilfe braucht (bzw. – würde es etwas nützen, ihn darum zu bitten?)?

    Ich weiß, dass es schwer ist, einzuschätzen wie die Situation wirklich ist – ich kann es ja selbst auch nicht – er hat ja bisher nicht einmal wirklich zugegeben, dass er depressiv ist. Aber es wäre trotzdem schön, wenn mir der eine oder andere einen Hinweis geben könnte, ob und was ich tun könnte oder auf jeden Fall lassen sollte.

    Viele Grüße,
    Meg


  2. Registriert seit
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hallo Meg,

    da dir noch niemand geantwortet hat und du mich indirekt ansprichst (ich bin die, die das vor ihrem Partner verheimlicht...) schreibe ich dir mal. Der allgemein gültige Rat beim Umgang mit Depressiven lautet: Interesse signalisieren, die Tür angelehnt lassen, aber nicht bedrängen. Sag deinem Freund, dass er sich jederzeit mit dir austauschen kann, wenn er will, du aber seinen Wunsch nach einer Pause akzeptierst.

    Mir ist nicht ganz klar, ob dein Interesse an seiner Person rein platonisch oder amourös ist. Wie auch immer, diese Frage ist wohl aktuell zweitrangig.

    Jede Depression hat unterschiedliche Gründe, verläuft anders und dementsprechend unterschiedlich sind auch die Dinge, die hilfreich sind. Das folgende ist höchst subjektiv und nicht allgemein gültig, ich antworte rein aus meiner Sicht. Ich bin wohl charakterlich deinem Freund ähnlich - ich mache meine Probleme mit mir selber aus, auf der Arbeit merkt man mir nichts an, etc.

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Was mir große Sorgen macht, ist, dass er sich ziemlich sicher keine Hilfe von einem Profi holen würde (ist eine Depression so überhaupt in den Griff zu bekommen? Naja, einmal hat er es offensichtlich ja schon geschafft…)
    Ja, aus depressiven Verstimmungen kann man auch alleine raus kommen. Gerade jetzt im Frühling verpuffen viele Winterdepressionen praktisch von selbst. Mehr Licht, Sonne, Vitamind D,... das hilft. Ich hab nun ein Jahr lang Medikamente genommen ohne Therapie. Es wird. Vielleicht wäre es mit Therapie schneller gegangen, aber das möchte ich nicht. Allerdings ist die Gefahr groß, dass man wieder in ein Loch fällt. Bzw. ist es nur eine Frage der Zeit, bis es einen das nächste Mal erwischt. Irgendwann ist das Loch dann vielleicht so tief, dass man tatsächlich nicht mehr alleine raus kommt.

    Aber: Du kannst ihn nicht retten - Der Wille muss aus ihm selbst kommen!

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    was denkt Ihr – wäre es für ihn belastend, ihm von diesen Gedanken zu erzählen? Ob er sich vielleicht DOCH bei mir melden würde, wenn er merkt, dass es ihm so schlecht geht, dass er Hilfe braucht (bzw. – würde es etwas nützen, ihn darum zu bitten?)?
    Ich persönlich hätte das sehr doof gefunden von dir, wenn du meinen "wunden Punkt" so unumwunden ansprichst. Besonders, da ihr ja auch beruflich miteinander zu tun habt. Ich hatte auch latente Suizidgedangen (eher in Richtung Lebensmüdigkeit), aber eher hätte ich mir die Zunge abgebissen, als das offen zuzugeben. Ich hätte mich wohl von dir distanziert, da du mir sozusagen auf die Schliche gekommen wärst...

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Ich weiß, dass es schwer ist, einzuschätzen wie die Situation wirklich ist – ich kann es ja selbst auch nicht – er hat ja bisher nicht einmal wirklich zugegeben, dass er depressiv ist.
    Obwohl es wohl so ist, friert eher die Hölle zu als dass ich das offen zugeben würde

    Alles Gute und pass auf dich selbst auf.

  3. Avatar von brighid
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    ich möchte dir ein Buch empfehlen:

    Depression, helfen und sich nicht verlieren. Beltz Verlag

    von Huub Buijssen. Ein Ratgeber für Freunde und Familie.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  4. Registriert seit
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hi!

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Der allgemein gültige Rat beim Umgang mit Depressiven lautet: Interesse signalisieren, die Tür angelehnt lassen, aber nicht bedrängen. Sag deinem Freund, dass er sich jederzeit mit dir austauschen kann, wenn er will, du aber seinen Wunsch nach einer Pause akzeptierst.
    Ja, das habe ich auch schon gemacht. Ich bin da eh sehr vorsichtig, weil er sehr viel Wert darauf legt, dass man nicht versucht, ihm etwas aus der Nase zu ziehen, was er nicht von sich aus erzählt (von etwaigen Depressionen mal ganz abgesehen). Trotzdem hat man irgendwie das Bedürfnis, das nochmal in Erinnerung zu bringen. Was vermutlich Quatsch ist...

    Für mich war es schon immer ne Gratwanderung, es hinzubekommen, Interesse zu zeigen, ohne ihn eben zu bedrängen. Nun kommen von ihm aber auch diese vagen Andeutungen (wie z.B. "...hältst mich von unguten Gedanken ab..." oder "...kenne mich selbst nicht mehr wieder..."), bei denen ich mir nicht sicher bin, ob er damit vielleicht sogar eine Nachfrage provozieren möchte, weil er vielleicht doch drüber reden will. Es ist wirklich schwierig.

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Mir ist nicht ganz klar, ob dein Interesse an seiner Person rein platonisch oder amourös ist. Wie auch immer, diese Frage ist wohl aktuell zweitrangig.
    Das denke ich auch. Ich mag ihn sehr, aber es würde aus verschiedenen Gründen eh nicht hinhauen, sagen wir mal so. Insofern vermeide ich sowieso tunlichst - auch abgesehen von der derzeitigen Situation - alles, was über ein freundschaftliches Verhältnis hinausgeht.

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Ich bin wohl charakterlich deinem Freund ähnlich - ich mache meine Probleme mit mir selber aus, auf der Arbeit merkt man mir nichts an, etc.
    Das dachte ich mir auch, als ich Deinen Strang gelesen habe :-) Es ist nicht nur so, dass er keine Veranlassung sieht, seine Probleme mit anderen zu teilen, er bringt es sogar fertig, sich komplett darüber auszuschweigen, wenn ihm was ganz Tolles widerfährt (was ich nun überhaupt nicht nachvollziehen kann - ich muss sowas immer gleich Gott und der Welt erzählen). Dabei kann er sich über Dinge freuen, die andere vermutlich gar nicht bemerken würden - aber immerhin: Mir erzählt er sie normalerweise (mal aus der Sicht des Menschen am "anderen Ende" - das freut einen dann wie Bolle und ist etwas ganz Wertvolles ;-) ). Im Moment halt nicht. Trotzdem merke ich, dass er versucht, mich nicht zu verlieren und mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin.

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Ja, aus depressiven Verstimmungen kann man auch alleine raus kommen. Gerade jetzt im Frühling verpuffen viele Winterdepressionen praktisch von selbst. Mehr Licht, Sonne, Vitamind D,... das hilft.
    Darauf hoffe ich auch...

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Ich hab nun ein Jahr lang Medikamente genommen ohne Therapie. Es wird. Vielleicht wäre es mit Therapie schneller gegangen, aber das möchte ich nicht. Allerdings ist die Gefahr groß, dass man wieder in ein Loch fällt. Bzw. ist es nur eine Frage der Zeit, bis es einen das nächste Mal erwischt. Irgendwann ist das Loch dann vielleicht so tief, dass man tatsächlich nicht mehr alleine raus kommt.
    Ich glaube, er würde ich nicht einmal Medikamente vom Hausarzt verschreiben lassen. Dem müsste er ja auch erzählen, was Sache ist... Ob es wohl Sinn machen würde, ihn später (also, wenn es ihm wieder gut geht) nochmal drauf anzusprechen, dass er nächstes Mal doch mal zum Hausarzt gehen sollte, bevor es richtig schlimm wird? Wahrscheinlich nicht - er ist ja nicht doof...*seufz*

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Aber: Du kannst ihn nicht retten - Der Wille muss aus ihm selbst kommen!
    Ich glaube, den hat er. Immerhin hat er mir heute erzählt, dass er ein paar Tage wegfahren wird. Vielleicht hat er ja schon ein bisschen Antrieb wiedergewonnen.

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Ich persönlich hätte das sehr doof gefunden von dir, wenn du meinen "wunden Punkt" so unumwunden ansprichst. Besonders, da ihr ja auch beruflich miteinander zu tun habt. Ich hatte auch latente Suizidgedangen (eher in Richtung Lebensmüdigkeit), aber eher hätte ich mir die Zunge abgebissen, als das offen zuzugeben. Ich hätte mich wohl von dir distanziert, da du mir sozusagen auf die Schliche gekommen wärst...
    Hm, und was denkst Du über die Andeutungen, die er mir gegenüber in dieser Richtung gemacht hat? Ich hatte schon irgendwie den Eindruck, als wollte er damit bezwecken, dass ich zumindest eine Ahnung habe, was los ist (ansonsten hätte er ja auch sagen können "Ich will mal online-fasten bis Ostern" - hätte ich auch geschluckt). Aber ob er darauf eine Reaktion möchte, und wenn ja, welche...?

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Alles Gute und pass auf dich selbst auf.
    Danke Dir - Du auch!

    @brighid: Danke Dir! Das schaue ich mir mal an.

    Liebe Grüße, Meg


  5. Registriert seit
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Nun kommen von ihm aber auch diese vagen Andeutungen (wie z.B. "...hältst mich von unguten Gedanken ab..." oder "...kenne mich selbst nicht mehr wieder..."), bei denen ich mir nicht sicher bin, ob er damit vielleicht sogar eine Nachfrage provozieren möchte, weil er vielleicht doch drüber reden will. Es ist wirklich schwierig.
    Ja, das ist tatsächlich schwierig... Ich werfe engen Freunden auch diese Anker hin, in der Hoffnung, dass sie Gedanken lesen können und genau das in Worte fassen, was ich nicht kann. Es ist wenig überraschend, dass das meist nicht funktioniert

    Ich z.B. weiß dann auch gar nicht so wirklich, was ICH überhaupt damit bezwecken will. Irgendwo habe ich schon das Bedürfnis mich mitzuteilen, schaffe es aber nicht adäquat. Manchmal reagiere ich dann auch abwehrend in meiner Überraschung, wenn jemand diese zugeworfenen Brocken tatsächlich ergreift. Umso schwieriger (bzw. nahezu unmöglich) ist es für Nahestehende, aus diesen nebulösen Anmerkungen eine handfeste Aussage heraus zu destilieren.

    Ich denke, deinem Kollegen geht es ähnlich. Ev. sehnt er sich nach Zuwendung und Angenommen werden, hat aber Angst vor Ablehnung und Desinteresse. Wenn dein Kollege schon solche Andeutungen fallen lässt, geh doch testweise darauf ein. Auch wenn er abwehrt, wird er dir nicht "böse" sein, immerhin gehst du ja nur auf seine Aussagen ein. Ich denke, du bist ein einfühlsamer, feinfühliger Mensch, der erkennt, wann er nachhaken kann. Aber frag dich zu deinem eigenen Schutz, ob du wirklich diese mühsame Rolle des aus-der-Nase-Ziehers haben möchtest.

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Es ist nicht nur so, dass er keine Veranlassung sieht, seine Probleme mit anderen zu teilen, er bringt es sogar fertig, sich komplett darüber auszuschweigen, wenn ihm was ganz Tolles widerfährt (was ich nun überhaupt nicht nachvollziehen kann - ich muss sowas immer gleich Gott und der Welt erzählen). Dabei kann er sich über Dinge freuen, die andere vermutlich gar nicht bemerken würden - aber immerhin: Mir erzählt er sie normalerweise (mal aus der Sicht des Menschen am "anderen Ende" - das freut einen dann wie Bolle und ist etwas ganz Wertvolles ;-) ).
    Danke für diesen Einblick auf die "andere Seite". Gut zu wissen, das man dem Gegenüber damit auch eine Freude bereiten kann

    Ich übertreibe es zuweilen auch mit meinem Understatement. Ich will halt nicht andere Leute mit meinen Befindlichkeiten "belästigen"...

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Ich glaube, er würde ich nicht einmal Medikamente vom Hausarzt verschreiben lassen. Dem müsste er ja auch erzählen, was Sache ist... Ob es wohl Sinn machen würde, ihn später (also, wenn es ihm wieder gut geht) nochmal drauf anzusprechen, dass er nächstes Mal doch mal zum Hausarzt gehen sollte, bevor es richtig schlimm wird?
    Zum Hausarzt hab ich mich auch nicht getraut. Als ich merkte, dass es wirklich kritisch wird, bin ich zu einem Psychiater in einer anderen Stadt gefahren und hab mir dort die Rezepte für die Medikamente organisiert. Ich hab mir auch ein paar Erstgespräche organisiert. Das kam aber alles aus mir selbst. Ich hab zwar die Ohren offen gehalten, was für Möglichkeiten es gibt, wie Freunde damit umgegangen sind... Aber wenn mich jemand anderer wohlmeinend da drauf gestupst hätte, wäre ich sicher auf Abwehrhaltung gegangen.

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Hm, und was denkst Du über die Andeutungen, die er mir gegenüber in dieser Richtung gemacht hat? Ich hatte schon irgendwie den Eindruck, als wollte er damit bezwecken, dass ich zumindest eine Ahnung habe, was los ist (ansonsten hätte er ja auch sagen können "Ich will mal online-fasten bis Ostern" - hätte ich auch geschluckt). Aber ob er darauf eine Reaktion möchte, und wenn ja, welche...?
    Ja, es wirkt schon so, als ob er deine Aufmerksamkeit genießt und sich dir öffnen möchte. ABER: Wie du an meinem wirren Geschreibsel ev. erkennst, sind weder dein Kollege noch ich aktuell gesellschaftsfähig. Du bist nicht seine Therapeutin. Du kannst ihn nicht "retten". Wenn, dann muss er selbst in die Puschen kommen. Ich würde dir zu deinem eigenen Schutz raten, auf dich selbst gut acht zu geben und dich nicht in Probleme reinziehen zu lassen, die nicht die deinen sind


  6. Registriert seit
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hi!

    Danke für Deine Einschätzung! Ich denke, ich kann mich schon glücklich schätzen, dass er überhaupt Andeutungen gemacht hat und sehe das mal als Ausdruck dafür, dass ihm trotz aktueller Gefühlslage wichtig ist, dass ich mich nicht von ihm abwende, weil ich denke, ich würde ihm plötzlich gar nichts mehr bedeuten - und dass er die Hoffnung und Überzeugung hat, dass er da auch wieder raus kommt.

    Er fährt jetzt ein paar Tage weg, und als ich mich dann gestern mit "Bis Mittwoch!" verabschieden wollte, war durchaus zu merken, dass ihm der Gedanke an eine komplette "Funkstille" über mehrere Tage irgendwie auch nicht behagt. Ich bin gespannt, ob er sich nun doch meldet. Habe ihm aber gesagt, dass er sich bloß nicht verpflichtet fühlen soll. Ich hoffe, dass er da ein paar sonnige Tage verleben kann, wo er hinfährt, und ihm das wieder ein bisschen Aufschwung verleiht.

    Demnächst werden wir uns mal wieder geschäftlich sehen und er hat tatsächlich regelrecht gedrängelt, dass ich doch versuchen soll, noch ein paar Termine dranzuhängen, damit ein weiterer Aufenthaltstag und damit auch eine gemeinsame, Feierabend-Unternehmung gerechtfertigt ist. Das finde ich immer seltsam, dass er sich DARAUF immer so freut. Und dann denkt man, dass der Knoten geplatzt ist, und dann herrscht doch weiter Funkstille. Keine Nachricht, keine Frage, ob man nach der Rückfahrt heil Zuhause angekommen ist... Als würde ich komplett aus seinem Kopf verschwinden. Das kann ich immer überhaupt nicht nachvollziehen, weil ich gerade nach so einer intensiv miteinander verbrachten Zeit das Bedürfnis habe, den Kontakt aufrecht zu halten. Das lässt dann immer MICH in ein Loch fallen, weil es mich so traurig macht. Es ist wirklich einiges an Selbstüberzeugung nötig, mir dann klar zu machen, dass er das nicht "böse" meint.

    Naja, ich hoffe auf den Frühling

    Ich wünsche Dir uns allen anderen Betroffenen hier, dass es ihnen bald besser geht - es gibt so viel Schönes, über das man sich freuen kann - niemand sollte seine Lebenszeit mit trüben Gedanken verschwenden müssen

    Liebe Grüße,
    Meg

  7. Avatar von Milk_
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hallo ihr Beiden,
    ich fand euer Gespräch hier sehr interessant.
    Wie geht es euch heute und wie geht deinem deinem Freund Meg?
    Es reicht, was du siehst und empfindest. Das Kind muss keinen Namen haben.
    Zitat von Rezeptfrei September 2014

    LG Milk_

  8. Avatar von phantomlake
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Hallo Meg,
    mal ganz abgesehen von Depressionen (die ich hier definitiv auch sehe), möchte ich dir raten, dich mal mit der schizoiden Persönlichkeitsstruktur zu beschäftigen, um deinen Freund besser zu verstehen. Es gibt die "Hardcore"-Variante der schizoiden Persönlichkeitsstörung, aber auch die Variante der "einfachen" schizoiden Persönlichkeit, der ich mich auch angehörig fühle. Das sind die Einzelgänger, die es nicht gut vertragen, dauernd mit anderen zusammen zu sein und vieles oder alles mit sich selber ausmachen. "Schizoid"= abgespalten, das hat nix mit Schizophrenie zu tun .
    Wer Unsinn hören und glauben will, der wird auch Unsinn zu hören bekommen.

    Cave: Meine Beiträge könnten Spuren von Ironie enthalten!

  9. Avatar von Milk_
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    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Zitat Zitat von phantomlake Beitrag anzeigen
    Hallo Meg,
    mal ganz abgesehen von Depressionen (die ich hier definitiv auch sehe), möchte ich dir raten, dich mal mit der schizoiden Persönlichkeitsstruktur zu beschäftigen, um deinen Freund besser zu verstehen. Es gibt die "Hardcore"-Variante der schizoiden Persönlichkeitsstörung, aber auch die Variante der "einfachen" schizoiden Persönlichkeit, der ich mich auch angehörig fühle. Das sind die Einzelgänger, die es nicht gut vertragen, dauernd mit anderen zusammen zu sein und vieles oder alles mit sich selber ausmachen. "Schizoid"= abgespalten, das hat nix mit Schizophrenie zu tun .
    Bei der einfachen Variante erkenne ich mich auch wieder Das Thema "Hikkokomori" (richtig geschrieben?) finde ich auch sehr interessant dazu.
    Es reicht, was du siehst und empfindest. Das Kind muss keinen Namen haben.
    Zitat von Rezeptfrei September 2014

    LG Milk_

  10. Inaktiver User

    AW: Freund depressiv? Was kann ich tun - was soll ich lassen?

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Du bist nicht seine Therapeutin. Du kannst ihn nicht "retten". Wenn, dann muss er selbst in die Puschen kommen. Ich würde dir zu deinem eigenen Schutz raten, auf dich selbst gut acht zu geben und dich nicht in Probleme reinziehen zu lassen, die nicht die deinen sind
    sehe ich auch so- das ist soooo wichtig!

    danke, @wolke, für Deine tollen Beiträge!

    alles Gute Dir, @ Meg2511 und Deinem Freund!

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