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  1. Registriert seit
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    Wieder mitten drin

    Hallo zusammen!

    Ich hatte hier vor ein paar Wochen mal gepostet zur Frage nach Medikamenten. Ich hatte da einen kleinen Einbruch, jetzt gerade hat es wieder richtig zugeschlagen, und ich möchte mit eurer Hilfe der Depression den Kampf ansagen. Irgendwie komm ich alleine gerade nicht raus, nur stückchenweise, und meine Therapeutin hat gerade Urlaub.

    Auslöser war dieses Mal eine Grippe und dass eine sehr gute Freundin von mir vor ein paar Tagen nach Süddeutschland gezogen ist. Es gab dann noch ein Telefonat mit meiner Mutter, die meinte, ich sei jemand, der sich immer zu kurz gekommen fühlt.

    Das stimmt so nicht, aber ich hatte leider keinen Schutz, um diese Behauptung von mir abzuschirmen. Seit ein paar Tagen fühle ich mich also wirklich so, als wäre alles in meinem Leben falsch, als hätte ich nur schlechte Entscheidungen getroffen, als wäre ich immer zu kurz gekommen und würde zu kurz kommen.
    Suizidgedanken sind auch dabei, aber nicht so gravierende.
    Ich versuche, Dinge zu unternehmen und raus zu gehen, aber es fällt mir unheimlich schwer.
    Habe auch ein unheimlich schlechtes Gewissen, weil ich drei Wochen krank geschrieben war (auch aufgrund der Grippe) und nicht "da" war.
    Ich arbeite in einem sozialen Bereich und da fällt es sehr auf, wenn jemand nicht da ist. Der Beruf ist andererseits auch total kräftezehrend ...

    Ich wünschte so sehr, ich wäre stärker und einfach zufriedener mit dem, was ich habe, was eigentlich gar nicht so wenig ist. Aber etwas in meinem Kopf schafft es immer wieder, mir das madig zu reden.
    Momentan fühle ich in mir einen starken Verlustschmerz, gepaart mit der Problematik, dass sich auch eine andere Freundin gerade von mir abwendet, wobei ich nicht weiß, warum.

    Es gibt viele andere nette Menschen in meinem Leben, aber das zählt für mich gerade nicht, ich gucke nur darauf, was ich NICHT habe, was ich NICHT gemacht habe, was ich NICHT kann.

    Vielleicht liegt es daran, dass ich während der Grippe das Johanniskraut so gut wie nicht genommen habe (blieb nichts drin), und gerade Ungleichgewicht in meinem Gehirn herrscht.

    Morgen gehe ich wieder zur Arbeit und hoffe, dass ich so langsam aber sicher aus dem Tief rauskomme. Außerdem habe ich vor, jetzt regelmäßig Sport zu machen und mich gesund zu ernähren. - Mich mehr auf mich konzentrieren und Sachen einfach mal machen, die letzten drei Wochen habe ich fast nur mit sinnlosen Grübeleien verbracht, was alles ja nur noch schlimmer macht.

    Ich mag mich einfach nicht mehr so schwach und unfähig fühlen ...

    Danke für´s Lesen -

  2. Avatar von Julifrau
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    AW: Wieder mitten drin

    Liebe dunkelSon, ganz spontan fällt mir dazu ein - setze dich in die wunderbare Herbstsonne (falls sie bei dir scheint) und genieße das milde Licht.

    Vor allem aber, nimm' dich selbst in den Arm. Vielleicht hast du auch Kontakt zu deinem inneren Kind. Dann nimm' das in den Arm und gib' du ihm, als Erwachsene, das, was es irgendwann nicht bekam.

    Auch die Situation mit all ihren Gefühlen, die du gerade erlebst, kannst du annehmen lernen. Sie ist nicht statisch, sondern sie verändert sich - du kannst sie als etwas 'Durchziehendes' imaginieren.

    Manchmal hilft auch Literatur zu diesen Themen.

    Den Trost und die Aufmerksamkeit, die Liebe und die Empathie, die du als Kind in einer Situation/Lebensphase oder möglicherweise auch durchgäng von deiner Muttericht erhalten hast - kann sie dir auch jetzt nicht geben. Hole dir an dieser Stellen doch keine Ohrfeigen mehr. Auch hier ist wiederum das Thema 'Akzeptanz':

    Die Kraft kommt wieder. Dich unfähig zu fühlen, hängt sicherlich damit zusammen, dass du dich sehr mit anderen vergleichst.

    Lieber Gruß
    Julifrau


    Gehe dir auf Spur und suche nach dem, was dir Freude macht. Ob das Sport - stelle ich anheim. Denn kannst du natürlich auch machen , aber sicherlich besser noch - finde heraus, was DIR gefällt und nicht was dir gefallen sollte.
    ************************************************** **
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  3. Registriert seit
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    AW: Wieder mitten drin

    Danke, Julifrau!

    Ich glaube Sport ist einfach grundsätzlich sinnvoll, weil es den Dopamin-Serotonin Haushalt langfristig ins Gleichgewicht bringt. Ich bin auch ein sportlicher Mensch.

    Gerade habe ich einige Tests ausgefüllt zum Thema "Was mich wirklich glücklich macht". Kamen ganz interessante Sachen bei raus.

    Vergleiche, - hast ins Schwarze getroffen -, DAS ist eine Stimme, die mich seit ein paar Wochen total im Griff hat. Werde aber versuchen, die jetzt wieder leiser zu drehen und nicht mehr drauf zu hören.

    Und ja, inneres Kind, usw. ist auch Thema. Danke für die Erinnerung.

    Ich wäre so gerne wieder innerlich stärker, weiß aber gerade gar nicht, woher ich die Kraft dafür nehmen soll.


  4. Registriert seit
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    AW: Wieder mitten drin

    Kannst du dir das Schwachsein nicht einfach mal "erlauben"?
    DAS finde ich nun widerum stark!

    Du hast allen Grund, dich nach deiner Grippe schwach und ausgelaugt zu fühlen.

    Mit dem "ich bin als Kind zu kurz gekommen", das kenne ich auch.
    Als mein Mann noch lebte, war das für uns ein "kultiger Spruch", der irgendwann seinen Schrecken verlor und nur noch Lachen hervorrief.
    Wie sind tatsächlich als Kind zu kurz gekommen, wurde auch von den Eltern tatsächlich bestätigt ...dennoch, als ich wusste, dass es so war, konnte ich versöhnlicher damit umgehen, mit meinem Mann zusammen dann noch versöhnlicher.
    Ich glaube, dass viele Menschen irgendwann zu kurz gekommen sind ...also sehe ich zu, dass ich heute das zu kurze irgendwie fülle.
    Julifraus Tipps sind da goldrichtig.

    Erlaube dir das Schwachsein, es ist jetzt grad so udn schau, ob du die Arbeit hinbekommst.
    Wenn nicht, bist du halt noch ein bisschen länger schwach ...
    die Arbeit läuft dir nicht davon ....

    Du wirst dich wieder stärker fühlen, wenn du das Schwachsein annhehmen kannst ...jetzt ist es eben so und nicht anders!

    Mir hat auch diese Erkenntnis geholfen: Wer sich vergleicht, hat schon verloren!
    Du bist Du ...und alle anderen sind wie sie sind!
    Es ist immer JETZT

  5. Avatar von Julifrau
    Registriert seit
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    AW: Wieder mitten drin

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen

    Ich wäre so gerne wieder innerlich stärker, weiß aber gerade gar nicht, woher ich die Kraft dafür nehmen soll.
    Den Satz verstehe ich nicht.

    Schließt sich dein Wunsch nicht von selbst aus? Du hast gerade wenig Kraft, entsprechend fühlst du dich schwach. Das anzunehmen ist nicht einfach, aber der sichere Weg, wieder in die Kraft zu kommen. Dann ist auch wieder die Stärke da, die du vermisst.

    Im 'Jetzt sein' - kennst du sicherlich auch. Überfordere dich nicht und hab' Geduld und vor allem ... Vertrauen.

    Ich lese übrigens in 'schwachen' Zeiten sehr gerne Zeitschriften über die Themen, die mich inspirieren.

    einen guten Start morgen!
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  6. Avatar von TheKat
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    AW: Wieder mitten drin

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen
    Es gibt viele andere nette Menschen in meinem Leben, aber das zählt für mich gerade nicht, ich gucke nur darauf, was ich NICHT habe, was ich NICHT gemacht habe, was ich NICHT kann.
    Also mal davon abgesehen, dass wenn man sich krank fühlt, es auch ok ist, sich einfach krank und doof zu fühlen, passt dieser Satz ja ziemlich gut zu einer depressiven Grundsymptomatik; also der negative Blick auf die Welt. Es hilft (ein bisschen), sich in genau dieser Situation bewusst zu machen, dass man jetzt nur auf das Negative blickt, dass man auch Gutes hat, dass man es evtl. auch einfach übertreibt.

    Kleiner Tipp: In der aktuellen Psychologie Heute ist gerade ein Artikel zum Thema Selbstwert / Innere Stimme / Innerer Aufpasser. Vielleicht auch ganz interessant für dich. Gibt es ja evtl. in der Bibliothek um die Ecke.
    A quiet mind is able to hear intuition over fear

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