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  1. Registriert seit
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    AW: Antidepressiva - Lohnt sich ein Versuch?

    Danke für eure hilfreichen Einsichten. - Beratung und Vorüberlegungen sind wichtig.

    Maryquitecontrary - der Grund sie nicht zu nehmen ist für mich schon eine "Ehrensache", also ich habe viel schlimmere Depriphasen ohne geschafft, warum auf den letzten Metern damit anfangen?

    Allerdings kann ich meine Depression, die früher einfach zu mir gehörte und mit der ich sehr geduldig war, derzeit irgendwie nicht mehr ausstehen.
    Es ist dieses Gefühl von Abmühen und unendlicher Geduld mit sich, was jetzt langsam an ein Ende kommt. Ich habe keine Lust mehr zu warten, ich möchte, dass es aufhört, jetzt, sofort. Ich möchte leben.

    Aktuell habe ich wieder eine stärkere depressive Phase, wegen der ich mich gestern habe krank schreiben lassen. Diese Phasen sind vergleichsweise selten geworden, trotzdem ärgert es mich jedes Mal, wenn "es" wieder passiert.

    Ich weiß daneben schon, wie ich leben müsste, damit ich relativ beschwerdefrei leben kann und gesellschaftlich funktioniere. Auf keinen Fall mal über die Strenge schlagen, sehr geregelte Tagesabläufe ... Kloster wäre definitiv etwas für mich.

    Aber die (negativen) Gedanken sind trotzdem immer da, egal wie viel Ruhe ich mir gönne und, wie gesagt, genau das: Selbstbeschäftigung und Ruhe/Schonung, mag ich derzeit einfach nicht mehr.

  2. Inaktiver User

    AW: Antidepressiva - Lohnt sich ein Versuch?

    Vieles, was du schreibst, klingt auch nach dem Typ Ganz oder gar nicht, schwarz oder weiß. Unendlich viel Geduld oder keine. Dieses Ehrensacheding kenne ich auch: Ich ohne Medikamente, wenn auch mit einkalkuliertem Untergang oder ich, unzureichend, schwach, weil nicht ohne Medikamente, die Medikamente gewinnen.

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen
    warum auf den letzten Metern damit anfangen?
    Klingt nach Marathon oder Sprint. Dein Weg mit den Depressionen ist aber eher der Jakobsweg. Und zwischendurch macht man den Gang nach Canossa draus.

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen
    Allerdings kann ich meine Depression, die früher einfach zu mir gehörte und mit der ich sehr geduldig war, derzeit irgendwie nicht mehr ausstehen.
    Meinem Erleben nach geht das Leben mit den Depressionen in verschiedene Phasen, so, wie das bei allem Lernen ist. Die Ungeduld ist vlt. - auch - ein Zeichen für eine Veränderung, eine neue Phase. Grundsätzlich also eher begrüßenswert.

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen
    Es ist dieses Gefühl von Abmühen und unendlicher Geduld mit sich, was jetzt langsam an ein Ende kommt. Ich habe keine Lust mehr zu warten, ich möchte, dass es aufhört, jetzt, sofort. Ich möchte leben.[...]Aktuell habe ich wieder eine stärkere depressive Phase, wegen der ich mich gestern habe krank schreiben lassen. Diese Phasen sind vergleichsweise selten geworden, trotzdem ärgert es mich jedes Mal, wenn "es" wieder passiert.
    Da isser wieder, der Typ an der Ecke, der Ganz oder gar nicht. Man muss, wie ich finde, höllisch aufpassen, wer grad mit einem spricht: Die Veränderung, die Wünsche oder die Depression. Ärger an sich ist durchaus gesund (gehört zu den Botschaften an sich selbst). Nur: Wer ärgert hier wen?

    Zitat Zitat von DunkleSon Beitrag anzeigen
    Ich weiß daneben schon, wie ich leben müsste, damit ich relativ beschwerdefrei leben kann und gesellschaftlich funktioniere. Auf keinen Fall mal über die Strenge schlagen, sehr geregelte Tagesabläufe ... Kloster wäre definitiv etwas für mich.
    Ganz oder gar nicht... Wie wäre es mit den kleinen Unartigkeiten (Lebendigkeiten) und den ansonsten geregelten Tagesabläufen.


  3. Registriert seit
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    AW: Antidepressiva - Lohnt sich ein Versuch?

    Hallo TE,
    ich finde es toll, daß Du dir Informationen / Ideen einholst ehe du den Schritt Psychopharmaka gehst. Es wäre schön, wenn hier jeweils eine - mehrere Betroffene schreiben würden, denen Medikamente nicht geholfen haben und denen Medikamente geholfen haben.

    Ich versuche mal eine Anregung zu geben, die Hilfsmöglichkeiten - Selbsthilfemöglichkeiten die du hast aufzulisten - raus aus ja/Nein.

    o Wie wäre es mit: ich entscheide mich jetzt dafür, noch drei Monate ohne Medikamente zu leben und in der Zeit arbeite ich daran, aus dem Gedankenkarusell - ich bin nicht gut genug für meine Freunde - ich bin nicht gut genug in der Partnershaft - abzuspringen? Es ist egal wie du bist - die Freunde zeigen dir, daß du in ihren Augen gut genug für sie bist, der Partner zeigt es dir auch. Vielleicht hilft der Gedanke. Oder Mikroanalysen wenn du in den Kreis reingestolpert bist- was hat ihn ausgelöst - ein Halbsatz von dir, den deine Freundin überhört hat ? Das ist normales Sozialverhalten - aber in manchen Situationen des Lebens glaubt man, das ist ein Schlag ins Gesicht und kommt ins Grübeln.

    o Wie wäre es, wenn du sagst, ich suche mir jetzt jeden Tag eine Kleinigkeit die mir guttut und die möglichst sinnlos ist. Das kann Wäsche bügeln sein - dabei kann man denken und weil die Hände in Bewegung sind fährt sich das Gedankenkarusell oft nicht so fest. Das kann Klavierspielen sein- Stücke lernen, die einen eigentlich überfordern - in der zeit muss man sich auf Hände - Noten - Tasten konzentrieren - schaltet also ab, ist zumindest für 10 Minuten oder eine Stunde raus aus dem Karusell. Das Kann Bewegung in jeder Form sein - Schwimmen- Spazierengehen und und und. Das kann auch Rosamunde Pilcher lesen sein oder einen Krimi oder Historienroman oder richtige Literatur- Was ist Deins ??? o Hast du schon mal darauf geschaut, was dir Kraft gibt ?

    o Ich habe das blöde Gefühl, du bist mit dem Miststück aller Depressionen - einer Dystymia "gesegnet". Erstens mal Glückwunsch dazu, daß du sie selbst !!! und weitgehend !!! auf ihren Platz unter dem Teppich verwiesen hast. Aber- es ist ein anhängliches Miststück - und vermutlich wirken bei ihr Medikament nicht.
    Zusätzlich hast du möglicherweise "normale" deprerssive Episoden gehabt - bei diesen können Medikamente wirken - mit Nebenwirkungen und nur wenn das Medikament lange eingenommen wird und nur wenn das richtige Medikament gefunden wird.

    o Hast du schon mal versucht, den Placebo-Effekt für dich auszunutzen ? Also du nimmst Globuli - egal welche, das ist sowieso nur Zucker - und sagst dir jedesmal: Jetzt tue ich etwas für meine Gesundheit. Es ist Zucker -aber wenn du da in die Glaubenshaltung kommst, die helfen mir, dann kann sich das auch biologisch-chemisch auf die Vorgänge in deinem Körper auswirken !!

    o Sinn des Lebens - ich finde die Frage ist verkehrt gestellt, denn es gibt keinen Lebenssinn außer dem das Leben das man hat zu leben. Und eine Pflicht sich selbst gegenüber, das was einem guttut zu machen - und für die eigene Gesundheit zu kämpfen - und es ist egal mit welchen Mitteln- Ruhepausen - Nachdenken - Marathon laufen - Diät - keine Diät - Chemie - keine Chemie ( wenn es um seelische Krankheiten geht)

    o Du schreibst, du hast verstanden, warum die in die Sch .... Zustände reinkommst- warum sie dich begleiten. Hast du - und das finde ich eine wichtige Therpeutenaufgabe - auch schon geübt / gelernt, dieses reinrutschen abzustoppen bzw. weniger tief /intensiv zu machen ? Das ist nochmals ein ganz anderes paar Schuhe. Thema ist hier eigentlich: Ja jetzt erkenne ich warum mich Sitautionen triggern. Wie "überlebe" ich diese Triggersituationen in fünf Sekunden !!! Ist natürlich übertrieben schnell- aber ich finde es macht einen Riesenunterschied an Lebensqualität, ob man von einer Triggersituation eine Woche k.o. ist oder - nzunächst mal nur drei Tage - und dann drei Tage nur halb-ko. Wenn dieser Prozess angefangen hat wird er nicht linear laufen- zwischendurch gibt es mal "große" ko Geschichten - aber du kannst diesen Prozess irreversibel machen- denn du existierst und du hast schon gezeigt dass du kämpfen kannst - erfolgreich !!!

    o Möglicherweise bringt dir eine Therapiepause von einem halben Jahr mit anschließender weiterer Therapie bei einem neuen Therapeuten etwas. Jeder Therapuet hat seine stärken - seine blinden Punkte - seine schwächen. Natürlich müsstest du dann ggf. nach dem für dich richtigen Therapeutn suchen !!

    Ich merke so beim Schreiben - mein GEfühl ist, es nicht mit Medikamenten zu versuchen. ABER ich kenne die Belastungen, denen Du ausgesetzt bist nicht wirklich- ich habe hier gelesen und deine Stärken gesehen.

    Dir alles Gute und weiterhin ständige kleine Erfolge. Die Dystimia ist ein Miststück !! Grüsse der-die-das Allesch


  4. Registriert seit
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    AW: Antidepressiva - Lohnt sich ein Versuch?

    Hallo Allesch,

    wow, welch ausführliche Schilderung! Ob ich eine Dysthymie habe - das Wort war mir neu - kann ich nicht beurteilen.

    Aber es stimmt schon, dass dieses Zweifeln und Nachdenken mich schon seit frühster Kindheit begleitet. Dass ich Probleme habe, Dinge umzusetzen, und dass ich zu den Menschen gehöre, die tendenziell eher weniger Energie haben.

    Ich habe die Tage versucht, einen Termin beim Psychater zu machen. Leider gibt es dort erst im November wieder freie Termine und das ist mir eindeutig zu lange. Also therapiere ich mich derzeit mit hochdosiertem Johanniskraut. Das hat mir schon mal geholfen und Nebenwirkungen hatte ich so gut wie keine.

    Ich habe mich erinnert: Vor einigen Jahren habe ich sogar mal ein verschreibungspflichtiges Antidepressiva bekommen, ich habe es etwa zwei Wochen genommen und dann eigenmächtig abgesetzt. Ich fand die Nebenwirkungen so furchtbar: Keine Höhepunkte mehr. Verdauungsprobleme. Schwindel. Das ganze Programm.
    Trotzdem ging es mir binnen kurzer Zeit besser, hielt nur nicht lange an. Darauf folgte dann die Johanniskraut Episode über - fast - ein Jahr. Danach ging es mir gut. (Aus heutiger Perspektive würde ich sagen, ich war damals auch noch ziemlich depressiv, aber ich habe meinen Alltag bewältigt und hatte auch mal gute Tage.)

    Wirklich geholfen hat mir erst die Therapie, die ich derzeit immer noch mache. Mir geht es auch schon wieder besser, weil ich heute Vormittag bei meiner Psychologin sein konnte, und dadurch wieder etwas verstanden habe, warum ich ausgerutscht bin, was ich dann tatsächlich sogar aktiv lösen konnte (durch ein Telefonat).

    Also mir hilft wirklich: Die Dinge verstehen, im Sinne von "begreifen", um sie dann los zu lassen.

    Momentan bin ich also erstmal wieder auf dem Stand, es nicht mit der Chemiekeule zu probieren, allerdings waren die letzten Tage so heftig, dass ich es mir schon gewünscht hätte.

    Das, was Du schreibst, versuche ich gerade ebenfalls umzusetzen. Was Grübeleien anbelangt, habe ich lange Zeit gedacht, dass ein STOP hilfreich sein sollte. Das liest man zumindest überall.
    Ich würde aber eher sagen - bin zufällig drauf gekommen - dass es für mich viel sinnvoller ist, meine Gedanken kurz bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen.
    "Aha, das denke ich gerade."
    Oder, wenn ich der Meinung bin, dass es wirklich stimmt.
    "Ja, das ist so."

    Ich hoffe, dass ich das mit dieser - und noch ein paar anderer - Methode/n gut in den Griff bekommen werde. Dieser Einbruch die letzten Tage hat mir auf jeden Fall gezeigt, wo ich nicht mehr hin will.

    Damit das nicht passiert, muss ich wirklich gut auf meine Gedanken und auf mich aufpassen. Das Handwerkzeug dafür lerne ich in der Therapie.

    Die Idee noch mal einen anderen Therapeuten aufzusuchen hatte ich auch schon. Vielleicht nehme ich das in Angriff.

    Danke Dir für Deine Worte!


  5. Registriert seit
    19.08.2012
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    5.795

    AW: Antidepressiva - Lohnt sich ein Versuch?

    Liebe DunkleSon, du hast hier schon viele gute Tipps und Erfahrungsberichte erhalten.
    Daher nur kurz: mir half kein AD, auch nicht in Zeiten wo es wahrscheinlich nötig gewesen
    wäre. Ich vertrage es einfach nicht,physisch, habe immer einige Wochen durchgehalten
    nur um festzustellen, dass es mir dann noch mieser ging, völliger Appetitverlust, Magenweh,
    extreme Müdigkeit und eher Verschlechterung der depressiven Symptomatik.
    Nur gegen zeitweise starke Angstgefühle hat es überhaupt etwas gewirkt.

    Damals habe ich beschlossen auf weitere Versuche zu verzichten- und diese "Episoden"
    als Teil meines Lebens auszuhalten, aber mehr für mich zu tun, also Tätigkeiten de zwar
    so gesehen "sinnfrei" sind, aber eben etwas Freude für mich bedeuten.Ich fing an intensiv
    zu tanzen, in einem Club- hat mir extrem gut getan, früher hatte ich auch schon gerne getanzt,
    aber das Swingtanzen hat mich sehr bereichert, über Jahre.
    Dann nahm ich eine ganze Weile, über Monate- dann Pause- das mir (in den USA) empfohlene
    Mittel 5HTP , hier nicht so bekannt (Botenstoff fürs Hirn), gibt es ua. über AMAZON.
    Nach einigen Tagen spürte ich bereits die ausgleichende Wirkung, konnte besser schlafen,
    grübeln und Ängste ließen nach. Johanniskraut half bei mir nicht mehr.
    Sollte es mir wieder mal so schlecht gehen, werde ich es zunächst mit 5HTP versuchen.
    Ich wünsche dir alles Gute !
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

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