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  1. Registriert seit
    03.08.2016
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    Wutanfall, keine Erinnerung

    Hallo zusammen,
    wahrscheinlich ist meine Frage hier in diesem Thread nicht richtig, aber weil ich auch unter Depressionen leide, stelle ich sie mal hier.

    Und zwar geht es darum, ich (53) bin normalerweise eine sehr kontrollierte ruhige eher introvertierte Person. Ich leide an Depressionen, Ängsten, Zwängen, PTBS. Ich schätze Frieden, keinen Streit und bin nachgiebig. Aber hin und wieder (vielleicht 5x in meinem Leben ) raste ich aus. Und heute war es mal wieder so weit. Anlass war eine verletzende Aussage einer anderen Person und es war das berühmte i-Tüpfelchen. Ich BRÜLLTE!
    Und jetzt kommt das was mich beunruhigt, ich weiß nicht was ich gebrüllt habe. Da ist eine Lücke und das war bei meinen wenigen anderen Ausrastern auch jeweils so. Kennt das jemand? Es beunruhigt mich so. Ich kann mich nicht reflektieren, nicht überprüfen , ob ich vielleicht meinerseits beim Brüllen verletzend wurde.
    Ich rege mich immer noch über diese Person auf, bin total erschöpft aber am Schlimmsten ist diese Lücke. Wäre sehr dankbar über eure Rückmeldung.


  2. Registriert seit
    02.08.2006
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    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Klingt für mich nach einer Amnesie.

    Ich habe auch Ptbs, und auch mit Amnesien zu tun.

    Anfangs machte mir das auch Angst, jetzt verunsichert es mich nur noch.
    Vielleicht musste dein Hirn dich da schützen?
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!

  3. Avatar von sundays
    Registriert seit
    06.08.2014
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    4.293

    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Wenn der andere einen Flashback ausgelöst hat, weißt du auch nichts mehr.
    Kannst du nachfragen?
    Wenn du wenig Zeit hast, nimm dir am Anfang viel davon (R. Cohn )


  4. Registriert seit
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    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Hallo someone,

    neben den bisherigen Aussagen zum Thema flashback, möchte ich noch auf etwas anderes eingehen.

    Zitat Zitat von someone14 Beitrag anzeigen
    Ich schätze Frieden, keinen Streit und bin nachgiebig.
    Wenn wir mit anderen Menschen Kontakt haben, gehören Konfliktsituationen ganz normal und natürlich dazu.
    Jeder kommt aus "seiner Welt" und jeder hat damti seine Interessen (Bedürfnisse), die er umsetzen möchte.

    Ganz natürlich spürt ein Mensch Ärger in sich aufkommen, wenn Interessen/ Bedürfnisse nicht erfüllt werden- das ist einfach nur das Alarmsystem, was für die Interessenbefriedigung in uns anschlägt ( das ist auch gut, denn würden wir zB Hunger immer nur wegschieben, würden wir verhungern-- davor meldet sich unser Körper und unsere Stimmung ).

    Und das unsere Interessen nicht immer erfüllt werden, gehört ganz normal zum Leben dazu. Wir alle erleben tagtäglich immer wieder Portionen von Ärger in uns.

    Wenn ich immer angepasst bin, mich immer zurück stelle, die Bedürfnisse anderer immer vor meine stelle- dann wird sich im Laufe der Zeit eine Menge Frust und Ärger in mir anstauen.
    Denn bei allem angepasst- sein- wollen, bleiben die eigenen Bedürfnisse dennoch bestehen und lösen sich nicht in Luft auf

    Ich denke, es ist verständlich, dass so ein Leben - auch bei dem friedfertigsten Menschen- auf Dauer zu einem inneren Pulverfass führt, welches irgendwann explodiert.
    Wenn du in 50 Jahren- 5x ausgerastet bist- dann frag ich mich, was für eine immense Kraft an Wut, Frust und Rage dann ihren Weg gebahnt hat?
    Wie ein Vulkan stelle ich es mir vor und der ist beim Ausbruch auch nciht merh zu kontrollieren.

    Wenn sich Wut udn Rage unkontrolliert ihren Weg bahnt, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Inhalt von Worten nicht mehr registiert wird sondern diese innere Kraft nur noch ausbricht. Was musste sich alles anhäufen, damit endlich auch einmal losgelassen werden kann?

    Sich danach nicht mehr erinnern zu können, finde ich unter der Sichtweise sehr stimmig.
    Du brüllst 10 Jahre Frust heraus- und das unkontrolliert - ganz ehrlich- ich möchte den sehen, der bei so einem Ausbruch noch zusammenbringt, was da aus ihm heraus kommt!

  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Das klingt nach dissoziierter Wut.

    In solche höchst intensiven Wutzustände kann man geraten, wenn man in sehr hochgradige emotionale Aktivierung (siehe window of tolerance/ Toleranzfenster) kommt. Im Prinzip traumatische Gefühlsinhalte.

  6. Avatar von Atcom
    Registriert seit
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    3.009

    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Dem Beitrag von kenzia, stimme ich voll zu.

    Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass es hier 3 Stufen gibt:
    1. Frustration (Frustrationsquellen von innen und außen)
    2 . Dauerfrustration (Stress)
    3. Somatisierung


  7. Registriert seit
    03.08.2016
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    2

    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Hallo,
    danke schön für eure Nachrichten. Es fühlt sich nach wie vor ziemlich schrecklich an. Einmal die Kontrolle überhaupt verloren zu haben und wie ich mit dieser Lücke umgehen soll. Diese Person fragen möchte ich nicht. Jedenfalls vielen Dank nochmal.

  8. Inaktiver User

    AW: Wutanfall, keine Erinnerung

    Hallo someone14,

    ich habe keine PTBS, nur Depressionen, kenne das aber auch. Du bist mit 5x im Leben definitiv zu selten wütend. Damit will ich den Zustand, den du da beschrieben hast, nicht schönreden oder als praktikable Methode anpreisen, ich will ihn nicht mal mit Wutabbau gleichsetzen. Kontrollverlust ist sehr beängstigend und wie du auch schon beschrieben hast, laugt das extrem aus. Aber ich finde schon, dass man dann unbedingt dran arbeiten sollte, das Ventil früher zu entlüften.

    Was du als deine Charaktereigenschaft (introvertiert) beschreibst und ganz sicherlich auch ist(!), kann auch einfach schnell zu Vermeidungsverhalten führen. Und das ist nun mal nicht konstruktiv.

    Insb. die Beiträge von Atcom und maryquitecontrary finde ich interessant bzw. bereichernd.

    Mir hilft/half übrigens anzuschauen, was die Situationen gemeinsam hatten, welche "Trigger" sie brauchen, bei mir sind das bspw. Mann, Ungerechtigkeit, Macht. Wenn das zusammenkam, habe ich zuletzt Polizisten angeschrien. Und zwar, ohne es zu bemerken... Geschweige denn weiß ich noch, was ich da geschrien habe. Das ist nicht wie ich sein will und - ich wage es zu behaupten - auch nicht, wie ich bin. Aber es zeigt mir deutlich meine Überforderung und das späte/ausgelassene Grenzenziehen. Wenn ich die "Trigger" merke (was eine Herausforderung ist und der Übung bedarf und ich bin noch lange nicht am Ziel, denn die Situationen kommen ja nicht ständig um die Ecke), versuche ich, Abstand zu nehmen. Ich glaube, dass ich dadurch wieder mehr Sicherheit gewinne.

    Allerdings ist das auch ein schmaler Grat zwischen Dranarbeiten und sich schaden: PTBS sind nicht ohne bzw. ist ein Sich dem Zuwenden sehr riskant/evtl. nicht förderlich, riskant im Sinne von nicht ohne gute Begleitung. Da wäre ich sehr vorsichtig. Bist du denn in Therapie?
    Geändert von Inaktiver User (31.08.2018 um 18:28 Uhr)

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