+ Antworten
Seite 9 von 9 ErsteErste ... 789
Ergebnis 81 bis 87 von 87
  1. Avatar von animosa
    Registriert seit
    26.11.2011
    Beiträge
    6.128

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von allesch Beitrag anzeigen

    Eine Therapie hat nicht dann Erfolg, wenn der >Patient "sich darauf einlassen kann" -Die Therapie muss auch gut und passend für den Patienten sein - und das hat dieser nicht in der Hand!
    Das mag ja alles sein. Ich bin ja kein Therapeut, wie gesagt. Was muss oder nicht muss, das kann ich gar nicht beurteilen.

    Aber bei mir war es so. Und ich habe das aus meiner Erfahrung und aus meinem Blickwinkel her geschildert. Ich habe mir auch erst helfen lassen, als ich das Gefühl hatte, ich kann mich darauf wieder einlassen. Denn ich hatte schlechte Erfahrungen aus der Kindheit. Ich hatte richtig Angst. So musste ich 30 Jahre zusehen, wie ich über die Runden komme. Erst dann konnte ich mich darauf einlassen. Und das war bei mir so!

    Und das, was ich in der Klinik beobachtet habe, das konnte ich teilweise nicht verstehen. Ich weiß nicht, warum man sich über Therapeuten lustig machen muss. Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis. Wenn man die Therapie als schlecht empfindet, wäre es vielleicht vernünftiger, damit irgendwie anders umzugehen. Und nicht, in dem man die Therapieinhalte zum Besten gibt. Sowas habe ich auch nicht nur einmal erlebt. Natürlich hilft dann gar nichts. Man dürfte sich mit so einer Einstellung gar nicht erst dahin begeben.

    Oftmals werden auch Rehas vorgeschrieben. Bei psychosomatischen Rehas ist das meiner Meinung nach rausgeschmissenes Geld. Das ist so schade für die Leute, die darum kämpfen müssen. Ich musste mir so eine Reha auch schon mal erkämpfen. Das hat ungefähr drei Jahre gedauert. Drei Jahre Leidensweg.
    Geändert von animosa (02.07.2018 um 13:09 Uhr)


  2. Registriert seit
    06.12.2017
    Beiträge
    49

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Einen anderen Menschen an den grauen und den blauen Tagen teilhaben zu lassen, zeigt Stärke.
    Der Film heißt "Die blauen und die grauen Tage" - danke für die Empfehlung, hört sich interessant an, den Film werd ich mir mal ansehen!

    Zitat Zitat von Leny73 Beitrag anzeigen
    Auf der anderen Seite halte ich doch einiges von ihm fern ( deshalb kann ich Dein Zögern gut nachvollziehen) und mache viel mit mir selbst aus...weil ich die Erfahrung gemacht habe, wie schnell es ihn überfordert, wenn da noch zusätzliche Probleme an ihn herangetragen werden... [...]
    Es kann durchaus mal eine Zeit kommen, wo Du seine Unterstützung beim Kampf gegen die Depression brauchst.
    Genau, ich will eben verhindern, dass er Dinge von mir fernhält, weil er der Meinung ist, ich würde dass nicht packen...
    Deinen letzten Satz nehme ich mir zu Herzen.

    Zitat Zitat von allesch Beitrag anzeigen
    Vielleicht hilft es dir, wenn du jetzt die Entscheidung triffst:
    Die nächsten drei Monate informiere ich ihn nicht. Damit darf das Thema "reifen"
    Etwas in diese Richtung habe ich mir auch vorgestellt. Die Therapie wird ja recht zeitintensiv sein, dass kann ich kaum vor ihm verheimlichen. Ja, wir wohnen zusammen.

    Zitat Zitat von Nichtnurmami Beitrag anzeigen
    Und zum zweiten den Standpunkt des Partners, wie fühlt er sich, wenn er viel später davon erfährt?
    Naja, ob er's jetzt (2 Monate nach Therapiebeginn) oder dann im Herbst erfährt, ist ja auch schon egal. Er ist auch recht rational und nimmt so Sachen glücklicherweise nicht persönlich.

    Zitat Zitat von Loop1976 Beitrag anzeigen
    wolke, ich drücke dir die daumen, dass es dein freund nicht von anderen erfährt. deine freundinnen wissen es, dein freund, und ziemlich wichtige person in deinem leben, weiß es nicht.....
    Diese Angst hab ich weniger, meine Freundinnen können exzellent dicht halten. Aber grundsätzlich hast du schon recht. Es gibt auf meiner Seite mehr Themen, die ich mit meiner Familie oder engen Freunden bespreche und nicht mit meinem Partner.

    Zitat Zitat von JanaHH87 Beitrag anzeigen
    Aber ich habe bzw. lerne es immer noch in meiner Beziehung, wie wichtig es ist, sich dem Partner mitzuteilen.
    Gibt es eine bestimmte "Übung" oder Homepage, die dir da speziell geholfen hat? Über Tipps würde ich mich freuen...

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Es kann auch ganz bedenkenswert sein, sich das mal umgekehrt vorzustellen.
    Ich habe mir das bereits umgekehrt vorgestellt. Solange es weder Auswirkungen auf mein Leben oder unser Beziehungsleben hat, kann er das regeln wie es ihm richtig vorkommt. Ich würde mich freuen, wenn er mich an seinen Gedanken teilhaben lässt, aber wenn er das aus welchen Gründen auch immer nicht will, akzeptiere ich das. Das ist kein theoretisches Gedankenexperiment, es gab durchaus Situationen wo wir das schon so gemacht haben. Aber gut, dass du diesen Gedanken angestoßen hast, vielleicht schwingt da bei mir auch etwas dickköpfiges (quid pro quo) "Du machst es ja genauso und lässt mich nicht teilhaben" mit.

  3. Avatar von herbstblatt7
    Registriert seit
    28.06.2013
    Beiträge
    4.799

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von Nichtnurmami Beitrag anzeigen
    Liebe Wolke,
    Ich habe bei uns die Depressionen, vor Jahren kamen dann auch die üblichen "Nun reiß Dich mal zusammen" Dinger, irgendwann hab ich ihm mal erklärt, was ich mir von ihm wünsche. Seitdem sorgt er in den doofen Zeiten mehr für mich, lässt mich auch mal in meinen "Denktagen" in Ruhe , ohne dauernd in mich zu dringen, dann steht er morgens mit einem Kaffee am Bett, so liebe Dinge halt,.......zu solchen Zeiten kann ich nicht puppenlustig herumspringen....

    Was ich allerdings sehe, ist der Unterschied in der Beziehung, wir sind seit fast 40 Jahren zusammen, seit 33 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder großgezogen, sind zusammen "alt und dick geworden". Er ist mein Herzensmensch. Bei ihm kann ich einfach mal in die Arme sinken und "alles doof grad" schluchzen, da brauche ich keine Maske....Im RL wissen wenige davon, das geht keinen was an....
    Zitat von mir gekürzt

    Ich finde, genauso muss es sein. Dass man sich mal fallen lassen kann in wie auch immer geartete Trauer und Sorgen und dann steht der Partner da und hält einen lieb fest und kümmert sich. Vielleicht ist es dann gar keine Depression im medizinischen Sinne, sondern einfach nur natürlich

    Ein andermal ist man selbst derjenige ... und so geht es hin und her und ist für beide ein großer Trost.
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (02.07.2018 um 21:40 Uhr)

  4. Avatar von Horus
    Registriert seit
    08.04.2005
    Beiträge
    42.032

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Wolke, eine Frage: wenn deine Krankheit nicht eine Depression wäre, sondern etwas rein Somatisches, die man dir auch nicht ansieht und deren Behandlung langwierig und kompliziert ist, zum Beispiel rheumatoide Arthritis - würdest du eine solche Erkrankung deinem Partner ebenfalls verheimlichen?

    Wenn nein - warum sollte eine klinische Depression dermassen anders gehandhabt werden als eine somatische Erkrankung? Dieses "anders damit umgehen" nicht zuletzt durch den Erkrankten selbst trägt leider zum immer noch vorhandenen Stigma solcher Erkrankungen bei.

    Irgendwo schreibst du, dass die Gefühlsebene bei dir problembehaftet ist, du diese nicht gerne ansprichst.
    Und wenn du das Thema auf der reinen Sacheben ansprechen würdest? Depressionen sind, je nach Art, auch somatisch. Die "Hirnchemie" ist verändert - und das nicht zwingend nur als Sekundäreffekt zu Dingen, die sich auf der Gefühlsebene abspielen, sondern sie können auch primär auftreten, als direkte Folge einer genetischen Disposition beispielsweise, die macht, dass das "chemische Gleichgewicht" (ich nenne das mal so) im Hirn gestört ist, was sich als Depression äussern kann. Nicht viel anders als bei ganz "normalen" Hormonstörungen.
    Ich gehe mal davon aus, dass du es deinem Partner auch nicht verschweigen würdest, wenn bei dir eine Insulinstörung, Östrogenstörung .... vorliegen würde.

    Vielleicht hilft es, das Thema auf dieser sehr sachlichen Ebene und auf "materialistische" Weise anzusprechen, statt auf der Gefühlsebene.


    Bei mir weiss mein Partner selbstverständlich von meiner chronischen somatischen Krankheit (die man mir nicht ansieht) und auch von der damit verbundenen Depression. Engste Freunde wissen es auch und ich hab nie negative Reaktionen oder belastende Situationen erlebt oder geerntet deswegen. Deswegen andauernd stillschweigend Rücksicht genommen im Sinne von ungefragter Schonung wird auch nicht. Es ist einfach so: es ist gesagt, die Situation ist geklärt und jetzt wird weitergelebt, es gibt nämlich Wichtigeres bzw. Schöneres, auf dem der Fokus liegt.

    Ausserhalb dieses engsten Freundeskreises bin ich hingegen tatsächlic äusserst zurückhaltend. Da weiss niemand Bescheid. Oder nur vage, dass da eine chronische Erkrankung vorliegt, Punkt.

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.


  5. Registriert seit
    15.02.2006
    Beiträge
    434

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Liebe Wolke,
    ein Beispiel aus meinem Leben:
    ein guter Freund ist trockener Alkoholiker. Ich bin froh, dass ich es weiß, und ich bin auch froh, dass ich mich darum nicht weiter kümmern muss. Er trägt seine Verantwortung, hat dafür seine Leute, seine Gruppen und seine Strategien - also eigentlich "not my business".
    Trotzdem hilft mir dieses Wissen zum einen, Stresssituationen zu vermieden, in die ich ihn unwissentlich bringen könnte. Ich lade ich weder zu Weinproben ein, noch schwärme ich ihm von dem leckeren Grauburgunder vor, den ich aus der Pfalz mitgebracht habe (und als einziger meiner engen Freunde bekommt er auch keine Flasche geschenkt).
    Zum anderen hilft mir dieses Wissen, Handlungen von ihm richtig zu interpretieren, die ich sonst vielleicht fälschlicherweise auf mich beziehen würde (etwa eine Feier frühzeitig zu verlassen, weil sie zu "triggergeladen" wird).

    Mir als (im weiteren Sinn) Angehörigen erleichtert dieses Wissen das Ausleben und das Aufrechterhalten der Freundschaft, ohne für beide Seiten beschämende Schon- oder Hilfsimpulse (weil mein Freund seine Eigen- und Alleinverantwortlichkeit klar kommuniziert hat)

    Ich wünsche Dir gute Besserung und eine gute Entscheidung
    LG B&B
    Geändert von Bauschundbogen (03.07.2018 um 21:15 Uhr)


  6. Registriert seit
    06.12.2017
    Beiträge
    49

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von Horus Beitrag anzeigen
    Depressionen sind, je nach Art, auch somatisch. Die "Hirnchemie" ist verändert - und das nicht zwingend nur als Sekundäreffekt zu Dingen, die sich auf der Gefühlsebene abspielen, sondern sie können auch primär auftreten, als direkte Folge einer genetischen Disposition beispielsweise, die macht, dass das "chemische Gleichgewicht" (ich nenne das mal so) im Hirn gestört ist, was sich als Depression äussern kann. Nicht viel anders als bei ganz "normalen" Hormonstörungen.
    Horus, danke für deine Worte... Ja, das als Störung in meinem Hirnstoffwechsel zu sehen, die man eben medikamentös behandeln muss, um das wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist für mich die einzig erträgliche Sichtweise. Ich bin selber auch der Meinung, dass es bei mir primär körperlich ist (ev. zusätzlich ausgelöst durch den beruflichen Stress, den ich seit Jahren habe - da ist aber ein Ende in Sicht). Ich hab ja nix belastendes erlebt, im Gegenteil, ich hab objektiv ziemlich Glück mit meinem Leben.

    Genetische Disposition ist ein Thema. Und ich merke es anhand meiner körperlichen Reaktionen (erhöhtes Schmerz- & Lärmempfinden, schlechtere Regeneration, höheres Ruhebedürfnis, starke Konzentrationsprobleme), früher hatte ich das alles nicht. Diese ganzen Probleme sind praktisch zeitgleich aus dem Nichts vor 1-2 Jahren über mich gekommen. Und auch, dass ich so trübe Gedanken habe (im Sinne einer "Lebensmüdigkeit") ist absolut untypisch für mich.

    Horus, ich wünsche dir alles Gute!

    Zitat Zitat von Bauschundbogen Beitrag anzeigen
    Trotzdem hilft mir dieses Wissen zum einen, Stresssituationen zu vermieden, in die ich ihn unwissentlich bringen könnte. [...] Mir als (im weiteren Sinn) Angehörigen erleichtert dieses Wissen das Ausleben und das Aufrechterhalten der Freundschaft, ohne für beide Seiten beschämende Schon- oder Hilfsimpulse (weil mein Freund seine Eigen- und Alleinverantwortlichkeit klar kommuniziert hat)
    Bausch&Bogen, das hört sich nach einer guten Sache an :)
    Danke, dir auch alles Gute!


  7. Registriert seit
    12.01.2018
    Beiträge
    32

    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Gibt es eine bestimmte "Übung" oder Homepage, die dir da speziell geholfen hat? Über Tipps würde ich mich freuen...
    Hallo Wolke,
    ich kann dir da leider nichts konkretes an die Hand geben.
    Was mir geholfen hat, waren eher meine Erfahrungen. Wir kommen deutlich besser miteinander zurecht, wenn wir ruhig und einander zugewandt miteinander reden. Ich muss mich da allerdings immer wieder dran erinnern und es ist noch keinesfalls so, dass ich automatisch so handele, wie ich es gerne möchte.
    Wenn ich von etwas genervt bin, was ihn direkt betrifft, fällt es mir leichter. Denn dann möchte ich, dass er das weiß, um ihm die Möglichkeit geben es in Zukunft zu ändern und ich selbst fühle mich auch besser, wenn ich es rausgelassen habe.

+ Antworten
Seite 9 von 9 ErsteErste ... 789

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •