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  1. Registriert seit
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen
    Hallo,

    ich würde gerne die Frage in die Runde werfen, ober der Partner und andere Angehörige zwangsläufig von der Erkrankung in Kenntnis gesetzt werden müssen. (unter der Annahme, dass ein halbwegs funktionierendes Leben lebbar ist)

    Die Frage hat natürlich auch einen persönlichen Hintergrund. Ich bin kein Mensch, dem man anmerkt, dass er unglücklich ist, also ein guter Fassadenbauer. Seit einigen Monaten nehme ich auf dringende Empfehlung meines Psychiaters SSRI, die mir wirklich sehr helfen. Ich will mich hier aber auch gar nicht weiter übder die Depressionen an sich äußern, sondern über den Umgang damit.

    Ich wollte eigentlich mit niemandem darüber reden - Wozu auch, derjenige kann mir ja nicht helfen, es ist allein mein Problem. Ich hab mich dann doch überwunden und mit 2 engen Freundinnen unabhängig voneinander gesprochen, die selbst auch schon mit depressiven Episoden zu kämpfen hatten. Beide waren mit der Situation heillos überfordert (weil man mir das eben überhaupt nicht anmerkt). Letzten Endes musste ich sie trösten und ihnen "Mut zusprechen", dass es mir ja gar nicht so schlecht geht... Also haben mir diese "Offenbarungen" überhaupt nichts gebracht. Im Gegenteil, ich fühle mich schlecht, dass ich meine Freundinnen so runter ziehe und sie sich jetzt Sorgen machen... Geteiltes Leid ist doppeltes Leid.

    Mein Partner weiß bisher auch nichts. In der Akutphase vor den SSRI hat er schon was mitbekommen, weil ich nicht mehr die Kraft hatte die Fassade den ganzen Tag aufrecht zu erhalten. Seinen Nachfragen bin ich aber immer ausgewichen. Seit ich die SSRI nehme, bin ich wieder "normal", also hat sich sen Misstrauen wieder gelegt.

    Ich wechsle zwischen Schuldgefühl, dass ich ihm das "verheimliche" und der Überzeugug, dass ich da allein durch muss und ihn mit diesem Unwissen etwas Leid erspare.

    Mich würde eure Meinung dazu sehr interessieren!
    Ich für mich kann nur sagen, dass mir meine Frau vermutlich das Leben gerettet hat, indem ich mich ihr geöffnet habe.
    Meine Depressionen waren immer von suicidalen Gedanken begleitet, die Pläne wurden immer konkreter, die Vorbereitungen schon getroffen.
    Sie hat dann sofort die medizinische Hilfe eingeleitet. Ich wäre nie selbst zum Arzt gegangen.
    Ich habe zwar immer noch depressive Phasen, aber sie sind nicht mehr so unerträglich und die Suicid Gedanken sind auch weg.

    Depression ist eine ganz perfide Krankheit. Man braucht Hilfe von außen.

    Trotzdem darf man da niemandem einen Vorwurf machen. Selbst die Spezialisten stochern im Nebel rum und Medikation hilft nicht immer.

    Ich habe dann offen darüber gesprochen, bei Bekannten etc. Plötzlich erfährt man von einigen, dass sie auch mit Depressionen zu kämpfen haben und wie sie damit umgehen. Ich bekam Tips, die halfen.

    @ Wolke, hast Du schon mal darüber nachgedacht, wieviel Leid und Schuldgefühl Du verursachst, wenn es bei Dir zum Äußersten käme und er neben Dir nichts davon wußte?

  2. Avatar von Milk_
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Danke für deinen Beitrag lovelover, auch wenn er nicht an mich gerichtet war.
    Es reicht, was du siehst und empfindest. Das Kind muss keinen Namen haben.
    Zitat von Rezeptfrei September 2014

    LG Milk_

  3. Avatar von Milk_
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Warum meinst du das?
    Vorwürfe, weil er hätte "gerettet" werden können, oder Vorwürfe, dass sie anderen Menschen (wie z.B. deinem Sohn) schwerer gemacht haben als wenn sie es gewusst hätten?
    Sie werden merken, dass das Vertrauen meines Sohnes in sie einen großen Riss bekommen hat, ich merke das jetzt schon, ohne das da irgendetwas dazu beitrage.
    (Nicht nur) ihm wurde durch das Verschweigen etwas ganz Wichtiges genommen, er hätte dann sicher in der Vergangenheit einiges anders gemacht, er hätte vieles besser verstanden.
    Sie werden jetzt erst gemerkt haben, von wieviel Seiten Hilfe oder Beistand kommt, wieviele Menschen ebenfalls damit zu kämpfen haben.
    Sie hätten es sich selbst damit etwas leichter gemacht, auch wenn es trotzdem dazu gekommen wäre.


  4. Registriert seit
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von Amalfitana Beitrag anzeigen
    ...zu akzeptieren dass du „zumutbar“ bist. Damit meine ich dass du ein Recht darauf hast, dass deine Probleme anerkannt werden und du sie nicht vertuschen musst.
    [...] Ich denke aber, dass diese Einsichten für dich nur mithilfe einer Psychotherapie erreichbar sein werden.
    Eine Medikation alleine wird da nicht viel bringen.
    Amalfitana, du bringst mein zugrunde liegendes Problem auf den Punkt. Ich hab das Gefühl, kein Recht darauf zu haben, andere mit meinen Problemen zu belasten, dass ich nichtmal das Recht habe glücklich zu sein, weil ich ein schlechter Mensch bin. Und ich hab die Befürchtung, dass mein Gegenüber mich nicht mehr "mag", wenn ich mehr koste als ich nutze bzw. wenn er bemerkt wie ich tatsächlich bin.
    Wenn ich nüchtern darüber nachdenke weiß ich schon, dass das nicht stimmt, die Einsicht wäre also da, aber das Gefühl der Wertlosigkeit bleibt trotzdem. Ob da eine Therapie was bringt...ich hab Zweifel.

    Zitat Zitat von LoveLover Beitrag anzeigen
    @ Wolke, hast Du schon mal darüber nachgedacht, wieviel Leid und Schuldgefühl Du verursachst, wenn es bei Dir zum Äußersten käme und er neben Dir nichts davon wußte?
    Das spannt gut den Bogen zu Milks Anliegen. Ich hänge derzeit nicht allzu sehr an meinem Leben, aber ich bin ganz weit davon entfernt, mir wirklich was zu tun. WEIL ich weiß, wieviel Leid das verursachen würde. Sollte es (aus welchen Gründen auch immer) mal soweit kommen, wird's wohl wie ein Unfall aussehen.
    LoveLover, übrigens freut es mich, dass du mithilfe deiner Frau die Kurve noch kratzen konntest.

    Milk, tut mir leid dass dein Sohn und du derzeit leiden.

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Vorwürfe, weil er hätte "gerettet" werden können, oder Vorwürfe, dass sie anderen Menschen (wie z.B. deinem Sohn) schwerer gemacht haben als wenn sie es gewusst hätten?
    Wie immer eine pointierte Frage von dir. Milks Antworten lassen beides vermuten.

    Zitat Zitat von Milk_ Beitrag anzeigen
    Sie werden merken, dass das Vertrauen meines Sohnes in sie einen großen Riss bekommen hat, ich merke das jetzt schon, ohne das da irgendetwas dazu beitrage.
    (Nicht nur) ihm wurde durch das Verschweigen etwas ganz Wichtiges genommen, er hätte dann sicher in der Vergangenheit einiges anders gemacht, er hätte vieles besser verstanden.
    Milk, allen deinen Postings liegt eine unterschwellige Anklage gegenüber der Familie deines Ex zugrunde. Ich kann nachvollziehen, dass du dich ausgeschlossen fühlst, dich vor vollendete Tatsachen gestellt siehst, du völlig unerwartet getroffen wurdest. Gleiches gilt auch für deinen Sohn. Trotzdem musst du akzeptieren, wie andere Menschen und Familien mit sowas umgehen. Sie wollen mit ihrem Handeln niemandem schaden oder verletzen, sie versuchen aus ihrer Sicht heraus das beste zu tun. Du schreibst selbst, dass es in der Familie keine Gesprächskultur bzgl. Problemen gibt. Das begünstigt leider auch dieses "zusammenreißen, funktionieren, Schwäche = Scham" ...

    Man kann doch nicht erwarten, dass andere Menschen (auch die eigene Familienmitglieder) einem ALLES sagen! Jeder hat so seine Geheimnisse, manche mehr (wie die Familie deines Ex), andere weniger.

    Ein bekannt gewordener Selbstmordversuch stigmatisiert enorm. Dass die Familie das nicht gegen den ausdrücklichen Willen des Betroffenen publik macht, ist verständlich.

    Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht jeder "gerettet" werden kann. Das "Recht", selbst entscheiden zu können, wenn man sein Leben nicht mehr fortführen will, ist meiner (nicht objektiven) Meinung nach eine der letzten wirklich selbstbestimmten Entscheidungen. Um das Thema nicht unnötig Richtung Ethik und Philosophie abdriften zu lassen, höre ich hier auf.


  5. Registriert seit
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Zitat Zitat von _Wolke_ Beitrag anzeigen


    Man kann doch nicht erwarten, dass andere Menschen (auch die eigene Familienmitglieder) einem ALLES sagen! Jeder hat so seine Geheimnisse, manche mehr (wie die Familie deines Ex), andere weniger.

    Ein bekannt gewordener Selbstmordversuch stigmatisiert enorm. Dass die Familie das nicht gegen den ausdrücklichen Willen des Betroffenen publik macht, ist verständlich.

    Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht jeder "gerettet" werden kann. Das "Recht", selbst entscheiden zu können, wenn man sein Leben nicht mehr fortführen will, ist meiner (nicht objektiven) Meinung nach eine der letzten wirklich selbstbestimmten Entscheidungen. Um das Thema nicht unnötig Richtung Ethik und Philosophie abdriften zu lassen, höre ich hier auf.
    Ich für mich kann nur sagen, daß ich in den schlimmen Phasen nicht selbstbestimmt war. Ich war ein anderer Mensch, in meinem Hirn wohnten kranke Gedanken.

    Und ja, ich war/bin NICHT zumutbar für andere und schon gar nicht für meine Frau. Die liebt den fröhlichen, ausgelassenen, unternehmungslustigen Mann, den sie kennt, wenn es mir gut geht und den sie auch mal geheiratet hat.

    Auf den Mann hat sie ein Recht und ich die Pflicht, alles zu tun. Dazu gehört ein ganzer Maßnahmenkatalog.

    Ich habe aber immer wieder mal Rückfälle in diese Antiebslosigkeit, Müdigkeit, etc. Ich vernachlässige mich dann. Das kennst Du vielleicht auch.
    Und da wird meine Frau zur wichtigsten Person, weil sie darüber Bescheid weiss, es erkennt und Gegenmaßnahmen einleitet.
    Die packt mich am Schopf und ab in die frische Luft, macht mit mir Yoga oder nonst was Nettes, schiebt mir die Pillen in den Mund. Alles Mögliche halt...

    Für meine Frau war es belastend, als wir nicht darüber geredet hatten. Die hat sich immer häufiger gefragt, was ist mit dem los, wieso ist der so komisch. Für sie war es ein Befreiungsschlag und für mich der Weg in die Besserung.

  6. Avatar von Milk_
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    AW: "Muss" der Partner zwangsläufig davon wissen?

    Liebe _Wolke_,
    danke für deine lieben Worte in einer für dich selbst sehr schwierigen Zeit.
    Ich habe heute den Tag mit der Familie vom Vater meines Kindes verbracht, wir haben viel geredet und alle leiden, nicht nur mein Sohn und ich.
    Ja es war eine verzweifelte Anklage, die ich hier nieder geschrieben habe, aber es ist genau wie du sagst, es steht mir nicht zu, jemanden anzuklagen, nicht in so einer Ausnahmesituation.
    Ich denke nicht, dass das unbedingt sein Wunsch war, den ersten gescheiterten Versuch zu verschweigen, aber ich kann mich da auch irren.
    Es begann damit auf jeden Fall für die ganze Familie eine verdammt schwarze Zeit, alle wurden vor Sorge krank, nicht nur die Mutter, in ihrem Verhalten, sondern einigen ging die Sache im wahrsten Sinne des Wortes an Herz und Nieren. Von diesen Beschwerden wusste ich schon die ganze Zeit, nun kenne ich auch die vermeintliche Ursache.
    Ich habe beschlossen, niemandem mehr Vorwürfe zu machen, maximal mir selbst, aber das macht ihn auch nicht mehr lebendig.
    Mein Kind werde ich beobachten, es spricht nicht, weint nicht, aber es ist mir gegenüber aufmerksamer geworden.
    Alles Gute für dich und danke, dass ich mich hier mit verewigen durfte.
    Geändert von Milk_ (14.10.2018 um 23:22 Uhr) Grund: Ergänzung

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