Liebe Leute hier im Forum,
so langsam weiß ich nicht mehr weiter. Ich habe eine gute Freundin (seit vielen Jahren). Sie leidet schon seit sehr langer Zeit an Depressionen und ich weiß das auch schon von Beginn an.
Der Umgang mit ihr und ihren Depressionen wird aber immer schwieriger. Auslöser war glaube ich ein Vorfall, bei dem ich zum ersten Mal echt sauer auf sie war (das ist jetzt gut 2 Jahre her). Wir hatten in einer Frauenrunde ausgemacht, dass wir auf eine Party verkleidet gehen (wir sind auch an Fasching öfter zusammen unterwegs), die allerdings eigentlich keine Kostümparty war, sondern nur zufällig an Halloween stattfand.
Wir waren in der Gruppe 5 Frauen, von denen am Ende nur ich und eine andere verkleidet kamen, ohne dass uns vorher jemand gesagt hatte, dass sie doch lieber in zivil kommen möchten. Das war genau der Punkt, an dem ich ziemlich sauer wurde. Nicht, weil sie nicht verkleidet war, sondern weil sie nichts gesagt hatte und in Kauf genommen hatte, dass ich vielleicht ganz allein als Dracula verkleidet auf der Party auftauche.
Ich habe das auch direkt gesagt (auch ehrlich gesagt, ziemlich aufgebracht).
Danach hatte ich sie in Ruhe noch mal darauf angesprochen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie das verstanden hat.
Seitdem wird es zunehmend schwieriger. Ich bemühe mich um Kontakt, aber wenn wir etwas ausmachen, sagt sie zu ca. 80 -90% kurzfristig ab. Ich habe versucht, nur noch kurzfristig zu fragen. Oder bei längerfristigen Terminen, wenn noch andere dabei sind, damit ich am Ende nicht allein dastehe. Aber selbst das gestaltet sich schwierig. Sie fragt mich nie.
Sie zeigt mir kaum noch, dass ihr die Freundschaft irgend etwas bedeutet.
Jetzt überlege ich schon geraume Zeit, ob ich sie mal darauf anspreche. Aufgrund ihrer Krankheit habe ich aber echt Angst, dass das total schief geht. Sie ist oft sehr aufbrausend und empfindlich, auf der anderen Seite aber oft auch eine sehr liebenswürdige Person. Ich weiß nicht, wie ich es ansprechen soll, ohne dass es total schief geht. Die Freundschaft bedeutet mir etwas.
Aber ich selbst fühle mich in der Freundschaft nicht mehr wohl. Ich bin enttäuscht, fühle mich überhaupt nicht wahrgenommen und wertgeschätzt. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst ein total zuverlässiger Mensch bin, ich sage eigentlich nie irgendwas ab und komme auch nicht zu spät, Es kränkt mich total, dass sie das so oft tut.
Ich weiß, sie hat diese Krankheit und ich versuche wirklich, Verständnis zu haben. Aber ich kann auch nicht komplett über meine eigenen Bedürfnisse hinweg sehen.
Irgendwie macht mich diese Erkrankung manchmal komplett sauer! Sie kreist nur um sich. Und weil ich ein recht entspannter, fröhlicher Mensch bin, ging das lange gut.
Ich habe auch schon überlegt, ob ihr meine gute Laune und meine Haltung dem Leben über auf die Nerven geht. Weil sie es so natürlich nicht sehen kann.
Ich wiederum tue mich mit der Depression manchmal auch sehr schwer, weil ich ihre Traurigkeit und die negative Sichtweise schwer ertragen kann.
Jetzt hoffe ich, dass Ihr hier mir ein paar Ratschläge geben könnt....
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 43
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09.07.2017, 08:55
Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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09.07.2017, 09:02Inaktiver User
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Nimmst du ihre Depression als Dauerzustand wahr?
Ich kenne das als Phasen, da ist man tatsächlich anders drauf und empfindlich bzw. will niemanden sehen.
Die frage ist: spekulierst du über ihren Zustand, sind es deine Vorstellungen darüber oder weißt du, dass sie in einer akuten depressiven Phase ist?
Das macht dann schon einen Unterschied.
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09.07.2017, 09:06
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Hallo Print und danke erst mal für Deine Antwort!
Ich weiß, dass sie seit sehr langer Zeit immer nur kurze Phasen hat, in denen es ihr besser geht. Im Moment geht es ihr nicht so gut. Ich frage sie schon immer wieder danach, aber ich muss zugeben, dass ich manchmal nicht mehr kann. Weil es (fast) ein Dauerzustand ist.
Diagnose ist einerseits eine Erschöpfungsdepression, ein Trauma aus der Kindheit und auch Angstzustände. Sie ist in Behandlung, sowohl medikamentös als auch therapeutisch.Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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09.07.2017, 09:16Inaktiver User
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Ja, das ist dann schwierig mit umzugehen.
Finde es aber schön, dass du dir Gedanken machst und sie nicht einfach fallen lässt.
Trotzdem: du kannst ruhig auch auf dich und deine Bedürfnisse schauen und diese ausdrücken.
Und sie auch damit konfrontieren, dass du gerade ratlos bist, wie euer Kontakt zur Zeit funktionieren soll.
Könntest du ganz konkret sagen, was du verbessern möchtest?
Oder willst du erst einmal wissen, ob sie überhaupt noch den Kontakt mit dir aufrecht erhalten will?
Letzteres könnte schwierig sein für sie, das zu bestimmen, da kann ihre Krankheit schon mit reinspielen.
Ich meine: sie könnte anders reagieren als wenn's ihr gut ginge.
Doch wenn es praktisch ein Dauerzustand bei ihr ist, der nur von guten Momenten unterbrochen ist, hast du nur wenig Spielraum an diesem Punkt.
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09.07.2017, 09:29
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Danke, dass Du das sagst. Ich frage mich manchmal, ob ihr überhaupt bewusst ist, wie schwierig das als Freundin sein kann. Ich wünsche mir ja, dass es ihr gut geht. Ich will auch für sie da sein, wenn es ihr nicht gut geht. Aber ich fühle mich dabei sehr hilflos.
Ein großer Punkt, über den sie oft unglücklich ist, ist ihr Job. Das ist aber inzwischen seit vielen, vielen Jahren so. Ich habe keinerlei Einfluss.
Wahrscheinlich fällt es mir auch deshalb schwer, weil ich ein ziemlich handlungsorientierter Typ bin. Dass sie das so nicht kann, ist mir klar, aber manchmal stelle ich fest, dass bei mir Aggressionen hochkommen, weil ich das Gefühl habe, sie gibt ihr Leben aus der Hand und macht sich ihre Handlungsspielräume gar nicht bewusst (oder kann das nicht). Der "Preis" ist, dass ich die gleichen Geschichten seit bestimmt 6 Jahren höre. Schwierig für jemanden wie mich. Ich sehe da nur zwei Möglichkeiten:
Entweder den Job wechseln oder die eigene Haltung zum Job überdenken. Beides kann sie wohl nicht. Das macht mich traurig. Und sauer. Und mitleidig.
Was ich verbessern möchte? Ich würde schon gern wissen, ob es an mir/meiner Art liegt, dass sie den Kontakt grade nicht sucht.
Andererseits wäre es auch ok, wenn sie mit mir versuchen würde, einen Modus zu finden, wie Kontakt doch möglich ist, ohne dass sich eine von uns dabei schlecht fühlt.Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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09.07.2017, 09:44Inaktiver User
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Dann hast du das Jobthema vielleicht auch einfach mal über?
Das darfst du doch....
Es hilft ihr ja auch nicht, wenn ihr das immer wieder durchkaut und sie doch nichts ändern mag.
Das meinte ich mit auf deine Bedürfnisse zu schauen: wenn dir der Punkt zu viel ist oder Aggressionen in dir erzeugt, dann sag es ihr, wenn du nicht mit ihr darüber reden möchtest.
Möglichst, bevor die Aggressionen aufsteigen....
Du willst doch ihre Freundin sein und nicht ihr Therapeut oder ausschließlich Kummerkasten?
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09.07.2017, 12:20
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Das Problem ist, dass Du einerseits schon genau spürst, wo Deine Grenzen in Bezug auf Freundschaft verlaufen, andererseits aber Deiner Freundin aus nachvollziehbaren Gründen eine Art Toleranzbonus (über Deine eigenen Grenzen hinaus) eingeräumt hast und einräumst.
Scheinbar gilt es, genau diesen Toleranzbonus noch mal genauer auszuloten.
Grundsätzlich fällt mir dazu erstmal ein, dass es nicht gut gehen kann, wenn einer immer zurücksteckt. Irgendwann staut sich da so viel an, dass es zu einer "Explosion", ggf. Kontaktabbruch, kommt.
Deswegen ist es toll, dass Du hier postest und Dich damit auseinander setzt.
Ich denke, dass Du mit der Freundin reden musst. Wahrscheinlich ist es sogar am besten, sie dabei mit ins Boot zu holen, wenn es darum geht, wie ihr eure Beziehung gestaltet. (Was Du willst/erwartest/dich stört ... und was sie überhaupt leisten kann.)
Vielleicht fangt ihr erstmal mit einer klitzekleinen Kleinigkeit an, dann kannst Du auch sehen, wie "stabil" sie darauf reagiert. Worte machen viel aus. Dir scheint ja viel an ihr zu liegen und Du willst die Freundschaft weiterhin aufrecht erhalten. Das ist die Basis.
Aber es geht ja auch nicht an, dass Du Dich immer wieder enttäuschen lässt.
Alles Gute!Selbsterkenntnis at it´s unperfekt best!
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09.07.2017, 20:12
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Ein wichtiger Satz, liebe Print... Aber gar nicht so einfach umzusetzen. Ich merke ja selbst, dass ich wesentlich stabiler bin und mich in meinem Leben so wohl fühle, dass ich vieles stemmen kann. Das geht ihr ja leider nicht so. Ich habe da manchmal fast ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, ich überfordere sie, sie kann das nicht leisten.
Ich kann sie natürlich nicht therapieren! Bin ja auch keine Therapeutin, sondern Freundin. Durch die manchmal "explosive" Reaktion, wenn ich was sage, weiß ich aber auch, wie schwierig es ist, ihr meine Grenzen zu zeigen, ohne sie zu verletzen oder eben explodieren zu lassen.
Ich werde es trotzdem versuchen!Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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09.07.2017, 20:17
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Du triffst es so ziemlich auf den Punkt... Ich räume ihr etwas ein, was ich niemandem einräumen würde, der gesund ist. Gleichzeitig verletze ich dabei öfter mal meine Grenzen.
Ich muss wirklich mit ihr reden, habe aber einfach Angst, dass sie die Freundschaft abbricht, weil sie es nicht hören will. Trotzdem, ich muss und möchte es ansprechen, weil mir die Freundschaft etwas wert ist!
Es ist einfach schwierig, weil ich sie eigentlich schon länger wie ein rohes Ei behandle, weil ich sie schonen will. Mich schone ich aber nicht...
Auch weil ich die Freundschaft nicht missen möchte. Andererseits kann ich sie so wie sie ist auch nicht weiterführen, sondern möchte, dass wir etwas ändern.
Ich überlege jetzt erst mal, wie ich überhaupt eine gute Situation schaffe, in der ich meine Gefühle da mal ansprechen kann und ihr sagen kann, dass sie mir wichtig ist, dass ich mich aber so im Moment oft abgelehnt fühle. Mal schauen...
Ich halte Euch auf dem LaufendenDie Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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10.07.2017, 08:46
AW: Schwieriger Umgang mit depressiver Freundin
Was mich noch wirklich interessieren würde: gibt es hier jemanden, der selbst depressiv ist und mir aus ihrer oder seiner Sicht erzählen kann, wie sich das anfühlt, wie Freundschaft gelebt wird oder werden kann?
Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.


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