Hallo zusammen,
Kurz zu meiner lage bevor ich zu meiner frage komme:
Mir geht es (mit depressiver vergangenheit) relativ gut, der alltag und das drumherum stimmen!
Trotzdem gibt es ab und an momente, in denen ich mich durch eigentliche nichtigkeiten runterziehen lasse, die mir die stimmung trüben und auch für meine familie um mich herum (kinder, partner) nicht einfach sind. Aber ich bin oft machtlos dagegen. Meist dauert es ein-zwei tage und ich habe die kontrolle wieder über mich und meine gedanken und kann dann auch ganz gut reflektieren was wie passiert ist. Trotzdem rutsche ich dann nach einer zeit wieder in dieses loch (oder löchlein).
Dazu der alltag, der oft genug stressig ist mit zwei kleinen kindern, vom kv getrennt aber mit neuem partner, der ebenfalls ein kind hat. Die trennung vom kv und das dazugehörige theater sind mittlerweile so gut es geht passé, es gibt höchstens kleinere ärgernisse.
Aber warum kann ich oft nicht glücklich sein? Ich habe manchmal das gefühl, ich habe es verlernt bzw. Habe gelernt, dass ich es nicht verdient habe, glücklich zu sein. Wenn eigentlich alles läuft, suche ich mir fast schon etwas, worüber ich mich ärgern kann, was mir ein schlechtes gewissen oder einfach ein schlechtes gefühl gibt.
Dazu ein nicht allzu großes selbstbewusstsein, fühle mich oft minderwertig und einfach anders, schwer zu erklären. Wenn ich nicht ich wäre, habe ich keine ahnung ob ich mit mir zu tun haben wollen würde![]()
Ich weiss, dass ich vieles meiner vergangenheit/ kindheit (noch) nicht aufgearbeitet habe, am liebsten würde ich es aber so belassen. Habe teilweise angst und auch keine große lust, viele dinge wieder hervorholen zu müssen.
Daher weiss ich nicht,ob eine therapie in der hinsicht helfen würde (abgesehen davon, dass mich die therapeutensuche und warterei abschreckt).
Was kann ich selbst noch tun? Ist ein feinschliff (in richtung gelassenheit und sich selbst so annehmen können wie man ist) möglich?
Ich bin über das buch " das achtsamkeitstraining" von marc williams gestolpert und da mich dieser begriff schon lange fasziniert ich aber nie so recht wusste wie ich es in den alltag einbauen kann, wollte ich damit einen versuch starten.
Wer kennt es und kann mir dazu was erzählen? Kann man es umsetzen, hilft es in irgendeiner artund weise, kann man seine lebensqualität verbessern?
Bin aber auch über rückmeldungen zu meinen problemen dankbar, habt ihr tipps, wird es alles mit dem alter besser (entspannter und gelassener zu werden z.b.) oder kann ich aktiv noch was tun?
Danke euch vorab für gedanken und ideen und schicke euch liebe grüße![]()
Antworten
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19.08.2016, 16:45
Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
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19.08.2016, 20:23
AW: Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
Liebe Oranga,
Ich wühle mich im Moment aus einer schweren depressiven Episode raus, bemühe mich nach Kräften und habe zum Glück auch jede Menge Unterstützung. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich vor gut 15 Jahren bereits einmal an einer Depression erkrankt war, diese wurde nicht behandelt, aber sie ging vorbei. Habe halt drei Jahre Lebenszeit verschenkt und länger als nötig gelitten damals. Irgendwann ging es wieder, die Symptome verschwanden und mit dem Bißchen, was ich damals leisten konnte, hatte ich bestimmte belastende Lebensumstände verbessert. Und seitdem war ich symptomfrei. Also schließe ich daraus, dass man nicht ein Leben lang depressiv bleibt. Dass es jetzt wieder so weit kam und dermaßen schlimm, steht im Zusammenhang mit einigen äußeren Ereignissen. Als das überstanden war, hatte ich einfach keine Kraft mehr. Ich gehe davon aus, dass ich auch da wieder raus komme, vor allem weil ich es schon einmal geschafft habe.
Ich finde, das Wichtigste ist Dir schon klar, Du hast es ein Stück weit in der Hand und ohne eigenes Bemühen geht es nicht.Was kann ich selbst noch tun? Ist ein feinschliff (in richtung gelassenheit und sich selbst so annehmen können wie man ist) möglich?
Ich arbeite zur Zeit mit dem, was ich in der Klinik mit auf den Weg bekommen habe. Depressive Gefühle beruhen häufig auf gewohnten Gedanken, z.B. man vergißt seinen Einkaufszettel, bemerkt das im Supermarkt und denkt "Ich kann auch wirklich gar nichts." Genauso wahr wäre es aber, zu denken: "Jeder vergißt mal den Einkaufszettel." Beides ruft jeweils ein anderes Gefühl hervor. In letzter Zeit bemerkte ich, dass meine Stimmung sich wieder verdüsterte. Seitdem notiere ich meine automatischen Gedanken, welches Gefühl sie konkret hervorrufen. Dann prüfe ich den Gedanken, ob ich ihn alternativ und zu meinen Gunsten formulieren kann und beobachte, welches Gefühl er hervorruft. Klingt mühsam, funktioniert aber bei mir und ist mir lieber, als Tabletten zu schlucken.
Die Gedanken können natürlich auch von einer unbewußten Grundannahme über sich selbst geprägt sein, z.B. durch permanente starke Abwertung, Ablehung etc. durch Bezugspersonen. Ein erfahrener Psychotherapeut kann dann gut, wirksam und oft auch schnell helfen. Guck mal hier.
Gerade bei Verhaltentherapeuten, für eine Kurzzeittherapie von weniger als 25 Stunden, sind die Wartezeiten kurz.
Alles Liebe und Gute
neutstart_jetzt
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20.08.2016, 07:57Inaktiver User
AW: Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
Wir sind alle ein unerschöpflicher Pool aus Gefühlen, die alle immer auch in uns vorhanden sind!
Und je nachdem, was aktiviert wird- wird gespürt
Insofern verliert man nie die Gefühle von Traurigkeit, Wut oder Angst- genausowenig wie Freude, Überraschung oder Glück.
Du klingst sehr analysiert, reflektiert und bewusst, was Dir auf Deinem Weg sicher schon viel geholfen hat!
Ob Du nun Therapie machen musst.......kann Dir keiner sagen.
Dich noch mehr mit Dir befassen- und das mithilfe von professioneller Unterstützung- kann doch nur gut sein!
Ob Du Dich nun zu einem Therapeuten begibst oder in die vielen anderen Methoden mal hinein schaust- bleibt Dir überlassen.
Bücher sind toll- ersetzen aber nicht den Austausch oder die Reflektion durch einen anderen. Man ist nunmal auch gerne "betriebsblind"
Ein gewisser Hang zum Traurig- Depressiven kann schon bestehen bleiben- auch, weil es nach vielen Jahren zu einem vertrautn Begleiter geworden ist, den gar nicht jeder ganz weghaben will
Und dann wird es ja auch Auslöser geben- Bewertungen, die Dich in diese Gefühle bringen........da mal hinzusehen und sie bestenfalls aufzulösen, ist ganz sicher eine Aufgabe.
"Schlechte Tage" dann auch annehmen und nicht nur wieder "in den Griff kriegen wollen"- wäre ein liebvollerer Umgang mit Dir selbst
Da Du offensichtlich noch nicht soviel gemacht hast, kannst Du Dich auf eine große Reise machen
Deine Lebensqualität kann noch sehr viel besser werden und Dein Grundgefühl zu allem ebenso.
lg kenzia
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20.08.2016, 11:07Inaktiver User
AW: Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
Guten Tag

das einzige, was mich in depressiven Phasen tröstet, ist die Gewissheit, dass sie bisher immer vergingen.
meine Mutter hat ihre depression seit 20 Jahren überwunden.
meine Erkrankung ist hartnäckiger und inzwischen ein teil von mir. aber zwischendurch bin ich gesund und lebe ein normales leben. ich hab mich damit abgefunden, dass sie mich durchs leben begleitet und freue mich über ihre Abwesenheit;-). ich hoffe, dass sie immer seltener kommt und nie ein Dauerzustand wird.
in schlimmen phasen hilft eigentlich nix so richtig, jedoch erfüllt mich meine arbeit sehr und hilft. ich treibe sport (immer empfehlenswert bei Depressionen) und trinke gar nicht mehr. Alkohol, auch in geringen dosen, ist einfach gift. ich nehme nur noch johanniskraut(aber ein bestimmtes, von der Psychiaterin verschrieben, bei mittelschweren Depressionen ). mir haben antidepressiva am Anfang geholfen, dann nicht mehr, deshalb diese Entscheidung. ich würde aber nie Medikamente ausschließen, wenn sie helfen. Lebensqualität ist wichtig.
ich lese viele philosophische texte, Literatur, etc. . der hang zur Melancholie ist eindeutig da und mir hilft das lesen. generell habe ich verstanden, dass es normal ist, sich nicht immer gut zu fühlen. ich glaube, manchmal vergessen wir das. kein mensch ist dauerhaft zufrieden und "glücklich".
natürlich ist eine Depression ein völlig anderer zustand, aber in gesünderen zeigen vorzubeugen, Lebensweisen wirklich zu ändern, hilft mir(Therapie zusätzlich).
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20.08.2016, 11:26
AW: Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
vielleicht hast du da auch einen zu hohen Anspruch? Glück ist kein Dauerzustand, sondern gefühlt Momentaufnahmen. Was anderes ist so eine Grundzufriedenheit im Leben, also das Gefühl in sich ruhen zu können, auch wenn man sich mal ärgert oder traurig ist. Das wird dann nicht gleich existenziell.
Ich hatte kürzlich auch wieder so ein Loch und war tiefunglücklich, weil ich dachte: "scheixxe, ich hab so lange und viel an mir gearbeitet, alles für die Katz. Dieses Gefühl, diese Gedanken, das scheint mein innerster Kern zu sein, den ich einfach nicht los werde. Alles, was ich mir erarbeitet habe, sind nur Zwiebelhäute, die sich darüber legen "Ich habe manchmal das gefühl, ich habe es verlernt bzw. Habe gelernt, dass ich es nicht verdient habe, glücklich zu sein. Wenn eigentlich alles läuft, suche ich mir fast schon etwas, worüber ich mich ärgern kann, was mir ein schlechtes gewissen oder einfach ein schlechtes gefühl gibt.
Dazu ein nicht allzu großes selbstbewusstsein, fühle mich oft minderwertig und einfach anders, schwer zu erklären.
Mein Freund hat mich da zum Glück wieder rausgeholt, weil er mich daran erinnerte, dass das lediglich ein Teil meiner Persönlichkeit ist, der gleichwertig neben den anderen Teilen steht., die sich später ausgebildet haben (mit und ohne mein aktives zutun), Also nix Kern und Zwiebel, sondern Vielfalt. Seitdem habe ich wieder eine wohltuende innere Distanz zu diesen alten Mustern, die ab und zu halt wieder losgaloppieren, bekommen.
Depressionen haben ja auch nicht nur diese pathologische Dimension. Grundsätzlich gehören sie halt auch zum Leben wie z.B.Glück. Umbruchzeiten gehen z.B. sehr oft depressive Episoden voraus. Das ist natürlich was völlig anderes als das Krankheitsbild Depressionen. Aber vielleicht sind die Grenzen auch fliesend? Ich weiss, dass ich schon seit meiner späteren Kindheit depressive Persönlichkeitsanteile habe. Darüber hinaus habe ich aber auch grundsätzlich ein melancholisches Temperament, also ich bin von meinen Anlagen und Prägungen her nicht gerade die Frohnatur in Person
Trotzdem habe ich mir doch eine beachtliche Lebensqualität erarbeitet, in der ausgerechnet Humor eine tragende Rolle spielt(e). Eine Voraussetzung dafür war aber bei mir das Erkennen dieser Anteile und deren Akzeptanz. also zu akzeptieren, dass es sie gibt und es jetzt nunmal so ist.
Achtsamkeit zu lernen war dabei bei mir der Schlüssel. Ich habe das durch die Tanztherapie gelernt. Die Schlüsselerfahrung hierbei war und ist für mich die Nichtbewertung und Nichtzensur meiner selbst.
Ich muss jetzt leider weg, evtl kann ich es in einem späteren Post noch genauer erklären, falls das jetzt zu unverständlich war.
Also ich weiss, dass ich mit mir nicht zusammen leben wollen würde, wenn ich nicht in meiner Haut stecken würde. Aber zum Glück stecke ich drin und muss deshalb nicht mit mir auf herkömmliche Art zusammen leben.Wenn ich nicht ich wäre, habe ich keine ahnung ob ich mit mir zu tun haben wollen würde

Und die, die mit mir zusammen sind, tun das freiwillig. Da vertrau ich einfach drauf und verkneif mir das Hinterfragen.
Geändert von Amelie63 (20.08.2016 um 11:32 Uhr)
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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21.08.2016, 12:20
AW: Bleibt man ein leben lang (zumindest ein bisschen) depressiv?
Hallo Oranga,
klare Antwort auf deine Frage:
Nur, wenn du das willst.
Der Satz trifft mich sehr
Ich bin fest davon ueberzeugt, dass du liebenswert bist und es eine Menge Menschen gab und gibt, die gerne mit dir zusammen waren und sind!
Es koennte sein, dass du in deiner Kindheit nicht genug Anerkennung und Liebe bekommen hast. Dann entstehen solche „Mangelgefuehle“.
Erinnere dich an gute Momente voller Liebe, Wertschaetzung und Glücklich-sein in Deinem Leben. Wie kraftvoll und energiereich du dich gefuehlt hast. Tauche tief ein und genieße sie mit allen Deinen Sinnen … was siehst du … was hoerst du … gibt es Gerueche …
Schreib die Momente ruhig mal auf.
Und wenn deine Gedanken wieder ins Negative abrutschen, erinnere dich an die guten Momente, die „Moments of Excellence“ in Deinem Leben.
Letztendlich ist eine Depression nur eine von vielen Arten, mit Situationen und sich selbst im Leben umzugehen. Und das kannst du jederzeit aendern, indem du dich auf das konzentrierst, was positiv ist und gleichzeitig deine Praegungen / Glaubenssaetze anschaust und die, die dich behindern, ausraeumst.
Wenn du jemanden kennst, der NLP kann – koennte der dir gut helfen dabei. Wir koennen auch gerne mal telefonieren ueber das Thema. Es spricht sich leichter als zu schreiben (einer meiner Glaubenssaetze
)
Ich wuensche dir, dass du anfaengst, dich selbst zu lieben ….
Geändert von dala (21.08.2016 um 12:26 Uhr) Grund: meinen Text blau eingefaerbt
Dala
Walk what you talk


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