Ihr Lieben,
ich überlege schon seit Monaten, mir meine Sorgen und Probleme hier in der community von der Seele zu schreiben, irgendwie war es mir aber immer zu viel. Weder wusste ich, welches Forum das geeignete wäre, noch, wo ich anfangen soll oder, was ich eigentlich erwarte... Deshalb bitte ich schon vorab um Entschuldigung für meine evtl. Konfusion.
Mein Leben ist schon länger anstrengend und fordernd gewesen, richtig schlimm wurde es aber erst vor ca. 1,5 Jahren, als meine Tochter nach dem Abi für ein Jahr ins Ausland gegangen ist. Wir haben mit meinem Freund recht harmonisch zu dritt gelebt, allerdings war unser Alltag immer außerordentlich von seiner Selbstständigkeit belastet. Er ist ein workaholic und ich stand oft zwischen meiner Tochter und ihm, weil er nie anerkannt hat, dass sie mit dem Abitur auch viel zu leisten hat - von meiner Arbeit im sozialen Bereich ganz zu schweigen. Ich hatte mir immer vorgenommen, das wenigstens so lange durchzuhalten, bis sie ihr Abi hat. Gute zwei Monate nachdem sie ins Ausland gegangen ist, kam es dann auch zu unserer Trennung nach 7 Jahren. Von dem Problem mit seiner Arbeit abgesehen, war es eine unglaublich glückliche Zeit, er war meine große Liebe und die Trennung war letztlich seine Entscheidung, weil er nicht die Kraft hatte, um die Beziehung zu kämpfen. Das war im Oktober 2014. Weihnachten haben wir dann noch im gewohnten Familienverbund zu viert mit dem Vater meiner Tochter verbracht. Ich habe parallel immer nach einer neuen Wohnung gesucht, aber eigentlich haben wir uns ganz harmonisch in die Situation 'getrennt, also ohne Verpflichtungen, aber dennoch zusammen', eingelebt. Im April 2015 bin ich dann aber doch ausgezogen und es war nur schrecklich. Er hat, als der Umzugswagen schon dastand weinend gefleht, ich solle nicht gehen und hätte meine beste Freundin mich nicht quasi aus der Wohnung gezogen, weiß ich nicht, ob ich die Kraft zu gehen, aufgebracht hätte. Letzlich haben wir uns in der ersten Zeit weiterhin fast täglich gesehen. Er hatte endlich eine Krankheitseinsicht, weil spätestens nach meinem Auszug nichts mehr bei ihm ging. Er ist seit Februar 2014 krank geschrieben und arbeitet auf eine Berufsunfähigkeit hin.
Ich habe versucht, mich auf mich zu konzentrieren und auf den Sommer gefreut, wenn mein Kind erst mal aus dem Ausland zurückkommt und bis zur Orientierung, was sie danach machen will, wieder bei mir lebt. Deshalb habe ich auch eine entsprechende Wohnung gemietet, mit einem Zimmer für sie.
Als sie dann wieder kam, war alles anders. Sie sagte, sie wolle in ihr altes zu Hause zurück und ist bei meinem Exfreund eingezogen. Wir hatten die Wohnung damals zusammen gefunden, eine Eigentumswohnung, die er quasi alleine bezahlt hat. Mein neues ZuHause ist dagegen ziemlich schäbig, aber ich hatte einefach keine große Auswahl.
Nach anfänglichem Schock, konnte ich ihre Entscheidung verstehen, wenn man mal zu Hause draußen war, ist es schwer zurück zu den Eltern zu kommen. Schlimm wurde es für mich dann erst, als unser früher so enger und inniger Kontakt immer reduzierter wurde und plötzlich mein Verflossener ihr engste Bezugsperson wurde. Das erschien mir geradezu absurd, da er sie früher nie wirklich respektiert hat, was zu ständigen Streitigkeiten geführt hatte. Da er aber mit seiner kompletten Familie gebrochen hatte, war es für ihn natürlich wichtig, den Bezug zu uns aufrecht zu halten. Wir haben uns nach wie vor, wie früher so oft, zu viert mit dem Papa oder auch zu dritt getroffen und auch noch gemeinsame Wochenendtrips geplant. Einem Tag vor einer solchen Kurzreise hat mir mein Ex dann telefonisch im Büro eröffnet, dass er die Fahrt unbedingt mit uns machen wolle, ich aber wissen solle, dass er eine neue Freundin habe.
Ich kann den Schock nur schwer in Worte fassen. Ich bin nicht mitgefahren. Das war im Juli 2014.
Seitdem wurde es immer schlimmer für mich. Der Zeitpunkt war denkbar mies, ich hatte mich gerade auf eine bessere Position in meiner Firma beworben und hatte ein sehr anspruchvolles Auswahlverfahren vor mir, gegen 7 Mitbewerberinnen. Ich bin wirklich ans Ende meiner Kräfte geraten. Seit Oktober habe ich den Job, er ist ganz toll, aber, es kostet mich meine letzten Reserven, mich den neuen Herausforderungen zu stellen.
Privat bin ich mittlerweile sehr isoliert und einsam. Eigentlich bin ich der absolute Familienmensch: wir hatten viel Besuch, ein sehr aktives Leben, 2 süße Katzen und ein wunderschönes zu Hause.
Jetzt lebe ich einer völlig überteuerten Wohnung, die ich mir kaum leisten kann (wegen des zusätzlichen Zimmers) große Sprünge und selbst kleine, sind für mich nicht mehrer erschwinglich. Mit meiner Tochter habe ich keinen Kontakt mehr. Sie ist mittlerweile eng befreundet mit seiner 'Neuen', die ihr vom Alter her recht nahe steht (ca. 13 Jahre jünger als ich) und das verkrafte ich nicht. Die Geschichte, wie die beiden zusammen kamen würde jetzt den Rahmen sprengen, aber ich wurde in diesem Zusamenhang von allen Beteiligten sehr viel belogen, was ich nicht verzeihen kann.
Weihnachten und Silvester, was wir immer intensiv zelebriert und genossen haben, habe ich fast gänzlich alleine verbracht. Freiwilig. Ich habe mich so weit als möglich von sozialen Kontakten zurück gezogen, weil ich meine Freunde mit meinem Trübsinn nicht ständig belasten will. Ich habe bereits seit Oktober versucht, einen Therapieplatz zu finden und stehe noch immer auf der Warteliste. Ich gehe morgens zur Arbeit und fahre nach 10 Stunden nach Hause. An der Stelle, wo sich mein neuer Heimweg vom alten NachHauseWeg unterscheidet fange ich meistens zu Weinen an. Fast jede Nacht träume ich von meiner Tochter und/oder meinem Exfreund. Ganz oft wache ich weinend auf. Dieses Wochenende ist ein schlimmer Höhepunkt. Ich hatte kaum die Energie aufzustehen und habe eigentlich nur durchgeheult.
Seit meine Tochter vor 1,5 Jahren ins Ausland gegangen ist, nehme ich bereits stimmungsaufhellende Tabletten. Jeder Versuch, sie abzusetzen hat in Heularien geendet. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, wo meine Gedanken, wenn nicht um mein Kind, dann nur noch darum kreisen, wie ich das alle beenden kann.
Das einzige, was mir momentan hilft, ist meine Arbeit, bzw. die damit verbundene Ablenkung. Das Verrückte ist, dass alle Kollegen mich für so tough halten und, glücklicherweise, niemand eine Ahnung hat, wie es in mir aussieht.
Vermutlich wird mir nun die eine oder andere raten, in eine Klinik zu gehen, das ist alerdings mein größter Horror, aus diversen Gründen, die ich hier jetzt auch nicht auseinandersetzen möchte. Es muss doch auch irgendeine andere Lösung geben...
Liebe Grüße, nimph
Antworten
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31.01.2016, 16:44
Grenze des Ertragbaren erreicht
Liebe macht nicht blind. Der Liebende sieht nur weit mehr als da ist.
(Oliver Hassencamp)
Und sprich nur, wenn du was zu sagen hast!
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31.01.2016, 17:06Inaktiver User
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Ich glaube nach Deinen Ausführungen zunächst mal nicht, dass Du unbedingt ein Fall für die Klinik bist. Du schaffst es z.B., deinen Beruf weiter zu machen und findest sogar Befriedigung darin. Warum solltest Du das, wenn auch nur vorübergehend, aufgeben?
Ich glaube aber schon, dass Du Hilfe bei der Aufarbeitung der Situation brauchst, z.B. im Rahmen einet ambulanten Therapie.
Woher hast Du Deine Medikamente?
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31.01.2016, 17:13
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Oh nymph das tut mir ja so schrecklich leid für dich! Es liest sich schon übel, es muss sich entsetzlich anfühlen... Einen Rat kann ich dir keinen geben, aber fühl dich virtuell gedrückt! Ganz fest.
Ich weiß wie es ist, wenn der Boden unter den Füßen weg bricht und man fällt und fällt und keiner ahnt wie es innen in einem aussieht. Das kostet furchtbar viel Kraft... Die Fassade zu erhalten.
Ich habe damals auch hier geschrieben und mir wurde eine Trauma-Therapie empfohlen, ich muss sagen das hilft mir besser als jeder Psychiater !
Fühl dich gedrückt!
Makra
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31.01.2016, 17:39
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Danke, für eure lieben Antworten.
ich bekomme die Medikamente von meiner Hausärztin.
Wie funktioniert eine Traumatherapie?Liebe macht nicht blind. Der Liebende sieht nur weit mehr als da ist.
(Oliver Hassencamp)
Und sprich nur, wenn du was zu sagen hast!
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31.01.2016, 17:52Inaktiver User
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31.01.2016, 18:13
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Das sage ich doch gar nicht. Ich frage nur, was das ist, weil Makra davon schreibt.
Liebe macht nicht blind. Der Liebende sieht nur weit mehr als da ist.
(Oliver Hassencamp)
Und sprich nur, wenn du was zu sagen hast!
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31.01.2016, 18:16Inaktiver User
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Hallo Nimph,
bitte entschuldige, ich habe eine Verständnisfrage - dein Ex hat dir Mitte 2014 eröffnet, dass er eine neue Freundin hat, du bist aber ersts im Frühjähr 2015 ausgezogen, ist das richtig?
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31.01.2016, 19:05Inaktiver User
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Liebe Nimph,
nur mal ein Gedanke zum Thema soziale Kontatke - hatte ich genauso gemacht, mich abgegrenzt weil es mir nicht gut ging (ich hatte einen Burnout, es wird sich zeigen ob ich schon raus bin) und habe das genauso gemacht - mich zurückgezogen.
Irgendwann hatte mich eine Freundin angerufen - und wir haben und einfach mal bei einander ausgekotzt... Es tat sooooo gut! Wir telefonieren jetzt regelmäßig und tauschen uns aus...siehe da - wir beide haben problematisches, lustiges, fröhliches und skurriles zu berichten, in gleichen Teilen!
Das soll nur ein Denkanstoß sein - vielleicht gibt es jemanden in deinem realen Leben mit dem du sprechen kannst....Austausch ist sooo wichtig.
Ansonsten halte ich eine Therapie für einen sehr guten und wichtigen Schritt, bleib dran!
Und sprich mit deiner Tochter...es kann nicht sein, dass der Kontakt von jetzt auf heute einfach flöten geht...
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31.01.2016, 19:46
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Ich komme mit den Daten auch durcheinander. Diese sind aber vielleicht gar nicht so irrelevant.
Wie lebt er denn seit Februar, also seit seiner Krankschreibung und dem Hinarbeiten auf eine Berufsunfähigkeit? Wie muss man sich das vorstellen? Oder meinst du, er arbeitet trotzdem als Workaholik und es wird deswegen so enden?
Deiner Tochter scheint es gut zu gehen dort bei ihm. Das ist erst einmal positiv, würde ich meinen.
Meine Tochter ist seit dem Studium auch fast ausschließlich auf den Vater fixiert. Das finde ich nicht schlimm, da sie die gesamte Kindheit auf mich fixiert war. Nun kann er sich einbringen.
Naja, es ist dein Freund und nicht ihr Papa. Aber da kann man eigentlich keinen Unterschied machen, denn er hat ja mit euch viele Jahre als Familie gelebt und irgendetwas muss ihr davon ja gut getan haben. Sonst würde sie sich nicht hingezogen fühlen zu ihm (ja, auch zum Luxus wahrscheinlich, aber das ginge nicht, wenn er ihr nicht sympathisch wäre).
Ich höre von einigen Freundinnen, dass die Töchter sich abwenden von denen und nur noch zum Vater Kontakt haben. Ich weiß nicht, woran das liegt. Konntest du deine Tochter dazu befragen?Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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31.01.2016, 20:10
AW: Grenze des Ertragbaren erreicht
Zunächst erst einmal herzlichen Dank für eure Empathie!

Ja, das ganze ist etwas konfus, weil es sich über einen solch langen Zeitraum erstreckt, ich versuche mal einen Zeitstrahl zu erstellen:
08/14 Auszug meiner Tochter
10/14 Trennung
04/15 mein Auszug
06/15 Rückkehr meiner Tochter
07/15 Mitteilung dass es eine neue Freundin gibt, wie lange diese Beziehung besteht, weiß ich nicht
10/15 neuer Job
es ist nicht so, dass ich niemanden zum Reden hätte, ich habe ganz tolle Freundinnen und Freunde, nur langsam mag ich einfach nicht mehr reden, mich beschäftigt zwar kaum was anderes, aber ich kann mich dabei selbst nicht mehr ertragen. Was mir wirklich sehr fehlt, ist ein alltäglicher Austausch, nach einem anstrengenden Tag bspw., über meine anstrengende Kollegin, o.ä. Dazu kommt, dass meine engsten Freunde selbst gerade im absoluten Gegenteil zu mir leben: einer ist heute Papa geworden, eine andere im November zum zweiten Mal Mama. Das heißt, sie gründen gerade Familien, ich schließe gerade damit ab...
Meine Tochter möchte derzeit keinen Kontakt, sie meint, Abstand sei derzeit das Beste für uns. Ich will sie nicht bedrängen
Liebe macht nicht blind. Der Liebende sieht nur weit mehr als da ist.
(Oliver Hassencamp)
Und sprich nur, wenn du was zu sagen hast!


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