Jetzt, wo ich mich in das Krankheitsbild und die Erscheinungsbilder eingelesen habe, tut mir das weh, ihm das geschrieben zu habenich würde ihm genau das mitteilen und schreiben, dass es für dich als Außenstehende eben nicht leicht ist, damit umzugehen und das auszuhalten. Aber dass du ja lernfähig bist und da die Hilflosigkeit (oder Wut, oder was auch immer) da aus dir gesprochen hat.Und ich wollte schon gerne diese eine Botschaft vermitteln, damit er einfach die Sicherheit hat, mich nicht aufgrund der Depression zu verlieren -
ich würd nix mit warten oder dauern schreiben.ins Land streichen lasse, kann ich ihm eine Mail schreiben? Ich sage ihm nicht, wie schlecht es mir geht, um ihn nicht zu belasten. Aber ich würde ihn gerne wissen lassen, dass er sich nicht beeilen muss auf seinem Weg und ich auf ihn warten werde - egal, wie lange es dauert.
Gegen Warten spricht die Er-Wartungs-haltung, die da drin steckt. Auch für dich selbst solltest du davon Abstand nehmen. Du weisst nicht, ob eine Beziehung mit dir wirklich das beste für ihn wäre (und ich nehm mal an, du wünschst ihm nur das beste), sondern das ist was, das DU gern hättest. Und das mit dem Dauern geht von der Annahme aus, als wäre das, was er da hat, so was wie ein Schnupfen, das wieder vergeht. Solche Erkrankungen sind aber wesentlich komplexer und Teil eines Lebenswegs und einer Biografie. Das ist nicht irgendwann einfach nur weg. Wenn es mal (scheinbar) weg ist, dann wird er nicht (mehr) der sein, der er zum Zeitpunkt seiner Erkrankung war/ist bzw er war vielleicht nie der, den du in ihm sehen willst.
Wünsche ihm Kraft auf seinem Weg, signalisiere ihm, dass du als Freundin für ihn da sein wirst, wenn er es wünscht, aber bedränge ihn nicht und schon gar nicht mit deinen Erwartungshaltungen. Es ist SEIN Weg, den er da gehen muss.
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Thema: Der Wahnsinn an Weihnachten
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27.12.2015, 13:12
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Geändert von Amelie63 (27.12.2015 um 13:20 Uhr)
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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27.12.2015, 13:14
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
nein, ich meine nicht eine Aufmunterung - eher sowas, was du flachsend auch zB einem Arbeitkollegen schicken würdest, eine Kuriosität, irgendwas Interessantes... sowas wie "guck mal was für einen schönen Sonnenuntergang ich heute hatte, da hab ich an Dich gedacht, liebe Grüsse und Kuss" oder "Blumen im Dezember in meinem Garten, unglaublich! guck dir das an. Das Wetter spinnt doch" oder "hast den neusten Witz schon gehört?" - ich weiss ja auch nicht, was konkret passt, irgend ein Insider zwischen euch...
bloss nichts Schwermütiges!
Die Tatsache, DASS du etwas schreibst, zeigt ja schon von selbst, dass du an ihn denkst.
gruss, barbara
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27.12.2015, 13:17
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Hallo LittleKiwi,
ob ich aus "fachlicher Kompetenz" heraus antworten kann? Wohl eher nicht ;)
So einiges ist hier bereits angesprochen worden: aus Sicht Angehöriger von Depris betroffener Menschen (siehe gerade auch den Post von Amelie) und auch aus Sicht der selbst davon Betroffenen.
Von daher vielleicht "nur" ein paar Gedanken aus eigener, ganz persönlicher, Erfahrung, ohne etwas dabei werten zu wollen ...
Im Nachhinein betrachtet bin ich, als ich damals (nicht so völlig freiwillig - ich musste erst in die Wand einschlagen ...) endlich den Schritt in eine Therapie gegangen bin, durch mehrere Phasen hindurchgegangen.
Am Anfang war es ein mich "freisprechen": endlich mal all das, was sich in mir angestaut hat, aussprechen, es "loswerden" können - Druck abbauen, meine Wahrnehmung schildern dürfen, anstatt immer nur nach außen eine Rolle spielen und die Dinge "verbergen" zu müssen.
Dabei kam Wut auf - eigentlich ein völlig normaler Vorgang, der auch zum Prozess des Loslassens und Abstand gewinnens gehört: "Was hast Du/habt Ihr mit mir gemacht ..." - die Wahrnehmung richtet sich erst einmal nach außen auf all das, was von dort scheinbar zu dem geführt hat, was mich heute so belastet.
Irgendwann lässt dann aber dieses dominierende Gefühl der Wut nach, man beginnt innerlich auf Distanz zu gehen und die Dinge "neutraler", ohne die Du-bist-schuld-Komponente, sehen zu können.
Heute würde ich sagen: es war der Moment, ab dem ich mich mit den jeweiligen Anteilen aller Beteiligten an meiner Situation beschäftigen und dadurch, nach und nach, aus meiner inneren Opferhaltung ausbrechen konnte.
Es gab diese Einflüsse von außen - aber auch eine Entsprechung in mir selbst, die es mir unmöglich gemacht hatte, mich diesen zu entziehen. Alles völlig wertneutral zu sehen.
An dem, was von außen kommt, kann ich oft kaum etwas bis nichts wirklich ändern. Was ich aber ändern kann: wie ich damit für mich selbst umgehe und was davon ich auch mal als "dies ist jetzt aber nicht mein Problem/meine Aufgabe" abgrenzen darf.
Es geht um Wahrnehmung: wie ich die Dinge bisher wahrgenommen habe, war ja nicht falsch. In der bisherigen Situation mit all ihren Verstrickungen gab es für mich keine andere Wahrnehmungsmöglichkeit. Wenn ich aber etwas Distanz hierzu gewinnen kann (was mir vorher eben nicht möglich war), dann habe ich auch einen neuen Freiraum gewonnen, der mir vielleicht dabei hilft, auch meine Wahrnehmung zu ändern.
Dies ist ein Prozess, der seine Zeit dauert und auch begleitet sein sollte: möglichst zeitnah und professionell.
Für mich fühlte es sich erst einmal so an, als ob sich all meine "alten Gewissheiten", an denen ich mich bisher orientieren und festhalten konnte, in Luft auflösen würden: Unsichrheit, Selbstzweifel, das Gefühl, "eh nichts auf die Reihe bekommen zu können" - gerade auch was meine "Fahigkeit" betrifft, eine Beziehung führen zu können, ohne für den Partner ein ständiger Klotz am Bein sein zu müssen.
Dies war jetzt vielleicht ein etwas langer Umweg, sorry.
Was auch immer dieser Psychiater wie und in welchem Kontext ausgesprochen hat: es ging zuerst durch den Filter der persönlichen Wahrnehmung Deines Freundes. Das, was er daraus "gemacht" hat, hängt von seinem ganz persönlichen momentanen Kontext, von seiner Erfahrungswelt ab: er hat es bereits interpretiert, bevor er seine Interpretation an Dich weitergegeben hat. Und Du kannst auch nur das gleiche mit seiner "Botschaft" machen: sie aus Deinem persönlichen Kontext heraus und vor dem Hintergrund Deiner persönlichen Erfahrungswelt erneut interpretieren.Aus allen Wolken gefallen bin ich, als ich dann (wieder per Mail) erfahren habe, dass sich der Psychiater gegen unsere ja erst entstehende Beziehung ausgesprochen hat. Er müsse erst einmal seine Baustellen lösen, sein Leben in den Griff bekommen
Was zutrifft: um eine (dauerhaft) stabile Beziehung führen zu können, braucht es auch eine stabile Basis in einem selbst. In jeder noch so glücklichen Beziehung wird es Momente geben, in denen es zu Konflikten kommt, "Reibereien" auftreten und Differenzen aufgelöst werden müssen.
Wenn ich aber selbst noch viel zu instabil bin und dazu neige, dadurch sofort wieder in Selbstzweifel gestürzt zu werden ... ;)
Vielleicht hat er sich ja gar nicht gegen eine Beziehung ausgesprochen, schon gar nicht gegen Eure, sondern nur die Prioritäten verdeutlichen wollen. Jetzt ist es vielleicht noch zu früh, sich die Frage nach der eigenen Beziehungsfähigkeit zu stellen und entsprechende "Entscheidungen" zu treffen. Dies kann immer noch gemacht werden, sobald man sich die hierfür erforderliche Basis in einem selbst erarbeitet hat - und an der gälte es dann zuerst zu arbeiten.
Dies ist, wenn man erst angefangen hat, diese Baustellen, die man mit sich rumschleppt, anzugehen, gefühlt ein Berg, den man nie wegschaufeln zu können glaubt und vor dem man am liebsten gleich kapitulieren würde - die in sich völlig wertneutrale Aussage des Psychiaters wird dann schnell mal zur "willkommenen" Begründung, um sich aus dieser Lage rausziehen zu können, von der man sich gerade völlig überfordert fühlt.
Wenn er momentan Abstand braucht, um sich selbst sortieren zu können: akzeptiere diesen Wunsch, auch wenn er noch so schräg formuliert und für Dich unangenehm sein mag.
Du kannst leider nicht mehr machen als ihm signalisieren, dass Du ihn als Menschen weiterhin wertschätzt und bereit bist, ihn auf seinem Weg zu begleiten - den Weg selbst muss er aber selbst gehen und auch selbst bestimmen können.
Es hilft weder Dir noch ihm noch Euch beiden, wenn Du Dich selbst zu tief in seine Verstrickungen verwickeln lässt und sie am Ende vielleicht sogar zu Deinen eigenen machst - so schwer dies für Angehörige auch ist.
Vielleicht dennoch kurz zu dem hier noch ein paar Worte:
Als Therapie würde ich persönlich dies aber nicht ansehen: um jemanden akut zu stützen, reicht das sicherlich - und mehr macht ein Psychiater in aller Regel auch nicht; kann es gar nicht.Die Behandlung des Psychiaters besteht (seit einem Jahr etwa) in der Gabe eines Antidepressivums sowie Sitzungen in 5- bis 6-wöchigem Abstand.
Gerade wenn die Dinge aber tief verwurzelt sind, braucht es, imho, mehr, um in eine Veränderung kommen und auch in ihr bleiben zu können.
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27.12.2015, 13:22
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Dieses Gesäusel wäre für mich in einer schwermütigen Phase unerträglich. Abgesehen davon, dass dieses Blabberblubberblinkiwinkegedöns mir generell auf den Keks geht. Gut, jeder ist da anders, aber dieses Überspielen, wenn es der TE doch eigentlich um was ganz anderes geht, bringt doch letztlich niemandem was.
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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27.12.2015, 13:24Inaktiver User
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Auf nichts habe ich in der Depression so angefressen reagiert wie auf "Aufmunterungsversuche", kleine "Cheer-ups". Mich schüttelts heute noch beim Drandenken - so "Kopf-hoch-" und "Achsolustitsch-lach-mal"-Bildchen.
Manipulation pur. Kam mir vor wie ein Kleinkind, das auf Kommando "Männchen machen" - LÄCHELN - sollte.
Meine Anregung: schreib ihm das, was du fühlst - klar und schlicht. Nicht zu lang - in akuter Depression kann die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt sein. Ich fand einen materiellen "Anker", den mir eine Freundin mitgab für ihre Gedanken (einen schlichten, schwarzen Kiesel) an mich gut, der war da, auch wenn ich mich nicht mit ihm befassen konnte.
Und dann lebe weiter. Es liegt an ihm, ob er zurückkommen kann/will. Und wann.
Ob er dich dann noch trifft, liegt an dir und schlichtweg am Leben. Warte nicht.
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27.12.2015, 13:33
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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27.12.2015, 13:35
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
ach ihr.
Es geht nicht um manipulieren, nicht um aufmuntern, es geht überhaupt nicht um die Depression, es geht lediglich darum, ein kleines nettes Lebenszeichen zu schicken. Es geht darum, durch eine Handlung (!) - nicht durch Worte - mitzuteilen "ich bin da, ich denk an dich." (und nein, es muss nicht rosa sein und auch nicht blinken)
macht doch jetzt nicht so eine Staatsaffäre aus einer kleinen simplen Sache...
und wenn ICH mich in Schwermut befinde, wär das allerletzte, was ich von jemand anderm lesen will, wie sich die Person fühlt. Ich hab schon genug mit meinen eigenen Gefühlen zu tun, da muss nicht noch jemand anders seine Befindlichkeit darauf häufen! Das ist dann nur anstrengend, mühsam, ärgerlich. Aber kleine nette Gesten waren immer erfreulich, auch und sogar dann, wenn ich es womöglich gar nicht zeigen kann.
gruss, barbara
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27.12.2015, 13:55
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Hallo Bae
ich sehe es wie Du.
Ich hab mich immer gefreut, wenn jemand einfach an mich gedacht hat und sein normales Leben mit mir geteilt hat, und dazu gehören nun mal auch nette Belanglosigkeiten, so ist das Alltagsleben halt.
Und auch in einem ungeschickten "Aufmunterungsversuch" muß ich nicht gleich Manipulation wittern, ich kann von Außenstehenden nicht verlangen, daß sie das Wesen einer Depression verstehen,
wenn sie nie eine hatten.
Ich bin allerdings auch mit einem psychisch kranken Vater aufgewachsen, der uns ständig Mangel an Verständnis vorgeworfen hat, wenn wir wagten, unter seinem Verhalten zu leiden, vielleicht bin ich deshalb so.
Little Kiwi,
ich halte es für eine sehr gute Idee, daß Du Dich selber psychologisch beraten lassen willst. Ich fürchte, Du bist grad ein bißchen arg bei ihm und nicht so sehr bei Dir.
Daß man auch mal pampig ist - grad wenn einem recht unverhofft und aus welchen Gründen auch immer - die eigene Beziehung vor die Füsse geworfen wird, ist nämlich eine ganz normale menschliche Regung.
Das darf. Das ist OK. Dein Freund ist, wies aussieht, zurechnungsfähig und für sich und sein bisheriges Leben selber verantwortlich,
bitte behalte das im Blick.Geändert von Schmitti (27.12.2015 um 14:00 Uhr)
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27.12.2015, 14:08Inaktiver User
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Hallo - und DANKE!
Genau in Deinen Zeilen liegt eines meiner Hauptprobleme, an denen ich grüble. Ich hab ihn mehrmals gefragt, ob er es denn möchte, dass wir einen endgültigen Schlussstrich ziehen, aber das hat er nie bejaht. Er sagt nur, er muss sich erst mal selbst finden, er weiß gar nichts mehr. Ich "interpretiere" doch auch nur seine Botschaften. Botschaften wie "ich kann mich nicht persönlich mit Dir treffen, weil ich dann umarmen oder küssen möchte" oder "ich wünschte, es wäre anders" oder "ich warte ganz bestimmt nicht auf eine andere Frau" oder (als ich ihm gesagt hab, dass ich seine Liebe doch spüre und dass viel Verlustangst in ihm steckt: ) "Du hast mit allem recht, was Du sagst". Unser letztes Treffen, wo er mit den Tränen kämpft. Ich empfinde das schon als kleine, versteckte Botschaften an mich, ob ich nicht warten kann - und habe aber gleichzeitig Angst, dass ich das völlig missverstehe.
Natürlich muss er an sich arbeiten und (wie Amelie ja richtig schreibt), auch mit Ursachen/Verstrickungen von früher klarkommen und sich eine neue Sicht/Bewertung erarbeiten. Aber geht das denn in der jetzigen Therapieform, die nur aus Anti-Ds und Treffen in sechswöchigen Abständen besteht?Geändert von Inaktiver User (27.12.2015 um 14:21 Uhr)
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27.12.2015, 15:43
AW: Der Wahnsinn an Weihnachten
Bist Du so aber nicht schon dabei, aus "seinem Problem" (für sich selbst Klarheit zu schaffen) Deines zu machen?Genau in Deinen Zeilen liegt eines meiner Hauptprobleme, an denen ich grüble.
Die einzige Frage, die Du beantworten kannst, ist doch diese hier: will ich (für mich selbst) die Beziehung mit ihm?
Dies alleine ist ja auch unter nicht so belasteten Vorzeichen nicht so ganz einfach zu beantworten:
Welche Bedürfnisse habe ich; wo kann ich vielleicht Kompromisse eingehen; wo sind meine Grenzen, über die ich nicht hinaus gehen kann/darf ... usw. usf.
Und jetzt hast Du es ja nicht "nur" mit dem Menschen zu tun, sondern auch noch den Teil von ihm vor Dir sitzen, der durch seine Depris bestimmt wird.
Du kannst, imho, nur achtsam mit Dir selbst umgehen und dafür sorgen, nicht auch selbst in diese Prozesse (in seine Prozesse) hineingezogen zu werden.
Wie sein Teil der Antwort auf diese Frage aussieht: letztendlich muss er dies selbst beantworten - idealerweise dann, wenn er soweit ist, dies auch zu können, ohne dabei von seinen Mustern "ferngesteuert" zu werden.
Ob er es jetzt schon kann (aber dennoch glaubt, eine "Entscheidung" treffen zu müssen), weiß ich nicht.
Ich kann da auch nur aus meiner ganz persönlichen Wahrnehmung heraus antworten, die ich damals, an einem ähnlichen Punkt und in einer vergleichbaren Situation hatte: damals war ich ebenfalls der Überzeugung, dass es gute Gründe dafür gab, mich nicht wieder auf eine Beziehung einzulassen und mich "ihrzuliebe" besser wieder rausziehe, bevor ...
"Ihrzuliebe" in "", weil es doch nur ein Echo meiner eigenen Ängste, Zweifel etc. war, die ich anfangs nicht wirklich auflösen konnte.
Es hat eine Weile gedauert und Arbeit gekostet, dieses Gemenge in mir soweit aufdröseln zu können, dass sich die "Antwort" wenigstens stimmig angefühlt hat. Für meine Partnerin war dies mit Sicherheit keine wirklich angenehme Zeit: irgendwo in der Luft hängen; widersprüchliche Signale bekommen; nie so wirklich zu wissen, wer ihr jetzt gerade antwortet (ich als Mensch oder doch mehr meine Deprianteile) ...
Hätte sie nicht auf sich selbst achten und sich auch mal meinen Depris gegenüber abgrenzen können ...
Deswegen auch das, was hier schon mehrfach geschrieben wurde: wenn Dich diese Situation so sehr belastet, dass Du selbst ins Rutschen kommst, dann suche Dir Hilfe. Egal wie er sich, wann auch immer, entscheiden wird: Du brauchst selbst den stabilen Boden unter den Füßen - entweder fürs loslassen können oder fürs Abgrenzen seiner Anteile in der Beziehung.
Auch hier wieder: da dies ein Teil seines "Jobs" ist, wenn er aus der momentanen Tretmühle herauskommen will, muss er dies selbst entscheiden, ob sich dies für ihn zielführend oder stimmig anfühlt.Aber geht das denn in der jetzigen Therapieform, die nur aus Anti-Ds und Treffen in sechswöchigen Abständen besteht?
Letztendlich geht es um sein Wohlbefinden und um seine Therapie - und um sein Tempo, mit dem er die Dinge angehen kann.
Mir persönlich (und auch nur aus der Rückschau auf eigene Erfahrungen) würde es nicht reichen.
ADs können sinnvoll sein, wenn es darum geht, jemanden so weit zu stabilisieren, dass er wieder die Luft und die Freiräume bekommt, die es für die eigentliche Therapiearbeit braucht - sie lösen nichts.
Nur ob für dieser 5-6 Wochen Rhythmus "angemessen" ist, wage ich ehrlicherweise zu bezweifeln. Es ist, Deiner Beschreibung seiner Themen nach, zu viel, das dabei angestoßen werden könnte - und dann auch zeitnah wieder aufgefangen werden müsste.
(Ich hatte ambulant eine ähnliche Konstellation: alle 4 bis 6 Wochen einen 45-Minuten-Termin ... abzüglich Begrüßung und Terminabsprache fürs nächste Mal, eine Störung hier, eine Störung da ...
Kurz gesagt: ich bin oft raus und stand im Regen, wenn dadurch in mir etwas angestoßen wurde, das dann plötzlich in mir zu rumoren begann.
Es hätte gereicht, wäre es nur darum gegangen, eine aufgearbeitete Sache am Laufen zu halten, sie zu begleiten - aber nicht, um neue Baustellen aufzumachen und zu graben.
Bei Deinem Freund mag das aber durchaus anders aussehen.)


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