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Thema: Verwirrung

  1. Inaktiver User

    Verwirrung

    Hilfe, ich muss mich mal sortieren.

    Hatte im Sommer üble Depressionen mit Klinik etc., wollte danach auch Therapie machen. Kriege aber keine - ellenlange Wartelisten sind das Eine, das Andere aber die Tatsache, dass ich Rollstuhl fahre. Ergebnis: Die allermeisten Praxen sind im Altbau 2. Stock bzw. sonstwie nicht erreichbar, andere TherapeutInnen meinen, ich solle mich "an meine Einrichtung" wenden (aka "Heim"), in der ich als Behinderte sicherlich wohne. Nee, ich bin ne "Wilde", ich lebe ganz normal.

    So zieht sich das seit nem dreiviertel Jahr. Ich sitz hier in nem Ballungsgebiet und suche bereits in 60km Umkreis :-(.

    Jetzt hab ich heute eine nicht schlimme, aber doofe Nachricht von nem Kollegen/Bekannten/ehem. Freund ab bekommen - er hat mich stumpf in einer Sache, die mir wichtig war (ihm angeblich auch), hängen lassen.

    So, und nun hab ich völlig unangemessen das heulende Elend. Schluchzte/schluchze völlig unkontrolliert vor mich hin, bin der festen Überzeugung, für alle nur eine Last zu sein und sowieso nur noch über Funktion wahrgenommen zu werden. Der rationale Teil meiner selbst beobachtet und beschreibt das und ist völlig fassungslos über so ein "Gehabe", der emotionale meint aber, es sei aus und niemand werde sich jemals wieder für mich als Menschen interessieren, halt nur noch für diverse Funktionen, die ich abzubilden habe.

    Das Blöde ist: seit einigen "Hämmern" im letzten Jahr ist mir Vertrauen in sog. "Freunde" total weggebrochen, ich habe derzeit keine, die ich mit sowas "behelligen" könnte, und meinem Mann sind die ganzen Emotionen schon wieder zu viel, zu unverständlich und überhaupt zu unbequem.

    Falls ihr sowas kennt - wie geht ihr damit um?

    Fragend,
    die Katz

  2. User Info Menu

    smile AW: Verwirrung

    Hallo Katz,
    das tut mir sehr leid für dich! Lass dich mal drücken. Leider hatte ich selbst auch schon mit Depressionen zu kämpfen. Wenn man emotional nicht so stabil ist, dann kann einem schon eine "Kleinigkeit" aus der Bahn werfen.
    So wie ich das verstehe, fehlt dir einfach auch jemand zum Reden, zum Austauschen.

    Ich weiß ja nicht, welcher Art deine Behinderung ist, aber manchmal hilft ja der Austausch in einer Betroffenengruppe, obwohl das ja nicht jedermanns Sache ist. Ansonsten erkundige dich doch mal, ob es in deiner Stadt oder angeschlossen an die nächste Institutsambulanz nicht eine Gesprächsgruppe für Depressive gibt, hier bei uns trifft sich so eine Gruppe einmal in 2 Wochen.

    Es ist schon oft schwierig, mit anderen, die weder von Behinderung noch von Depression betroffen sind, über alles zu reden, auch wenn es gut Bekannte sind. Ich war sehr schwer krank und danach depressiv und hatte irgendwann den Eindruck, dass jeder einfach erwartete, dass ich jezt wieder funktionieren müsste, selbst in der engeren Familie.

    Wenn es dir sehr schlecht geht, dann gehe zur nächsten Institutsambulanz, die müssen dich da annehmen, meist sind sie an psychiatrische Kliniken angegliedert. Ansonsten würde ich mich mal an die Krankenkasse wenden, vielleicht haben die noch einen Vorschlag, wo du zur Gesprächstherpie hin könntest,

    Machs gut, verzweifle nicht, es kommen wieder hellere Tage.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

  3. Inaktiver User

    AW: Verwirrung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    So zieht sich das seit nem dreiviertel Jahr. Ich sitz hier in nem Ballungsgebiet und suche bereits in 60km Umkreis :-(.

    So, und nun hab ich völlig unangemessen das heulende Elend. Schluchzte/schluchze völlig unkontrolliert vor mich hin, bin der festen Überzeugung, für alle nur eine Last zu sein und sowieso nur noch über Funktion wahrgenommen zu werden. Der rationale Teil meiner selbst beobachtet und beschreibt das und ist völlig fassungslos über so ein "Gehabe", der emotionale meint aber, es sei aus und niemand werde sich jemals wieder für mich als Menschen interessieren, halt nur noch für diverse Funktionen, die ich abzubilden habe.


    Falls ihr sowas kennt - wie geht ihr damit um?

    Fragend,
    die Katz


    Hallo Katz,

    nur unangemessen kurz - sorry ! - , weil's mir grad selber nicht gut geht.

    Ja, ich kenne das auch und zwar von meiner latenten Suizidalität her.

    Vom Kopf her weiß ich, daß das jetzt die glücklichste Zeit meines Lebens ist und ich "nur" meinen Beruf und meine Gesundheit verloren habe, dafür aber endlich nicht mehr einsam bin, wie ich es ohne meinen Mann so viele Jahrzehnte war.
    (Freunde sind mir auch komplett weggebrochen, ich lebe mit meinem Mann ganz allein.)

    Nur die blöde Seele suggeriert mir ständig, daß es mir nie wieder besser gehen wird, ich nie wieder aus meinen 80 qm Lebensraum rauskomme, mein Mann es eh nimmer lange aushält und jeder herumliegende Plastikbeutel mir innerhalb weniger Minuten das Ende allen Elends verschaffen könnte.

    Mir persönlich hilft da wirklich nur, ganz, ganz konzentriert und mit aller Kraft den Kopf über die Seele zu stellen und mich einfach nur von Minute zu Minute zu hangeln.
    Wenn ich mich vor 5 Minuten nicht umgebracht habe - was ich ja eigentlich gar nicht will ! Das ist "nur" der kranke Anteil in mir -, dann halte ich die nächste Minute auch noch durch.
    Und wenn die überstanden ist, dann schaffe ich noch eine.

    An guten Tagen komme ich stundenlang halbwegs zurecht, oft ist es ein Kampf um jede einzelne Minute und hin und wieder fehlt dann die Kraft auch ( bislang konnte mein Mann das "große Finale" immer verhindern.)


    Kannst Du es auch so sehen ?
    Daß das "heulende Elend" einfach Deine Erkrankung ist und deshalb zwar formal vorhanden (und sicher määääächtig lästig), aber inhaltlich natürlich völliger Blödsinn ?


    von Herzen alles Liebe



    verschwiegen
    (seit *nachrechne* 7 Jahren ohne Therapeut - trotz nahem Ballungsgebiet und gutem Willen meinerseits)

  4. Moderation

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    AW: Verwirrung

    Och Katz, was für eine besch...eidene Situation, in der du grade steckst!
    Aber so ist's doch meistens: Es kommt nicht eins allein, sondern immer geballt und mit Anhang.

    Du hast da ja mehrere Punkte; ob sie zusammenhängen oder sich bedingen, ist von hier aus schwer zu sagen.
    Magst du was zu den Flops mit den Freunden schreiben? Vielleicht sortierst du dich dabei ja automatisch ein bisschen und bekommst es aus dem Kopf.

    Zur Therapie: Rollstuhlgerechte Praxen zu finden wird Recherche erfordern. Was spricht der Hausarzt? Im Netz warst du ja sicher. Hast du mal Selbsthilfegruppen in deiner Gegend angeschrieben? Vielleicht wissen die mehr.

    Kopf hoch, das wird auch wieder anders.
    *
    Der Adler fängt keine Mücken.


    'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit


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  5. User Info Menu

    AW: Verwirrung

    Mensch, Katz, da kommt es aber dicke bei Dir . Wenn Du erzählen willst, findest Du hier immer offene Augen und flinke, antwortende Finger - vielleicht hilft es etwas.

    Hier (Berlin) gibt es einen Verein, der die verschiedensten Dienstleister "sortiert" nicht nur Ärzte, sondern auch andere Dienstleister nach Erreichbarkeit und incl. der Bereitschaft Hausbesuche zu machen und der Bereitschaft im weitesten Sinne Ungewöhnliches zu übernehmen. Gibt es so etwas bei Euch nicht auch?

    Ich muß mal überlegen, wie die hießen - vielleicht haben die einen Tipp, wen Du fragen kannst.

  6. VIP

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    AW: Verwirrung

    Oh Katz,

    das tut mir Leid. Schlimm!

    Suchst einen psychologischen oder einen ärztlichen Psychotherapeuten?

    Ich abe erlebt, dass in manchen Fällen auch hier Hausbesuche vereinbar sind. Zu meinem Mann, der als Komplikation bei einer OP einen Querschnitt erlitten hat, kam die Psychoonkologin ins Kranklenhaus. Sie hat sie anfangs etwas geziert, hat es dann aber gemacht.
    Meine Mutter war schwerbehindert und musste über Treppen getragen werden. Ihr Hausarzt hatte ihr Psychotherapie/Schmerzbewältigungstherapie nahe gelegt mit der Option des Hausbesuchs. Das scheiterte dann am Nichtwollen seitens meiner Mutter.

    Vielleicht kannst Du Dich in der Hinsicht bei der KV Deines Bundeslands und beim Beufsverband der Psychotherapeuten (ich weiß nicht genau, wie der heißt) erkundigen.
    Institusambulanzen bieten auch oft ambulante z.B. Gesprächastherapien an. Sie haben oft Aufzüge und Rampen.

    Alles Gute!
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  7. Moderation

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    AW: Verwirrung

    Zitat Zitat von --martha-- Beitrag anzeigen
    Hier (Berlin) gibt es einen Verein, der die verschiedensten Dienstleister "sortiert" nicht nur Ärzte, sondern auch andere Dienstleister nach Erreichbarkeit und incl. der Bereitschaft Hausbesuche zu machen und der Bereitschaft im weitesten Sinne Ungewöhnliches zu übernehmen.
    Das finde ich mal sinnig! Gibt's hier leider nicht.
    Ich würde mir das gern mal ansehen, martha. Hast du einen Link oder Namen?
    *
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  8. Inaktiver User

    AW: Verwirrung

    @ cheshirekatz,


  9. gesperrt

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    AW: Verwirrung

    Nee, ich bin ne "Wilde", ich lebe ganz normal.
    Liebe Wildkatze,

    selbsthilfegruppen sind gute Zuhörer für seelische Probleme, auch zum Ausheulen
    und Hinweisgeber für Therapeuten, Ärzte, Kliniken, Ambulanzen. Zu finden über Google Name deiner Stadt und Selbsthilfegruppe Depression oder psychisch Kranker.
    Kann ich nur empfehlen.

    Einen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung kann man über die Kassenärztliche Vereinigung suchen, es gibt den Suchpunkt rollstuhlgerecht.
    Die Idee mit dem Hausbesuch finde ich super.

    Selber bezahlen darf man Heilpraktiker für Psychotherapie. Teurer, dafür haben die eher Therapieplätze frei wie Psychotherapeuten mit Kassenzulassung.

    Alles Gute Dir
    Grüße
    Luftpost

  10. User Info Menu

    AW: Verwirrung

    Liebe Katz,
    das kann ich gut nachempfinden, dass dir wegen deiner schwierigen Situation (mühsame Suche nach einem Therapieplatz und derzeit wenig Halt durch ein soziales Netzwerk) nach Weinen zumute ist .
    Zur Therapieplatzsuche: gibt es in deiner Nähe Medizinische Versorgungszentren, in denen Psychotherapie angeboten wird? Da sollte Barrierefreiheit Standard sein. Weiterhin haben psychiatrisch- psychotherapeutische Kliniken sowie psychotherapeutische Ausbildungsinstitute oft Institutsambulanzen, in denen ambulante Therapien angeboten werden. Je größer eine Einrichtung, desto wahrscheinlicher ist es meiner Meinung nach, dass die Räume barrierefrei sind.
    Zur Überbrückung könnte vielleicht auch eine Frauenberatungsstelle oder eine kirchliche Beratungsstelle (Caritas, Diakonie etc.) mit Gesprächsterminen helfen.
    Wenn du schreiben magst, in welcher Ecke Deutschlands du suchst, können wir dir vielleicht noch konkretere Vorschläge machen.
    Und wenn du mal ganz dringenden Redebedarf hast, dann könnte die Telefonseelsorge vielleicht auch eine Option sein. Die sind Tag und Nacht erreichbar.
    Dir alles Gute und viel Kraft
    Marlenchen
    Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere.
    (Satre)

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