mir ist kein anderer Titel eingefallen.....
Es ist so: mein Mann ist seit einiger Zeit depressiv, hat schon eine Reha gemacht, die half, ist in einer guten Psychotherapie begleitet, nimmt Medikamente.
War alles schon auf einem wirklich besseren Weg.
Leider ist die Depression aber wieder stärker geworden, so stark sogar wie nie zuvor.
Mein Mann alles fallen lassen, was ihm zuvor sehr wichtig war, er ist jetzt wirklich ein anderer. Es scheint, da gibt es keinen Weg zurück? Es gab wirklich einiges, was ihm eminent wichtig war und was jetzt nichts mehr bedeutet. Leider falle auch ich und unsere Beziehung in diese Rubrik, er sage mir, dass er noch einen kleinen Rest Gefühle für mich hätte. Ich glaube, ich bin momentan noch gut genug dafür, ein Nest, ein zu Hause zu bieten, deshalb ist er noch nicht gegangen.
Heute habe ich einen Sternbericht gelesen über Depressionen und auch über den Twitterhashtag, wo Depressive über ihre Empfindungen schreiben. Beim Lesen ist mir dann erst aufgefallen, wie viele Fehler man als Angehörige machen kann, auch wenn man helfen will.
Ich möchte helfen.
Ich bin hier im Forum mit der Hoffnung, meinen Horizont zu erweitern über diese Krankheit Depression und Mosaiksteinchen zu sammeln, damit wenigstens ich meinem Mann mögliche Hilfe geben kann. Ich will ihn auf keinen Fall belasten, bin aber auch nicht sicher, ob das richtig ist und ob es überhaupt hilfreich ist, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse in der Beziehung zurückschraube.
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Thema: Co-Depression und Kummer
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12.11.2014, 12:57
Co-Depression und Kummer
Geändert von Oasistes (12.11.2014 um 13:03 Uhr)
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12.11.2014, 13:02Inaktiver User
AW: Co-Depression und Kummer
ich kann dir eine buch-empfehlung geben:
Huub Buijssen: Depression, helfen und sich nicht verlieren. Ein Ratgeber für Freunde und Familie.
erschienen im Beltz-Verlag.
mir hat es geholfen auch meine eigenen grenzen zu erkennen und sie anzunehmen ohne das gefühl zu päppeln, dass ich ihn verrate und fallenlasse.
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12.11.2014, 13:02Inaktiver User
AW: Co-Depression und Kummer
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12.11.2014, 13:06
AW: Co-Depression und Kummer
danke Brighid, das Buch besorge ich mir.
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12.11.2014, 13:56
AW: Co-Depression und Kummer
Habe das posting abgekürzt, es ist sonst viel zu verworren und keiner glaubt mir, dass ich wirklich helfen will und so ratlos bin. Momentan habe ich nur Angst, dass diese Depression meines Mannes ihn noch vollkommen zerstört.
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12.11.2014, 15:34Inaktiver User
AW: Co-Depression und Kummer
Ich möchte dazu folgendes aus eigener Erfahrung anbringen:das Lebensgefühl. Depressiver ist stark eingeschränkt ebenso wie die möghochzeit,positive Gefühle zulassen zu können.ich selbst habe mich aus Freundschaften gelotst von denen ich. Vorherdachte,sie würden ein leben lang halten.eine Depression verdunkeltdie gGefühle derart,dass man nur noch Feinde überall sieht.man kann liebe nicht erkennenund sich selbst nur noch als kalt empfinden.da kommt man i.d.r.nur aus eigener Kraft wider raus.
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12.11.2014, 15:56
AW: Co-Depression und Kummer
Hast Du das geschafft, Im-Juli? Hast Du später die alten Freundschaften wiederbelebt oder möchtest Du lieber neue finden?
Bei meinem Mann ist es so, dass er Ereignisse, bei denen ich dabei war oder damit zu tun hatte, völlig verzerrt sieht, wie durch ein schwarzes Glas. Was Du schreibst passt auch auf ihn. Das heißt also, Hilfe von mir ist nicht wirklich möglich, wenn er sie nicht explizit haben will. Aus eigener Kraft wieder rauskommen: Therapie und Medikamente, Selbshilfegruppen im Netz und real, all das macht er, also denke ich, er will da raus. Aber: Leute, die im gleichen Boot sitzen wie er ziehen ihn geradezu magisch an. Es ist ver-rückt.
Ich habe eine Riesenangst, dass er vor haben könnte, alle Zelte, alle Bindungen abzubrechen. Denn nichts ist gut genug, alles passt ihm nicht. Er macht nur noch ganz genau was er will, meint das wäre sein neues Selbstbewßtsein. Empathie gibt es nicht mehr.
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12.11.2014, 15:58
AW: Co-Depression und Kummer
Hallo oasistes,
schwierige Situation.
Was Du für ihn tun kannst, ist in meinen Augen sehr beschränkt. Er braucht und kriegt wohl auch professionelle Hilfe. Vertrau darauf, dass in diesen Händen alles für ihn getan wird.
Was DU machen kannst: schau auf Dich selbst, sorge dafür, dass es DIR gut geht, kümmere Dich um Dich. Du kannst ihm nicht helfen, nicht im Moment. Und es kann sein, dass er den Kontakt zu Dir irgendwann ganz abbricht, weil er keine Gefühle spüren kann und Dir nicht zur Last fallen will.
Zeig ihm, dass Du gut ohne ihn leben kannst und sei für ihn da, wenn er Dich braucht. Richte Dein Leben aber nicht zu sehr auf ihn aus.
Hier noch ein Link:
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Dort kannst Du Dich weiter informieren.
Lg, amazone
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12.11.2014, 16:22
AW: Co-Depression und Kummer
Danke für den Link, Amazone41.
Mein Mann hat eine leichtere Depression, wie er mal meinte. Habe dem daher nicht so die riesige Bedeutung bei gemessen, muss ich zugeben. Durch die Kampagne bei Twitter bin ich aber richtig erschrocken und weiß jetzt, dass ich die Krankheit völlig unterschätzt habe. Wusste auch nicht, dass sie den Charakter eines Menschen so deformieren kann. Hatte schon Nächte zergrübelt, was ich an mir ändern könnte, dachte, ich hätte eine Schuld.
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12.11.2014, 16:36
AW: Co-Depression und Kummer
Hallo Oasistes,
ich habe selbst seit Jahren Depressionen und merke immer wieder, wie schwer das auch für meinen Mann zu ertragen ist.
Besonders wichtig finde ich, dass er mein Mann und nicht mein Therapeut ist. Im Zusammenleben verschwinden diese Grenzen ganz schnell mal, weil man dem Menschen, den man liebt, helfen will.
Dabei kommt man als Angehöriger schnell an seine Grenzen. Daher ist es wichtig sich auch um sich selbst zu kümmern. Geh mit deinen Freunden aus - auch wenn dein Mann nicht mit will und such dir Orte und Zeiten, wo du für dich sorgst und Kraft tanken kannst.
Ob das ein Besuch um Fitnessstudio oder um Museum ist, alles was dir gut tut, ist erlaubt.
Für mich war es furchtbar zu sehen, wie sehr mein Mann darunter leidet, noch etwas an dem ich "schuld" bin.
Wenn er seinen Hobbies nach geht, ist er ausgeglichener, ruhiger und hat mehr Kraft -und das kommt dann wieder mir und unserer Beziehung zugute.
Während der Depression haben mir oft ganz praktische Angebote geholfen z. B. hat mir eine Freundin beim Aufräumen geholfen, weil ich es alleine nicht geschafft habe.
Ich habe die Unordnung gesehen und kaum ertragen können - aber alleine den Anfang einfach nicht geschafft.
Geholfen hat mir, das meine Freundin mich nicht verurteilt und keine Vorwürfe gemacht hat.
Mein " Versagen" habe ich selbst auch schon wahrgenommen, wenn dann noch jemand eine Kleinigkeit (Oh, das ist aber unordentlich) gesagt hat, habe ich mich nur noch schlimmer gefühlt.
Da man ja nicht in den Anderen hinein schauen kann, ist es da hilfreich einfach zu fragen.
Wobei kann ich dir jetzt! helfen?
Und auch zu akzeptieren, wenn er sagt: Gar nicht!
Auch ein geregelter Tagesablauf und klare Absprachen können beiden helfen. Z. B. das ihr immer am Freitag die Küche aufräumt und er dabei dafür zuständig ist, den Boden zu kehren.
Wichtig sind kleine Schritte und Anforderungen. Manchmal kostet es schon unglaubliche Kraft sich frische Wäsche anzuziehen. Da muss man dann jeden Tag für sich sehen, und nicht sagen ,gestern ging's doch auch.
Geholfen haben uns auch die Bücher Mein schwarzer Hund (über das Erleben Betroffener) und Mit dem schwarzen Hund leben (aus Sicht einer Ehefrau).
Gerade weil es in einer Depression schwierig ist längeren Texten zu folgen, finde ich die Büchlein sehr gelungen. Kurze, prägnante Texte und aussagekräftige Bilder.
Ich wünsche Dir/Euch viel Kraft und Durchhaltevermögen.


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