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  1. User Info Menu

    Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Hallo zusammen,

    Ich habe mich hier frisch neu angemeldet. Ich bin seit letzter Woche Mittwoch krank geschrieben, Diagnose vom HA: Erschöpfungsdepression - Burnout.

    Ich habe immer gedacht, ich schaffe das, ich muss nur die Zähne zusammen beißen, ich muss stark sein, ich bekomme das hin - ihr kennt das ja alles.

    Was sind schon Schlafstörungen, dauernde Müdigkeit, liegt alles am Wetter. Druck auf der Brust? Schweißausbrüche? Einbildung. Und letzten Dienstag komme ich nach der Arbeit nach Hause, habe im Büro eine 300-Zeilen-Datei zur Bearbeitung bekommen und es haut mich um. Ich habe auf dem Sofa auf dem Rücken gelegen, mit einer Panikattacken vom Feinsten, Atemnot, Herzrasen, das volle Programm.

    Mittwoch morgen zum HA, der mich gleich für 3,5 Wochen krank geschrieben. Super schlechtes Gewissen wegen der Arbeit, Schuldgefühle, gleichzeitig aber auch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und ein bisschen letzter Rest Selbstschutz. Bisher hätte ich eine Krankschreibung immer abgelehnt, aber nun kann ich nicht mehr.

    Seitdem ich zusammen geklappt bin und beim Arzt war, denkt mein Körper anscheinend, er kann mir jetzt mal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Ich habe ständig Angstattacken, traue mich kaum aus dem Haus, beim Einkaufen kommen Panik und Schweißausbrüche.

    Am Freitag habe ich einen Termin bei einer Psychotherapeutin für die erste medikamentöse Einstellung. Aktuell bester Termin für eine Therapie ist im Oktober.

    Ich habe so viele Ängste gerade, dass ich mir für das Gespräch am Freitag schon eine Liste geschrieben habe. Wenn ich mir vorstelle, ich sollte nach den 3,5 Wochen wieder arbeiten gehen, zieht sich in mir alles zusammen und ich bekomme keine Luft mehr. Gleichzeitig habe ich Angst, dass man mich als Simulantin betrachtet.

    Sorry für meinen langen Beitrag, musste mich nur mal irgendwo erleichtern und ich denke, hier kann man meine Gefühle und Empfindungen nachvollziehen.

    Danke fürs Lesen

    Liebe Grüße
    Atemlos

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    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Liebe Atemlos,

    erstmal willkommen hier!

    Und gut:
    Gut, dass Du beim Arzt warst.
    Gut, dass der Dich erstmal aus der Schusslinie nahm.
    Gut, dass Du zur Psychotherapie gehst.

    Ich kann mir jetzt vorstellen, dass Du vielleicht schon früher etwas "gemerkt" hast, aber das spielt ja im Grund keine Rolle. Jetzt hat Dein Körper die Notbremse gezogen - und das ist der erste Weg zur Besserung.

    Vielleicht ist ein stationärer Aufenthalt erstmal besser? Solche Panikattacken können ja ganz furchtbar sein – sagt hier jemand, der jahrzehntelang den Absprung nicht wirklich gepackt hat :-/

    Ich wünsche Dir Mut und eine gute Therapeutin!

    Gruß
    Rowan aus dem Rheinland

    für unser Spitzchen

  3. User Info Menu

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Liebe Rowan,

    Danke für deine aufmunternden Worte.

    Auf jeden Fall habe ich meine Abwärtsspirale schon früher gemerkt, Jahre früher. Aber ich habe halt immer gedacht, ich muss weiter machen, stark sein.

    Ich lebe seit drei Jahren allein in Bayern, mein Mann noch in NRW. Es war geplant, dass er nachkommt, dann wurde er arbeitslos, krank (Rücken), Reha, fand wieder einen Job, dann wieder arbeitslos. Bevor er jetzt zuletzt arbeitslos wurde, war der Plan, dass ich Ende des Jahres wieder hoch ziehe, damit wir endlich wieder zusammen sind. Jetzt weiß ich nicht, wie alles gehen soll. Ende Oktober läuft sein ALG aus, bekommt dann nichts mehr, weil ich zuviel verdiene - trotz doppelter Haushaltsführung wäre ich mit meinem Gehalt für alles allein zuständig. Dazu noch die Situation bei mir im Büro.

    Ich weiß einfach nicht, wie alles jetzt weiter gehen soll, wollte unbedingt an der Arbeit festhalten, um unseren Lebensunterhalt zu sichern. Und ab 50 ist es für ihn schon so schwer, etwas neues zu finden. Musste auch ihn immer mit aufbauen, weil die Arbeitslosigkeit an ihm zerrt.

    Könnte schon wieder so heulen.

    Liebe Grüße
    Atemlos

  4. Inaktiver User

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    ich kenne einen solchen Fall aus meinem Umfeld.
    Es gibt bei uns für den Ernstfall ein Kriseninterventionszentrum. Das musste derjenige damals in Anspruch nehmen. Er bekam Mirtazapin zum Schlafen, das nahm er 4 Jahre und hat es dann ausgeschlichen. Und Psychotherapie. Das war die andere Stütze. Und irgendwann ist aus dem zerrissenen Menschen wieder ein Mensch geworden, der seinen Alltag ganz leicht bewältigt. Und sich aber auch selber zu reglementieren gelernt hat!
    Wir denken alle immer - ohne uns gehts nicht im Job ! Geht aber doch - und Du wirst hoffentlich bald merken, dass der Druck abfällt.
    Alles Gute.

  5. User Info Menu

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Liebe angili,

    danke. Ich war leider immer sehr pflichtbewusst, habe immer das Gefühl gehabt, mich beweisen zu müssen, habe 110% gegeben. Es war direkt ein Schock, so "wehleidig" zu sein. Ich habe immer als Witz gesagt: Klar bin ich ersetzbar, fragt sich nur, durch wie viele." Ich habe alles gegeben, selbst unter den bescheuertsten Umständen. Ich habe meine Arbeit geliebt.

    Und jetzt, noch ohne wirkliche Medikamente und ohne Therapie, bin ich mir sicher, diesen Job nie wieder so machen zu wollen...

    Liebe Grüße
    Atemlos

  6. Inaktiver User

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Zitat Zitat von Atemlos67 Beitrag anzeigen
    Liebe angili,

    Und jetzt, noch ohne wirkliche Medikamente und ohne Therapie, bin ich mir sicher, diesen Job nie wieder so machen zu wollen...
    Zu dieser Erkenntnis muss ich Dir zunächst gratulieren. das ist doch schon der Beginn einer Wandlung zum Besseren. Ich kann Dir ganze Romane darüber erzählen, wie ein solcher Zustand sich auf die Mitmenschen auswirkt. Ich hoffe, Du hast Deinen Mann noch nicht emotional in dieses strudelnde Boot gezogen. Die Angehörigen sind immer die Ersten, die den Rundumschlag spüren. Hoffentlich kannst Du das verhindern. Deinem Mann geht es sicher so und so schon mies. Ich weiss gar nicht, ob Du das verstehen kannst, was ich da schreibe?
    Ganz wichtig ist es, sich einen Behandler in einer Psychiatrie zu suchen, der sich Zeit für Dich nimmt. Deshalb wäre diese Krisenintervention eine gute Anlaufstelle.
    Ggf. lässt Du Dich einweisen und dort führst Du erste Gespräche und lässt Dir die Medikamente verordnen. Ich hab keine persönliche Erfahrung mit Medis - aber ich habe gesehen, wie sie einen Menschen wieder auf die Beine stellen. Und leider habe ich auch gesehen, dass diese Menschen sehr ungerecht gegen ihre unmittelbarsten Vertrauten werden. Aber auch das geht vorüber - man muss das nur mit einkalkulieren.
    Du tust mir so leid, bist Du denn wenigstens abgesichert für den Fall, dass Du wirklich aus gesundheitlichen Gründen nicht zurück in diesen Job kannst? BU ?

  7. User Info Menu

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Ich versuche immer noch, meinen Mann zu unterstützen und zu motivieren, so sehr ich kann. Ich könnte es mir nie verzeihen, ihn im Stich zu lassen. Es ist mir schon schlimm genug, dass er sich Sorgen um mich macht.

    Durch die letzten Jahre mit doppelter Haushaltsführung und Arbeitslosigkeit und allem sieht es bei uns finanziell nicht wirklich rosig aus, mit BU und ähnlichem ist nichts, leider. Ich hoffe, dass er schnell etwas findet, damit ich dann endlich wieder nach Hause kann, dann wäre ein großer Batzen schon mal weg. Wobei, wenn ich meine angefangene Liste anschaue, trotzdem noch genug zum Abarbeiten bei mir übrig bleibt....

  8. Inaktiver User

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Diese angefangene Liste legst Du gleich mal beiseite. Listen haben die Angewohnheit, sich selbst zu erledigen. Am besten man sperrt sie in Schubladen !!! Und nach 3-4 Wochen schaut man nach, daneben stellt man einen Papierkorb, in den die sich selbst erledigten Dinge gleich abwandern. Probiers mal.
    Und jetzt darf Dich Dein Mann auch mal motivieren. Seine Rückenerkrankung ist ihm ja nicht neu und Patient bist nun DU !

    Du wirst - falls privat versichert - lange Krankengeld bekommen. Auch bei der GKV gibt es 78 Wochen lang KG. Aber Du solltest darauf achten, dass Du da keine Unterbrechung und Kündigung in der Zeit - oder einen Wechsel der Diagnose drin hast. In 78 Wochen kann man viel erreichen.
    Und vielleicht suchst Du Dir - in weiter Ferne zeitlich gesehen - mal einen ganz anderen Job in NRW.
    Das Leben geht weiter!

  9. User Info Menu

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    Er motiviert mich, so gut er kann :-)

    Ich hatte über das Wochenende schön Angst, dass die Ärztin, wo ich am Freitag hin gehe, mich als Simulantin bezeichnet. Dass sie sagt, ich müsse nach den drei Wochen wieder arbeiten gehen. nicht falsch verstehen, ich bin nicht faul und will mich drücken, aber mir steigt schon wieder der Druck auf der Brust, wenn ich dran denken sollte, da demnächst wieder hin zu gehen.

  10. Inaktiver User

    AW: Erschöpfungsdepression - neu dabei

    ach klar - Du hast immer funktioniert, wie sollst Du denn auch annehmen, dass Dich jemand verstehen kann. Aber glaube mir, die Ärztin wird Dich sicher nicht fü eine Simulantin halten. Meine Tipps mit KG betreffen natürlich den Zustand, in dem Du Dich momentan befindest. Bestimmt bekommst Du sogar eine Reha - evtl. sogar mit Deinem Mann.
    Das wäre doch ein schöner Anfang für Euer neues gemeinsames Leben.

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