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    Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    Ich bin seit November 2011 mit meinem Freund zusammen. Dass er eine schwierige Zeit hinter sich hat (seine letzte Freundin hat Borderline, hat sich selbst verletzt und immer wieder damit gedroht, sich umzubringen), wusste ich von Anfang an. Auch, dass das Verhältnis zu seinen Eltern, vor allem zu seinem Vater, schwierig ist. Zwischen uns war aber alles wunderbar und er hat mir immer wieder gesagt, dass es ihm seit Jahren nicht so gut ging wie mit mir und dass ich die Frau bin, die er sein Leben lang gesucht hat.

    Als wir fast drei Monate zusammen waren, hatte er viel Stress mit seinem Studium und es ging immer schlechter. Bis er dann Mitte März morgens heulend vor seinem Computer saß, nicht schlafen konnte und nicht essen wollte. Ich habe daraufhin mit ihm geredet und er ist ziemlich zusammengebrochen und hat mir vieles erzählt. Dadurch und weil ich auch schon einiges über Depressionen gelesen hatte, war mir schnell klar, dass die Symptome absolut typisch sind.

    Ich konnte ihn überreden, zum Arzt zu gehen. Der Arzt hat ihn glücklicherweise schnell zum Psychiater überwiesen und nun nimmt er seit April Antidepressiva (Cipralex). Seit er die Tabletten nimmt, kann er sich endlich wieder konzentrieren und hat sich in sein Studium gestürzt. Er hat es aber nicht geschafft, sich einen Therapeuten zu suchen (viele Absagen, Frust etc.). Deshalb habe ich mich nach zwei Monaten darum gekümmert; dafür war er sehr dankbar und war nun auch schon fünfmal bei der kognitiven Verhaltenstherapie.

    Ich habe also einen depressiven Partner, der sich unbedingt helfen lassen will und offen mit mir redet, und die ärztliche Versorgung hat halbwegs schnell funktioniert. Klingt toll, oder? Ich bin mir sicher, dass viele Angehörige und Partner einen viel schlimmeren und vor allem längeren Leidensweg hinter sich haben. Und trotzdem komme ich nicht besonders gut mit der Situation zurecht. Irgendwie hatte ich wohl gehofft, man nimmt ein paar Pillen ein und die machen alles wieder gut, aber so einfach ist es ja wohl nicht.

    Wir sehen uns seit Mitte März eigentlich nur ein- bis zweimal pro Woche (da wir uns ja noch nicht so lange kannten, als die Depressionen anfingen, wohnen wir natürlich nicht zusammen). Er ist lieb zu mir und nimmt mich auch mal in den Arm, aber will mich nicht küssen (ein Küsschen ist okay, aber kein Knutschen), außer beim Sex (ja, wir haben Sex, ab und zu zumindest). Er meldet sich ganz selten von sich aus, manchmal reden wir tagelang gar nicht. Aber wenn, dann sag ich pausenlos nette Dinge zu ihm. Ich habe auch den Eindruck, dass ihm das gut tut, aber es kommt quasi nie was zurück, und das kostet mich wahnsinnig viel Energie. Alles läuft immer nach seinen Regeln: Wir sehen uns, wenn er es will, wir reden, wenn er es will, wir haben Sex, wenn er es will.

    Nun weiß ich genug über Depressionen, um zu wissen, dass das alles ganz normal ist. Ich versuche, nichts zu erwarten und nichts zu verlangen. Aber das klappt einfach nicht immer. Manchmal bin ich so enttäuscht und sauer und verletzt und fühle mich so zurückgewiesen, dass ich das einfach nicht runterzuschlucken kann. Obwohl ich ganz genau weiß, dass ich es damit nur schlimmer mache. Und obwohl ich weiß, dass er will, aber nicht kann. Einmal hat er zu mir gesagt: "Was für dich zu wenig ist, ist für mich schon zu viel", und irgendwie stimmt das auch. Er macht sich entsetzliche Vorwürfe, weil er nicht auf meine Bedürfnisse eingehen kann(das ist ja offenbar auch total typisch). Und ich komme mir wahnsinnig selbstsüchtig vor: Meinem Freund geht es schlecht, er hat einen Riesenhaufen Probleme, aber ich reduziere das in meinem Kopf fast ausschließlich auf unsere Beziehung.

    Ich frage mich, wie lange soll das nun noch so weitergehen? Wird es irgendwann besser? Was können wir, was kann ich anders machen? Ich will doch keine Belastung sein, sondern eine Hilfe…

  2. Inaktiver User

    AW: Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    ich kann dir nur raten: gehe auf abstand, habe ihn lieb und lebe gleichzeitig DEIN leben!

    du bist nicht sein therapeut!

  3. User Info Menu

    AW: Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    Liebe brighid,

    danke für deine netten Worte! Genau das versuche ich ja auch (mein Leben leben). Trotzdem schwingt bei allem Sorge und Traurigkeit mit. Und die Angst, dass es zwischen uns nie wieder gut wird und dass ich es für ihn und für mich nur unnötig schwerer mache, wenn ich an der Beziehung festhalte.

    Es gibt Phasen, in denen es schlimmer ist (eine zeitlang wollte er z. B. gar nicht, dass ich ihn frage, wann wir uns sehen, er wollte nicht über Nacht bei mir bleiben, usw.), und Phasen, in denen es schon irgendwie geht. Aber insgesamt hat sich die Situation zwischen uns weder durch die Tabletten noch durch die Therapie geändert. Oder bin ich da einfach zu ungeduldig?

  4. Inaktiver User

    AW: Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    wenn dir danach ist: es gibt ein sehr gutes buch:

    depressionen, helfen und sich nicht verlieren. ein ratgeber für freunde und familie von huub buijssen im beltz-verlag.

    die tabletten sind nur ein erste-hilfe-koffer um den alltag ansatzweise meistern zu können- und die therapie braucht zeit.

    vielleicht kannst du dich auch in einer selbsthilfegruppe für angehörige umschauen?

  5. User Info Menu

    AW: Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    Das Buch werde ich mir gleich mal bestellen. Ich habe "Mit dem schwarzen Hund leben" von Ainsley und Matthew Johnstone und das hat mir schon sehr weitergeholfen. Ich finde ja auch, es tut gut zu lesen, dass das das eigentlich alles "ganz normal" ist und ich sein Verhalten wirklich nicht persönlich nehmen sollte. Aus dem Grund wäre so eine Selbsthilfegruppe sicher auch eine gute Idee. Nur muss ich immer ziemlich lang arbeiten, das könnte schwierig werden...

  6. Inaktiver User

    AW: Bin ich meinem depressiven Freund wirklich eine Hilfe? Oder doch eher Belastung?

    möglich, dass du hier im internet ein forum zu dem thema findest.

    hier gibts schier alles. (habe ich schon gelernt)

    und der schwarze hund ----------- ist gut.

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