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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    Hallo liebe Zwilla,

    Dank für Deinen Bericht.
    Ich darf vorausschicken,
    ich befasse mich seit Jahren sehr intensiv mit bestimmten psy. Erkrankungen,
    so auch mit Depressionen und Anorexia Nervosa (Magersucht)
    aus rein wissenschaftlichem Interesse!
    So betreue ich seit über einem Jahr eine ANO-Patientin, das Thema ist äußerst komplex
    völlige Genesung extrem schwierig. Dennoch stellen sich jetzt erste Erfolge ein.
    Ich bin eingebunden in eine Forschungsprogramm, das sich seit 10 Jahren mit dem
    mit dem Thema befasst.

    Bei beiden Erkrankungsformen zeigt sich immer wieder, dass Ärzte relativ hilflos sind.
    Bei Anorexia Patientinnen gilt das durchgängig. Es gibt kaum Kliniken, die in der Lage sind,
    diese schwerste Erkrankung in den Griff zu bekommen
    . Daher sind wir auch bemüht, neue Wege zu suchen,
    da die Schulmedizin hier absolut versagt.
    Ich bin für jede Rückmeldung von ANO Patientinnen äußerst dankbar,
    die mir über Ihre Erkrankung berichten, natürlich absolut vertraulich gerne auch an eine weitere private EMail ADR.
    Dies nur am Rande.

    Zu Deinem Problem.
    Danke für Deine umfangreiche Schilderung.
    Eine Ferndiagnose ist kaum möglich, es sieht zumindest so aus,
    als sei er an einer mittelschweren Depression erkrankt.
    Ich habe in einem kleine Ratgeber die folgenden Kriterien zusammengestellt:


    Wie äußert sich die Depression?

    • „Der Erkrankte“ kann nicht mehr auf eine, durch Partner, Freunde und Verwandte hergestellte freundliche Zuwendung, reagieren, nichts vermag ihn aus seiner tiefen Niedergeschlagenheit zu befreien. Er ist in einer Situation gefangen, die durch Schwäche, Interessenlosigkeit, totale Erschöpfung und verminderte Konzentrationsfähigkeit gekenn-zeichnet ist.
    • Er grübelt über den Tod und darüber, dass das Leben nicht länger lebenswert ist.
    • Ein innerer Zustand unerklärbarer Spannung, Unruhe und Rastlosigkeit und Angst stellt sich ein. Es ist, als kreise ein Mühlrad in einem, fortdauernd und unaufhaltsam.
    • Schlafstörungen stellen sich ein, Durchschlafstörungen, das Aufwachen wird immer weiter zurückverlagert. Dazu kommt ein unstillbares Schlafbedürfnis, das Bedürfnis, den gesamten Tag im Bett zu verbringen.
    • Sexuelle Bedürfnisse treten vollkommen in den Hintergrund.
    • Besonders morgens erscheint das Leben sinnlos und schwer, das Aufstehen wird zur absoluten Qual.
    • Der Depressive leidet unter dem Zwang, denken zu müssen ohne denken zu können.
    • Ohne die vergangenen Probleme lösen zu können verstrickt er sich in Grübeleien, die ihn völlig blockieren. Es kommt zu einem unglücklichen Kreislauf, der Kranke kommt nicht mehr zur Ruhe, dies wiederum verstärkt die Angst, der ein Depressiver umso schonungsloser ausgesetzt ist, je wacher und klarer er seinen Zustand analysieren kann.
    • Die Ängste nehmen in dem Maße zu, je angestrengter man nach einem Ausweg aus diesem Alptraum sucht.
    • Es scheint, dass sich der Depressive in einer kleinen Kammer selbst zumauert, bis der Kontakt zur Außenwelt mehr und mehr schwindet.

    Gerade der letzte Punkt ist die Ultima Ratio der Seele, um weiteren Schaden fernzuhalten. Wie in einem „Notaus“ werden alle Sensoren zur Außenwelt abgeschaltet, alle Drähte nach außen und nach innen werden gekappt. Damit können fremde, unheilvolle Kräfte der Seele keinen Schaden mehr zu-fügen. Man könnte dies als Selbstschutzfunktion sehen, bevor weiteres Unheil passiert. Der Depressive schützt sich durch eine selbst auferlegte Isolation. Die Entfernung zu Freunden und Verwandten wird immer größer, dies ist umso schmerzlicher als dass man sich in dieser Situation geradezu nach Zuwendung und Liebe sehnt.


    Bitte antworte nochmals in aller Kürze auf diese Kriterien
    Treffen diese zu ? Ja oder Nein. Bitte nur Haken dranmachen.

    Wenn auch die behandelnden Ärzte eine Depression annehmen, so musst Du im Interesse Deines Kindes sofort handeln.
    Die meisten Mitmenschen nehmen diese Erkrankung auf die leichte Schulter, ebenso leider sehr viele Ärzte.

    Daher, wenn es so ist, eine Person seines Vertrauens finden, die Ihn überzeugen kann , umgehend eine Klinik stationär aufzusuchen. Da ist gar nichts dabei - was sind 2-3 Monate in Abwägung gegen ein verlorenes Leben.
    Du selbst wirst das nicht schaffen können. Dir fehlt die Distanz.

    Ich hab einen Fall, der mir sehr nahe gegangen ist. Ein junger Student hat Probleme mit seiner Freundin,
    man trennt sich, er leidet.
    Er ordnet morgens seine Sachen, keiner merkt etwas. Die psy. Klinik, die er in seiner Verzweiflung aufsucht,
    hält den Fall nicht für akut, da er einen gut orientierten Eindruck macht - er solle sich wieder melden. Abends ist er tot.

    Bitte den Fragenkatalog nochmals durcharbeiten.

    Wenn seine Freundin ggf. auch depressiv sein sollte, dann ist der Umgang absolut kontraproduktiv,
    verbieten ist aber nicht angebracht!! Auch hier wäre der stat. Aufenthalt das Richtige.
    In welcher Gegend - nur ungefähr- lebst Du ?. Ggf. kenne ich eine gute Klinik in der Nähe.

    Ich melde mich, sobald ich Dine Antworten habe.

    LG
    paros
    um ein wertvolles Mitglied einer Schafherde werden zu können,
    muss man entweder selbst Schaf sein oder bellen können
    .

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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    Liebe Paros, (oder bist Du ein Mann???)

    vielen Dank!!!
    Ich bin heute Vormittag auch einen Schritt weiter gekommen. Wir hatten den Termin beim Amtsrichter und mein Sohn ist mitgegangen. Nun liegt hier in der Klinik (Uniklinik Niedersachsen) der Bescheid vor, dass er auch gegen seinen Willen dort sofort auf die Geschlossenen kommt. In Absprache mit der Therapeutin dort lassen wir diesen Druck von außen nun auf ihn wirken. Sie schätzt ihn als nicht akut gefährdet ein. Ich habe ihn nach dem Termin mit nach Hause genommen, er war sehr gereizt, was ja verständlich ist. Eine halbe Stunde später hat er dennoch mit mir gegessen, das hätte ich nicht geglaubt. Danach habe ich ihm gesagt, dass ich diese Schritte tue eben weil ich ihn so liebe und das ich will, dass er wieder lachen kann. Er hat sich dies angehört und ist dann erst in sein Zimmer gegangen. Nun kommt seine Freundin einmal her, sagte er mir grad und er wollte noch etwas Obst einkaufen gehen. Morgen haben wir noch einen Termin in der Klinik. Die sagen, sie nehmen ihn auch in die offene, wenn er jetzt kommt, weil er merkt, dass es nicht mehr anders geht. Das wäre gut. Da könnte er ab Montag hin. Ich gucke gerade, dass ich über das Wochenende mit ihm wegfahre. Habe ich ihm grad gesagt und vielleicht klappt das. wäre gut.

    Hier meine Häckchen ...


    • „Der Erkrankte“ kann nicht mehr auf eine, durch Partner, Freunde und Verwandte hergestellte freundliche Zuwendung, reagieren, nichts vermag ihn aus seiner tiefen Niedergeschlagenheit zu befreien. Er ist in einer Situation gefangen, die durch Schwäche, Interessenlosigkeit, totale Erschöpfung und verminderte Konzentrationsfähigkeit gekenn-zeichnet ist. JA


    • Er grübelt über den Tod und darüber, dass das Leben nicht länger lebenswert ist. weiß ich nicht, sagen aber alle, die mit ihm gesprochen haben, dass er das sagte.

    • Ein innerer Zustand unerklärbarer Spannung, Unruhe und Rastlosigkeit und Angst stellt sich ein. Es ist, als kreise ein Mühlrad in einem, fortdauernd und unaufhaltsam.JA

    • Schlafstörungen stellen sich ein, Durchschlafstörungen, das Aufwachen wird immer weiter zurückverlagert. Dazu kommt ein unstillbares Schlafbedürfnis, das Bedürfnis, den gesamten Tag im Bett zu verbringen. JA

    • Sexuelle Bedürfnisse treten vollkommen in den Hintergrund. - keine Ahnung ....

    • Besonders morgens erscheint das Leben sinnlos und schwer, das Aufstehen wird zur absoluten Qual.- kann ich so noch nicht sagen, habe ihn jetzt aber auch schon lange nicht mehr morgens erlebt oder ihn morgens wecken müssen.

    • Der Depressive leidet unter dem Zwang, denken zu müssen ohne denken zu können. weiß ich nicht

    • Ohne die vergangenen Probleme lösen zu können verstrickt er sich in Grübeleien, die ihn völlig blockieren. Es kommt zu einem unglücklichen Kreislauf, der Kranke kommt nicht mehr zur Ruhe, dies wiederum verstärkt die Angst, der ein Depressiver umso schonungsloser ausgesetzt ist, je wacher und klarer er seinen Zustand analysieren kann. weiß ich nicht

    • Die Ängste nehmen in dem Maße zu, je angestrengter man nach einem Ausweg aus diesem Alptraum sucht.weiß ich nicht
    • Es scheint, dass sich der Depressive in einer kleinen Kammer selbst zumauert, bis der Kontakt zur Außenwelt mehr und mehr schwindet. könnte auf ihn ansatzweise passen, so wie ich ihn erlebe.

    Danke schon einmal und ich hoffe, so sehr, dass er nun dem Druck nachgibt und sich helfen lässt. Werde auch gleich noch einmal mit seiner Freundin sprechen und ihr sagen, wie wichtig es für ihn ist.

    Liebe Grüße
    Zwilla

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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    OK Zwilla,

    das ist ein erster Anfang.
    Danke für die Beantwortung des Fragenkatalogs.
    Mich wundert, dass der Richter/die Richterin des Betreuungsgerichtes ohne schriftliche, ärztliche Stellungnahme tätig wurde.
    Dies wäre unzulässig (ohne Gutachten), aber in diesem Falle ist das gut für Deinen Sohn
    und der Richter hat weise entschieden.

    Wenn er also zunächst auf die geschlossene Station kommen sollte,
    keine Angst!! - das ist für einen Außenstehenden nicht gerade das Paradies - eher das Gegenteil.
    Aber was mut, das mut.

    Ich gestatte mir jetzt schon darauf hinzuweisen - es gibt im Normalfalle keine schnelle Genesung.
    Ich kenne jedoch Fälle, bei denen der Erkrankte innerhalb 4 Wochen wieder auferstanden ist,
    als sei nichts gewesen.
    Aber unter der Medikamentation von Cipralex/Cipalopram/Trevilor kann er erst einmal abschalten.
    Man wird ihn dann sehr schnell auf eine offene Stat. verlegen können. Und wenn man ihn nach außen hin abschirmt, auch gegen Dich - dies ist gut für seine Seele.

    Unterrichte mich bitte mal weiter,
    ich wünsche Euch gute Besserung.

    Kopf hoch.
    Wichtig ist der allererste Schritt, den er aber in seinem Geiste selbst nachvollziehen muss:
    Ich bin einfach nur momentan krank,
    das ist nicht meine Schuld,
    ich brauche Hilfe,
    also lasse ich mir helfen.

    LG
    paros
    um ein wertvolles Mitglied einer Schafherde werden zu können,
    muss man entweder selbst Schaf sein oder bellen können
    .

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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    Wow, liebe Zwillla,

    ich bin erstaunt und freue mich, dass du den Schritt gegangen bist und deinem Sohn klar machen konntest, wie es nun weiter gehen wird - echt prima gemacht - da klopfe dir mal ganz kräfig auf die Schulter :)

    Auch wenn es dir vielleicht so erscheint, dass dein Sohn damit nicht wirklich einverstanden ist (Klinikaufenthalt), sieht es doch aufgrund deiner Beschreibungen so aus, dass er sich damit abfinden wird, vllt. auch merkt, dass er Hilfe von Außen braucht.
    Deine klare und ruhige Haltung wird ihn veranlassen, das zu tun, was nötig ist.

    Alles Gute für deinen Sohn und dich.

    ---

    Hi Paros,

    war sehr spannend, deine Ausführungen zu lesen, danke dafür :)

    Euch ein schönes WE

    Kekole

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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    Hallo ich habe deinen Beitrag gelesen, da ich in der selben Situation bin, in der Du offensichtlich vor ein paar Jahren gewesen bist. Mein Sohn, 20 Jahre alt, hat ebenfalls eine Depression - das wurde bisher von keinem Arzt festgestellt, eben weil er ebenfalls jegliche Hilfe ablehnt. Wenn er zum Arzt geht, dann schildert er da nur seine körperlichen Symptome, wie Müdigkeit, Durchfall und Herzrhytmusstörungenn ect.. aber er sagt keinem Arzt, wie sein Leben seit einem Jahr aussieht - dass er nur noch in seinem Zimmer sitzt, tagsüber schläft und den ganzen Tag vor dem PC verbringt, keinerlei soziale Kontakte mittlerweile mehr hat und seit einem halben Jahr nicht mehr an die Uni geht. Niemand, der das nicht selber erlebt hat, kann das begreifen - es kommen viele "gute" Ratschläge, die von rauswerfen bis sonstwas gehen, aber das Umfeld begreift nicht, dass es sich nicht um Faulheit handelt, sondern um eine Krankheit. Mein Sohn selber lässt auch überhaupt nicht mehr mit sich reden und ich bin genauso verzweifelt wie Du es gewesen bist, weil man einfach nicht mehr weiter weiss, Mich würde sehr interessieren, was aus deinem Sohn geworden ist und wie es ihm heute geht?? ich würde mich über eine Nachricht sehr freuen

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    AW: suche eltern von "depressiven" jugendlichen

    Hallo,
    Ich kann nur sagen, dass die Zwangseinweisung auch Leben retten kann. Bei unserem Kind haben wir es mit den Depressionen nicht wahrhaben wollen und dann hat es den Suizidversuch gegeben- Gottseidank ist es schiefgegangen. Aber uns wurde dann die Zwangseinweisung „verordnet“. Seitdem ( seit Jahren) machen wir uns Vorwürfe, dass wir nicht früher etwas unternommen haben. Je eher man sich Hilfe holt, desto besser. Ganz viel Kraft wünsche ich Dir!

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