Hallöchen, mich würde mal interessieren, wie eure Freunde, Lebenspartner, Männer mit euren Depressionen umgehen? Kann eine Beziehung mit einem immer wieder depressiven Menschen überhaupt funktionieren oder ist es für einen Mann eine Zumutung? Ich weiß, dass fast alle Männer fröhliche und selbstbewusste Frauen mögen. Aber man kann sich doch auf Dauer nicht verstellen.
Ich selbst hatte immer mal wieder depressiver Phasen, nicht allzu schlimm und mit citalopram behandelt, aber mein Mann hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgezogen und sich nun ganz von mir getrennt. Meine große Tochter hatte vor ca. 2 Jahren selbst eine schwere Deression mit Klinikaufenthalt, was meine eigene wieder stark aufleben ließ. Mein Mann hat immer versucht, sich aus dem ganzen Psychokram rauszuhalten. Ich weiß nicht, was ich hätte tun sollen, um unsere Ehe zu retten.
Gibt es evtl. jemanden mit positiven Erfahrungen? Danke für eure Antwort!
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19.03.2011, 23:15
Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
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20.03.2011, 16:27Inaktiver User
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Hallo,
als ich das 1. Mal weinte und meinte, ich wäre lieber tot, hat mein Mann mit mir geschimpft, was ja alles noch schlimmer gemacht hat. Ich denke, dass meine Tochter mit ihm geredet hat, denn er hat sich dann anders, nämlich verständnisvoll. verhalten.
Nur Tabletten gegen Depressionen nehmen, nützt sicher nicht auf Dauer. Eine Therapie machen ist besser. In diese Therapie hätte dein Mann mit einbezogen werden müssen.
Ich habe drei Jahre eine Therapie gemacht. Es hat mir gut geholfen. Habe da auch gelernt, mit meinem Mann Gespräche darüber richtig zu führen.
LG
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20.03.2011, 18:13
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Ich hab auch 2x in den letzten 10 Jahren eine Psychotherapie gemacht, da wurde aber nie mein Mann mit einbezogen. Ja, im Nachhinein weiß ich, wir hätten das machen müssen...
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20.03.2011, 18:23
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Meine Frau ist vor über drei Jahren an Depressionen erkrankt. Sie wurde anfangs von ihrem Hausarzt auf alles Mögliche behandelt, bis er ihr sagte, er überweise sie an eine Psychiaterin. Das wollte sie nicht, weil sie sich nicht als verrückt sah.
Ich stand und stehe dieser Erkrankung immer noch ziemlich hilflos gegenüber. Ich habe versucht meine Frau zu stützen, ihr sehr gut zugeredet, als sie ziemlich bald in die gemeindenahen Psychatrie für 4 Wochen aufgenommen wurde. Dort konnte ich sie jeden Abend besuchen. Später kam sie in eine 6-Wochenrehamaßnahme, die ihr offensichtlich sehr gut tat. Dort allerdings konnte ich sie nur noch am Wochenende besuchen.
Danach bekam sie eine Gesprächtherapie, die gut anlief, aber die Therapeutin zog nach 3 Monaten in eine andere Stadt um. Mit solchen Umbrüchen kommt meine Frau bis heute sehr schlecht klar. Wenn Dinge sich ungeplant ändern, wirkt sie sehr bedrückt.
Reden? Ja, aber sie hat mir kaum etwas von ihren Gefühlen mitgeteilt. Ich habe gelernt, nur noch zuzuhören, kaum Fragen zu stellen, nichts zu bewerten. Und ich habe vor allem mit Hilfe einer Angehörigengruppe gelernt, dass ich nicht Schuld an ihrer Erkrankung bin, dass ich meinen ganz normalen Arbeitsalltag lebe und damit mir helfe Geduld aufzubringen. Und die ist nötig!
Schon in der Gemeindepsychatrie fiel mir auf, dass eine der Behandlungsmöglichkeiten war, den Tag sehr genau zu takten. Pünktlich aufstehen, pünktlich zum Gruppenfrühstück, pünktlich zu den Arztterminen, zum Sport und andere Therapien. Schien für viele junge Patienten dort ein Riesenproblem zu sein. Nicht wenige sind einfach abgehauen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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20.03.2011, 20:23
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Da kann deine Frau aber froh sein, lieber opelius, dass du dich so mit ihrer Krankheit auseinander gesetzt hast und sie dabei unterstützt. Mein Mann hat das nie als Krankheit akzeptiert, es war bei mir auch nie so schlimm, dass ich einen Totalausfall hatte. Ich musste immer stark für meine Töchter sein und war eben nur ganz viel traurig und erschöpft Das hat ihn anscheinend immer nur genervt. Ich habe ihn damit seiner Fröhlichkeit beraubt und er hat sich immer mehr zu anderen, eben fröhlicheren (und oberflächlicheren) Menschen hingezogen gefühlt und mir immer weniger zugehört hat. Das ging nun über Jahre und ich hab mich irgendwann so ungeliebt und unglüclich gefühlt, dass ich ihm die Trennungsfrage gestellt habe, auf die er sofort eingegangen ist. Nun ist es so gekommen und es gibt wohl auch kein Zurück mehr. Ich wünsche allen depressiven Menschen einen Partner oder eine Partnerin, der/die mit dieser Krankheit umgehen kann und bereit ist, vorübergehende Abstriche am eigenen Leben hinzunehmen.
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21.03.2011, 10:32
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
ich hatte ja auch das Glück, dass mir eine der Ärztinnen empfahl zur Angehörigengruppe von "das Dach" zu gehen, weil ich überhaupt nicht mit der Erkrankung meiner Frau klar kam. Da war ich damals ein paar mal, es hat mir geholfen. Andere Ehepartner, vor allem Frauen berichteten, dass sie sich viel zu stark mit den Depressionen ihres Mannes identifiziert haben und ernsthaft drohten selbst ins Loch zu fallen.
"Abgrenzen, nicht Mitleiden, sich schützen und trotzdem zuverlässig da sein" - so ungefähr war die Devise.
Nun, bei uns hat es einigermaßen funktioniert - bei anderen aber nicht. Da kam es zum Knall und zu Trennungen, weil der Erkrankte zu viel Kraft absaugte und das nicht jeder aushalten kann.
So ganz spurlos ist die Erkrankung an mir nicht vorbeigegangen, sie scheint ansteckend zu sein wie Erkältungen. Ich erlebe depressive Phasen, die ich vorher nie kannte. Meine Frau ist vor allem nach der Reha ziemlich vergnügungssüchtig geworden, während ich kaum noch Lust verspüre zum Tanzen, ins Kino, ins Theater, zu Konzerten zu gehen oder bis in die Puppen fernzusehen. Ich brauche inzwischen deutlich mehr Schlaf, um den Tag zu meistern.
Ich würde Deinem Mann keine Vorwürfe machen, es ist sein Weg, um mit Deinen Depressionnen klar zu kommen. Ich habe anders gehandelt, bin mir aber nicht sicher, ob das besser war.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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21.03.2011, 19:58
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Lieber Opelius, ob das besser war, wird die Zeit zeigen. Ich finde es verständlich, dass das alles am Partner Spuren hinterlässt.
Ich finde es schön und hilfreich, dass du mal die männliche Sicht schilderst.
Hätte ich mich eher mit diesem Thema auseinandergesetzt, hätte ich vielleicht versucht, meinen Mann nicht so tief mit reinzuziehen, allerdings weiß ich nicht, ob mir das gelungen wäre. Ich hab immer gedacht, er ist stark und kann das alles ab - der Fels in der Brandung, aber das war er eben wohl nur nach außen. Ich mache ihm keine Vorwürfe, dass er jetzt geht, aber es ist schwer zu verstehen, dass er mich nie hinter seine Fassade schauen ließ. Ist das denn wirklich so schwer für einen Mann?
Ich finde es auch verständlich, dass deine Frau jetzt viel nachholt und das Leben wieder genießt. Ich glaube, das lernt man auch bei so einer Reha. Freu dich doch für sie, ich denke, dir geht es dann auch bald wieder besser. Und rede mit ihr über dich und deine Probleme. Wir haben das versäumt...
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21.03.2011, 20:00
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
schneckenpostfrau, auf spiegel online ist heute ein sehr guter artikel über depressionen, ihre verbreitung und den unterschied bei männern und frauen! ich möchte ihn dir dringend ans herz legen!
da ich gern eigenimitiative fördere, verlinke ich ihn hier nicht :-)
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23.03.2011, 12:38
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Hallo,
wie mein Mann mit meiner Erkrankung umgeht, war eher ein Prozess mit Höhen und Tiefen.
Insgesamt finde ich, dass er sehr gut damit umgeht.
Wir sind an der Stelle immer im Gespräch geblieben und für ihn war immer klar, dass der Umgang mit der Krankheit nicht allein mein Thema ist, sondern immer eine gemeinsame Aufgabe ist. Liegt vielleicht daran, dass er selbst eine körperliche Erkrankung hat, die sich nicht heilen lässt und die ebenfalls einen Umgang "im Team" erfordert.
Schwierigkeiten hatte er mit der Medikation (die bei mir jetzt dauerhaft sein dürfte), weil er Angst hatte, dass ich dadurch meine Persönlichkeit verändere. Aber das ist in der Zwischenzeit kein Thema mehr, er hat ja erlebt, dass sie mich nicht verändern, sondern mir helfen, klarer und gesünder zu sein.
Bei allem anderen unterstützt er mich im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Er hat sich durchaus klar von mir abgegrenzt, soll heißen, seine persönlichen Interessen nicht völlig hinter meine Bedürfnisse gestellt. Diese Abgrenzung hat mir anfangs überhaupt nicht gefallen, in der Zwischenzeit finde ich es gut und richtig so, weil mir so das Verharren in alten Mustern (Stichwort: positiver Krankheitsgewinn, den eine Depression auch hat) "verleidet" wurde und noch ein Grund entstand, etwas für mich zu tun.
Was sicher schwierig für ihn war (und manchmal auch noch ist), ist unterscheiden zu können, ob Verhalten und Tun meinerseits krankheitsbedingt ist oder ob es sich um ein "Paarproblem" handelt, das gar nichts mit meiner in der Depression verzerrten Wahrnehmung zu tun hat. Oder ob ich schlicht zu faul bin
Aber ich bin überzeugt davon, dass eine nicht so grundlegend stabile Beziehung wie die unsrige an der Krankheit zerbrochen wäre.
Lieben Gruß
SchlumbineEigensinn macht Spaß
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23.03.2011, 20:13
AW: Wie gehen eure Männer mit euren Depris um?
Ich bin auch depressiv, ziemlich übel sogar. Mein Mann hat viel Verständnis, versucht mich aufzurichten. Allerdings muss ich dazu sagen, dass er auch psychische Probleme hat (Angstzustände/Suchtproblem). Es ist mit ihm anstrengend, allerdings ist es für ihn auch anstrengend mit mir.
Wir sehen uns an, wenn wir nicht gut drauf sind und haben uns darauf geeinigt, uns gegenseitig in Ruhe zu lassen, wenn's zu schlimm wird.
Ich habe endlich nach langem Suchen eine Therapeutin gefunden, mit der ich arbeiten kann. Mein Mann sucht immer noch. Ich hoffe, er wird auch bald fündig.
Wir sind eigentlich ein gutes Team, wären wir gesund, wäre es sicherlich schöner. Aber das Leben ist halt hart.
Grüssle Woodstock
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**


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