Personenbeschreibung in aller Kürze: Weiblich. Ende zwanzig. Müde.
Erschöpft, antriebslos, mit Blei an den Füßen.
Nach sieben, acht oder neun Stunden Schlaf hält die Morgenmüdigkeit bis zum Mittagessen an – und nach dem Essen packt mich schon wieder die Erschöpfung.
Die Arbeit kommt nicht voran, drei Blätter Papier kommen mir vor wie ein Stapel, zuhause bleibt alles liegen, der Müll wird eine Woche oder länger nicht heruntergetragen, der Papierkram häuft sich auf. Interessen, Freizeitaktivitäten? Fehlanzeige.
Das Leben läuft an mir vorbei und ich gucke zu.
So geht es seit dem Pubertätsalter. Nach der Schule habe ich den Nachmittag oft komplett verschlafen, als Studentin bin ich morgens manchmal liegengeblieben und habe die Vorlesungen geschwänzt. Von den Veranstaltungen, die mich interessiert haben, habe ich kaum jemals die Hälfte durchgehalten.
Zum Lernen hatte ich keine Energie. Dafür großes Glück mit meinem Gedächtnis und meinem Auffassungsvermögen. Ich habe Abitur und Studium mit sehr guten Ergebnissen geschafft, ohne jemals viel zu investieren.- Ich hatte auch keine Ressourcen, die ich hätte investieren können. Ich war ganz einfach müde.
Sehr selten erlebe ich Phasen, in denen ich etwas weniger erschöpft bin und mir alles leichter von der Hand geht. Häufiger habe ich massive depressive Episoden. Im vergangenen Jahr war ich bedenklich nahe an den Bahngleisen.
Die Blutwerte sind unauffällig. Die Schilddrüse ist in Ordnung. Ein Schädel-MRT war ohne Befund.
Ein Antidepressivum bescherte mir schon in geringster Dosierung nach kurzer Zeit die ganze Palette der unerwünschten Nebenwirkungen- und machte mich unglaublich müde. Natürlich. Also habe ich es abgesetzt.
Der Psychiater rät zu einer Gruppentherapie. Seinen wohlgemeinten Ausspruch, dass man der Depression einen Sinn geben müsse, dass das Unterbewusste mir etwas mitteilen möchte, dass ich meinem Leben eine andere Richtung geben müsse – empfand ich fast als satirisch.
Wie soll ich denn eine andere Richtung einschlagen, wenn ich ohnehin auf der Stelle trete?
Das deutsche Wort von der „Lebensmüdigkeit“ trifft den Kern der Sache recht gut. Keine wilde Verzweiflung (meistens) sondern einfach nur der Wunsch, liegen zu bleiben...
Ich kann wohl noch sechzig Jahre lang leben. Diesen Gedanken finde ich nicht wirklich erbaulich.
Nach wie vor tappe ich im Dunkeln: Habe ich mit depressiven Episoden zu kämpfen, weil ich ständig müde bin? Oder ist die Müdigkeit Symptom einer chronifizierten Depression? Burn-out Syndrom, obwohl ich niemals gebrannt habe? Oder gibt es doch körperliche Ursachen, die bisher nicht gefunden wurden?
Hilft mir eine Psychotherapie? Tiefenpsychologisch- oder verhaltensorientiert?
Hat jemand eine Idee?
Danke im Voraus fürs Lesen.![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 24
-
23.01.2010, 22:03
Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
-
23.01.2010, 22:12Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Gibt es einen oder mehrere bemerkenswerte Einschnitte in Deiner Kindheit?
-
23.01.2010, 22:13Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Wow, das ist heftig!
Das, was du da beschreibst, kenn ich auch - ziemlich genau so... allerdings sind es bei mir nur Phasen, und so ganz schlimm zum Glück erst 1 x vor vielen Jahren (mir hatten Antidepressiva geholfen).
In leichteren Fällen hilft bei mir Sport & Ablenkung, auch wenn ich mich aufraffen muss, geht es mir dann besser. Im Winter ist es schlimmer als im Sommer....
Ist das bei dir tatsächlich immer so? Das ist echt kein Leben, damit würde ich mich auch nicht abfinden.
Dann solltest du unbedingt noch mal alles durchchecken lassen - Hormone wären bestimmt auch noch ein Punkt....
Hast du denn selbst Anhaltspunkte für eine psychosomatische Ursache?
-
23.01.2010, 23:08Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Mir fällt noch was ein: wie ist denn dein Nachtschlaf? Schläfst du durch, hast du das Gefühl, tief zu schlafen?
Hast du mal versucht, weniger zu schlafen, oder einen anderen Schlafrhythmus (früher/später ins Bett, früher aufstehen)?
Wenn du deinen Nachtschlaf als qualitativ schlecht empfindest: keine "Schläfchen" tagsüber - das versaut dir den Nachtschlaf.
Lohnt sich, das auszuprobieren, falls du da was wiedererkennst.
-
23.01.2010, 23:11
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Danke für Eure Antworten.

Ich hatte eine schöne Kindheit.
Viele schreiben hier von traumatischen Erlebnissen, Sucht, Gewalt, Missbrauch...
Bei mir gab es nichts dergleichen. Ich bin der letzte Mensch, der "objektive" Gründe für eine Depression hätte.
Was für ein Präparat war es bei Dir? Viele dieser Antidepressiva wirken ja eher sedierend. Deswegen habe ich diesen Versuch so schnell beendet.
Zitat von Inaktiver User
Kennst Du Dich da ein bißchen aus? Welche Hormone kämen in Betracht?Dann solltest du unbedingt noch mal alles durchchecken lassen - Hormone wären bestimmt auch noch ein Punkt....
Hast du denn selbst Anhaltspunkte für eine psychosomatische Ursache?
Die Ärzte haben sich immer sehr schnell auf psychosomatische Ursachen eingeschossen.
Wie gesagt: eigentlich habe ich so gute Ausgangsbedingungen und keinen Grund, am Leben zu scheitern.
Ich sitze am PC und bin mittel-müde.
Kürzlich war ich beim Einkaufen und habe nach Linsen-Eintopf gesucht, ihn aber nicht gleich gefunden. Immer wieder durch die Regalreihen marschiert, irgendwann das Richtige gefunden. Das hat mich angestrengt!
Mit 28 sollte man eigentlich in der Lage sein, eine Dose Linsen zu kaufen ohne sich zu überanstrengen.
Meine Großmutter hat manchmal die Nase voll vom Leben. Sie richtet sich das Frühstück, liest Zeitung, kocht sich etwas (immerhin!) anschließend ist sie schon wieder erschöpft und muss sich hinlegen.
Wenn ich sie so reden höre denke ich manchmal: Ja. Ich weiß, wie das ist. Mir geht es genauso.
Meine Oma ist fast 90.
-
23.01.2010, 23:18
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Welche Herausforderungen hast Du in Deinem Leben?
Gibt es Momente, in denen Du das Adrenalin spürst? Vielleicht nur kurz, aber genug, um Dich "belebt" zu fühlen?
Ich kenne Ansätze davon. Keine Depressionen. Aber so eine chronische Lebensmüdigkeit.
Es sind Herausforderungen, vor allem beruflich, die mich kurze Momente erhellen und mir Antrieb geben.
-
23.01.2010, 23:20
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Ich hatte eine Neigung zu ziemlich exzessiven Träumen, habe oft nachts um mich geschlagen und war am Morgen wie gerädert. Ich dachte schon, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.
Aber im letzten Jahr hat sich das fast vollständig verloren. (Mein Vater war als junger Mann Schlafwandler. Als er im selben Alter war wie ich jetzt, hat es aufgehört.) Ich schlafe jetzt viel tiefer und ruhiger als früher, aber an der Müdigkeit hat sich nichts geändert.
In den letzten Wochen habe ich sogar besonders gut geschlafen, aber die Müdigkeit ist ziemlich unverändert.
Tagsüber lege ich mich nicht hin - das würde meinen Bürokollegen irritieren.
-
23.01.2010, 23:32
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Ich arbeite an meiner Promotion. Keine kurzfristigen, klaren Zielvorgaben, keine vorgegebene Struktur, ich kann nach Belieben kommen und gehen.
Eigentlich ist das eine einzige Herausforderung, aber zu langfristig angelegt, um Adrenalin freizusetzen. Mir fehlt einfach das Durchhaltevermögen und die Energie.
So wie die Sache läuft, muss ich heilfroh sein, wenn ich überhaupt fertig werde.
Und wie ich den Einstieg ins "richtige" Berufsleben schaffen soll, das wissen die Götter. Unter diesen Umständen bin ich nach der Probezeit weg vom Fenster.
-
24.01.2010, 00:41Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung-Depression?
Falls es Zeiten / Orte / Konstellationen gibt bzw. gab, in denen es Dir besser geht, kannst Du Dich daran orientieren wo's lang geht. Also z.B. in größeren Gruppen / in Seminaren mit Teamarbeit / im Urlaub / bei bestimmten Themen, die Dich anregen / während dem Sport / nach dem Sport.
Was ist mit sozialen Kontakten?
Bist Du Einzelgänger /-kämpfer?
Gibt es etwas, was Dich so interessiert, dass Du längere Zeit dabeibleiben kannst? Oder bist Du eventuell jemand, der viel Abwechslung und Stress braucht um in Schwung zu kommen und Dein Leben passt einfach nicht zu Dir?
Es gibt Leute, die laufen ihr ganzes Leben mit einem falschen Selbstbild von sich herum und merken es nicht. Es schwächt sie nur und grenzt sie aus.
Wenn organisch nichts gefunden wird (z.B. Nebennierenschwäche fällt mir noch ein) und Du weiterhin keinen Plan hast, dann mach doch so was wie ein paar Wochen psychosomatische Klinik / Reha. Du bist in der Gruppe, hast einen getakteten Wochenplan und kriegst unmittelbare Rückmeldung. So würde ich mal schauen, was geht und was passt.Geändert von Inaktiver User (24.01.2010 um 00:53 Uhr)
-
24.01.2010, 01:18Inaktiver User


Zitieren
