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    Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Hallo in die BRI Runde!

    Dies ist ausdrücklich keine Umfrage, ich studiere gerade im Master E Education an der FU Hagen und schreibe gerade eine Hausarbeit zum Thema

    Reproduktion der Chancenungleichheit im Sinne Bourdieus –die Bildungs- und Familiensituation während der Coronakrise in Deutschland

    Mein Betreuer möchte nun gern den Aspekt "Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)" mit rein haben. Bei der Literatursichtung ist mir etwas aufgefallen, was ich gern formlos diskutieren würde. Da es dazu keine belegbaren Studien gibt, zumindest keine aktuellen.

    Feminisierung bedeutet, dass auch in Familien,in denen die Betreuungs-und Hausarbeit hälftig aufgeteilt wurde, zu Coronazeiten ein Ungleichgewicht zu Lasten der Frauen aufbauen. Sogar bei beiden Elternteilen im Homeoffice ist meist zuerst die Mutter "dran", wenn es Probleme gibt oder Fragen zu Schuldingen kommen.

    Warum ist das so?
    Wird die Arbeit des Mannes "wichtiger genommen"?
    Ist es ein generelles Frauending, sich zu kümmern, damit "Vati den Rücken frei hat"?
    Sind die Männer immer die Hauptverdiener, so dass der Job aus wirtschaftlicher Sicht stärker ins Gewicht fällt?
    Mein LG Betreuer (Soziologe) meint , es sei eine Frage der symbolischen Macht, welche in dem Maß existiert, wie derjenige Anerkennung bekommt, bzw. , es schafft, sich die diese zu verschaffen....(Bourdieu schrieb dazu ein ganzes Buch "Die verborgenen Mechanismen der Macht")

    VG Uni-Corn
    Einfach machen...wird gut

    Ich hol mir mein Spiel zurück!!!!!

  2. VIP

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Ich habe mich am Wochenende darüber unterhalten und ich denke, dass es eine Entscheidung ist, wer welche Verantwortung übernimmt. Eine Entscheidung, die Paare bewusst, im Sinne von besprochen, treffen oder unbewusst - im Sinne von nicht darüber gesprochen.

    Man müsste also bei den unbewussten Entscheidungen ansetzen. Sind sie damit zufrieden? Wenn nicht, warum sprechen sie nicht darüber? Etc.
    „Wo zwei Schwestern zusammen gehen, kann sie kein Tiger reißen“ koreanisches Sprichwort, gelesen in „Mama Superstar“

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Da Du sagst, es gibt keine Studien: Gibt es denn Zahlen?

    Wo ist das so?


    Ich erlebe das bei meinen Kollegen anders, oft kümmern sich die Väter, was daran liegt, dass der Chef (Mann) sehr auf "familienfreundlich" achtet.

    Männerbranche.


    Ich vermute, dass das nicht so sehr ein Machtding ist, sondern daran liegt, dass Frauen häufiger als Männer in Branchen arbeiten, die auf "Ausfall wegen Kind" schon eingestellt sind.





    Informatik ist da eine Ausnahme.

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Meiner Beobachtung nach setzt sich da lediglich fort, was in der Familienstruktur schon vorher angelegt war. Mein Mann und ich haben in der Beziehung eigentlich keinen Diskussionsbedarf (3 Kinder, beide in Vollzeit arbeitend, beide home office - sein Gehalt ca. 3x hoeher als meins, was aber an der Branche liegt, vom "Status" sind wir auf einer Stufe bzw. ich eher noch hoeher). Ich kuemmere mich seit jeher mehr um die Schule, was aber daran liegt, dass die Kinder auf Deutsch beschult werden und mein Mann nicht muttersprachlich Deutsch spricht. Diese Entscheidung haben wir aber vor vielen Jahren getroffen, und das hat sich jetzt durch die Heimschule halt intensiviert. Dafuer putzt mein Mann zur Zeit deutlich mehr als ich und kocht auch mehr als sonst (oder die Kinder kochen, das haben sie durch Corona naemlich gelernt weil wir beide keine Zeit hatten ).

    In meinem Umfeld hat sich immer das verstaerkt, was sowieso schon in den Familien passiert: viele Frauen beschweren sich ueber ihre Maenner, die nicht vermehrt "helfen" - das verstehe ich auch, aber ich finde es eben nicht verwunderlich. Da stimme ich Xanidae zu, man trifft viele bewusste oder unbewusste Entscheidungen, die dann halt in einer solchen Situation Konsequenzen haben.

    (Ich werde oefter von juengeren Frauen gefragt, wie man es schafft, als dreifache Mutter noch relativ anspruchsvoll zu arbeiten und "Karriere" zu machen. Meine erste Antwort ist immer: "heiraten Sie den richtigen Mann!").
    Wer zuletzt lacht, denkt am langsamsten.

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen
    Warum ist das so?
    Wird die Arbeit des Mannes "wichtiger genommen"?
    Ist es ein generelles Frauending, sich zu kümmern, damit "Vati den Rücken frei hat"?
    Sind die Männer immer die Hauptverdiener, so dass der Job aus wirtschaftlicher Sicht stärker ins Gewicht fällt?
    Mein LG Betreuer (Soziologe) meint , es sei eine Frage der symbolischen Macht, welche in dem Maß existiert, wie derjenige Anerkennung bekommt, bzw. , es schafft, sich die diese zu verschaffen....(Bourdieu schrieb dazu ein ganzes Buch "Die verborgenen Mechanismen der Macht")

    VG Uni-Corn
    Ich glaube - und kenne das aus eigener Erfahrung und Beobachtung in der nächsten Generation - dass Frauen eben immer noch durch Erziehung/Hormone (?) sich diese Verantwortungen selbst auf den Tisch ziehen.
    Und auch dass viele Frauen selbst sich für kompetenter halten in Sachen Kindererziehung, sie tun dies also nicht damit "Vati den Rücken frei hat" sondern eher, weil sie damit auch eine Form von Macht und Selbstbestätigung erhalten.
    Wenn frau dann erstmal alles an sich gezogen hat ist es schwer, die Aufgaben wieder anders zu verteilen und dann ist frau auch schnell mal überlastet.

    Eine andere Sache ist allerdings, dass Frauen sich - und das finde ich klug und richtig - nicht mit solcher Vehemenz von ihrer Erwerbsarbeit vereinnahmen lassen wollen wie das bei Männern noch oft eher der Fall ist. Frauen wünschen sich in der Regel mehr Balance und Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Leben. Glücklicherweise ist das alles momentan nicht mehr wirklich ein Männer-Frauen-Ding und auch Corona wird nicht dauerhaft verhindern, dass die Unterschiede weiter verwischen, allerdings eben langsam, aber kontinuierlich.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Zitat Zitat von honzina Beitrag anzeigen
    (Ich werde oefter von juengeren Frauen gefragt, wie man es schafft, als dreifache Mutter noch relativ anspruchsvoll zu arbeiten und "Karriere" zu machen. Meine erste Antwort ist immer: "heiraten Sie den richtigen Mann!").
    Stimmt. Aber den muss man erst mal finden. Und wenn nicht, kinderlos bleiben oder doch in den sauren Apfel beißen.
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Stimmt. Aber den muss man erst mal finden. Und wenn nicht, kinderlos bleiben oder doch in den sauren Apfel beißen.
    Diskutieren mit dem, den man halt hat? Sich selbst bewusst werden, was einem wichtig ist im Leben? Das allermeiste ist ja nicht statisch...
    Wer zuletzt lacht, denkt am langsamsten.

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Auch wenn das - warum auch immer, gerne verknüpft mit Feminismus - oft nicht gerne gelesen wird, überwiegend sind nun mal von Beginn an die Mütter die Hauptbezugsperson.
    Ändert sich daran etwas oder ist das tatsächlich von Beginn an anders, sollte die Entscheidung des Kindes respektiert werden.

    Hauptbezugsperson | Frage an Kinderarzt Dr. Rüdiger Posth - Babys Entwicklung

    ZITAT:

    "...Wer primäre Bezugsperson wird, ob die Mutter oder der Vater, entscheidet sich meist schon dadurch, dass die Mutter ihr Kind an die Brust nimmt und durch Muttermilch ernährt.
    Nur wenn der Vater sein Kind mit der Flasche großzieht und alles tut, was auch die Mutter mit dem Baby macht, dann kann auch er primäre Bezugsperson werden. Ist die Bindung zu beiden Eltern etwa gleich stark, dann bildet der Säugling auf natürliche Weise eine Bindungshierarchie und vergibt praktisch Rollen an seine Eltern..."
    --------------------------------------------------

    Die Bedingungen unter Corona erfordern eine Anpassung. Und die nimmt jede Familie auf die für sie passende Weise vor - vielleicht sind sich da auch nicht immer alle Familienmitglieder einig.

    Während die Mutter sich wünschen würde, die Kinder würden sich häufiger an den Vater wenden, der Vater evtl. etwas eifersüchtig ist, kommen diese dennoch zuerst zu ihr - die Kinder haben die Rollen aufgeteilt.
    Oder die Rollen standen von Beginn an fest durch die Art und Intensität des Engagements von Mutter/Vater.

    Es wird also nur deutlicher, was vorher auch schon so war.

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Eigentlich kann man da doch nur die Fälle heranziehen, wo beide Elternteile derzeit zuhause sind.

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    AW: Feminisierung der Betreuungsarbeit durch Corona (incl. Homeschooling)

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Eine Entscheidung, die Paare bewusst, im Sinne von besprochen, treffen oder unbewusst - im Sinne von nicht darüber gesprochen.

    .
    Meiner Erfahrung nach ist "bewusst = besprochen/ausgesprochen/thematisiert" vs. "unbewusst = nicht besprochen/...."
    zu einfach gedacht.

    Auch bei noch so besprochenen Sachen gibt es einen Riesenanteil an Unbewusstem. Den man nicht so einfach erkennt. Sonst wäre er ja nicht unbewusst.

    Ich erlebe es eher so, dass viele darüber viel reden und trotzdem ....

    Aber sich in Gesprächen auseinandersetzen bzw. erstmal die Probleme sichten ist unbedingt notwendig.
    Die Gender/Rollen/Hormon Geschichten sind noch härtere Brocken.

    Das Thema ist sehr sehr wichtig! Und danke @Unicorn, dass du es aufmachst. Hier und im Studium.
    Ich empfinde die Corona Katastrophe auch hier als Brandbeschleuniger. Und ich fürchte einen totalen Rückschlag zuungunsten von Frauen und Kindern.

    So sehe ich auch die Gefahr, dass die Probleme noch mehr bzw. wieder aufs total Private gelegt werden. "Das Paar" nicht "die Gesellschaft" ....

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