Ich verlinke hier einen Artikel aus der Zeit, der für sich spricht. Ein Zitat daraus:
QuelleDoch viel mehr belastet mich die Situation außerhalb des Krankenhauses. Gestern wollte ich nach der Arbeit in den einzigen großen Supermarkt in der Nähe meines Heimatortes gehen. Doch nach nur wenigen Minuten da drin beschwerte sich eine Kundin. Sie erkannte mich und wusste, dass ich in dem großen Klinikum angestellt bin. Mein Dorf hat nicht einmal 400 Einwohner, so etwas spricht sich auf dem Land eben schnell rum.
Die Bekannte sagte dem Sicherheitsdienst, dass ich in dem Krankenhaus arbeite, in dem die italienischen Patienten aufgenommen wurden. Ich war sprachlos. Minuten später umzingelte mich die Security und begleitete mich aus dem Laden heraus. Ich wurde tatsächlich aus dem Supermarkt geworfen. Ich war entsetzt, konnte es nicht glauben.
Wie soll ich denn sonst meine Familie versorgen? Diesen Supermarkt werde ich nicht mehr betreten, ich fahre jetzt lieber weiter, damit mir das nicht noch einmal passiert. Auch wenn ich mich auf jeder Fahrt in den anderen Markt darüber ärgere.
Auf der Straße grüßt mich kaum noch jemand, wenn ich durch unser Dorf spaziere. Viele halten noch mehr Abstand zu mir als die empfohlenen 1,5 Meter. Ein Mann aus dem Dorf rief letztens sogar seinen Hund zu sich, damit er nicht mit meinem spielt wie sonst immer. Nachbarn grüßen nicht mehr oder wechseln sogar die Straßenseite. Es ist absurd und macht mich traurig.
Ähnliche Erfahrungen machen meine Kolleginnen und Kollegen. Wir tauschen uns auf der Arbeit aus und stellen fest, dass es uns allen so geht. Viele Menschen reagieren nun distanziert auf uns. Wie absurd, denn es kann sich doch niemand bei einem freundlichen Hallo anstecken. Viele scheinen einfach Angst zu haben und sich über mögliche Übertragungswege nicht gut auszukennen.
Nicht, dass ich mir Illusionen über meine Mitmenschen machen würde - ich habe trotzdem die Hoffnung, dass es zumindest EINIGE geben könnte, die anders agieren.
Ich schäme mich gerade stellvertretend. PFUI!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 73
-
10.04.2020, 08:45Inaktiver User
Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
-
10.04.2020, 08:50
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Der Strang wird vorerst geschlossen, da ähnliche Themen bereits an anderer Stelle diskutiert werden.
Die Moderation behält sich vor, diesen Beitrag in einen bestehenden Strang zu verschieben.
Beste Grüße
Für die Moderation
R-osa
VIP.
Öffne die Augen und knutsche das Leben 
-
10.04.2020, 08:52
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Ich habe es auch gelesen und höre vergleichbares von Bekannten aus dem Pflegebereich.
Wie sagte Einstein? Das Universum und die Dummheit der Menschen ist unendlich, beim Universum bin ich mir nicht sicher.
Eine frühere Kollegin meiner Tochter, sie haben zusammen die Pflegeausbildung gemacht, ist bei der Familie ihres Freundes plötzlich "persona non Grata". Sie könnte ja Viren aus dem Krankenhaus anschleppen...
Gott sei Dank beweist der Freund Rückgrat und ist deshalb aus dem Stand zu Hause ausgezogen.
-
10.04.2020, 08:54Inaktiver User
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Liebe Rosa,
moderative Entscheidungen respektiere ich selbstverständlich. Allerdings finde ich, dass sich das, was der Zeit-Artikel beschreibt, aus der allgemeinen Fassungslosigkeit heraus heben sollte. Daher eröffnete ich diesen Strang.
-
13.04.2020, 12:41
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Wir haben nach reiflicher Überlegung entschieden, diesen Strang als eigenständigen Strang wieder zu öffnen.
Auch hier gilt, haltet Euch bitte ans Thema.
Viel Spaß beim Diskutieren!
-
13.04.2020, 12:53
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Ein TV-Bericht vor Tagen beschäftigte sich mit Bewohnern einer Straße in Frankreich. Ein Arzt, der da lebt, wurde mit Zettel an der Windschutzscheibe aufgefordert, sein Auto eine Straße weiter zu parken, am besten aber gleich wegzuziehen oder sich vorübergehend eine andere Bleibe zu suchen, bis das Virus verschwunden sei ...
Eine Krankenschwester hatte ähnliche Erfahrungen berichtet und meinte, die ganze Dankes- und Beifallklatscherei klinge ihr seitdem sehr hohl in den Ohren.*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
-
13.04.2020, 12:59
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Wir loben unser Land ja immer ob des hohen Bildungsstandards. Sicherlich ist dieser höher als in (noch) bildungsrückständigen Ländern (und von ihren Despoten so gewollt), jedoch die Reaktion beweist: Bildung und sich zu informieren sind zwei paar Stiefel.
Die Reaktionen auf die Protagonistin in dem Artikel resultieren daraus, erstens aus Obrigkeitshörigkeit und Führungshoffnung, 2. aus ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt und 3. Angst und Unwissenheit, wobei die Angst sich möglicherweise auflöst, wenn sie sich mit dem Thema Corona und Schutzmaßnahmen der Krankenhausmitarbeiter im besonderen informieren würden.
Genau aus diesem fehlenden Wissen stigmatisieren sie Andere. Oft beobachte ich, dass nur von wenigen dieser Personengruppe an echter Aufklärung und Wissenserweiterung echtes Interesse besteht.
Ergebnis: diese unglaubliche Geschichte und das in einer angeblich aufgeklärten ersten Welt.
-
13.04.2020, 13:29Inaktiver User
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
Ich bedanke mich bei den Moderatoren und VIPs für diese Entscheidung und wünsche mir einen konstruktiven Austausch.
-
13.04.2020, 13:44
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
[editiert durch mich]
Don't get me started ...Geändert von alles_anders (13.04.2020 um 13:50 Uhr)
-
13.04.2020, 15:04Inaktiver User
AW: Und auch das ist Corona: Entlarvend und beschaemend
der fall in dem artikel ist krass, aber nicht einzigartig.
viele menschen scheinen so zu ticken. sichtbar wird es derzeit auf dem land, wo man keine menschen aus der großstadt anfeindet, wenn die ihre "landsitze" aufsuchen.


Zitieren