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  1. Registriert seit
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    Mein neuer Alltag

    Ihr Lieben,

    ich bin gesund und lebe in Österreich. Hier herrscht seit Tagen Ausgangsbeschränkung. Alle Geschäfte, Lokale, öffentliche Plätze, Parks etc. sind geschlossen. Hinaus darf man nur mehr, um Notwendiges einzukaufen, unaufschiebbare Arbeit zu verrichten oder zur Apotheke. Halbgeduldet sind Spaziergänge – hier herrscht Uneinigkeit. Ich bin heute seit nunmehr einer Woche zuhause. Mein Alltag hat sich immens verändert. Statt dass mein Mann und ich arbeiten und der Vierjährige in den Kindergarten gehen, sind wir alle daheim. Heute wurde die Regelung offiziell auf bis nach Ostern, das heißt, vier Wochen verlängert.

    In der Früh ist pünktliches Aufstehen für den Kleinen, um rechtzeitig zum Kindergarten zu kommen, plötzlich nicht mehr wichtig. Wir frühstücken alle zusammen, dann setzen mein Mann und ich in unser Homeoffice - unsere im Wohnzimmer eingerichteten Wortstations. Zähne geputzt wird vorher immer, oft sitzen wir die ersten zwei Stunden im Pyjama und duschen erst dann. (Nur, wenn keine Videokonferenzen sind ;-)

    Abwechselnd kümmert sich einer ums Kind, das sich aber auch viel allein beschäftigen muss. Der Zwerg lebt die ganze Palette von superbrav und kooperativ bis hin zu anhänglich, verunsichert, aggressiv und ratlos. Einerseits profitiert er emotional davon, dass er den ganzen Tag bei Mami und Papi sein darf, andererseits fehlen ihm andere Kinder, Abwechslung und Auslauf. Der große Halbbruder, der normalerweise im Wechselmodell bei uns ist, bleibt derzeit am Land bei seiner Mutter, statt zu uns in die Stadt zu kommen. Dort hat er mehr Freiheiten.

    Einmal bis zweimal täglich gehen wir ausgedehnt mit dem Kind raus. Fußball auf der Wiese, Versteckspiel am Friedhof, Fangenspielen in Omas Garten (um die Ecke). Nebenbei wird ein bisschen geputzt und das Notwendigste aufgeräumt. Die Putzfrau kommt bis auf Weiteres natürlich nicht.

    Jeden zweiten/dritten Tag gehe ich Lebensmittel oder Drogerieartikel einkaufen. Die Geschäfte sind leer, die Verkäufer wollen sich unterhalten. Sie sind gelangweilt, genervt, froh über Abwechslung, optimistisch - ja nach Naturell. Die Regale sind nach Tagen wieder randvoll. Ansonsten war ich nur einmal im Büro, um HO-Ausstattung zu holen und sie „autolosen“ Kollegen zuzustellen. Dabei musste ich eine schriftliche Genehmigung meines Arbeitsgebers mitführen für den Fall, dass ich aufgehalten werde.

    Sowohl mein Mann und ich haben Jobs, die derzeit massiv erhöhten Arbeitsaufwand mit sich bringen. Trotzdem wird mein Mann einige Monate kurzarbeiten müssen, um Kündigungen im Unternehmen (Medienbranche) zu umgehen. Der Umsatzrückgang liegt bereits jetzt in Millionenhöhe. Ich arbeite im weitesten Sinn im öffentlichen Dienst, Bereich Wirtschaft. Meine Firma ist eine derjenigen, die die Milliardenzuschüsse jetzt an die Unternehmen verteilt. Mein Bereich ist u a Krisenmanagement - ihr könnt euch vorstellen, dass uns nicht langweilig wird. Die Unternehmer sind verunsichert, besorgt, verzweifelt; aber auch optimistisch, solidarisch, kreativ, mutig, innovativ – wir erleben die ganze Palette an Stimmungen.

    Abends geht mein Mann oft lang laufen - er ist ein Sportfreak und kann seinen Lieblingssport derzeit (und wohl noch lange) nicht ausüben. Er hat für ein Ereignis im Frühsommer trainiert, das mittlerweile natürlich längst abgesagt ist. Ich hatte mir in der Wohnung usw. viel vorgenommen - von DIY über Yoga und ausmisten. Das war ziemlich naiv. Anfangs habe ich mit meinen Freunden mehrmals täglich telefoniert, nun ist das etwas zurückgegangen, Routine hält Einzug.

    Ich frage mich, wie ich mich in vier Wochen fühle. Wie mein Mann und ich (beide sehr freiheitsliebende Menschen und ohne problem, allein zu sein) das meistern. Was es mit meiner Psyche macht. Wer gesund bleibt, wer nicht. Eine über 90-jährige Verwandte wurde heute mit Lungenentzündung aus dem Spital entlassen. Undenkbar in "normalen" Zeiten. Sie ist virusnegativ, die Entzündung ist bakteriell. Aber unter normalen Umständen hätte man sie wohl sicher im Krankenhaus behalten.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr, so banal es scheinen mag, aus eurem Alltag erzählt - auch wenn in D, so wie ich das verstanden habe, noch keine flächendeckenden Ausgangsbeschränkungen da sind?

    Alles Liebe
    Lil


  2. Registriert seit
    05.08.2019
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    AW: Mein neuer Alltag

    Hallo Lil,

    ich bin aus Deutschland und in Bayern ist jetzt wohl die Ausgangsbeschränkung da. Meine Schwester wohnt in München und ich in Bawü. Ich habe mich jetzt gefragt, ob ich mit meiner Familie ihr dann überhaupt notfalls etwas vorbeibringen oder sie in der Wohnung besuchen kann. Ist das bei euch in Österreich denn erlaubt?

    Mein Alltag sind gerade so aus, dass ich an drei Tagen pro Woche in der Arbeit bin. Bei uns ist HO nur eingeschränkt möglich. Ich arbeite auch im ÖD und wir müssen im Büro abwechslend immer da sein, damit eine Besetzung da ist. Chef möchte es so. Viele sind gar nicht mehr vor Ort und machen HO. Bei mir geht es nicht so richtig, da ich bisher nie von zu Hause gearbeitet habe und die Aussattung fehlt. Wir bereiten uns derzeit aber darauf vor. Laptop wurde bestellt und die IT ist gerade dabei Lösungen zu finden. Momentan genieße ich es auch außer Haus zu sein. Ich habe nicht viel Kontakt zu Kollegen und wenn dann mit Einhaltung des Abstands. Kundenkontakt wurde auf fddas Minimum reduziert. Es läuft alles nur noch über E-Mail und Telefon. Da ich single bin, sind natürlich die freien Tage immer etwas trist. Beschäftigen kann ich mich gut und es geht mir psychisch nicht schlecht. Es fehlen aber Kontakte zu anderen und da ich gesellig bin, ist das Leben für mich nicht mehr so lebenswert. Man versucht sich zu beschäftigen, Ideen zu sammeln und mir fällt auch immer ganz viel ein. Aber am Ende des Tages zu sagen: das war jetzt ein toller Tag, das fehlt mir sehr. Ich brauche viel Abwechslung und mir fehlt das sehr, denn es ist viel Routine. Reisen fällt erstmal weg, Urlaub kann nicht so richtig genossen werden, Kino oder Bibliotheken und Cafes fallen weg. Das fehlt mir schon...

    An freien Tagen und am Wochenende, sieht mein Tagesablauf so in etwa aus:
    -aufstehen, frühstücken, aufräumen
    -rausgehen spazieren oder einkaufen
    -lesen/aufräumen oder Musik hören
    -Kochen, essen, aufräumen

    Nachmittags gönne ich mir meinen leckeren Kaffee und evtl. einen Kuchen, gehe nochmal eine Runde raus und danach wird etwas gemacht wie lesen, Internetrecherche, ausmisten, putzen, malen, Ideen sammeln für Urlaube in Zukunft, Sport/Yoga...

    Abends dann wieder kochen, aufräumen und dann auf die Couch und Film schauen, duschen usw.

    Ab und zu besuche ich meine Eltern und bin auch mal über Nacht da. Sie geben mir im Moment so den Halt bzw. Gemeinschaft. Kontakte zu Freunden und Bekannten sind ja im Moment nicht möglich. Meine Schwester sehe ich ca. jede 3 Wochen. Wie es aber jetzt durch die Ausgangssperre läuft, weiß ich nicht.

  3. AW: Mein neuer Alltag

    Hallo,

    ich bin ebenfalls aus Österreich und für uns ist beruflich Ende letzter Woche/Anfang dieser Woche eine Welt fast zusammengebrochen.

    Gottseidank gibt es Lösungen, weil uns geholfen wird und wie es aussieht, sind die nächsten Monate gesichert.
    Daher danke, dass du eine von denen bist, die daran arbeiten, dass auch wir weiterarbeiten können!

    Zitat Zitat von -Lil- Beitrag anzeigen
    Ich arbeite im weitesten Sinn im öffentlichen Dienst, Bereich Wirtschaft. Meine Firma ist eine derjenigen, die die Milliardenzuschüsse jetzt an die Unternehmen verteilt. Mein Bereich ist u a Krisenmanagement - ihr könnt euch vorstellen, dass uns nicht langweilig wird. Die Unternehmer sind verunsichert, besorgt, verzweifelt; aber auch optimistisch, solidarisch, kreativ, mutig, innovativ – wir erleben die ganze Palette an Stimmungen.
    Bei mir hat sich noch nicht allzuviel verändert - ich bin alleinstehend ohne Kinder.
    Diese Woche hatte ich noch einigermaßen Arbeit, und ich arbeite grundsätzlich im Home Office. Allerdings bin ich im Außendienst tätig - diese Aktivitäten, die aber einen Großteil meiner Arbeit bilden, musste ich komplett einstellen. Daher war aufarbeiten angesagt und jetzt warten wir mal ab.

    Die nächsten Tage werden "neu" - es tröpfelt immer wieder was zum Arbeiten rein, aber nicht mehr tagesfüllend.

    Ansonsten genieße ich noch die Ruhe und die Möglichkeit zum Rasten, die ich haben werde. Vergnügungen außer Haus gehen mir noch nicht ab, ich gehe weiterhin laufen, muss aber mein restliches Trainingsprogramm nach drinnen verlegen.

    Der Kontakt mit Freunden ist gut - ich treffe meine Freunde ohnehin nicht wöchentlich, von daher bleibt der ohnehin dichte virtuelle Kontakt natürlich weiterhin so bestehen.

    Die letzten Wochen und vorallem die letzten Tage waren erst körperlich, nun auch mental sehr anstrengend, daher freue ich mich auf etwas Ruhe.
    *** live as if you were to die tomorrow - learn as if you were to live forever. (Gandhi) ***


  4. Registriert seit
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    AW: Mein neuer Alltag

    Hallo Ihr Lieben,

    Mein Alltag hat sich zum Teil garnicht, zum Teil sehr stark veraendert :) Ich arbeite hauptsaechlich eh vom Home Office, habe aber normaler Weise eine hohe Reisetaetigkeit, mindestens 1 Reise pro Monat von unterschiedlicher Laenge und das weltweit.Da auch zudem das zweite Halbjahr letztes Jahr wirklich viel unterwegs war, finde ich es gerade noch nicht wirklich schlimm daheim zu sein. Kann dem sogar etwas Positives abgewinnen: endlich mal den Garten klarschiff machen.

    Allerdings ist die Sache psychisch nicht so leicht zu verkraften: sowohl selbst als auch viele meiner Liebsten sind HR da vorerkrankt oder aelter oder beides. Da mache ich mir natuerlich Sorgen. Da ich in der Entwicklungszusammenarbeit taetig bin, kommt dann auch noch die Sorge um die hinzu, die auf unserer Erde noch immer in Armut leben muessen.... die Sorge um die Laender, wo das Gesundheitssystem mit Sicherheit kollabieren wird.

    Also verfolge ich mehr als sonst die Nachrichten und bemerke auch wie viele Freunde und Bekannte eifriger kommunizieren, ganz zu schweigen von den Kollegen, die normaler Weise in einem unserer Bueros arbeiten und Home Office nicht gewohnt sind.

    Das traegt auch noch zum Arbeitsaufkommen bei, zumal ich meine Projekte ja jetzt auch versuche weiter zu fuehren, was nur bedingt und mit sehr sehr viel mehr Zeiteinsatz zu schaffen ist. Von wegen den Klimaschuetzern die uns die Geschaeftsreisen verbieten wollen: ich komme in einem Workshop vor Ort mit allen Projektbeteiligten in 3 Tagen schneller und besser voran als jetzt hier wochenlang per Telekonferenz und Email. Zumal es hier auch schon von seitens der Internetanbieter Bekanntmachungen gibt, dass das Netz instabil ist weil zu viele Leute Streamingdienste benutzen.

    Werden noch interessante Wochen werden.

    VG

    SarahMiller
    "Warum soll ich nicht beim Gehen" -
    sprach er "in die Ferne sehen?
    Schön ist es auch anderswo,
    und hier bin ich sowieso."

    Wilhelm Busch


  5. Registriert seit
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    AW: Mein neuer Alltag

    Mein neuer Alltag:

    Ich arbeite in einem systemrelevanten Beruf, deshalb kann ich nicht 100% im Homeoffice arbeiten. Ich bin meistens daheim, aber zweimal pro Woche muss ich ins Büro, wo nur noch ganz wenige Nasen sind, wir halten Abstand und unterhalten uns aus der Distanz ganz wenig.
    Ich benutze für diese 2x Büro keinen ÖV mehr, sondern laufe jeden Morgen 40 Minuten durch die Häuserschluchten, für mich allein, und abends wieder zurück.
    Mein Mann arbeitet ganz im Homeoffice.
    Unsere kleine Tochter, noch nicht ganz 1 Jahr alt, kann jetzt ihre Grosseltern nicht mehr treffen und wird wohl bis in 1-3 Monaten vergessen haben, dass es sie gibt. Auch andere Kinder sind rar und nur noch 1x die Woche angesagt, da wir praktisch keinen Kontakt zur Aussenwelt haben momentan.
    Einmal am Tag gehe ich mit ihr lange spazieren.
    Ich habe mich schon vor den behördlichen Massnahmen lange vorher aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, bin nicht mehr ins Kino, ins Restaurant usw., in der Hoffnung, wenn viele es freiwillig tun, dass es etwas nützt.

    Ich bin ansonsten sehr sozial, und das alles fehlt mir. Aber ich halte es für richtig und notwendig.
    Ich telefoniere und skype regelmässig mit Freunden.
    Geändert von Sonnenlotte (20.03.2020 um 18:23 Uhr)

  6. Avatar von Judy666
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    AW: Mein neuer Alltag

    Schöne Idee, -Lil- 🌻

    Mein neuer Alltag:

    Ich bin aktuell schwanger im 8. Monat und habe noch einen 3jährigen Sohn zu Hause. Normalerweise bin ich im Außendienst tätig (öD), das wurde uns am Montag untersagt. Die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten hatte ich vor Corona schon, ich habe es nur nicht so häufig genutzt. Jetzt aufgrund der Kinderbetreuung gehe ich nicht mehr ins Büro. Mein Mann kann auch von zu Hause aus arbeiten und hat einige Urlaubstage für die nächste Zeit eingetragen, wir können uns also abwechseln.

    Leben tun wir in Bayern, die Ausgangsbeschränkung gilt also ab in 2 Stunden. Zum Glück haben wir Haus mit Garten. Leider dürfen ja ab morgen die Baumärkte nicht mehr öffnen, der Plan den Garten für den Sommer vorzubereiten wurde uns also etwas zunichte gemacht.

    Ansonsten gilt für uns:
    Aufstehen wie üblich - vielleicht etwas später als sonst. Gemütlich frühstücken, anziehen, dann spielt das Kind hoffentlich alleine. Mein Chef geht zum Glück nicht davon aus, dass ich 8,5h konzentriert arbeiten kann, aber so ein bisschen kommt man dann doch dazu. Mittagessen, Mittagsschlaf des Juniors und nachmittags rausgehen. Spaziergänge übernimmt gerade eher mein Mann, für mich ist lange laufen anstrengend. Und da der Kleine gern mit dem Dreirad oder dem Laufrad unterwegs ist, komme ich da auch nicht hinterher 😉

    An "Projekten" haben wir so einiges: Kinderzimmer fürs Baby vorbereiten, Dachboden aufräumen, Ostereier bemalen... das Kind hilft unheimlich gerne beim Kochen, das kann man jetzt auch entspannter angehen.

    Soziale Kontakte gehen uns schon auch ab, der Kleine ist sonst 2x pro Woche bei Oma und Opa, da wird jetzt telefoniert und wir müssen uns mal Skype einrichten, damit der Opa die neuen Mecki-Folgen aus der Hörzu vorlesen UND zeigen kann.

    Einkaufen muss ich morgen mal noch gehen (mit 100.000 anderen vermutlich) und ab nächster Woche erst abends, wenn mein Mann daheim ist. Und ich versuche, eher selten zu gehen, Wochenpläne mache ich schon länger.

    Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie das alles wird und hoffe, dass die Maßnahmen wirken und die strengen Regelungen bis maximal Ostern gelten.
    Kein Mensch kann in der Wüste leben und davon unberührt bleiben.
    Er wird fortan, wenn auch vielleicht kaum merklich, den Stempel der Wüste tragen.
    (Wilfried Thesiger)

  7. Avatar von Frau_Beere
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    AW: Mein neuer Alltag

    Interssantes Thema,
    wir gehören zu einer der wenigen Familien deren Alltag weitestgehend unbeeindruckt weiter geht.
    Wir haben ein sehr großes Grundstück, mit vielen Spielmöglichkeiten für unsere 5 Kinder sind weitestgehend Selbstversorger mit einigen Hühnern. Noch dazu grenzt unmittelbar an unser Grundstück das Naturschutzgebiet im dem ich weiterhin jeden Tag laufen gehe und die Kids Fahrrad fahren. Andere Menschen sind hier nicht unterwegs.
    Homeschooling und der Garten beschäftigen mich tagesfüllend und ich hätte noch zig Projekte in der Schublade für die Zeit bräuchte.
    Geschäftlich machen wir uns keine Sorgen, bis auf den Haveriedienst sind alle unsere Mitarbeiter im HO und entsprechend ausgestattet.
    Mit fünfen ist man kinderreich!

    Gemopst by Evelyn Sanders


  8. Registriert seit
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    AW: Mein neuer Alltag

    Die erste Woche im Home Office

    Für mich ist Home Office eine neue Erfahrung, bisher habe ich nur bei großem Arbeitsanfall mal zusätzlich am Abend oder am Wochenende zu Hause gearbeitet oder bei Krankheit Terminsachen organisiert oder erledigt.

    Meinen Wecker habe ich in der letzten Woche zu den üblichen Zeiten klingeln lassen und meine Morgenroutine war unverändert. Am Arbeitsplatz an meinem Esstisch war ich dann wegen des Wegfalls von Fahrzeiten aber etwa 45 Minuten früher. Habe gesichtet, was hereingekommen ist, schnelle Sachen erledigt und Fragen nach benötigten Informationen an die KollegInnen in ihren Home Offices oder in Präsenz verteilt.

    Dann wurde die Routine unterbrochen und ich habe einen kleinen Spaziergang verbunden mit eventuell notwendigen Einkäufen gemacht. Spätestens zu Beginn der Kernzeit in unserem Betrieb war ich dann wieder am Arbeitsplatz und habe dann bis zur Mittagszeit gearbeitet. Mittagessen, zusammen mit meinem Mann, waren dann, wenn vorhanden, aufgewärmte Reste, manchmal frisch gekocht. Richtig kochen ist mit Home Office allerdings eine gewisse Herausforderung, weil zwischendurch Telefonanrufe kommen und ich dann manchmal sagen musste „Moment, ich muss mal kurz die Pfanne vom Herd ziehen, die Kartoffeln abgießen .o.ä.“ Mit einer halben Stunde Mittagspause wie an der Arbeitsstelle bin ich zumeist zu Hause nicht ausgekommen.

    Nach dem Essen dann weitergearbeitet, irgendwann einen Nachmittagskaffee gemacht und manchmal auch mit meinem Mann zusammen getrunken. Eine klare Trennung zwischen Arbeit zu Hause und Feierabend zu Hause fiel mir noch schwer. Ich habe mich eher spät vom Home Office abgemeldet.

    In dieser ersten Woche war ich täglich etwa 11 Stunden für die Arbeit präsent. Wie lang die Unterbrechungen und Pausen wirklich waren, konnte ich nicht richtig einschätzen, habe ich auch nicht notiert (halt einfach Regelarbeitszeit aufgeschrieben). Und ist Radio einschalten und fünf Minuten Nachrichtenhören schon Pause, auf der Arbeitsstelle würde man ja vielleicht auch mit den KollegInnen über neue Entwicklungen sprechen? Ich war am Abend immer ziemlich erschöpft, was aber auch mit den ungewohnten Arbeitsbedingungen (häusliches Mobiliar, mangelnde technische Ausstattung, unzureichende und schlecht strukturierte digitale Dokumentation von Vorgängen) zusammenhing.

    Abends passierte dann bei mir nicht mehr viel, ein bisschen Hausarbeit. Da fällt halt jetzt ein bisschen mehr an, weil die Putzfrau erst einmal bezahlte Freistellung von uns bekommen hat und wir immer zu Hause sind. Ich hatte mir vorgenommen, am Abend für den nächsten Tag vorzukochen, wollte Kuchen backen, aber konnte mich an keinem Abend dazu aufraffen. Vielleicht kriege ich es jetzt am Wochenende hin, für die Woche besser vorzusorgen, habe ich früher zu Familienzeiten mit Kindern ja auch jeden Sonntag gemacht und das in ganz anderen Mengen, ist jetzt nur ungewohnt. Ansonsten habe ich abends intensiver Nachrichtensendungen angeschaut als sonst und mit meinen nächsten Lieben telefoniert. „Gute“ Bücher oder Filme oder Radioprogramme, also solche für die es Aufmerksamkeit, Konzentration und/oder ein sich Einlassen braucht, habe ich nicht geschafft. Zu meinem digitalen Sprachkurs hatte ich auch keine Lust mehr, nachdem ich schon den ganzen Tag am Rechner verbracht hatte. Die Abende waren irgendwie gefühlt unbefriedigend, sinnlos vertrödelt.

    Aber mir wird wohl noch einige Zeit bleiben, um mich besser in der neuen Situation einzurichten und mich zu strukturieren. Da bin ich absolut optimistisch, man muss sich für Umstellungen eben auch ein bisschen Zeit geben.

  9. Avatar von Iceman0905
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    AW: Mein neuer Alltag

    Ich arbeite seit sieben Jahren zeitweise im Home Office (meist einen Tag pro Woche, manchmal einen halben) und bin das gewohnt. Aber eine ganze Woche ist eine andere Hausnummer, das muss ich schon sagen! Puuh, mal sehen wie das so weitergeht.

    @Lea, du wirst dich sicher gut damit einrichten! Und mach dir keine Sorgen wegen der 5 Minuten Radio hören zwischendurch, da wird dir keiner einen Strick draus drehen. Diese strenge Zeiterfassung bzw Trennung ist im Home Office sowieso nicht möglich. Und bei den Vorgesetzten findet zur Zeit auch ein Umdenken statt. Wichtig ist, dass die Arbeit gemacht wird. So habe ich gestern nachmittag z.B. (mit Wissen der Vorgesetzten) eine Radtour (allein durch den Wald, ohne Kontakt zu anderen Menschen) gemacht, um den Kopf frei zu bekommen, dafür aber um 21 Uhr noch eine kurze, aber wichtige Arbeit erledigt.


  10. Registriert seit
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    AW: Mein neuer Alltag

    Wegen meiner Vorgesetzten oder igendeiner Kontrolle von Zeiterfassung muss ich mir überhaupt keinen Kopf machen. Die Kontrolle sitzt in meinem Kopf.

    Da ist noch festgeschrieben, dass ich zeitnah auf Emails reagiere und ich telefonisch durchgehend erreichbar bin bzw. schnellstens zurückrufe, falls man mich am Telefon verpasst hat, weil ich gerade im Gespräch war oder in einer Sitzung o. ä.
    Und dabei gehöre ich in normalen Zeiten nicht mal zu den Sofortantwortern. Da gibt es noch ganz andere Kaliber bei uns, da kriegst du eine erste Antwort manchmal in Sekunden nach dem Absenden deiner Mail, natürlich dann meist noch ohne eine konkrete Aussage. Ich rufe meine Mails auch in normalen Zeiten nur etwa drei-, viermal am Tag ab, sofern ich nicht etwas Dringendes erwarte. Und schicke in der Regel EINE Antwort, die die erbetenen Informationen enthält oder eben die Mitteilung, wann ich die Informationen liefern kann.

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