Ich habe gerade 'Kind 44' von Tom Rob Smith beendet. Dieses Buch hat mich aufgrund des atmosphärischen Schreibstils gefesselt, auch wenn mir bis zur Hälfte des Buches nicht ganz klar war, wo der Autor hin will (Krimi, Liebes-/Lebensgeschichte, Systemkritik). Danach ist es nicht mehr ganz so stimmungsvoll, aber der Spannungsbogen steigt.
Die Tatsache, dass der Roman in der Sowjetunion in 1953 spielt, verschwamm für mich immer wieder. Ich bin mir sicher, dass auch heute noch in vielen Gegenden der Erde solche Zustände herrschen.
Mich hat es sehr zufrieden gestellt und ich werde weitere lesen.
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19.02.2012, 09:37
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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19.02.2012, 12:34Inaktiver User
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19.02.2012, 13:35
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Ian McEwan, Liebeswahn
Ein Buch, das mich ganz stark in seinen Bann gezogen hat. Liebeswahn im wahrsten Sinn des Wortes!
Und danach etwas ganz Anderes:
Gunter Haug, Niemands Tochter
Der Autor erzählt die Geschichte seiner Großmutter, die 1903 in Rothenburg geboren wurde. Es ist die Geschichte einer Tagelöhnerfamilie, also von ganz "kleinen Leuten".
Hat mir gut gefallen, natürlich auch, weil ich auch aus der Ecke komme.Das Herz, auch es bedarf des Überflusses, genug kann nie und nimmermehr genügen. (Conrad Ferdinand Meyer)
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19.02.2012, 13:40
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19.02.2012, 17:01Inaktiver User
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Das Buch fand ich auch großartig, obwohl ich sonst keine große Krimi-/Thrillerleserin bin. Die beiden Nachfolgebände (Kolyma, Agent 6) kann ich auch empfehlen, sie sind genauso spannend wie der erste Teil.
Ich habe gerade "Der Regen, bevor er fällt" von Jonathan Coe angefangen und bin nach den ersten Seiten schon ganz angetan. Vor einigen Monaten hat hier glaube ich mal jemand über ein anderes Buch von ihm geschrieben ("Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim") - ich erinnere mich vage an eine positive Meinung.
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19.02.2012, 19:54
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Ich les' auch noch was anderes als Stross. Gelegentlich jedenfalls. Glaube ich. Aber egal:
Gerade gelesen: Charles Stross, "Rule 34".
Nach meinen vorigen Rezensionen kann man es als gesagt annehmen, daß eine gewisse Vertrautheit mit Science Fiction und mit technologisch-gesellschaftlichem Zeitgeist und seinem Vokabular vorausgesetzt wird, sonst sind einem das alles böhmische Dörfer.
"Rule 34" spielt 5 Jahre nach "Halting State" (dt: "Du bist tot"), ebenfalls in Edinburgh, Hauptstadt der Republik Schottland, und die Kriminalpolizistin, die in "Halting State" eine der drei Protagonisten war, ist auch wieder mit von der Partie. Ein Karriereknick hat sie zur Chefin des Dezernats für "unerfreuliche Dinge im Internet" gemacht, und wer jetzt schaudernd denkt, "oh Gott, die arme Frau" ist das Zielpublikum des Buches. Eine gute, alte Mordermittlung -- ein Spammer wurde anscheinend von einem manipulierten Haushaltsgerät auf interessante Weise um die Ecke gebracht -- ist eine erfrischende Abwechslung. Wenn nicht zur gleichen Zeit Spammer und Scammer in ganz Europa merkwürdigen Haushaltsunfällen zum Opfer fielen. Welcher Serienkiller kann denn überall gleichzeitig sein?
Der zweite Protagonist, durch dessen Augen wir die Geschichte sehen, ist ein treusorgender Familienvater, dem es einfach nicht gelingt, nicht in illegale Aktivitäten verwickelt zu werden.
Und der dritte ist ein "neurologisch atypischer" Angestellter einer Start-up-Kapitalgeberfirma, der das organisierte Verbrechen in der Stadt von seinen vorsintflutlichen Mafia-Strukturen befreien und ins 21 Jahrhundert bringen soll.
Wahnwitz ist da unvermeidbar, und wirkt um so mehr, da dieser Wahnwitz der unhinterfragte Alltag der Protagonisten ist, die durch ihre Augen, die ihre Welt sehen, detailgetreu, individuell und nachvollziehbar charakterisiert werden. Die Zeiten ändern sich, aber nicht die Menschen, man kennt diese Leute.
"Halting State" schilderte eine Welt, in der es einem gefallen könnte, zu leben, und warf die Frage auf, "Was ist Spiel, was ist Wirklichkeit"? "Rule 34" ist deutlich düsterer, mit stärkeren Cyberpunk-"High tech and low life"-Elementen, und die Frage ist, "Wie kannst du wissen, wer mit dir spricht" -- eine lange Abhandlung, könnte man sagen, über den Turing-Test. Die Erzählperspektive beider Bücher ist die zweite Person Singular, und in beiden Büchern paßt diese ungewöhnliche stilistische Erscheinung perfekt (und im Fall von "Rule 34" furchterregend) zu Thema und Story.
Man könnte Stross punktuell vorwerfen, bei seiner Leserschaft die "Knöpfe zu drücken", Emotionen durch Elemente und Versatzstücke zu erzeugen, die so typisch sind, daß man sie als Urban Legends kennt. Das mag thematisch angemessen sein, aber man fühlt sich ein wenig manipuliert. Und auch das mag thematisch angemessen sein, und irgendwann rollt man die Augen, läßt sich manipulieren (oder wirft das Buch durch den Raum) und hofft gegen alle Erwartung, daß die Guten gewinnen. Wer immer sie sein mögen.
Ein guter, spannender, wahnwitziger und beunruhigender SF-Thriller über eine Zukunft, die schon angefangen hat. Und sehr, sehr geeky.
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19.02.2012, 21:07Inaktiver User
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Iny Lorentz: Juli-Regen
Ricarda Jordan - Die Pestärztin
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20.02.2012, 11:33Inaktiver User
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Hallo Klarinettoese, ich hatte den 'Maxwell Sim' hier angepriesen, der mir auch besser gefallen hat als der 'Regen', den ich davor gelesen hatte. Aber das soll nichts heissen.
Schliesslich war die Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi nichts fuer mich. Zu derbe, archaisch, animalisch. Zu viel pure Maennlichkeit. Zu reichlich uebergossen mit diversen Koerperfluessigkeiten und Alkohol und die meiste Zeit auch ziemlich streng riechend.
Bei dem fuerchterlichen Kapitel mit den Ratten wollte ich beinahe aufgeben. Aber dann waer ich ja nicht mit dem ueberaus witzen Kapitel "Stinkender Hausfrauensport in sowieso schon stinkender Turnhalle, der zum beilaeufigen Koitus animiert oder ihn zumindest nicht verhindert", belohnt worden.
Dass Brigitte das als das beste Buch dreier Jahre empfinden will, kann ich nicht nachvollziehen und auch nicht recht glauben. Kommt mir ein wenig vor wie: wir zeigen mal, dass wir keine Porzellanpueppchen sind und nicht nur auf Chicklit stehen, oder so.Geändert von Inaktiver User (20.02.2012 um 13:46 Uhr)
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20.02.2012, 12:18Inaktiver User
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Das hast Du schoen geschrieben, Zimtfisch, und damit auch meine Biografie beruehrt. So setze ich es auch auf meine Liste, obwohl es mir auch Angst macht, die Konfrontation anzugehen. Aber ich zwinge mich manchmal dazu, weil ich denke, es muesse sein.
So habe ich vor kurzem Maxie Wander - Leben wär' eine prima Alternative wiedergelesen.
Kurzbeschreibung: "Im Sommer 1976 bestätigt sich der schlimme Verdacht: Maxie Wander leidet an Krebs und wird ein Jahr später daran sterben. Die vorliegende Sammlung von Tagebucheinträgen und Briefen ermöglicht es dem Leser, sie auf diesem Lebensabschnitt zu begleiten. Mit klarem Blick und scharfer Selbstironie schildert sie ihre Odyssee durch die Behandlungsräume verschiedener Ärzte, die Sprachlosigkeit im Angesicht der Krankheit und die Intensität, die das Leben bekommt, wenn es nicht länger selbstverständlich ist. Maxie Wander bezaubert auch in den schwärzesten Augenblicken mit ihrer Faszination für die kleinen Dinge des Lebens, mit ihrem Lebenswillen und mit ihrer Selbsterkenntnis: Leben wär eine prima Alternative. Ein Titel, der für Leserinnen und Leser in Ost und West zur Maxime wurde und ihre Aufzeichnungen zum Kultbuch machte."
Zum ersten Mal habe ich es 1983 gelesen und weiss gar nicht mehr, was mich hingefuehrt hatte, was wusste ich damals... Maxie Wander schreibt sehr offen, frei von der Leber weg. Einige ihrer Gedanken habe ich mir damals herausnotiert, und sie sind immer noch fuer mich wahr.
"... ich scheue immer wieder vor den Worten zurück, die ich für dich gefunden habe, denn Worte können zerstören, wo sie nicht genau sein können, wenn man selber und der andere so wund ist. Man muss auch nicht alles bis ins Letzte verstehen, man muss lieben."
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20.02.2012, 13:19
AW: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Ich lese gerade "Mirjam" von Regina Berlinghof.
Den Niemi fand ich auch nicht so dolle.
Jonathan Coe mag ich sehr, vor allem "Allein mit Shirley". SEHR schwarzer Humor, aber wenn man den mag, großartige Unterhaltung und einer der besten ersten Sätze, die ich je gelesen habe - grob aus dem Gedächtnis zitiert: " (...) verlor Tante Tabitha den Verstand und hat ihn bis heute nicht wiedergefunden"
"Maxwell Sim" habe ich noch ungelesen zu Hause, aber "Das Haus des Schlafes" und "Der Regen, bevor er fällt" gefielen mir beide sehr gut.
Ian McEwan ist ebenfalls ein toller Schriftsteller. Vor allem "Abbitte", "Amsterdam" und "Saturday" fand ich klasse.May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner


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