Jetzt habe ich mich informiert über den gegenwärtigen Rowling-Diskurs in der öffentlichen Meinung.
Der Vorwurf lautet: Transphobie im neuesten Cormoran-Strike-Roman
Dazu fiel mir als erstes auf: Das, was im 5. Roman bemängelt wird, gab es genauso schon im 2. oder 3. Also hat sie es 2mal getan. Das finde ich einen wesentlichen Unterschied, denn 1mal kann noch Zufall gewesen sein.
Und sie hat sich offenbar bis heute nicht davon distanziert.
Diese beiden Faktoren finde ich durchaus bezeichnend. Die Heftigkeit der Shitstürme ist natürlich dennoch übertrieben und der Dynamik der sozialen Medien geschuldet.
Hier ein Text aus einem ZEIT-Artikel, dem ich zustimme, und der begründet, was genau das Problem ist:
J.K. Rowling hat das Narrativ des bösen, psychopathischen trans* oder gender non-konformen Menschen nicht erfunden. Sie greift auf ein Bild zurück, das schon Thomas Harris und Alfred Hitchcock bemühten. Es ist die Darstellung von trans* Menschen als Psychopath*innen und Mörder*innen, wie Buffalo Bill in Das Schweigen der Lämmer und Norman Bates in Hitchcocks Psycho von 1960. Für trans* Menschen ist diese Darstellung schädlich.
Seit die Repräsentation von trans* Menschen in Kunst und Medien wächst, steigt auch die Gewalt gegen sie: Die Netflix-Dokumentation Disclosure stellt das in einen direkten Zusammenhang: Mehr als 80 Prozent der Amerikaner*innen haben, so eine Studie der Allianz von Schwulen und Lesben gegen Diffamierung (GLAAD), keine persönlichen Berührungspunkte mit trans* Menschen. Und so lernen sie vieles, was sie wissen, durch die Medien. „Das Gleiche gilt für trans Menschen: Auch wir kennen meistens niemanden in unserem Umfeld und schauen Fernsehen, um herauszufinden, wer wir sind“, sagt Nick Adams, GLAAD-Direktor für Trans Media und Repräsentation.
Wenn Literatur und Film dabei immer wieder das Narrativ bedienen, dass diese gesellschaftliche Gruppe gefährlich ist, dass sich unter ihr scheinbar Psychopath*innen und Mörder*innen mehren, dann ist das nicht nur schlecht für die Fremd- sondern auch für die Selbstwahrnehmung von trans* Menschen und trägt zur Stigmatisierung bei.
J.K. Rowling befeuert dieses Narrativ.
Quelle: "Troubled Blood": Warum J.K. Rowling ein transphobes Narrativ bedient › ze.tt
Ein Sprung zurück zu Harry Potter:
Damals mochte ich die Reihe, v.a. das Neue, Originelle, und viele Vokabeln daraus sind dauerhaft in meinen Wortschatz übergegangen ("Denkarium", "Dementoren",...).
Aber, aus heutiger Sicht betrachtet, hatte Rowling schon hier "Lust am Klischee".
Im Unterschied zur Cormoran-Strike-Reihe dienten die Stereotype bei Harry Potter auch als Stilmittel. Gerade weil das Hogwarts-Universum in vielen Punkten so ähnlich dem unseren war, wirkten die Zauberei-Aspekte so charmant. Diese Wirkung wäre verfehlt worden, wenn Hogwarts eine ganz andere Welt als die unsere gewesen wäre.
Bei Strike sehe ich diesen Sinn und Zweck der Steoretype nicht mehr, sondern nur noch nackte (Geschlechter-)Klischees.
Antworten
Ergebnis 13.651 bis 13.660 von 14358
-
27.10.2020, 06:05Inaktiver User
AW: Re: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
-
27.10.2020, 12:11
AW: Re: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
In dem neuesten Strike benutzt sie die Figur eines Kriminellen, der sich als Frau verkleidet, um so des Vertrauen seiner Opfer zu bekommen. Vielleicht bin ich da zu schnell drüber weggegangen, ich habs registriert, aber in keinster Weise mit dem Thema Transgender verbunden. Da Band 2 und 3 auch schon so lang her sind, hatte ich da auch nicht im Kopf, dass sie das Mittel da schon mal eingesetzt hat.
Ich hatte aber auch, wie gesagt, die Diskussion um JKR und ihre Tweets nur am Rande mitbekommen. Von daher bin ich da ganz unbeleckt rangegangen :)"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
-
27.10.2020, 12:14Inaktiver User
-
27.10.2020, 12:19
AW: Re: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Strike: Was die Hauptfiguren angeht, die mag ich innerhalb der Buchseiten. Auch wenn ich mich nicht mit ihnen identifiziere. Wahrscheinlich könnte ich so einen Typen wie den Cormoran in meinem Leben gar nicht ertragen. Allein schon der Zigarettengestank
und PTSD ist auch nicht lustig. Aber ich lass mich ganz gerne von ihnen unterhalten.
Ich analysiere auch nicht alles, was ich lese, find's aber interessant, was andere so entdecken.
Was mich eher in den früheren Folgen gestört hat, war das kontinuierliche Product Placement und Name Dropping von Pubs und Geschäften. Das fand ich jetzt nicht mehr ganz so schlimm.
@R_Rokeby: ich würd sie schon in Reihe lesen, oder zumindest die letzten beiden.
Der Vater von Cormoran trägt übrigens deinen Namen
.
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
-
27.10.2020, 13:22
-
27.10.2020, 13:31Inaktiver User
-
27.10.2020, 13:32
AW: Re: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Sowas mag ich! Vor allem, wenn es echt ist, ich also was wiederkenne.
@Galah - ich finde halt nicht per se "xyz-phob" wenn man einer Romanfigur! irgendwelche Attribute zuschreibt. Ich teile auch nicht den Eindruck der ZEIT, dass das seriell so sei, dass Trans-irgendwas als gefährlich-gestört inszeniert würden. Viel mehr als der Roter Drache und der ewige Bates ist Ihnen ja auch nicht eingefallen...
Im Gegenteil, ich finde eher befremdlich und seltsam, wenn Personen aufgrund ihrer z. b. sexuellen Orientierung als "kreativ, offen, freundlich, zugewandt" geschildert werden. Da sehe ich wesentlich mehr serielle Typisierung: der schwule Buddy, der selbstlos die x-ten Liebesdramen seiner hetero Freundin auf deren Couch begleitet, die herzensgute, tiefsinnige und nur durch tragische Umstände im Puff gelandete Transgender Person, die einem zynisch-einsamen hetero Kommissar ..... bla bla blubb.
Das sind Klischees, die ich seit den 1990ern wesentlich verbreiteter (und öder) finde. Da hat ein fies-gestörter Transgender Mensch mal was erfrischend Befreiendes - im ROMAN
-
27.10.2020, 13:53Inaktiver User
AW: Re: 2. Teil von: Ich lese gerade.....
Mich persönlich irritierte die Transperson in Bd. 2 oder 3 beim Lesen auch gar nicht - aber ich bin bei dem Thema auch nicht sensibilisiert und verstehe jetzt, nachdem ich mich informiert habe, dass Betroffene das vermutlich ganz anders auffassen.
Ich wollte den Diskurs verstehen, habe daher recherchiert und hier berichtet.
Was mich allerdings stört, ist ein Duo Macho-Rüpel & kleines Mädchen, ohne dass es eine spannende Krimihandlung rausreißen würde.
Das ist/war aber eben (m)eine persönliche Meinung.
Ich vermute, Rowling hat mir einfach nichts zu sagen, denn auch mit der "Casual Vacancy" konnte ich nicht wirklich etwas anfangen. Sowas soll vorkommen.
-
27.10.2020, 16:35
-
27.10.2020, 16:38


Zitieren


