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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    So, dann beginne ich mal mit den ersten Beobachtungen:

    Das erste Kapitel folgt keinem chronologischen Erzählstrang. Irgendwie wird klar, dass retrospektiv aus der Sicht einer Gruppe von Männern (?), die zur Zeit der Vorfälle als Teenager in der Nachbarschaft der Familie Lisbon wohnten, erzählt wird, wobei an keiner Stelle ein indiviudeller Erzähler hervortritt, sondern er vielmehr als ein 'Kollektiverzähler' erscheint. Die Art und Weise, in der erzählt wird, hat für mich etwas voyeuristsiches.

    Insgesamt finde ich, wird die Umgebung, in der die Mädchen aufwachsen als verfallend/ sterbend dargestellt (die sterbenden Bäume, diese Insekten am Anfang, der Totengräberstreik, auch die Eltern werden als farblos dargestellt), wobei die Mädchen dazu einen Kontrast darstellen (Make Up, sie werden mit dem Adjektiv 'fructifying' beschrieben).

    Das Leben der Familie Lisbon wird als recht abgeschirmt vom Rest des Viertels beschrieben, jedenfalls nicht so, als hätte die Familie viel Kontakt zu ihren Nachbarn oder würde besonderen Wert auf soziale Kontakte legen. Das ändert sich mit dem ersten Selbstmordversuch Cecilias (der jüngsten Tochter): Damit kommt Leben in das Haus, nicht zuletzt die Party, bei der Cecilia sich dann schließlich doch umbringt.

    Mit Beginn des zweiten Kapitels scheint die Erzählung der Chronologie der Ereignisse zu folgen.

    Bin gespannt auf Eure Kommentare!
    Frohe Ostern,
    batim

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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Hallo,

    die Frage, die sich mir stellt ist, welche Rollen nehmen die Erzähler ein? In welcher Beziehung stehen sie zu den Mädchen. Sie scheinen mir zu idealisieren. Es scheint, dass die Schwestern anfangs wahre makellose Schönheiten darstellen und bei der Party dann kommen kleine Makel zum Vorschein. Sind die Erzähler die Schwärme von den Mädchen? Dass der benutzte Tampax mitgenommen und bewundert wurde spricht mir dafür.

    Ich frage mich auch, warum wurden die Schwestern so kurz gehalten? Warum mussten sie im Sommer von der einen Seite des Gartens zur anderen und wieder zurück pilgern? Scheinbar war ja hier die Mutter die treibende oder eher hemmende Kraft. Der Aussage des Vaters nach zu schließen. Warum die Scheidung? Weil die Ehe der Eltern die Selbstmorde nicht verkrafteten?

    Und nicht zuletzt: Warum wählt Cecile als Zeitpunkt des zweiten Selbstmordversuches gerade die Party? Das ausgedehnte Bad, die Auswahl der Kleidung etc, dann trinkt sie noch Saft (nachdem sie die Party verlassen hat) und tritt kurz in den Garten - bevor sie dann aus dem Fenster springt. War das alles geplant mit kühlen Kopf? Und war es gewollt, von Zaum durchbohrt zu werden, oder dachte sie gar nicht soweit?

    Was meint ihr dazu? Mir schwirrt da einiges im Kopf rum und ich bin noch recht verwirrt und weiß nicht so recht, was ich davon zu halten hab. Bin auch gespannt wie es weiter geht und auf eure Kommentare....

    gruß laaran

  3. Inaktiver User

    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Mir gefällt der Schreibstil von Jeffrey Eugenides unheimlich gut. Ich hab die beiden Kapitel hintereinander weg am letzten Montag gelesen - (seitdem mangels Zeit nichts mehr) - und bin schon gespannt wie es weitergeht.

    Was den Erzähler angeht, so weiß ich auch noch nicht so recht, in welcher Beziehung er weiterhin zu den Mädchen steht. Ihm fällt die Borniertheit der Eltern auf und ihm fällt auch auf, dass die Schwestern scheinbar hintergründig, dennoch ganz eindeutig, ein Gegenbild konstruieren. Also nicht nur konstruieren, sondern mit aller Gewalt das durchbringen zu versuchen, was ihnen als Teenies wichtig ist.

    Die Beziehungsarmut im Hause Lisbon ist erschreckend, spiegelt aber durchaus das wieder, was ich selbst oft so wahrnehme.

    Bin auch gespannt wie es weitergeht und was ihr noch so schreiben werdet. Zwischenzeitlich musste ich bei den Schilderungen des Erzählers herzhaft lachen - ein Lachen, das mir aber auch im Halse stecken blieb.

    Liebe Grüße,
    Jetzt_Ich


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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Zitat Zitat von batim
    Das erste Kapitel folgt keinem chronologischen Erzählstrang. Irgendwie wird klar, dass retrospektiv aus der Sicht einer Gruppe von Männern (?), die zur Zeit der Vorfälle als Teenager in der Nachbarschaft der Familie Lisbon wohnten, erzählt wird, wobei an keiner Stelle ein indiviudeller Erzähler hervortritt, sondern er vielmehr als ein 'Kollektiverzähler' erscheint. Die Art und Weise, in der erzählt wird, hat für mich etwas voyeuristsiches.
    Die Frage, "wieviele" der Erzähler eigentlich ist, stellte sich mir beim Lesen auch sofort. Es scheint schon nicht die Sicht eines einzelnen Jungen zu sein, sondern mehrer. Erstaunlich dann aber diese gleichförmige Meinung, oder nicht?
    Auch ist mir bisher nicht klar, wie weit zurück diese Ereignisse alle liegen (aus Sicht des Erzählers).

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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Zitat Zitat von laaran
    die Frage, die sich mir stellt ist, welche Rollen nehmen die Erzähler ein? In welcher Beziehung stehen sie zu den Mädchen. Sie scheinen mir zu idealisieren.
    das ist mir auch aufgefallen, da ja einige Eindrücke während der Party revidiert wurden, z.B. dass die Mädels ja gar nicht alle so gleich waren.

    Ich frage mich auch, warum wurden die Schwestern so kurz gehalten? Warum mussten sie im Sommer von der einen Seite des Gartens zur anderen und wieder zurück pilgern? Scheinbar war ja hier die Mutter die treibende oder eher hemmende Kraft. Der Aussage des Vaters nach zu schließen. Warum die Scheidung? Weil die Ehe der Eltern die Selbstmorde nicht verkrafteten?
    hm, also nach dem ersten Selbstmordversuch von Cecile empfand ich es so, dass sie sich nicht entfernen sollte, damit sie nicht unbeobachtet ist.
    was die anderen Mädchen angeht, ist es mir auch nicht deutlich geworden. einerseits scheinen sie nur im Haus/ Garten zu sein, andererseits scheinen die Jungs einiges über sie zu wissen, ohne direkten Kontakt zu ihnen zu haben.
    Dass die Mutter die hemmende Kraft ist, habe ich auch so gelesen, dass sie sich scheiden lassen haben, habe ich überlesen, muss ich gestehen

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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Zitat Zitat von Giulianna
    Dass die Mutter die hemmende Kraft ist, habe ich auch so gelesen, dass sie sich scheiden lassen haben, habe ich überlesen, muss ich gestehen
    Das kam auch mehr so im Nebensatz raus, so nach dem Motto "als ich den Vater traf, der mittlerweile geschieden war..." oder so ähnlich - (hab das Buch grad nicht zur Hand). Mir ists nur gleich so aufgefallen, weil es so gar nicht ins Bild passte, der heilen Familie und der perfekten, spießigen Mutter. Das hätte ich eher so eingeschätzt - und wenn man sich nur noch angiftet, eine Scheidung ist doch ne Schande.

    Gruß laaran

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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Zitat Zitat von laaran
    eine Scheidung ist doch ne Schande.
    generell würde ich das natürlich nicht unterschreiben aber in zusammenhang mit dem erzählten, wirkt das auch so auf mich. wobei ich mir vorstellen könnte, dass die scheidung tatsächlich nach den selbstmorden stattfand und dass diese ja sicher auch alle eine schande darstellen. da war vielleicht eh nichts mehr zu retten...

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    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Zitat Zitat von Giulianna
    generell würde ich das natürlich nicht unterschreiben

    Hmm meine Meinung ist das natürlich auch nicht, hab ich blöd ausgedrückt. Bloß in der spießigen Ansicht der Mutter ist das ne Schande - vermute ich...

    Ich bin gespannt auf alles Weitere. Werde dann morgen weiter lesen....

  9. Inaktiver User

    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    hallo ihr lieben

    ich bin soeben erst wieder zu hause eingetrudelt und werde in den nächsten tagen ausführlich schreiben.

    soweit nur kurz:

    der stil ist echt interessant. hat mich gepackt.
    die vielen informationen im ersten kapitel haben es in sich....teilweise fühlte ich mich "erschlagen"
    mal sehen, wie es weitergeht.

    soweit , kazza

  10. Inaktiver User

    AW: BriComm Lesekreis liest: Jeffrey Eugenides "Die Selbstmordschwestern"

    Hallo liebe mitleserinnen!
    Ich hab auch nicht viel zeit, daher soweit auch nur meine ersten eindruecke und spaeter mehr:
    Erzaehlperspektive finde ich interessant, habe glaub ich noch nie einen roman gelesen, in dem aus der wir-sicht geschrieben wird. Es wird direkt der eindruck erweckt, als haetten die erzaehler sozusagen jahrelang hinter der fensterscheibe geklebt um die familie zu beobachten. Dies u.a. um der frage nachzugehen, die man sich als leser auch stellt: Wie leben die maedchen eigentlich und warum muessen sie so isoliert leben?
    Dass dieses kollektiv so viele jahre nach den ereignissen berichtet, sorgt dafuer, dass das ganze diesen "wehmuetigen" beigeschmack hat. Ueberhaupt gefaellt es mir stilistisch gut, die sprache hat was poetisches, Eugenides verwendet oft ungewoehnliche und eindrucksvolle bildlichkeiten.
    Cecilias entscheidung, die party als zweite moeglichkeit fuer ihren selbstmord zu nutzen, ist mir auch unklar. Vielleicht ist sie den dingen schon voraus und so gefrustet vom eingesperrt sein, dass das angebot ihrer eltern, nun eine party zu veranstalten und so eine oeffnung des lebens nach aussen zu gewaehrleisten, viel zu spaet kommt...?
    Soweit...
    LG von K.

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