Hallo,
geht es Euch auch so, dass Ihr Euch unmittelbar nach der Lektüre eines Buches auf eine bestimmte Art und Weise im Stich gelassen fühlt? Man ist voll und ganz eingetaucht in eine andere Welt, die ihr Ende mit der letzten Seite findet.
Und dann sitzt man da und es ist vorbei.
Dann will man mehr und findet es oft nicht, weil der Autor nichts mehr in der gleichen Art geschrieben hat. Und weil sich über Jahre nichts mehr findet, das genau dieses Gefühl, diese Atmosphäre, die das geliebte Buch ausgelöst hat, hevorruft.
Oder man ist total verwirrt und hat Fragen, will teilen, was man gelesen hat, die Welt teilen, in die man da versunken ist.
Oder man ist total genervt, fand das Buch schrecklich und will sich darüber austauschen.
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Vor dem Buch, das ich letzte Nacht beendet habe, war ich traurig, dass Die alltägliche Physik des Unglücks (Marisha Pessl) zuende war. Mich hat das schon sehr mitgerissen. Hierzu bei Interesse an anderer Stelle gerne mehr.
Was mich ganz aktuell beschäftigt, ist das Gefühl, das ich heute nach dem Lesen von "Die Frau des Zeitreisenden" (Audrey Niffenegger) habe.
Das Buch versprach, "sehnsüchtig" zu sein (BRIGITTE), "eine der schönsten Liebesgeschichten des Jahrhunderts" (Die Welt). Als dann das Cover aus Blüten in Flieder, Rot und Zartgrau vor mir lag, griff die beherzte Romantikerhand ohne langes Nachdenken zu.
Ich freute mich sehr auf die Lektüre. Und ich muss vorausschicken, bevor es zu Eklats kommt, das ich (auch) eine totale Liebhaberin romantischer Literatur bin. Unterhaltungsliteratur. Schemaliteratur: Ausgangslage, Abweichung der Ausgangslage, Endlage. Der Dreischritt nach Kreuzer. Katharsis. Ich muss ganz tief reingehen können in eine Geschichte, mitbangen, zittern und hoffen können, um am Ende mit viel Tränen, reingewaschen und glücklich wieder zurückkehren, mit unendlich viel Lust auf mehr.
Niffenegger hat mir eine andere Sensation beschert. Zu vergleichen ungefähr mit dem Gefühl das man hat, wenn man sicher war, einen Teller bester Spaghetti vongole zu bekommen und zurückbleibt mit dem bitteren Geschmack von Nutella auf KaviarErsatz. Oder so ähnlich. Die Übelkeit inbegriffen.
Die ersten beiden Drittel waren für mich zunächst nichts weiter als die Beschreibung eines Zeitreisenden. Das zu lesen wäre vielleicht nett gewesen, hätte ich Lust auf SF gehabt. Aber selbst dann hätte ich gähnen müssen. Das letzte Drittel dann ergriff mich tatsächlich im Sturm. Aber kein schöner flauschiger Herbststurm. Nein. Mehr ein fieser Albtraumorkan, der alles kaputt macht.
Nichts ahnend liege ich im Bett und lese mit einem Schlag von einem verblutenden Embryo. Es folgen weitere Schilderungen übr blutdurchnässte Laken mitten in der Nacht. Das Protaganistenpaar durchlebt insgesamt 7 Fehlgeburten. Wenn vorher die Stimmung langweilig bis neutral-heiter war, verwandelte sich mit dem unnachgiebigen Kinderwunsch der Haptpersonen alles zu einer einzigen Depression. Fortan dominieren Hoffnungslosigkeit und Monotonie das Geschehen. Und auch hier von verzehrender Liebe, Sehnsucht keine Spur.
Und also ob das nicht gereicht hätte, verliert die zentrale Figur, besonders charakterisiert durch ihren Bewegungsdrang, ihre Füße! Und stirbt. Ja, ich musste weinen auf der letzten Seite. Aber nicht aus Sehnsucht, sondern aus Verzweiflung und Verstörung. Ich hatte jetzt 3 Nächte hintereinander Albträume wegen diesem Buch. Ich fand es schrecklich, gemein, furchtbar und hoffnungslos. Ich hatte mit Ausnahme einer einzigen Szene, keine Seite in der Hand, die mir wirklich ein romantisches Gefühl gegeben hätte.
Stattdessen hat dieses Buch vor allem auch Verwirrung gestiftet. Immer diese Zeitsprünge. Das ist nichts für romantische KoalaGehirne, die auf einen Schmachtfetzen à la Sparks eingeschossen sind. Sparks. Das ist Romantik pur, das ist Verzehrung, Entflammen, Sterben vor Sehnsucht.
Wie gings oder gehts Euch nach der Frau des Zeitreisenden?
Liebe Grüße
Celia
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06.09.2007, 10:39
Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
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06.09.2007, 20:07
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
Die Frau des Zeitreisenden habe ich nicht gelesen. Aber das Gefühl kenne ich sehr gut. Mir ging es nach allen meinen Lieblingsbüchern so. Manchmal war ich danach so von einem Buch gefangen, dass ich es gleich noch mal gelesen habe, weil ich das Gefühl hatte, ich könne nichts anderes lesen.
Der König von Assur
Die Bis(s)-Bücher
Die Tochter des Phönix
waren z.B. solche Fälle - aber ein paar solcher "Liebesgeschichten" sind noch in meinem Regal...Ist, was wir scheinen und schaun im Raum, nur ein Traum in einem Traum?Edgar Allan Poe
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06.09.2007, 21:10Inaktiver User
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
ich fand das Buch besch* - übrigens nach den ersten 10 Seiten. Zu 10 mehr hab ich mich durchringen können, dann kam's erstmal ins Eck. Als dann nix merh zu lesen da war, hab ich's doch wieder rausgekramt und tatsächlich bis zum Ende gelesen. Besser wurde es nicht.
Ich hab echt kein Problem mit Blut oder Embryonen - aber ne Beschreibung von Frida Kahlos Bildern muss ich mir nicht als romantisch verkaufen lassen. Dass sie gestorben ist, war das einzig gute an dem Buch.
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07.09.2007, 11:45
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
Was ist denn das für ein Buch? Ich "verschlinge" alles über Frida Kahlo.
Zitat von Inaktiver User
Wenn es zutreffen sollte, dass ich nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein.
Erich Kästner
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07.09.2007, 11:53
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
Hallo!
Ich hab ehrlich gesagt auch nicht verstanden, was Tanguera meinte.
Tanguera? Please explain
Hast Du das Buch von dem ich sprach gelesen? Ich kann mich an keine Hinweise auf Kahlo in Die Frau des Zeitreisenden erinnern. Und was genau meinst Du mit
Dass sie gestorben ist, war das einzig gute an dem Buch.?
Dass wer gestorben ist, sei gut?
Gruß
Celia
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07.09.2007, 13:30Inaktiver User
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
ich meine, dass mich das Buch mit 7 Fehlgeburten stellenweise an die Bilder Frida Kahlos erinnerte: http://www.artfacts.net/newspics/192...small_nips.jpg So eindringlich die Bilder sein mögen und so tragisch das Thema: das muss ich mir nicht antun.
Zu Frida: kenn nur den Roman von Barbara Mujica (dt. "Meine Schwester Frida"), deutsche Übersetzung ist allerdings sehr schlecht, und die Bio von Hayden Herrera.
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07.09.2007, 13:51
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
Ok, das mit Kahlo verstehe ich dann jetzt. Allerdings immer noch nicht, welche sie in welchem Buch gestorben sein soll, oder warum Du es besch.... fandst, aber sei es drum.
Zitat von Inaktiver User
Erstaunlich. Die Frau des Zeitreisenden wird, wenn ich mich durch Bücherthemen hier in der Bri arbeite, nur gelobt. Ich verstehe das echt gar nicht. Ich hab mich richtig gelangweilt. Sooo öde. Komisch.
@black_kitten:
Habe mir gerade mal Deine Titel angesehen, leider überhaupt nicht mein Ding, aber schön, dass Du da Deine Lieblinge gefunden hast. Den ersten und 3. Titel hab ich mich angesehen, bis auf den Bis(s)
- gleiches Genre? Hab ich nicht gefunden.
Liebe Grüße
Celia
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08.09.2007, 14:38
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
@Celia: Die Bis(s) Bücher - heißen ausgeschrieben Bis(s) zum Morgengrauen, Bis(s) zur Mittagsstunde und Bis(s) zum Abendrot.
Sie sind bei Carlsen erschienen und eigentlich Jugendbücher, die aber auch von vielen Erwachsenen gelesen werden.
Sie handeln um die Liebe zwischen einer Sterblichen und einem Vampir.Ist, was wir scheinen und schaun im Raum, nur ein Traum in einem Traum?Edgar Allan Poe
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08.09.2007, 17:43
AW: Nach dem Buch: Eindrücke, Gefühle & Fragen
Na Du bist mir ja auch ein romantisches Liebchen, was?! Schön :-)
Zitat von Black_Kitten


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