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  1. Inaktiver User

    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Ich glaube, ich muss hier einen Punkt machen.
    Aussagen wie "hat ihre Strafe bekommen" und "raus aus dem Knast, leider" sind nicht das Thema, über das ich hier sprechen wollte. T.

  2. gesperrt

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    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Also, jetzt hab ichs mir gekauft und bin auch schon durch.

    Anfangs hat es mich noch nicht so gefesselt ... erst so ab Seite 100 - 150 fand ich den Einstieg.

    Ich pers. kann viele Gedanen und Gefühle dieser Mutter nachvollziehen.

    Z.B. die Enttäuschung, daß es direkt nach der Geburt nicht den rosa Knall gibt und man liebt sofort das Neugeborene und es liebt einen zurück.

    Ich verstehe auch, daß sie ihn nach 6 Jahren windeln "an die Wand klatscht", eben weil er sie bewußt provoziert.
    Mutteliebe ist nicht daran zu klassifizieren, wie lange man Provokation erträgt .. das hängt vom Temperament der Mutter und der belastbarkeit ihrer Nerven ab .. nicht von der Fähigkeit zu Lieben, oder?

    Ich denke, das hat aber auch viel mit gesellschaftlicher Verklärung und Druck zu tun ... eine gute Mutter liebt ihr Kind sofort und stillt.

    Alles andere ist erstmal unnatürlich.

    Das Gefühle wachsen müssen bzw. das es nichts bringt, ein Kind zwanghaft zu stillen, das lieber ein Fläschen nimmt ...

    Ich finde, einige von Evas Problemen sind hausgemacht, sie strebt ein ideales Mutterbild an und verzweifelt an der Tatsache, daß sich der von ihr angedachte Idealzustand mit ihrem Baby nicht einstellt und ist deswegen so maßlos enttäuscht, das sie depressiv wird ... aber, ob das eine "echte" postnatale Depression ist, ich weiß nicht, evtl. sind es nur ihre eigenen überzogenen Erwartungen.

    Ich meine, es genügt doch, wenn ein Baby trinkt, wächst und gedeiht ...es muß nicht Brust und Muttermilch sein.

    Ich finde es etwas unrealistisch, daß Eva nie auf die Idee kommt, sich und ihrem Kind bei ihren Problemen helfen zu lassen.
    Dazu gibt es ein extrem breites Angebot, z. B.
    Schrei-Kind-Ambulanzen oder Mutter-Kind-Kuren oder, oder, oder
    Gerade in den USA ist es doch übldich, mal zum Psychodoktor zu gehen, Gesprächstherapien zu machen ...
    Immerhin, es waren die 80er !!!

    Irgendwo typisch, daß sie bei der Geburt alle Schmerzmittel ablehnt, bis es zu spät ist ...

    Der Gedanke, ein Baby könnte bewußt böse oder seine Mutter ablehnend handeln ist einfach nur falsch.
    Also, irgendwie hatte ich nie den Eindruck, meine Babies handeln oder denken bewußt in ihren ersten Wochen.
    Die drücken ihr Wohlbefinden aus ... oder ihr "Nichtwohlbefinden".

    Für mich lernt Kevin von seiner Mutter.
    Sie lehnt sich in der Mutterrolle ab.
    Er lernt das von ihr.
    Er lernt schnell und gut.

    Eva hat das Ablehnen auch von ihrer Mutter übernommen.
    Evas Mutter lehnt die Welt ab, geht nicht mehr aus dem Haus.
    Eva lehnt die USA ab und die Menschen die darin leben.
    Sie jettet an alle möglichen Orte und versucht dort ein besseres Leben und bessere Menschen zu finden ... darüber schreibt sie Bücher!
    Kevin lehnt seine Mitschüler ab ... er bewegt sich eben noch im geregelten Schuluniversum ...

    Ich pers. kann nicht nachvollziehen, wieso Eva ihren Kevin im Gefängnis überhaupt besucht.
    Warum sie den Kontakt zu ihm nicht abbricht.

    Wieso ist sie emotinal dazu überhaupt in der Lage ?

    Immerhin hat er ihre Familie ausgelöscht, Mann und Tochter zuallerest ermordet.

    Sie hättes jedes Recht dieser Welt, ihn dafür zu hassen.

    Nur, hat sie denn diese beiden wirklich geliebt ???? .. wahrscheinlich nicht ... wahrscheinlich hat sie sich an dieses beiden nur gewöhnt, weil es relativ einfach war, sie vermißt sie, spürt den Verlust ...
    Aber tiefe Liebe kann es nicht gewesen sein, denn sonst hätte sie was unternommen ... ihre Ehe zu retten ... oder ihre Tochter ... oder, oder.

    Also für mich ist es so: Eva liebt im Grunde niemanden ... genauso wie Kevin.

    Andere brauchen nur länger, bis sie erkennen, Eva liebt nicht. Nicht den Sohn .. aber ebn auch nicht den Mann, ihre Ehe, das Haus ... Eva findet immer ihre Gründe, warum sie alles Ablehnen kann, warum alles nicht perfekt ist.

    Eva bringt das Kevin bei und der handelt einfach nur konsequent.
    Er ist eben jung und idealistisch, selbstverliebt und nicht fähig aus seinem Leben auszubrechen - wie die meisten Teenager.
    Fatal. Einfach nur fatal.

    Gruß, B.
    Geändert von Blondine (15.07.2007 um 09:06 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Ja, es ist einiges "dran" an dem, was Du interpretierst - und gleichzeitig stimmt auch wieder das Gegenteil....finde ich. Das liegt aber am Buch, und macht es eben so faszinierend.

    Ja, Eva hätte sich Hilfe holen sollen. Das wird aber sicher schwierig, wenn der eigene Mann ihr von Anfang an das Gefühl -und die Argumente dafür!- gibt, es gäbe erstens kein Problem, und zweitens: falls etwa doch, dann nur durch Evas Unzulänglichkeit verursacht.

    Dennoch ist für mich dieses Buch -ohne, dass ich es im Text belegen kann!- gerade ein flammendes Gegenargument gegen den derzeitigen Therapie- und Machbarkeitswahn, die "Strickanleitungen" der Erziehungsratgeber...
    Liegt vielleicht daran, dass alles "man hätte doch", "sie könnte doch" des Lesers irgendwie ins Leere läuft.
    Man hätte...ab wann? und: waren denn die vielen evtl. Auslöser, zu handeln, wirklich wie in ihrer Wahrnehmung? (Fragt sie sich)

    Ja, Eva lehnt vieles ab. Das Einzige, woran ihr Herz aber hängt und wo sie sich begeistern kann -ihre Reisen, ihre Arbeit- kann sie aber naturgemäß nicht mit ihrem Sohn teilen...

    Ja, sie ist ein ziemlich bitterer Mensch. Aber wie viele sind das auch und erwarten dennoch, dass im Mutterwerden Freude, Begeisterungsfähigkeit und Sinnliches Genießen vom Kind ausgehen?

    So, und abseits aller Interpretationsversuche liebe ich dieses Buch für den Satz:"als ich irgendwann nachmittags die "Zeit-für-unseren-Saft-Leier" satt hatte..."!
    Gruß, T.

  4. gesperrt

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    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Ja manche Sätze sind treffend ... ich glaube auch, dies ist ein Buch, das liest man mehrmals ... und jedesmal kommen einem andere Gedanken, werden andere Aspekte wichtiger .. ich glaube, es ist stark von den eigenen Erfahrungswerten und Emotionen abhängig... ich stecke privat gerade etwas in der Kleinkind- und babyphase .. logischerweise "lese ich anders", wenn ich säpter evtl. täglich Teenagerpprobleme fokusiere .. oder, nicht ???

    gruß, B.

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    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Hallo!

    Durch diesen Thread hier bin ich auf das Buch aufmerksam geworden und habe es mir daraufhin bestellt. Ich bin mittlerweile ca. 60 Seiten vor dem Ende und kann es kaum erwarten, heute endlich nach Hause zu kommen und das Buch zu Ende zu lesen. Danke Euch für den Tipp!

    Ich finde das Buch gleichermaßen faszinierend, erschreckend, spannend, grausam und noch einiges mehr. Während ich das Buch gelesen habe, hat sich meine Meinung, wer jetzt das eigentliche A...loch oder der Psychopath ist, von Kapitel zu Kapitel bzw. von Brief zu Brief geändert.

    Und um ehrlich zu sein muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es sich nur um eine fiktive Geschichte handelt. Denn sowas könnte es einem ganz schön vermiesen, mal selbst eine Familie gründen zu wollen.
    Viele Grüße,
    Averna
    _________________________________

    Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

  6. Inaktiver User

    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Der Roman ist schonungslos. Auch schockierend. Und ungeheuer wichtig. Er hinterfragt die traditionelle Mutterrolle ebenso wie die These, dass kein Mensch schlecht geboren wird.
    Ebenso beeindruckend fand ich die Erzählform. Es gehört schon ungeheuer viel Talent dazu, solch einen Roman aus der Ich-Perspektive und dazu noch in Briefform zu erzählen, ohne den Leser zu langweilen.
    Shriver gelingt dies.
    Das Ende war schockierend.
    Aber auch für mich nicht 100% glaubwürdig.
    Mehr will ich hier nicht verraten *Spoilerwarnung*.
    Ein Must für alle Eltern und solche, die es werden wollen

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    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Hallo,
    ich habe "Kevin" ebenfalls vor kurzem gelesen und verfolge die unterschiedlichen Meinungen an dieser Stelle mit großem Interesse. Es spricht sehr für das Buch, dass es eine dermaßen kontroverse Diskussion verursachen kann. Auch ich musste mich manchmal erst daran erinnern, dass es sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern um einen Roman handelt.

    Ich kann sowohl Kevin als auch Eva sehr gut versehen, ohne dass ich die Folgen entschuldigen möchte. Wann ist etwas schiefgelaufen? Vielleicht schon bei der Empfängnis? Warum wollte Eva ein Kind? Bei den Zweifeln, die sie vor und während der Schwangerschaft plagten, muss man sich das doch fragen. Weil es alle machten? Weil die Freunde auch Kinder hatten? Weil die biologische Uhr tickte? Weil es einfach möglich war? Vielleicht muß man nicht alles im Leben ausprobieren, zumindest das nicht, was einem nicht liegt. Ich finde, sie hat für sich die falsche Entscheidung getroffen, was uns allen ja mal passiert - in diesem Fall jedoch mit fatalen Folgen, die jedoch vorher nicht abzusehen waren. Zu bewundern ist dabei, dass sie eisern die Konsequenzen trägt.

    Eva geht meiner Meinung nach mit zu großem Perfektionismus an alles heran. Auch die Entscheidung für das zweite Kind trifft sie, um sich und anderen zu beweisen, dass sie doch eine tolle Mutter sein kann.

    Eva liegt zu viele Erwartungen in die Mutterschaft und hat nach der ersten "Enttäuschung" (keine übergroße Freude nach der Geburt, keine Nähe zum Kind durch das Stillen) die Lust an der ganzen Geschichte im Grunde verloren. Ganz oder gar nicht. Halbe Sachen macht Eva nicht.

    Das soll nicht heißen, dass ich ihre Gefühle nicht nachvollziehen kann. Ich hätte Kevin wahrscheinlich schon vor der Einschulung erwürgt. Und Kevin konnte gar nicht anders, als mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (schreien, schreien, schreien oder Sachen kaputtmachen) die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu fordern. Ein Teufelskreis.

    Das Buch halte ich in einem Punkt jedoch für etwas unglaubwürdig:
    Kein Mensch kann dermaßen blind sein und seinen Sohn immer nur für das Opfer halten, nicht einmal ein "Schönwettervater".
    Liebe Grüße
    Estrelicia


    Wer nichts genießt, wird ungenießbar.

  8. Inaktiver User

    AW: Habt Ihr hier schon "über Kevin gesprochen" ?

    Zitat Zitat von estrelicia
    Eva liegt zu viele Erwartungen in die Mutterschaft und hat nach der ersten "Enttäuschung" (keine übergroße Freude nach der Geburt, keine Nähe zum Kind durch das Stillen) die Lust an der ganzen Geschichte im Grunde verloren. Ganz oder gar nicht. Halbe Sachen macht Eva nicht.
    hm, das ist ein interessanter Gedanke.
    Jedenfalls wird ja dieses tägliche Sich-um-ihn-bemühen erst in der Gegenwartsebene -in seiner Haft- so deutlich thematisiert.
    Vorher scheint sie sich, durch eigene Versagensvorwürfe und Zweifel an ihrer Wahrnehmung, selbst im Weg zu stehen.

    (So gesehen ist Franklin auch nur das andere Extrem - nichts hinterfragen, "zudeckende" Schemata, Augen zu und durch...vielleicht aber auch manchmal nötig? Das Drama ist wohl, dass diese beiden Haltungen, die sonst in einer Person "wohlgemischt" die Erziehung ausmachen, hier in Reinform auf zwei, tja, Gegner aufgeteilt sind.)

    Böse gesprochen scheint Eva irgendwie erleichtert, als durch dieses eindeutige Verbrechen Kevin zum Schuldigen wird, dies ist sie nicht gewesen...jetzt kann sie ihn lieben.

    Gruß, T.

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