Hej,
Ich bin doch sehr erstaunt, wie unterschiedlich man das empfinden kann. Zunächst mal zur Diskussion, die hier entstanden ist.
Bücher sind sicherlich für viele unterschiedlich. Zum einen finde ich, dass man da ganz klar zwischen Sachliteratur und Belletristik unterscheiden muss, denn beides dient unterschiedlichen Zwecken, das erste wird (je nach Fachgebiet) auch häufig genutzt, während die meisten Romane sicherlich nur einmal gelesen werden (da gibt es natürlich Ausnahmen, aber es macht doch einen geringen Teil aus).
Lustig finde ich die hier geäußerte Ansicht, man wolle mit seiner Bücherwand "angeben", gar auf seine Bildung aufmerksam machen. Das gibt es sicherlich, nicht umsonst gibt es Firmen, die Bücherwände bestücken auf Bestellung (sehr krude!). Für mich sagen 6 Regalreihen voller Fachliteratur (ob die gelesen ist steht ja auch in den Sternen) aber nichts darüber aus, ob der Mensch nun schlau oder belesen ist, üblicherweise erkennt man sowas im Gespräch, sollte man meinen. Also - mag es geben, ich glaube aber, die wenigsten stellen sich alles voller Bücher, heutzutage. Und wie man hier sieht, gibt es viele eifrige eBook-Nutzer und Bibliotheksnutzer - d.h. nur weil die nur ein Billy zuhause gefüllt haben, geht man automatisch von weniger Bildung aus? Der Rückschluss geht heute so einfach nicht mehr
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Aber mal ganz abgesehen davon, mir ist so ein Denken fremd. Was mich wirklich erstaunt sind Haushalte komplett ohne Bücher oder wirklich nur mit einem Regalbrett (üblicherweise kenne ich dann aber auch die Person, deren Zuhause ich da betrete und weiss, ob sie Bibliotheken/eReader nutzt). Das aber, weil Bücher für MICH so ein ganz klares Gehört-zum-Leben-dazu-Ding sind. Andere mögen meine Wohnung betreten und denken, Huch kein Haustier, keine Pflanzen, keine Designermöbel.
Wenn ich woanders bin und ein Bücherregal sehe, dann ist mein allererster Gedanken: Oh! Gucken! Bücherregale sagen unheimlich viel über einen Menschen aus und damit meine ich nicht seinen Belesenheitsgrad oder Intelligenz. Sondern man findet Schnittmengen an Autoren. Man entdeckt neue Verlage. Man entdeckt Leidenschaften (Bildbände, Kochbücher etc.). Man findet geliebte Kinderbücher. Man findet Zusammenstellungen, Ordnungssysteme, man kann an manchem Sachbuch erkennen, womit sich derjenige beschäftigt. Man kann sich austauschen, Literatur diskutieren, gemeinsame Leseerlebnisse und und und. Mich kann man problemlos einige Stunden mit so einem Regal alleine lassen und ich vergnüge mich königlich (in Zeiten von Bib und eReader meist ein unvollständiges Bild der (Lese)-Person, aber mei, im Großen und Ganzen...).
Und meine eigenen Bücher - das ist meine Welt. Versteht mich nicht falsch - ich sortiere auch aus. Regelmäßig (allein Leseexemplare, wenn sie nicht 100% überzeugen, das geht beruflich garnicht anders, als da regelmäßig auch auszusortieren). Ich gebe weiter und merke immer mal, das manches nun auch gehen darf. (Und ich nutze auch Bibliothek und Onleihe, nur eBooks kaufen ist sehr selten...) Aber einiges bleibt, bleibt, bleibt. Letztes Jahr habe ich einen sehr großen Teil meiner Bibliothek (und der meines Mannes/Kindes) durch einen Schaden verloren und auch wenn vieles zwar fehlt, aber nun eben auch weg ist und Platz für Neues schafft, manches vermisse ich schmerzlichst, gerade wegen Anmerkungen, Lesezeichen und Erinnerungen...einen durchschnittlichen Krimi weggeben, das ist meist leicht. Aber wenn die Bücher eben auch die eigene Entwicklung mit abzeichnen, eine Art Lese-Lebens-Biographie? Bei mir ist das so.
Meine Regale (aktuell etwa 3 Billys, zweireihig, der Rest der blieb) zeigen wer ich bin. Die Ordnungen darin verändern sich immer mal. Wer sie ansieht, kann sehr viel über mich erfahren und entdecken. Und ganz sicher hält man mich nach dem Besichtigen nicht für hochbelesen oder hochliterarisch und diesen Eindruck will ich auch nicht vermitteln. Wenn überhaupt, dann zeugt mein Bücherregal von Literaturliebe und zwar in unterschiedlichster Form, vom Sachbuch bis zum Liebesroman, Krimi und Jugendbuch. Und dieses Statement, das gebe ich damit gerne raus - denn die Vermittlung von Literatur ist für mich nunmal Berufung und Leidenschaft.
Ansonsten finde ich Bücherwände einfach unheimlich gemütlich. Und wenn jemand Wandteppiche oder Gemäde stattdessen aufhängt, dann finde ich das auch toll, wenn es zu demjenigen passt. Nicht jeder sammelt oder muss das für sich persönlich vor Augen haben. Die Menschen sind unterschiedlich.
Um zur Ursprungsfrage zu kommen: ich gebe soviel aus, wie es kostet. Bücher sind billig (bevor der Aufschrei kommt - seit Jahren sind die Preise in der Hinsicht stabil) und von Autoren die ich mag bin ich gerne bereit den Preis zu zahlen. Für Romane ist meine Schmerzgrenze wohl um die 30 Euro angesiedelt, bei Taschenbüchern bei 14-15 Euro (kommt ja selten genug vor, dass der Preis dort so hoch ist). Kochbücher ca. 25 Euro. Das letzte Fachbuch was ich gekauft habe hat 49,95 gekostet und war den Preis absolut wert, Gestaltung top, tolle Qualität und Typographie und spannender Inhalt.
Zimtfisch
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01.02.2016, 17:44
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
That rug really tied the room together. The Big Lebowski
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01.02.2016, 17:49
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01.02.2016, 17:53
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Ich horte sogar Bücher in Schränken, so dass man sie gar nicht sieht. Da stauben sie nicht ein. Aber eigentlich geschah es aus Platzmangel, als das Regal voll war. Ich will meine Wohnung nicht mit Billys vollstellen.
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01.02.2016, 18:03
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Zimtfisch, herrlich!

Da habe ich mich selbst auch an einigen Stellen wiedergefunden. Mir ist Einiges durch die vielen Umzüge flöten gegangen. Aber die wichtigen Werke für mich und mein Leben sind alle noch da. Und füllen ganz gemütlich mehr als eine Wand. Gut angelegt, wie ich finde, ein Schatz, der es wert ist. Bücher, die ich nicht lese oder ab und zu mal wieder anschaue, habe ich nicht.
Wenn ich zu Buchbesitzern komme, bei denen ich spüre, dass viele Bände, die da rumstehen, oft in der Hand waren und eher Freunde als Druckwerke sind, Lebensbegleiter, Tröster, Mitbewohner, dann bin ich zuhause - bei dem Menschen und in dieser Wohnung.*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
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01.02.2016, 18:06
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Die Buecher, die ich noch besitze, befinden sich auch in Schränken, in meinem Arbeitszimmer. Da kommen nicht viele Leute rein ... Beim letzten grossen Umzug habe ich mich von den meisten Büchern getrennt, mehr als 1000 würde ich sagen... Ich habe sie verschenkt. Ganz leicht gefallen ist mir das auch nicht - und ich hatte jedes Buch noch einmal in der Hand und hab überlegt, ob es wegkann oder nicht ...
Jetzt kaufe ich fast nur noch e-books.
Ich finde nicht, dass Bücher eine Wohnung gemütlich machen. Sie können auch erdrückend wirken und sind Staubfänger... Vor allem, wenn sie offen stehen.
Ich gebe auch das aus für Bücher, was sie kosten... Wenn ich eins haben möchte, egal ob als e-book oder print, dann kaufe ich es auch... Und - ich habe auch schon Bücher wiedergekauft... Aber nur 1,2 ...
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01.02.2016, 18:07
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Ganda, das hast Du aber auch sehr schön gesagt in deinem zweiten Absatz! Genauso ist es.
Entschuldigt den Essay, aber bei dem Thema geht es mit mir durch
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ebayfan, ich bin mir zu 100% sicher, dass wir beide da auf keinen Konsens kommen. Das macht aber auch nichts. Ich bewundere, dass Du konsequent deinen Stiefel durchziehst und deine Prioritäten setzt und verteidigst. Dieses Standing haben wenige so unnachgiebig und auch wenn deine Einstellung meiner selten ähnelt, so kann ich von mancher Einstellung dennoch auch einiges auf meine Lebensumstände ummünzen. Außerdem wäre es doch langweilig, wenn alle gleich wären, die Diskussuion wäre nach zwei Minuten zuende.
coryanne, es kommt darauf an. Bücherregale können auch erdrücken, je nach Wohnung und wie man sie aufstellt. Was ich nicht leiden kann sind Stehrumchens vor und zwischen den Büchern. Allerhöchstens eine Bücherstütze. Ich kenne ein Buchregal über die gesamte Wand, vor den Büchern stehen Bilder, Blechspielzeig und tausenderlei Kram. Das ist mir vieeel zu überladen.
ZimtfischThat rug really tied the room together. The Big Lebowski
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01.02.2016, 18:19
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Oh, erwischt! Aber Stehrumchen kaufe ich auch nicht mehr. Und da bin ich konsequenter als bei den Büchern. Na gut, bei Weihnachtsdeko kann ich mal schwach werden.^^
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01.02.2016, 18:31
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Die Zimmer dürfen nicht zu klein sein. Mein großes Regal über die ganze Wand habe ich zum großen Teil selber gemacht und nur die pingeligen Reste vom Schreiner erledigen lassen: Damit es eben nicht diese Tiefe gibt, die das Zimmer verkleinert. Außerdem sollten sie es schön und in Echtholz haben, die Schätze.
Staub? Stört mich wenig und fällt hier auf dem Land in guter Luft auch nicht so viel an wie in der Stadt. Ich fahr alle Unzeiten mal mit der weichen kleinen Staubsaugerbürste drüber. Die obersten haben da regelmäßig Pech.
Ist auch ein emotionales Thema.^^
Vor den Büchern mag ich auch nix. Aber in den Lücken, die es inzwischen gibt, stell ich schon gern mal ein Bild mit schönem Rahmen oder einen schlichten Silberkasten. Wenn's nicht zu sehr von den Büchern ablenkt, ist das für mich ok.. Neben den Jugenstilbänden steht zum Beispiel eine Aufnahme von einem Wiener Haus aus der Zeit, neben den afrikanischen Autoren die kleine Statue einer Wasserträgerin, die mir ein Freund mal aus Tanzania mitgebracht hat. So in etwa. Viele Rumsteher hab ich eh nicht. Ich kauf mir ja lieber Bücher.Was ich nicht leiden kann sind Stehrumchens vor und zwischen den Büchern. Allerhöchstens eine Bücherstütze. Ich kenne ein Buchregal über die gesamte Wand, vor den Büchern stehen Bilder, Blechspielzeig und tausenderlei Kram. Das ist mir vieeel zu überladen.
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01.02.2016, 18:50
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
Das ist total schön wie ihr das gerade beschreibt !!
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01.02.2016, 19:29
AW: Wie viel gebt ihr fuer Buecher aus?
In einem früheren Bücherregal habe ich immer mal einen Bildband oder ein besonders schönes Cover mit dem Gesicht nach vorne gedreht .... dazu habe ich im Moment zu viele Bücher und das falsche Bücherregal, weil ich vor ein paar Jahren so etwas in der Art
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selbst gebaut habe.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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