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  1. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich denke, dass es bei der Beschäftigung mit den Werken von Goethe, Schiller, Grass, Hesse usw. überhaupt gar nicht darum geht, ob diese Texte gefallen oder nicht. Diese Autoren hatten zu ihrer Zeit einen derart prägenden Einfluss auf die deutschsprachige Kultur, dass man sich heute mit ihnen beschäftigen muss, wenn man die gegenwärtige Kultur verstehen will.

    Als studierter Literaturwissenschaftler will ich mal all die Hobbyleserinnen und -leser beruhigen: Die meisten Goetheexperten, Brechtherausgeber und Hessespezialisten lesen abends zur Entspannung gerne Trivialliteratur. Einer meiner Profs, inzwischen Rektor einer süddeutschen Uni, begeistert sich z.B. für Krimis, ein anderer liest Science Fiction. Von keinem habe ich übrigens je gehört, dass ihm Goethe oder Brecht "gefällt" - das ist einfach nicht die Frage, um die es geht.

    Es gibt Autoren, deren Werke ihre Leser intellektuell stimulieren, und andere, die ihren Lesern ein wohliges Gefühl vermitteln. Und beides ist doch nicht nur legitim, sondern auch notwendig für ein "gesundes" Leben.

    Man mag sich aber vielleicht überlegen, ob man sich selbst etwas gutes tut, wenn man sein Gehirn so ganz einseitig ernährt und es ausschließlich mit Rosamunde Pilcher füttert. Vielleicht ist es nützlich, sich mal von einem "schwierigen" oder "anspruchsvollen" Autor verwirren, verunsichern, überraschen oder aus dem engen eigenen Gedankengang drängen zu lassen. Literatur kann viel mehr, als nur zu unterhalten, sie kann Menschen verändern, aber dafür muß man eben den Mut haben, auch einmal etwas Ungewohntes zu lesen, und, auf der Suche nach dem besonderen Schatz,vielleicht viele langweilige oder nervige Bücher durchqueren.

    Einige der Bücher, die mich am nachhaltigsten beeinflusst haben, waren solche, die ich freiwillig und zum Spaß nie gelesen hätte.

    Es muß ja nicht gerade Brecht oder Schiller sein ...
    das fand ich so treffend und schön geschrieben und sagt genau das aus, was ich auch empfand und schon zu Anfang, als ich insistierte, vermitteln wollte. Nun freue ich mich, dass der Strang eine Wendung nahm..

    Ich fand es auch schön, ich glaube von Wales , den Gedankengang zu lesen, dass Autoren bei denen einem gaaanz mulmig wird, man am liebsten göbeln möchte ;-) zumindest noch so viele " Nähe " besteht, dass sie einen so negativ berühren können... Vielleicht kann man irgendwann wirklich nonchalant über sie lächeln und hinwegsehen und ganz abhaken oder man entdeckt sie plötzlich und hebt einen Schatz ( für sich persönlich kostbar )

    Bei mir war es G. Benn... und heute schätze ich vieles von ihm..

  2. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    zumindest noch so viele " Nähe " besteht, dass sie einen so negativ berühren können... Vielleicht kann man irgendwann wirklich nonchalant über sie lächeln und hinwegsehen und ganz abhaken oder man entdeckt sie plötzlich und hebt einen Schatz ( für sich persönlich kostbar )
    Ich habe mich lange mit Salinger beschäftigt.
    Ich habe den Fänger in der Schule lesen müssen-Deutsch war, neben Englisch und Französisch immer mein Lieblingsfach.
    Als Erwachsene habe ich das Buch nochmal gelesen, weil ich dachte, als Teenie dafür vielleicht nicht reif genug gewesen zu sein,mit dem selben Ergebnis:Holden deprimiert mich
    Auch das Lesen der englischen Version änderte nichts an meinem Gefühl.

    Salingers Werk besteht übrigens nur aus diesem einen Roman und diversen Kurzgeschichten. Ein sehr angenehmer Zeitgenosse scheint auch er nicht zu sein: seine Frau ließ sich nach 12 Jahren scheiden, weil er nicht mehr mit ihr redete.
    Eine von Ian Hamilton verfasste Biographie wurde von Salingers Anwälten massiv gekürzt. Man weiß also sehr wenig über ihn.
    Im Moment bin ich gar nicht im Bilde, ob er überhaupt noch lebt.

    Ein "Schatz" wird der Fänger für mich nie werden. Da habe ich andere Lektüre auserkoren. Eins kann ich verraten: Pilcher ist es nicht

  3. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Guck mal : der neue Übersetzer nach Böll hat " den Fänger im Roggen " auch vorher nie gelesen und ließ dann auch mal einen Satz einfach weg und meinte dann während des Interviews sinngemäß: " Huch, ja wirklich, jetzt wenn Sie es sagen, sehe ich es auch..."

    Das fand ich sehr komisch..

    http://www.taz.de/pt/2003/04/07/a0146.1/text

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    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Ich hab noch eine kurze Ergänzung
    der Grund, aus dem ich Goethe nicht mag.
    Wir hatten in der Schule den "Sandmann" von E.T.A.Hoffmann gelesen und ich fand ihn toll, aber das nur nebenbei.
    Nun also die Klausur zum Sandmann, wir bekamen einen Aufsatz oder ähnliches von Goethe, in dem er sich über den Sandmann und E.T.A.Hoffmann auslies:
    (jetzt aus meiner Errinnerung, aber einige Details weiß ich in der Aussage noch)
    Was für ein unreifer Mann Hoffmann doch wäre, so einen erdachten Schund zu schreiben ohne jeglichen realen Hintergrund.
    Man solle ihm doch einen Arzt schicken, wenn ihm das überhaupt noch helfen würde, vielleicht solle man ihn auch gleich in ein Irrenhaus bringen...

    so ging das eine ganze Seite lang, und es war in keiner Weise fundiert oder zumindest respektvoll einem anderen Schriftsteller gegenüber, der ausserdem noch sehr Jung war und gerade erst anfing. Und sein eigenartiges Leben ist natührlich och ein grund mehr, Goethe nicht in den Himmel zu heben.

  5. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    @Linwen

    Das ist wirklich ein starkes Stück

    Und Schönfeld meint, der "Fänger" sei kein Jugendbuch-guck an.
    Ich finde, dass es auf jeden Fall Parallelen zu Benjamin Leberts "Crazy" gibt.
    Das Buch fand ich übrigens gut!

  6. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Zitat Zitat von dastin
    Ich hab noch eine kurze Ergänzung
    der Grund, aus dem ich Goethe nicht mag.
    Wir hatten in der Schule den "Sandmann" von E.T.A.Hoffmann gelesen und ich fand ihn toll, aber das nur nebenbei.
    Nun also die Klausur zum Sandmann, wir bekamen einen Aufsatz oder ähnliches von Goethe, in dem er sich über den Sandmann und E.T.A.Hoffmann auslies:
    (jetzt aus meiner Errinnerung, aber einige Details weiß ich in der Aussage noch)
    Was für ein unreifer Mann Hoffmann doch wäre, so einen erdachten Schund zu schreiben ohne jeglichen realen Hintergrund.
    Man solle ihm doch einen Arzt schicken, wenn ihm das überhaupt noch helfen würde, vielleicht solle man ihn auch gleich in ein Irrenhaus bringen...

    so ging das eine ganze Seite lang, und es war in keiner Weise fundiert oder zumindest respektvoll einem anderen Schriftsteller gegenüber, der ausserdem noch sehr Jung war und gerade erst anfing. Und sein eigenartiges Leben ist natührlich och ein grund mehr, Goethe nicht in den Himmel zu heben.
    Wie Neko schon schrieb : der Charakter hat wenig mit der Qualität der Werke zu tun. Es macht einen Menschen sympathisch oder unsympathisch und ja auch Schiller fand Goethe arrogant und unsympathisch, aber achtete sein Werk sehr..

    Goethe war ein Genie. Eine Ausnahmerscheinung... die dürfen, müssen vielleicht sogar etwas neben der Kapp sein.. kommt jedenfalls ziemlich oft vor.

    Es ist aber wirklich sehr interessant, was alles ausschlaggebend bei der Auswahl von Autoren ist.. was gar nichts mit dem Werk zu tun hat.. Es wrd sicher einigen wie Dir gehen..

    Und ich mag von manchen der neuen Autoren wie z. B. Juli Zeh nix ( mehr ) lesen, weil diese mir ein rotes Tuch ist..abgesehen davon, dass ich ihre " Schreibe " nicht aushalten kann..

    Wie ist das mit den Musikern von heute ? Oder mit den neuen Schrifstellern ? Interessiert man sich für deren Leben, deren Charakter ? Ich glaube fast mehr als fürs Werk..Ist es deshalb so wichtig, eine I. v. Kürthy etc zu allem Möglichen zu befragen, vor die Kameras zu zerren ? Vielleicht. Auch das soll wohl mit verkauft werden.. Deren Leben, Sichtweise aufs Leben : ob das nur Yellow-Press-Zeug ist-das ist wohl völlig egal..
    Aber es erklärt den Sinn mancher "Homestory "

    Mich interessiert das aber alles nicht, will manches gar nicht wissen, so wie ich früher nix von Boris Becker über Politik hören wollte..und er dennoch von Journalisten dazu befragt wurde..

    ----

    Nochmal zurück zu Hesse :

    Im Zusammenhang mit dem heute so gerne gelesenen H. Murakami las ich von einem Rezensenten : "Hesse goes Japan" ..
    Ist das nicht auch witzig.. ? Dieser Zusammenhang ? und ich bin sicher, Murakamileser ( Liebhaber..) finden das überhaupt sehr unangebracht..ich fand es aber auch treffend und ziemlich witzig provokativ..
    Und Murakami ist ein Schrifsteller, der mich doch noch interessiert, nicht losläßt, obwohl ich das Buch was ich von ihm las nicht mochte..
    Weiß aber nicht viel von ihm..vielleicht ist er fies oder nett, das ist mir aber egal..ich will nur seine Buchstaben lesen und hoffe, dass die Übersetzer ihre Sache gut gemacht haben..

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    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    wahrscheinlich bin ich zu idealistisch, meine Eltern meinen, das wird sich schon noch legen, ich hab ja auch noch Zeit.
    Schon vor der Klausur war mein Verhältnis zu Goethe, naja, neutral, ich wusste nur, dass mir seine frühen Werke ehr zusagen aber es war eher unwahrscheinlich, dass ich etwas von ihm lesen würde, das mir nicht aufgetragen wurde, nach der Klausur war das dann quasi ganz abgeschrieben.
    Aber so bin ich, Auch Dalì mochte ich nie besonders, aber als ich erfuhr, dass er nur so malte, weil sich diese Bilder verkauften, und er seinen eigentlichen Malstil dafür ablegte, mochte ich ihn garnicht mehr. Ich streite nicht ab, dass die Bilder gut sind, aber ich mag sie nicht.
    Eigentlich hoffe ich für mich, dass ich das irgendwann ablegen kann, und Kunst geniessen, um der Kunst willen, aber wie gesagt, es ist ja noch Zeit.

  8. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    .@Dastin.


    ich bin immer noch idealistisch und hoffe, dass sich das niiie legt. Meine Eltern haben mir auch so manch Seltsames gesagt..
    , wahrscheinlich sage ich heute Seltsames meinen Kindern..

    Und Dalis Werke finde ich auch so was von SCHEUSSLICH und Dali selbst auch..uuuuargh und dazu stehe ich...und auch nicht allein mit dieser Meinung, aber auch das könnte ich, so glaube ich, aushalten..

    @ Wales

    Ja, " Crazy " habe ich gerne gelesen, meine Tochter gab es mir.
    Geändert von Inaktiver User (04.12.2006 um 10:44 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Bist du verwandt mit J.D., oder warum echauffierst du dich so?
    Nein, leider nicht
    und echauffieren sieht bei mir ganz anders aus.

    Und:ich habe erklärt, warum mir der Fänger nicht gefallen hat.
    Ja, im Nachhinein schon.

    Was mir auch nicht gefällt ist, wenn Menschen Literatur, nur weil sie eben zur klassischen Literatur zählen hochloben ,und sich über Menschen zu stellen versuchen, die eben genau diese zu kritisieren wagen.
    habe ich noch nie gemacht, da müsste ich mich ja zuerst einmal über mich selber stellen.


    Unqualifiziert....., nun ja, liegt wieder im Auge des Betrachters.
    Stimme ich auch zu.
    Es war und ist meine subjektive Meinung.

  10. User Info Menu

    AW: muss ich Hesse mögen.....?

    Guten Morgen,

    Ihr habt ja schon fleissig weiter diskutiert.
    Ich möchte noch eines hinterher schieben, damit ich nicht missverstanden werde:

    Ich blende das Leben von Autoren und Künstlern nicht aus!
    Ich trenne zwar Werk und Leben, dh wenn ich das Werk eines Künstlers besprechen würde, würde ich kein Wort über seine Biografie verlieren, sondern dies nur auf Wunsch tun, wenn mich jemand nach der Biografie fragt.
    Aber ich beurteile die Personen schon auch nach Letzterem.

    Wobei ich nicht ganz konsequent bin, gebe ich selber zu: Caravaggios Bilder liebe ich, obwohl er wohl ziemlich kopflos gelebt hat.
    Die Bilder von Francis Bacon finde ich manieriert, und denke mir, das passt wie die Faust aufs Auge zu diesem Typen.

    Ich sehe es nicht so, dass Künstler oder Genies ein wenig verrückt sein dürften. Ich habe an kreative Menschen die gleichen Ansprüche wie an jeden anderen Menschen auch, nämlich, sich selbst auch kritisch zu hinterfragen.
    Wenn Leute das nicht tun, oder grobe Charakterfehler haben, macht das ihr Werk für mich eher uninteressant.

    Viele Grüsse, Neko

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