Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 19
  1. Inaktiver User

    Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Liebe Leserinnen und Leser,

    ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin...

    Sonst bittre an die rechte Stelle verschieben..

    Während meiner Schulzeit las ich Faust I von Goethe und besonders sind mir diese Verse in Erinnerung geblieben (ab 1698)

    Und Schlag auf Schlag!
    Werd ich zum Augenblicke sagen:
    Verweile doch! du bist so schön!
    Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
    Dann will ich gern zugrunde gehn!
    Dann mag die Totenglocke schallen,
    Dann bist du deines Dienstes frei,
    Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
    Es sei die Zeit für mich vorbei!

    Wie interpretier ich denn das am besten?
    Heißt das, dass dann, wenn alles schön ist, alles zu Ende geht?

    Was kann ich daraus für mein Leben mitnehmen?

    Vielen Dank für jeden Tipp!


    Charlotte

  2. User Info Menu

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    ...wenn ich so weit bin, den Moment genießen zu können- so, wie er ist...dann kann ich gehen...

  3. Inaktiver User

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Aber.. brish..
    dann ist das Ziel sozusagen zum Löffel abgeben erreicht?

  4. Inaktiver User

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Ich weiß nicht, ob Du daraus eine Lehre für Dein Leben ziehen solltest, das ist nämlich ein Teil des Paktes, den Faust mit dem Teufel schließt.

  5. Inaktiver User

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Genau!

    Bitte nicht aus dem Zusammenhang "rupfen"!

  6. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Faust meint: wenn er einen Moment erlebt, der so schön ist, dass er ihn für immer festhalten will - in dem Moment soll er dem Teufel gehören.

    Fürs Leben lernen kann man daraus, dass man sich an nichts und niemanden klammert - jeden Moment als ein Geschenk nimmt - und dieses Geschenk wieder gehen lässt.

    So wie die Stundenblumen in "Momo" von Michael Ende: jede Blume ist einzigartig, wunderschön - und nach einer Stunde vorbei. Man könnte eigentlich "Momo" im Ganzen als Kommentar zu jener Stelle im Faust lesen.

    gruss, barbara

  7. User Info Menu

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie interpretier ich denn das am besten?

    Und Schlag auf Schlag!
    Werd ich zum Augenblicke sagen:
    Verweile doch! du bist so schön!
    Dann magst du mich in Fesseln schlagen, ...


    Auf den ersten Blick so aus dem Zusammenhang gerissen könnte man ja meinen, da gehe es womöglich um BDSM-Freuden. Aber Und Schlag auf Schlag! gehört noch zu

    Mephisto: Topp!
    Faust: Und Schlag auf Schlag!

    also dem Abschluss der Wette:

    Faust:
    Werd ich zum Augenblicke sagen:
    Verweile doch! du bist so schön!
    Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
    Dann will ich gern zugrunde gehn!


    Wenn es Mephisto also gelingen sollte, dem lebensmüden Faust noch einen freudevollen Moment zu bescheren, dann hat Mephisto seinen Part des Vertrages erfüllt und Faust ist bereit zu sterben und nach seinem Tod im Gegenzug Mephisto zu Diensten zu sein.
    "...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
    (Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')

  8. Inaktiver User

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Vielen, vielen Dank..
    ihr habt mir echt wieder auf die Sprünge geholfen..

    Gerade das:
    wenn er einen Moment erlebt, der so schön ist, dass er ihn für immer festhalten will - in dem Moment soll er dem Teufel gehören.

    Fürs Leben lernen kann man daraus, dass man sich an nichts und niemanden klammert - jeden Moment als ein Geschenk nimmt - und dieses Geschenk wieder gehen lässt.
    Finde ich sehr schön..

    Jetzt bin ich wieder leichter..


  9. Moderation

    User Info Menu

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Fausts Natur ist das Streben, die Suche, die Veränderung, und auch die Unzufriedenheit. Wenn er jemals irgendwo "ankommt", zum Stillstand kommt, etwas "gut genug" für ihn ist -- das ist das Ende, der Tod seines Selbst.

    Das ist die Wette, die er mit Mephisto eingeht: Daß selbst der Teufel, der über alle Lust und allen Reichtum der Welt herrscht, den "faustischen" Drang nach Wissen, Erkenntnis (Sinnsuche?) nicht wird stillen können.

    Dahinter liegt eine Verachtung der körperlichen Welt, von der Faust sicher ist, daß sie ihn nie wird halten können.

    Als Jugendliche habe ich das sehr bewundert, diese Entschlossenheit, es nie genug sein zu lassen, diese Unbedingtheit des Strebens. Heute sehe ich darin eine Art von Hochmut. Nicht per se verwerflich -- ein bißchen Hochmut braucht man, wenn man über Grenzen hinausgehen will -- aber wenn man sich seiner Sache so sicher ist, sich dafür auf einen Handel mit dem Teufel einzulassen, hat man's übertrieben.

    Ich sähe zwei Lehren darin. Die eine ist der Wert der Dynamik, eine Erinnerung daran, daß es weitergeht, daß hinter jedem Horizont ein neuer ist, daß es immer mehr und mehr zu entdecken gibt. Die andere ist die Warnung vor dem Hochmut, und was sie mit der Umgebung (Gretchentragödie) anstellt.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. Inaktiver User

    AW: Faust I - Verweile doch! du bist so schön

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Fausts Natur ist das Streben, die Suche, die Veränderung, und auch die Unzufriedenheit. Wenn er jemals irgendwo "ankommt", zum Stillstand kommt, etwas "gut genug" für ihn ist -- das ist das Ende, der Tod seines Selbst.

    Das ist die Wette, die er mit Mephisto eingeht: Daß selbst der Teufel, der über alle Lust und allen Reichtum der Welt herrscht, den "faustischen" Drang nach Wissen, Erkenntnis (Sinnsuche?) nicht wird stillen können.

    Dahinter liegt eine Verachtung der körperlichen Welt, von der Faust sicher ist, daß sie ihn nie wird halten können.
    Du meinst dass fü+r Faust allein das Wissen zählt und damit Gefühle, Leben, also alles, was Grtechen verkörpert, nicht sein Streben ist?

    Als Jugendliche habe ich das sehr bewundert, diese Entschlossenheit, es nie genug sein zu lassen, diese Unbedingtheit des Strebens. Heute sehe ich darin eine Art von Hochmut. Nicht per se verwerflich -- ein bißchen Hochmut braucht man, wenn man über Grenzen hinausgehen will -- aber wenn man sich seiner Sache so sicher ist, sich dafür auf einen Handel mit dem Teufel einzulassen, hat man's übertrieben.
    Ich hatte das immer so aufgefasst, dass man sobald ein Traum erfüllt ist, davon ausgehen muss, dass das nächste Loch wieder kommt.

    Ich sähe zwei Lehren darin. Die eine ist der Wert der Dynamik, eine Erinnerung daran, daß es weitergeht, daß hinter jedem Horizont ein neuer ist, daß es immer mehr und mehr zu entdecken gibt. Die andere ist die Warnung vor dem Hochmut, und was sie mit der Umgebung (Gretchentragödie) anstellt.
    Dass mit dem Horizont finde ich sehr schön, denn damit geht es weiter und es hilft einem neues zu entdecken.
    Hochmut... aber die Umgebung ist etwas sehr wichtiges...

    Danke!

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •