@EllkeColonnas Ausführungen zu Montherlant kommen mir auch entgegen, nur - kann man Verhaltensweisen aus vergangener Zeit, die vielleicht sogar vor dem eigenen Geburtstag liegen, als Massstab nehmen, sicher, man kann und darf und soll. Aber dennoch, er hat, soweit ich mich erinnern kann, sein Verhalten nicht als Norm und gerechtfertigt beschrieben.
Ich finde schon, dass Montherlant seine Ansichten in der Person Costals darlegt und keinesfalls augenzwinkernd.
Selbstverständlich sind Bücher immer auch im Rahmen der Zeit zu verstehen, und als Montherlant diese Trilogie schrieb, war Homosexualität für die Betroffenen ein grosses Problem und nicht offen lebbar. Jedoch hat er das Bild der Frauen als ein zu verachtendes Geschlecht gezeichnet, und nicht damit in Zusammenhang gebracht, dass seine erotischen Gefühle von ihnen nicht wirklich berührt wurden. Dabei, was einem Menschen seiner Intelligenz und Bildung unmöglich entgangen sein kann, zusätzlich ausser acht lassend, welchen Zwängen Frauen unterworfen waren.
Das ändert allerdings nichts daran, dass ich seine Schreibkunst sehr schätze.
Colonna
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15.10.2006, 14:25Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
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15.10.2006, 14:52
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Hallo,
zum Thema unsympathische Protagonisten. Ich glaube, dass kommt ganz aufs Buch an. Z.B. fand ich "Atonement" von Ian McEwan (Abbitte, glaube ich, in deutsch) furchtbar, weil ich schon dieses Goer nicht mochte. Aber es hatte eben ausserdem noch andere Fehler, z.B. dass ueber hundert Seiten eine Szene beschrieben und auch nicht beschrieben wurde. Das "Ereignis" wurde die ganze Zeit von allen Seiten beleuchtet, aber es wurde nicht erzaehlt, was "das Ereignis" nun war. Wahrscheinlich sollte das die ganze Sache spannend machen, aber ich fand es einfach totlangweilig. Andererseits muss ich eine Person nicht ablehnen, wenn ich das Buch nicht mag. "The Tiime Traveler's Wife" fand ich furchtbar, obwohl mir die Frau wohl gefallen hat.
LG, MarigoldIch lese gern und viel, am liebsten englische Bücher im Original.
Im Moment lese ich:
“The Gravedigger’s Daughter” - Joyce Carol Oates
“Third Culture Kids : The Experience of Growing Up Among Worlds” (Third Culture Kids. Aufwachsen in mehreren Kulturen) - David C. Pollock & Ruth Van Reken
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15.10.2006, 15:39Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Der Film für sich genommen war nicht schlecht, aber ich war ziemlich enttäuscht, dass gegenüber dem Buch so viel abgeändert worden ist. Wenn ich mich recht erinnere, fehlten kurz vor Schluss irgendwie so ca. zehn bis zwanzig Jahre.
Zitat von Inaktiver User
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15.10.2006, 15:44Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Ich freue mich irgendwie total darüber, dass ihn hier außer mir scheinbar doch sehr viele lieben. Jedenfalls mehr, als ihn nicht mögen.
Zitat von Inaktiver User
LG
Snint
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15.10.2006, 16:09Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
der film vermochte es leider nicht, mich auf die gleiche und intensive art zu berühren wie es das buch spielend geschafft hat. die rolle des dr. larch mit michael caine zu besetzen, war allerdings grandios. ER hatte für mich genau das, was ich mir während des lesens für diesen charakter vorgestellt hatte. die anderen kommen bei mir eher unter "ferner liefen".
Zitat von Inaktiver User
wenn dir der film schon so gefallen hat, ellke, so kann ich dir das buch also nur ans herz legen
lg
luci
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15.10.2006, 16:16Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Zitat von Inaktiver User
normalerweise denke ich mir ja immer "lesen und lesen lassen"
, aber wenn jemand irving nicht mag, finde ich das immer sehr schade. gleichzeitig weiß ich aber auch, dass er schon recht speziell ist. ich hatte selbst das gefühl, dass man die wahrheit (oder wie immer man das nennen mag. mir fehlt leider gerade das richtige wort) erst ans licht kommt, wenn man sich wirklich auf ihn einlässt. vieles erscheint im erstens moment als zu abstrus. mein erstes buch war "die wilde geschichte vom wassertrinker" und danach folgte gleich "eine mittelgewichts-ehe". ich hatte beides zusammen gekauft...eher mit der idee, ich "müsste" ja eigentlich auch mal was von john irving lesen. dass ich dann so begeistert sein würde, hätte ich vorher selbst nicht gedacht
lg
luci
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15.10.2006, 21:01Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Luci,
ich hatte im Hinblick auf John Irving fast Deine Reihenfolge. Bei mir sah es so aus:
1. Das Hotel New Hampshire
2. Die wilde Geschichte vom Wassertrinker
3. Eine Mittelgewichtsehe.
Inzwischen lese ich seine Bücher auf Englisch, aber nicht chronologisch in der Reihenfolge ihres Erscheinens. "Owen Meany" liegt noch auf meinem SUB, "Zirkuskind" und "Garp" habe ich noch gar nicht gelesen.
Ich habe zunächst den Film "Gottes Werk und Teufels Beitrag" gesehen und danach "The Cider House Rules" gelesen. Ist mir allgemein lieber so, sonst ärgere ich mich meist furchtbar über den Film, auch wenn er noch so gut gemacht ist. Es liegt einfach daran, dass sich die Bilder meiner Phantasie und die Bilder des Regisseurs oft in wesentlichen Punkten widersprechen. Ist an sich nicht tragisch, denn jeder hat seine eigene Vorstellung. Wenn es sich aber um ein Immer-wieder-Buch handelt, stören fortan bei jedem Lesen des Buches die Bilder des Regisseurs. Dann lieber gleich die Bilder des Regisseurs im Kopf haben und beim Lesen Zusatzfacetten entdecken.
Beim Lesen von "The Cider House Rules" hatte ich natürlich immer (!!!) Michael Cane vor dem inneren Auge, wenn es um Dr. Larch ging. Passte aber hervorragend.
Irving ist schon ein ganz spezieller Autor, weil er polarisiert. Ich habe bisher noch niemanden kennen gelernt, der sagte: "Irving?" Na ja, ab und zu ganz nett, schreibt recht gut, gehört weder zu meinen Lieblingsautoren, noch stößt er mich ab." Ausnahmslos alle, mit denen ich gesprochen habe, mögen ihn entweder sehr (mit Tendenz zum Lieblingsautor), oder sie können ü-ber-haupt nichts mit ihm anfangen.
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15.10.2006, 21:46Inaktiver User
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
I-jein.
Zitat von Inaktiver User
(Montherlant habe ich übrigens nie gelesen, ich wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass es ihn gibt. Dito bei "Faserland".)
Facettenreiche Umsympathen stellen die eigene Sichtweise auf den Prüfstand und zeigen andere Herangehensweisen auf, das ist schon richtig.
Wenn man's fast schulisch betreibt, könnte man durch Grenouille im "Parfum" darüber nachdenken, dass Gerüche das lymbische System auch beim Menschen sehr stark beeinflussen, obwohl das lymbische System eines der ältesten Hirnareale ist. Von daher hat z.B. der Spruch "ich kann ihn nicht riechen" durchaus seine Berechtigung.
Beim "Kohlhaas" von Kleist kann man seine eigenen Ansichten zu Recht, Unrecht, Verbrechen, Sühne überdenken. Ich finde die Thematik heute noch interessant, aber Kleists Schreibstil ist für mich so abstoßend, dass ich mich freiwillig nie wieder mit seinen Werken befassen werde.
Einerseits denke ich gerne über Literatur nach und diskutiere z.B. hier im Forum gerne mit anderen darüber. Andererseits bin ich heilfroh, das zähe Durchkauen und bis zum Exzess interpretieren Müssen des Deutschunterrichtes vor über 20 Jahren hinter mir gelassen zu haben. Deutsch war mein Hassfach, obwohl ich immer sehr gute Noten in Deutsch hatte, mir mit knapp 5 Jahren selbst das Lesen beigebracht habe und nie ohne Bücher sein möchte.
Und wenn ich an Bücher wie "Lemprières Wörterbuch" denke, das ich schlicht nicht verstanden habe, dann kann ich Deine Frage, ob ein solches Buch einen Sinn hat, für mich persönlich glatt verneinen. (Dieses spezielle Buch mag für andere Menschen einen Sinn haben, ich spreche hier nur von mir persönlich.) Wenn ich ein Buch weder stilistisch noch inhaltlich verstehe, kann sich mir der Sinn - falls vorhanden - gar nicht erschließen.
Eben, und diese Bücher verkneife ich mir. Manchmal lege ich ein Buch nach einigen Seiten weg und probiere es einige Zeit später nochmals. Es gab einige Bücher, die mir später sehr gut gefallen habe. Ich habe sie an anderer Stelle als "Phasenbücher" bezeichnet.
Zitat von Inaktiver User
Es gibt Bücher, bei denen ich quasi Widerstände überwinden muss und sie dennoch gerne lese. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich merke, dass ich meine Widerstände weder überwinden kann, noch überwinden will. In aller Regel liegt beides - nicht verwunderlich - am Schreibstil des Autors.
Ich versuche mal an zwei Beispielen zu erklären, was ich meine:
Haruki Murakami lese ich recht gerne, obwohl mich manche Szenen in seinen Büchern durchaus abstoßen oder befremden. In "Mister Aufziehvogel" hätte ich dem Protagonisten, der Stunden lang in einem Brunnen saß, manchmal gerne in den Hintern getreten. Im Brunnen - nachdem seine Frau ihn verlassen hatte - fing er auf einmal an, seine Frau als Menschen mit Bedürfnissen und Nöten wahrzunehmen. In Gedanken brachte er ihr ein Verständnis und eine Zärtlichkeit entgegen, die er im Alltag wohl aus purer Wurschtigkeit nie hätte hervorbringen können. Sehr menschlich und doch tragisch. Den Protagonisten fand ich sooo träge, stellenweise auch larmoyant und ziellos, aber es steckten Dinge und Gedanken in ihm, die mich viel haben über Beziehungen nachdenken lassen, zum Beispiel darüber, ob man manche Menschen erst nach dem Ende einer Beziehung wirklich wahrnimmt und ob das dann noch "wirklich" ist, weil die Retrospektive ja einiges verzerrt. Oder nehmt "Naokos Lächeln", auch von Murakami: Der tief depressiven Naoko hätte wohl keiner helfen können, trotzdem hätte der Protagonist in manchen Szenen entweder früher den Mund halten oder (in anderen Szenen) früher mit Naoko reden können.
Was mich bei Murakami oft so ärgerlich macht, ist, dass die Passivität seiner Protagonisten eben oft so beiläufig daherkommt und man als Leser spürt, dass diese Passivität nicht bloß schriftstellerisch konstruiert ist, sondern im wahren Leben ständig vorkommt. Ich nehme Murakami manchmal übel, dass er mich (und andere) ertappt.
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Anders Marianne Frederiksson: Ich stöbere in Buchhandlungen oft Stunden in zehn Büchern, lese sie alle an und nehme dann fünf mit nach Hause. Die Frederiksson-Bücher habe ich bisher nie bezahlt und mit zu mir genommen, weil ich das Gefühl hatte, der Stil ist nichts für mich: zu larmoyant-gefühlig-esoterisch-küchenpsychologisch für mich. Wenn große Dramen / große Gefühle nüchtern-beiläufig geschildert werden, berührt mich das viel mehr, als wenn die Tränendrüse mit Gewalt gedrückt werden soll. Na ja, neulich habe ich dann "Die Jahre mit Jan" gekauft und war bitter enttäuscht. Was hätte man aus diesem Stoff alles machen können! Immer, wenn sich die Geschichte zu einem Höhepunkt steigerte, wurde mit Null-Acht-Fünfzehn-Sätzen aus der Küchenpsychologie in drei Absätzen alles wieder gerade gerückt. Dadurch blieben die Figuren so flach, so ohne Fleisch und Blut. Was hätte man daraus machen können! Die Protagonistin wuchs mit einer geisteskranken Mutter auf, kam später zu sehr liebevollen, pädagogisch gebildeten Pflegeeltern, und trotzdem konnte sie ihr Kindheitstrauma nie ganz überwinden. Nee, die Frederiksson hat sich an diesem Thema schlicht übernommen. Erst lösen sich alle Probleme im Handumdrehen, obwohl das Kindheitstrauma immer wieder geschildert wird, und auf den letzten zehn Seiten begeht die Protagonistin plötzlich doch Selbstmord, damit das Buch ein Ende findet?
DAS ist für mich der Unterschied: Manche Szenen von Murakami bereiten mir Unbehagen, und manchmal verübele ich ihm, dass er mich ertappt. Der Frederiksson verübele ich, dass sie Stoff für ganz große Gefühle mit Küchenpsychologie abtötet.Geändert von Inaktiver User (15.10.2006 um 23:28 Uhr) Grund: Tippfehlerkorrektur
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15.10.2006, 23:16
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Nicht zu fassen, das ist der deutsche Titel? Ich kann da nur den Kopf schuetteln. Haette ich nie wiedererkannt!
Zitat von Inaktiver User
So erstaunlich finde ich das wieder nicht, immerhin ist er ein erfolgreicher Autor, das kann man nicht werden, wenn die meisten Leute einen nicht moegen.
Zitat von Inaktiver User
Kann ich so nicht zustimmen. Zugegeben, zu sienen grossen Fans gehoere ich nicht, aber er hat mich auch nicht so abgeschreckt, dass ich nie wieder was von ihm lesen wuerde. Da habe ich schon Schlimmeres erlebt.
Zitat von Inaktiver User
Ich lese gern und viel, am liebsten englische Bücher im Original.
Im Moment lese ich:
“The Gravedigger’s Daughter” - Joyce Carol Oates
“Third Culture Kids : The Experience of Growing Up Among Worlds” (Third Culture Kids. Aufwachsen in mehreren Kulturen) - David C. Pollock & Ruth Van Reken
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16.10.2006, 08:36
AW: Ueber welches Buch habt ihr euch am meisten aufgeregt?
Marianne Fredriksson: Genau! Das vorletzte Buch hat mich schon geärgert, wo die sich am Ende doch umbringt, weil sie mit den Toten redet oder was das da war und das neueste - wütend in die Ecke geschmissen, Abteilung Sozialkitsch, furchtbar...
Warte nicht darauf, dass andere Dich glücklich machen, mach es selber!


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