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  1. User Info Menu

    AW: Literatur fürs Leben

    Es passiert mir ganz selten, dass ich ein Buch nicht zu Ende lese. Aber bei Hera Lind war ich wirklich überfordert. Ich ertrug den Schrott nicht und habe die Bücher (zwei) nach 10-15 Seiten entsorgt.

    Die Beschreibung von DerMarkgraf Damit dein Buch dich findet, musst du dich aber nach Büchen umschauen, eine Leihbibliothek aufsuchen, welche kaufen, die du dann noch nicht liest finde ich nicht nur witzig, sondern für mich auch zutreffend. Ich habe ganze Regale voller Bücher, die mir zugerufen haben, "nimm mich fürs Später". (Unter anderem auch eine Bibel.) Geht ihr oft in eine Leihbibliothek? Ich mag keine gebrauchten Bücher und ich verleihe meine Bücher auch nur sehr ungerne.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Bücher von Juli Zeh finde ich nach "Adler und Engel" für mich unverdaulich..
    Mir schreit zu sehr entgegen : ich bin begabt..ich bin begabt, schaut her, wie begabt ich bin.. Mich nervt das.
    Linwen, habe mir gerade jetzt am Samstag den "Spieltrieb" gekauft. Bin jetzt echt gespannt, wie ICH das Buch empfinden werde. Sagst du, Naturbeschreibungen? Um Gottes willen! Wenn mich etwas langweilt, dann sind es Naturbeschreibungen.


    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Judith Hermann nervte mich mit ihrem Umsichselbstkreisen und Allesgrauingrausehen, obwohl ich ihre Art zu schreiben, ihre Sprache, die Ausarbeitung der Figuren gut finde..und manche gern las. Doch jede Geschichte mehr, ließ mich müder werden.
    Judith Hermann fand ICH hinreißend. Offensichtlich bin ich die Einzige, die es tut. Ihre Art, Stimmungen zu beschreiben, ja geradezu zu erzeugen, finde ich großartig.


    Und ich habe/hatte eine Schwäche für Jurek Becker! Ich liebe es, wenn tragische Geschichten ganz leichtfüßig erzählt werden. Als Becker starb, habe ich geheult als wäre ein guter Freund gestorben.

    Übersetzungen! Ich glaube, ich kenne nur schlechte. Ich habe mittlerweile keine Lust mehr, ein übersetztes Buch zu lesen. Ich merke meistens bereits nach einer halben Seite, dass ein Buch übersetzt ist. Bei einer guten Übersetzung dürfte man es gar nicht merken. Ich kann mich Zoidbergas Ausführungen nur anschließen, es genügt nicht, nur die Bedeutung der einzelnen Wörter zu kennen und die Grammatik zu beherrschen, eine gute Übersetzung ist unendlich viel mehr.
    Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
    Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

  2. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    Zitat Zitat von Zoidberga
    Oh, Linwen als Literaturübersetzerin fühle ich mich da gleich angesprochen und bin völlig begeistert, dass Du es so siehst und nicht in das "im Original lesen ist immer besser"-Horn stößt.
    Es ist tatsächlich so, dass ein guter Übersetzer nicht nur die Sprachen beherrscht (wobei, auch entgegen landläufiger Meinung, die Beherrschung der Muttersprache noch wichtiger ist, als die der Fremdsprache), sondern sich in Kultur (Alltags- und Hochkultur) und Geschichte und Mentalität des Landes auskennen muss. Er muss unterschiedliche Sprachniveaus erkennen und richtig übertragen können, Zitate und Anspielungen erkennen und korrekt übertragen und und und
    Wenn man nur Schulenglisch kann, kann man natürlich durchaus einen Roman auf Englisch lesen, aber man wird viele Schichten, Anspielungen und Referenzen (und Witze) nicht bemerken, die man bei einer guten Übersetzung eben doch mitbekommt. Irgendwas geht natürlich immer verloren, da keine Sprache eins zu eins in eine andere zu übersetzen ist, aber wie gesagt, auch beim Lesen des Originals geht dem Durchschnittsleser einiges verloren.

    Und noch was: Deine Aussagen zu Jan Weiler und Judith Hermann unterschreibe ich! Ging mir genauso.

    Dann noch was Anderes: Ich bin gestern per Zufall auf die Bestenliste der Bücher des Nordens gezappt und hängen geblieben. Dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die interessant klangen. Vielleicht hat die jemand hier gelesen und kann die positive Beschreibung von gestern bestätigen? Nämlich: Uwe Timm "Die Erfindung der Currywurst", Heinz Struck "Fleisch ist mein Gemüse" sowie Arno Schmidt, von dem ich noch nichts gelesen habe, aber finde, dass seine Literatur ziemlich interessant klingt.

    Zoidberga, genau das meinte ich bezgl. der Übersetzungen. Danke.

    Katja, ich hingegen finde, dass es es phantastische Übersetzer gibt... Ich las einmal etwas wunderbares über Übersetzer: sie wurden mit Klaviervirtuosen verglichen. Und würdest Du dann auch sagen : "Ich will das Klavierstück nur vom Komponisten selbst hören ? Das kann nur der Komponist selbst spielen ?" Der Vergleich hinkt ein wenig, aber wenn jemand gut mit Sprache umgehen kann ( ein guter Musiker ist ) das tut, was Zoidberga beschrieb, dann kannst Du auch in dem Stück versinken. Ich finde nur, dass der Name der Übersetzer auch größer geschrieben werden müsste, ihm mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.

    Zu Arno Schmidt fällt mir Zettels Traum ein. Für manche ein Alptraum..Der Bücherfresserfreund , der mir " Prägestock " war, liebte es und verstand wohl auch viel. Ich traute mich ( noch ) nicht ran.. Anderes von ihm möchte ich bald lesen.

    Katja, Naturbeschreibunhgen mag ich ..aber nicht so selbstverliebt wie ich sie von Juli Zeh auf der Frankfurter Buchmesse vor zwei Jahren vorgelesen bekam..nervig fand ichs..
    Mir ging die ganze Person auf die Nerven..Sorry, aber es war so. Frage mich auch warum immer betont wrden muss, dass sie Volljuristin sei und sooo begabt ist.. Schreibt sie gut ? Ja, ja und nein. Ist sie begabt. Ja, bestimmt. Will ich Bücher über Hunde von ihr lesen ? Nein, bestimmt nicht.

    Und Judith Hermanns Schreiben ist ansprechend und mein fast ärgerliches Ablehnen des Weltschmerzgesäusels ist auch verdächtig..erinnert mich vielleicht zu sehr an mich als Ende 20 Jährige..

  3. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    ich finde euch wunderbar!
    ich lese und staune, diese auseinandersetzung, die hier stattfindet, ist unglaublich fein, ehrlich und spannend für mich.
    markgrafs (wunderbaren!) beitrag über das gefundenwerden von büchern kann ich nur zustimmen, allein, auf beruflicher ebene ist es schwer, das umzusetzen.
    ich arbeite daran.

    ich werfe noch kurz "markus werner" in die runde. erst kürzlich hat mir eine junge frau gesagt, wie sehr sie ihn mag.

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    AW: Literatur fürs Leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ich werfe noch kurz "markus werner" in die runde. erst kürzlich hat mir eine junge frau gesagt, wie sehr sie ihn mag.
    Lustig!
    Den hätte ich jetzt fast schon zu *Männerliteratur* (nach obiger Definition des *lonesome riders*) gezählt.
    2 Männer unterhalten sich in "Am Hang" (dem vor 2-3 Jahren wohl meist-im-Kreis-verschenkte Buch Deutschlands *lach* - ich habe es aber aber zum Glück nur 3x geschenkt bekommen) das ganze Buch lang über ihre Gedanken zur Welt/zur Liebe/zum Schicksal.
    Aber das ist ja auch schon wieder ein Schweizer!

    Die Schweiz ist so miniklein und hat doch so viel mehr lesenwerte Schriftsteller (für mich zumindest), tragisch!

    Zu Juli Zeh muss ich noch sagen, dass ich ihre blumigen pausenlosen Vergleiche wirklich extrem gut finde - zumindest das!

    LG, Pulla

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    AW: Literatur fürs Leben

    Linwen, Judith Hermanns "Weltschmerzgesäusel" kann man durchaus mit Musik vergleichen - am besten mit Chopin. Wenn ich Chopin höre, werde ich melancholisch und habe keine Lust zu tanzen. Und trotzdem fühle ich mich pudelwohl. So ging es mir mit Judith Hermanns Erzählungen. Jetzt bin ich gespannt, ob sie nicht nur Chopin, sondern auch Verdi kann.

    Mit Übersetzungen scheine ich wirklich kein Glück zu haben. Zoidberga hat einen sehr wichtigen Aspekt angesprochen. Nämlich dass die Beherrschung der Muttersprache noch wichtiger sei als die der Fremdsprache. Und genau daran hapert es oft, die Übersetzter sind oft nicht einfühlsam genug und die Übersetzung ist dann nicht authentisch und hat keine Seele.
    Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
    Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

  6. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    Schön wenn Dir Judith Hermann Schreiben gefällt.. und natürlich kannst DU ihr Schreiben mit Chopin vergleichen..mir fällt es schwer.
    Du bist recht mutig mit Deinen Vergleichen.. und recht anspruchsvoll. Eine solche Bandbreite würde ich von niemandem erwarten..

    Ich verstehe Dein Übersetzerproblem nicht so recht. Es wäre einfacher zu verstehen, wenn Du ein konkretes Beispiel nennen würdest. Liest Du wirklich nur deutsche Autoren und fandest Du somit ALLE anderen Bücher, die übersetzt wurden , die genannten Klassiker z. B. alle, alle schlecht ?
    Das erstaunt mich.

    Sicher gibt es das von Dir beschriebene Phänomen. Doch sehr viele liefern doch ziemlich gute Arbeiten ab. Sonst gäbe es sicher nicht so viele begeisterte Bücherfutterer..
    Viele Autoren sind ja auch gleichzeitig Übersetzer. Beherrschen also ihre Muttersprache gut. Arno Schmidt wurde hier schon genannt.

    Vielleicht fällt Dir ein Beispiel ein, das Du schlimm fandest.

    liebe Grüße
    Linwen
    Geändert von Inaktiver User (05.09.2006 um 22:34 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    Zu " Seele " fielen mir dann Russen ein. Und dann Dostojewski. Und ich googlte nach :

    Die erste umfassende und bis heute maßgebliche Übersetzung der Werke Dostojewskis ins Deutsche wurde in den Jahren 1906 bis 1919 von Less Kaerrick unter dem Pseudonym E. K. Rahsin für den Piper Verlag unternommen. Die Übersetzerin erhielt 1960 den Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

    wieder was gelernt..

  8. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    Tja, wie übersetzt man das, habe ich gedacht, als ich folgenden Abschnitt gelesen habe:

    Zofia, das Elite-Engelein des CIA (Centrale de l’Intelligence des Anges) kommt nackt aus der Dusche. Ihre Freundin schaut sie an.

    - Tu as vraiment de beaux seins!
    - Les saints sont toujours beaux, sinon ec ne seraient pas des saints!
    - C’est ce que j’essaie de dire aux miens tous les matins devant la glace.

    Wie findet ihr eigentlich Übersetzungen mit *Fußnote unten, wo die Wortspiele erklärt werden? Mir raubt das jede Illusion, was für einen ‚ersatz‘ liest du da eigentlich, frag ich mich ab dann. Nein, dann verzichte ich lieber auf eine Kleinigkeit und werde nicht ständig erinnert, nur aus zweiter Hand zu lesen.

    Übersetzen ist wirklich ähnlich der Interpretation fremder Musikstücke: seine Gefühle in den Gefühlen eines anderen Menschen auszudrücken. Im Gegensatz zur Musik ist die Sprache aber viel deutlicher. Bei Gedichtübertragungen löst du dich in fremden Gefühle auf, treibst als osmotisches Plasma zwischen zwei Sprachflüssigkeiten.

    Zu Arno Schmidt: Acht ockergelb gebundene Anrnoschmidts grinsen vom Bücherregal rüber, fletschen fies mit den Zähnen und blaffen mich an: du bist und bleibst zu blöd für uns. So richtig fies sind die. Ich habe sie schon in die zweite Reihe verbannt. Wenn sie nicht bald die Klappe halten, sterben sie den Tod des Vergils bei booklooker.
    Geändert von Inaktiver User (05.09.2006 um 23:48 Uhr)

  9. User Info Menu

    AW: Literatur fürs Leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Wenn sie nicht bald die Klappe halten, sterben sie den Tod des Vergils bei booklooker.

    Ich dachte immer, Vergil sei am Fieber gestorben, in Kalabrien?
    Bedeutet: *Tod des Vergils*= In der Fremde?
    Oder: Unvollendet?

    Neugierig, Pulla

    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man Gedichte übersetzen können kann und lese von daher niemals übersetzte Gedichte - schade ist das!

  10. Inaktiver User

    AW: Literatur fürs Leben

    Ich lese übersetzte Gedichte- schaue mir die Originale aber an..bedauere, dass sich mir im Original sicher nicht alles erschließt..

    beneide aber immer glühend die Menschen, die sich in mehrere Sprachen " einfühlen " können.
    Am besten zweisprachig erzogen in verschiedenen Ländern gelebt...

    Aber wenn man für Worte etwas anderes einsetzt ? Muss man bestimmte Gefühlssprache erst lernen, erst leben, um manche Bücher zu mögen ( oder auch abzulehnen ) ? ( ganz abgesehen von den objektiven " lernbaren Krtikerien, die Zoidberga nannte )

    Das wurde mir bei Benn deutlich. Kann es sein, dass deshalb Bücher so unterschiedlich empfunden werden ? So dass sich z. B. Katja wohlig fühlt mit Judith Hermann, ich aber Reißaus nehmen möchte..weil ich weiß, wie schnell aus Grau Schwarz werden kann ? Und mir richtiges echtes Schwarz sowieso dann einfach lieber ist..oder so.. oder bunt oder weiß ..
    Geändert von Inaktiver User (06.09.2006 um 09:04 Uhr)

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