Mir fällt zu diesem Thema "The Crimes of Charlotte Bronte" von James Tully ein, der in einer Art Biographie das Leben der Brontes aufrollt und darüber spekuliert, nun ja, wer wen umgebracht haben könnte (die Geschwister von C.B. sind alle unter etwas dubiosen Umständen gestorben). Mir hat es sehr gut gefallen.
Gruß,
nisabelle
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07.07.2006, 10:06
Re: Suche gutes englisches Buch........
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07.07.2006, 10:37Inaktiver User
Re: Suche gutes englisches Buch........
"Disappearing acts" oder "Waiting to exhale" von Terry McMillan, die das Leben und Liebesverhalten von schwarzen Mittelschichtamerikanerinnen zwischen 30 und 40 Ende der 80er Jahre beschreibt, besonders, wie das nachhalende Gefühl - das nicht immer die gelebte Realität wiederspiegelt - unterprivilegiert zu sein, sich letztlich problematisch auf das Beziehungsverhalten zwischen schwarzen Männern und schwarzen Frauen auswirkt, da es gerade bei ersteren oft das Selbstbewusstsein und Verantwortungsbereitschaft verunsichert.
Die Sprache ist sehr schön, teilweise Umgangssprache, und die Bücher sind positiv und ich habe mich da auch in vielem wiedergefunden.
Liebe Nisabelle,
ich bin begeisterte Bronte-Leserin. Da kuck ich mal nach dem Buch. Wenn ich mich recht erinnere, sind die Bronte-Geschwister an damalig typischen klima- und frühindustriell-zivilisationsbedingten Krankheiten gestorben. In "Jane Eyre" kann man ja fast sagen, dass dies eines der zentralen Themen im ersten Teil ist. Das Thema ist als Krimi bestimmt sehr reizvoll!
Den zweiten Teil von "Jane Eyre" fand ich künstlich und konstruiert, wenn auch vielseitig und auch sehr interessant, vielleicht gerade durch die Vielschichtigkeit. Könnte da eine von Euch Fachfrauen mehr dazu sagen
?
Als Kind habe ich eine Kinderausgabe gelesen, d. h. nur den ersten Teil, der "Die Waise von Lowood" hieß, mit wunderschönen Federzeichnungen darin. Dieser Teil endet mit der Aufschrift auf Helens Grab. Da ist die Handlung ganz einfach und gerade bis auf Helens Tod hin - der möglicherweise ein Stellvertretertod für Jane ist, die ja noch für die weitere Handlung weiterleben muss und als Ich-Person auch nicht sterben kann - so meine Laiengedanken
"Die Musik des Zufalls" von Paul Auster fand ich sehr ergreifend. Ich habe dann mir auch die Noten von "Les barricade mysterieuses" besorgt und gespielt. Dieses Buch könnte ich wohl nicht auf Englisch lesen, das wäre mir zu kompliziert, denke ich! Genaugenommen ist es dann wohl auch ein Metaroman auf ein winziges Klavierstück. LG herbstblatt
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08.07.2006, 10:05Inaktiver User
Re: Suche gutes englisches Buch........
Gestern habe ich mir in unserer Stadtteilbibliothek "Die Verbrechen der Charlotte Bronte" von James Tully bestellt.
Die anderen Prequels oder Spin-offs (ich wiederhole hier um mir die Namen zu merken
) von Jane Eyre werde ich auch noch anpeilen!
Schönes Wochenende herbstblatt
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08.07.2006, 15:45
Re: Suche gutes englisches Buch........
Oh wie schön, Bronte-Fans!
Also mit "The Crimes of Charlotte Bronte" habe ich Schwierigkeiten, zumindest wenn man es nicht als völlige Fiktion liest (als fiktiver Krimi ist es natürlich okay). Ich selbst habe es nicht gelesen, weil darin mal wieder das uralte, vollkommen unhaltbare Gerücht verbreitet wird, dass Branwell und nicht Emily "Wuthering Heights" geschrieben hätte. Die Brontes sind übrigens an Schwindsucht, also Tuberkulose gestorben (und Branwell hat sich mit Alkohol und Laudanum zu Grunde gerichtet), da war nichts mysteriös. Schon ihre Mutter und ihre Schwestern sind an TB gestorben und wenn man sich die Lebensumstände im Pfarrhaus in Yorkshire von damals ansieht, dann wundert einen das nicht mehr.
Herbstblatt, ich finde den zweiten Teil von Jane Eyre unheimlich spannend, vor allem vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund. Heute liest man den Roman schnell als eine Art "Aschenputtelgeschichte", und übersieht seine Vielschichtigkeit und auch dass das Frauenbild in Jane Eyre für damalige Verhältnisse sehr modern ist. Sie träumt von Unabhängigkeit und Freiheit (die berühmte Szene auf dem Dach von Thornhill) und auch ihre (uns heute prüde vorkommende) Weigerung, die Geliebte von Rochester zu werden, zeugt von einem großen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Klar gibt's viele "Zufälle" und dramatische Begebenheiten, die in einem Roman von heute unmöglich wären, aber das gehörte eben auch zum damaligen Stil (man denke nur an Dickens, dessen Romane vor völlig unwahrscheinlichen Zufällen nur so strotzen). Und noch was, ich habe mal ein bisschen recherchiert und es gibt überraschend viele Fortsetzungen zu Jane Eyre: Hier ist eine Liste, aber die meisten haben ganz furchtbare Kritiken bekommen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann verbindet das Buch "The Story of Heathcliff's Journey Back to Wuthering Heights" von Lin Haire-Sargeant Jane Eyre, Wuthering Heights und das Leben der Brontes (und das nicht besonders überzeugend ...).
So, jetzt aber noch mal zu Dir, Keesha. Was mir noch eingefallen ist, aber was Du wahrscheinlich schon kennst, ist Michael Cunningham "The Hours", ein, wie ich finde, sehr gelungener Metaroman zu "Mrs Dalloway". Inzwischen ja auch verfilmt (Hat jemand den Film gesehen? Ist der gut?), ich habe ihn vor ein paar Jahren gelesen und fand ihn damals klasse.
Und dann noch jemand: Kate Atkinson. Gelesen habe ich bisher nur "Emotionally weird" (in dem das Literaturstudium sein Fett weg bekommt), aber "Human Croquet" und "Behind the Scenes at the Museum" stehen schon in meinem Bücherregal und warten
Die Geschichten sind sehr wild, chaotisch und merkwürdig, voller exzentrischer Charaktere, dabei witzig und überhaupt nicht flach. Sie spielt zwar mit literarischen Konventionen und Traditionen (und in "Emotionally weird" auch mit akademischen Konventionen), aber ein "richtiger" Metaroman ist es nicht, geht aber in die postmoderne Richtung und hat den typisch britischen, schrägen Humor.
Ein Metaroman, der bisher nur auf meiner Wunschliste steht ist A.N. Wilson "A jealous ghost". Eine Studentin promoviert über Henry James' "The Turn of the Screw" und nimmt dann selbst einen Job als Kindermädchen in einem Landhaus an, so dass Fiktion und Realität sich annähern. Wie gesagt, ich hab's noch nicht gelesen, will es aber auf jeden Fall noch, es klingt nicht schlecht.
Liebe Grüße
Jo
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08.07.2006, 16:38Inaktiver User
Re: Suche gutes englisches Buch........
OH Bronte Fans.... hm ich hab sowohl Jane Eyre als auch Wuthering Heights gelesen, hatte bei beiden aber keinen rechten Spaß beim Lesen. Vielleicht wirds beim zweiten Mal besser...? Ich kann mit den Mädels allgemein nicht so viel anfangen..Deine Tipps klinen super, Jo68, die beiden Romane (Meta_litWis und HenryJames) klingen superm, werd ich mir bestellen. Oder zum Geburtstag wünschen.....
Ich hab The Hours damals gesehen und viel viel viel besser gefunden als Mrs. Dalloway! Gelesen hab ichs noch nicht, könnte ich allerdings auch mal.
Schönes Wochenende, Leseratten
K.
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23.07.2006, 22:29Inaktiver User
Re: Suche gutes englisches Buch........
Liebe Jo68,
danke schön für Deine näheren Erläuterungen des 2. Teils von Jane Eyre, ich werde also darüber nachdenken!
Nun habe ich "Die Verbrechen der Charlotte Bronte" gelesen (aus der Bibliothek) und dachte ich schreibe mal hinein, dass ich nur den Anfang gelesen und dann enttäuscht diagonal darüber gestreift bin.
Was Du schreibst, liebe Jo, dass eben Branwell und zum Teil noch Nicholls die Hauptverursacher der Bücher von Emily und Charlotte Bronte sind, das finde ich auch enttäuschend, so wie ein Versuch, eben beweisen zu müssen, dass es Frauen eben nicht können.
Auch finde ich den Ansatz über das Dienstmädchen zu erzählen - das noch dazu im Buch mit dem Hilfspfarrer und Mann von Charlotte pennt, mal ordinär ausgesprochen - diese Familie so schlecht wie nur möglich zu machen, einfach nur ärgerlich und die Wortwahl mehr oder besser gesagt weniger als gewöhnlich. Vielleicht gut für Dienstmädchen
.
Wie die 3 jungen Frauen so viel Wissen "über die Welt", auch psychologisch, haben konnten, habe ich mich auch schon mal gefragt. Anne war selbst Gouvernante. "Agnes Grey" ist so für mich völlig nachvollziehbar. "Wuthering Heights" hätte ich persönlich imho für das Werk eines lebenserfahrenen älteren Menschen gehalten. Charlotte Bronte dürfte den Tod ihrer Schwestern in der Internatschule verarbeitet haben und Frauen ihrer Schicht, die gebildet aber eher arm waren, kamen ja oft als Erzieherinnen in reiche bürgerliche oder adlige Familien, also dürfte sehr viel Wissen über diesen Stand auch unter den jungen Frauen gekreist haben - einschließlich sexueller Verstrickungen in dem fremden Haushalt schon aus der Einsamkeit heraus.
Aber kenn' sich einer aus mit Schriftstellern. Sie haben wohl oft den 6. Sinn oder war es der 7., der sie eben von normalen Sterblichen unterscheidet. Sie hatten wohl auch ihre Wege an Bildung und Wissen zu gelangen (gerade in Pfarrershaushalten, wo ja auch heute noch erstaunliche Frauen entstehen, wie wir seit kürzerer Zeit alle wissen
), die uns heute, die wir alles Wissen unablässig vor die Nasen gebetet bekommen und nicht unbedingt wissender davon werden lassen
Da ich Elizabeth Gaskells "Wives and Daughters" sehr liebe, fand ich auch ihre Darstellung im Buch mehr als ärgerlich.
Die Darstellung von Mrs. Kirkpatrick/Gibson fand ich da in "Wives and Daughters" sehr fein und einfühlsam beschrieben, auch wenn mir scheint, dass Gaskell ein gewisses Widerstreben darin hatte.
Ich rate also aus eigenem und natürlich subjektivem Lesen von der Lektüre von den "Verbrechen der Charlotte Bronte" ab. Ich dachte, es wäre so einer der typischen englischen Krimis (Patricia Highsmith, Sir Arthur Conan Doyle, Agathe Christie ...) oder in Richtung Dickens, Thackeray ...
Dass der zeitige Tod der Bronte-Schwestern zeittypisch war, ist mir auch geläufig, auch dass mit Branwell wohl etwas schief lief - auch nicht ungewöhnlich für die Zeit und für einen künstlerisch hochsensiblen und dadurch leicht in Labilität verfallenden Menschen, der persönlich aus seinem Stand heraus auch nicht die allerbesten Entwicklungsmöglichkeiten hatte, zumal wenn er kein robuster Charakter war.
Der Film "The Hours" hat mir sehr gut bis verstörend beeindruckend gefallen, auch die Schauspielerbesetzung fand ich sehr gut. Ich habe ihn zweimal gesehen. Es gibt aber eine Mrs. Dalloway wirklich in einem Woolf-Buch - glaube ich mich vage zu erinnern. Der Freund von Mrs. Dalloway war der Junge, der von seiner zu Hause im reinen Mutterdasein erlöschenden Mutter, der von ihr verlassen wurde, war das nicht so? Hat sie nicht zum Schluss als alte Frau Mrs. Dalloway besucht?
Liebe Grüße herbstblatt
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04.08.2006, 00:56
AW: Suche gutes englisches Buch........
Oh, da kenne ich viele. Ich liebe englischsprachige Literatur. Und mir haben auch sowohl "The Shadow of the Wind" als auch "Possession" sehr, sehr gut gefallen.
Wenn Du "Crow Lake" von Mary Lawson noch nicht gelesen hast, solltest Du als Kanada-Fan unbedingt damit anfangen.
Und auch “The Corrigan Women” von M.T. Dohaney ist interessant.
Schoene lange, dicke Buecher sind:
“The Glass Palace” von Amitav Ghosh, spielt in Burma
"A Suitable Boy" von Vikram Seth, spielt in Indien genau wie
"A Fine Balance" von Rohinton Mistry
"Cane River" von Lalita Tademy, spielt ebenso wie
"These is my words" von Nancy Turner in den Suedstaaten der USA.
"Labyrinth" von Kate Mosse, eine Gral-Geschichte in Frankreich.
Im Moment lese ich "The Children's War" von J.N. Stroyar, eine Amerikanerin, die lange in Deutschland gelebt hat. Das Buch handelt von der Hypothese, dass die Nazis den Krieg gewonnen haetten. Hochinteressant!
Wenn Dir die Brontes nicht so gefallen, vielleicht magst Du Jane Austen. Dann kann ich Dir auch George Eliot und Anthony Trollope empfehlen.Ich lese gern und viel, am liebsten englische Bücher im Original.
Im Moment lese ich:
“The Gravedigger’s Daughter” - Joyce Carol Oates
“Third Culture Kids : The Experience of Growing Up Among Worlds” (Third Culture Kids. Aufwachsen in mehreren Kulturen) - David C. Pollock & Ruth Van Reken
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09.08.2006, 10:28Inaktiver User
AW: Suche gutes englisches Buch........
Keesha, kennst Du Diana Wynne Jones, schreibt Kinderbücher mit Zauberern und Griffins. So richtiges Lesefutter für Vielleser. Sind alle gut auf ihrer Art, saubere Sprache und witzige Plots. Von ihr sind, wie Du sicher weisst, die Vorlagen für "Das wandelnde Schloss" und "Das Schloss im Himmel".
Zitat von Inaktiver User
Nuala O'Faolains Monografie "Are You Somebody" (Nur nicht unsichtbar werden) ist zwar kurz, aber gibt viel vom irischen Lebensgeführ, wie ich es kennenlernen konnte, rüber.
"Fatherland" von Robert Harris befasst sich in Form eines Krimis damit, was wäre, wenn Deutschland den 2. WK gewonnen hätte. Sehr spannend, dicht und unheimlich wegen der Authenzität der Handlungsorte.
Es gab auch eine deutsche Übersetzung, die sehr gut war, aber das Original war doch wesentlich unheimlicher.
Magst Du Gedichte?
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09.08.2006, 23:41
AW: Suche gutes englisches Buch........
Da gibt's noch ein Neueres, aehnliche Idee, genauso unheimlich und sicher genauso gut. "The Children's War" von J.N. Stroyar 1,194 Seiten! Hervorragend!
Zitat von Inaktiver User
Ich lese gern und viel, am liebsten englische Bücher im Original.
Im Moment lese ich:
“The Gravedigger’s Daughter” - Joyce Carol Oates
“Third Culture Kids : The Experience of Growing Up Among Worlds” (Third Culture Kids. Aufwachsen in mehreren Kulturen) - David C. Pollock & Ruth Van Reken
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10.08.2006, 00:15
AW: Suche gutes englisches Buch........
'Altmodisch', aber trotzdem toll - und wunderbare Sprache: 'Cakes and Ale' von W. Somerset Maugham.
Et moi je cherche après l'âme sœur
Et moi je cherche dans l'ordinateur :-)
(Guy Béart, "Escalier B")


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