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    Schöne erste Sätze

    Häufig stehe ich vor meinem SUB und entscheide dann anhand der ersten Sätze, welches Buch gelesen wird.
    Das brachte mich auf die Idee hier einen Thread aufzumachen in dem wir uns darüber austauschen können, welche Sätze wir ansprechend finden und warum.

    Für den Anfang:
    "Man kann eigentlich ebensogut auch gleich mit Helens Briefen an ihre Schwester beginnen."

    Edward M. Forster, Wiedersehen in Howards End

    Mir gefällt dieser Satz zum Einen einfach durch die Sprache. Es ist ein schöner einfacher Satz, der aber in seiner Schlichtheit gut klingt.
    Zudem macht mich dieser Satz neugierig. Wenn man eigentlich genausogut mit den Briefen beginnen kann, kann die Geschichte offensichtlich ja auch mit etwas völlig anderem begonnen werden. Das weckt mein Interesse, denn hier scheint ja etliches zu geschehen.
    Als letztes möchte ich anführen, dass ich es immer mag, wenn ich gleich mit dem ersten Satz in die Geschichte gestellt werde.
    Die Gewohnheit, alle Dinge von der Lichtseite zu betrachten, ist mehr wert, als ein Einkommen von Tausenden. (David Hume)

  2. Inaktiver User

    AW: Schöne erste Sätze

    "Nennt mich Ismael" aus Moby Dick von Herman Melville, ganz klassisch und einfach, gefällt mir sehr.

    "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt" aus Die Verwandlung von Franz Kafka. Sagt eigentlich schon alles, ich wollte es aber nicht so recht glauben und war deshalb sehr gespannt darauf, was dort eigentlich los ist. Andere Romanfänge von Kafka finde ich ebenfalls gelungen, z.B. Ein Hungerkünstler ("In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen.") oder der berühmte Anfang von Der Prozeß ("Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet").

    "Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo.Li. Ta." aus Lolita von Vladimir Nabokov finde ich großartig. Das ist nun zwar mehr als nur ein erster Satz, aber einer meiner liebsten Romananfänge. Die Schilderung des physisch/sinnlichen Erlebens bein Aussprechen des Namens hat mich beeindruckt. Ich musste es sofort selbst ausprobieren und nachsprechen. Außerdem ist es einfach ein gelungener Einstieg in die Geschichte.

    Ach, es gibt so viele, ich kann mich gar nicht entscheiden. „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht.“ aus Der Fremde von Albert Camus oder der Anfang aus Die Blechtrommel von Günter Grass: "Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, lässt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann." gefallen mir auch sehr gut. Ebenfalls schön: "If you really want to hear about it, the first thing you'll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don't feel like going into it.“ aus The Catcher in the Rye von J. D. Salinger.

    Und noch mal zwei etwas neuere, die ich erst vor Kurzem las. "Das Haus brannte lichterloh. Nur das Holz im Kamin war unberührt.“ aus Small World von Martin Suter und ebenfalls sehr schön "First the colors. Then the humans. That's usually how I see things. Or at least, how I try. Here is a small fact: you are going to die." aus The Book Thief von Markus Zusak. Einfach, dabei aber auch ein bisschen verwirrend oder verstörend und machte mir sofort Lust auf mehr.

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    AW: Schöne erste Sätze

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    "[B]
    "Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo.Li. Ta." aus Lolita von Vladimir Nabokov finde ich großartig. Das ist nun zwar mehr als nur ein erster Satz, aber einer meiner liebsten Romananfänge. Die Schilderung des physisch/sinnlichen Erlebens bein Aussprechen des Namens hat mich beeindruckt. Ich musste es sofort selbst ausprobieren und nachsprechen. Außerdem ist es einfach ein gelungener Einstieg in die Geschichte.
    Ich liebe das! Noch schöner auf englisch:
    Lolita, light of my life, fire of my loins. My sin, my soul. Lo-lee-ta: the tip of the tongue taking a trip of three steps down the palate to tap, at three, on the teeth. Lo. Lee. Ta.
    Ich war noch Schülerin als ich das zum ersten Mal las. Unser Englischlehrer gab uns nämlich Romananfänge (längere Passagen 1-2 Seiten oder ein kurzes erstes Kapitel) und wir mußten einschätzen aus welcher Epoche der Roman stammt, wie sich die Geschichte entwickelt etc. Das fand ich damals ganz großartig und ich habe anähernd alle Romane, die er uns vorgestellt hat, danach auch ganz gelesen.

    Aber auch die anderen gefallen mir sehr!

    Von mir noch etwas Unbekanntes:

    "The past is a different country, they do things differently there"
    aus "The Go-Between" von L. P. Hartley
    asa nisi masa

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    AW: Schöne erste Sätze

    Hallo mamouna,

    ein sehr schönes Thema. Ich habe sogar mal ein Buch gelesen, das nur aus mehr oder weniger berühmten ersten Sätzen bestand.

    Mein absoluter Favorit:
    „München leuchtete.“ Damit beginnt die Erzählung „Gladius Dei“ von Thomas Mann, und im Anschluss wird auf einer Seite das leuchtende München beschrieben, und die Beschreibung endet noch mal mit denselben Worten.

    Überhaupt ist Thomas Mann mein ungekrönter Meister der ersten Sätze. Da weiß ich noch fast jeden, wenn auch nicht mehr ganz zitierfähig auswendig.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  5. Inaktiver User

    AW: Schöne erste Sätze

    @Leeremick
    Oh ja, auf englisch ist es noch schöner (leider las ich Lolita bisher nur auf deutsch). Mir begegnete der Roman auch zum ersten Mal während meiner Schulzeit, bzw. in meiner Jugend (aber nicht im Unterricht) und ich war sofort begeistert von diesem Anfang und bin ihn seitdem nicht mehr losgeworden. Es gibt so viele schöne Anfänge, aber bei diesem bin ich mir sicher, dass ich ihn nicht vergessen werde.


    Mir ist noch einer eingefallen, den ich mag. "Meine erste Erinnerung ist, dass ich unter etwas war." aus Das Schlimmste kommt noch von Bukowski.

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    AW: Schöne erste Sätze

    They had flown from England to Minneapolis to look at a toilet.

    Nick Hornby - Juliet, Naked
    nichts ist wie es scheint

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    AW: Schöne erste Sätze

    Ich hätte noch was aus trivialeren Bereichen:
    einer der ersten Sätze aus dem Buch die "Schandmaske" von Minette Walters:

    Mich interessieren nur Anfänge, denn zu Anfang
    gibt es soviel Hoffnung. Das Ende hat nichts, außer daß es
    zeigt, wie fehl am Platz diese Hoffnung war.

    ... aus dem Mund einer traurigen alten Frau. Zwei Sätze, die zeigen, wie sehr alles in ihrem Leben schiefgegangen ist, was sie angefangen hat, und daß sie nie ein glückliches Ende gefunden hat. Und auch etwas, das man selber nachvollziehen kann, wenn man an etwas gescheitert ist.

    Und ich mag den Epilog von "Die Nebel von Avalon", aber lieber auf englisch:

    [...]In my time I have been called many things: sister, lover, priestess, wise-woman, queen. Now in
    truth I have come to be wise-woman, and a time may come when these things may need to be known.[...]

    Ich habe den mal in einer Schauspielklasse rezitiert, und es hat einfach Spass gemacht, diese Worte zu sagen.
    Grüsse

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